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Kein Zeichen der SchwÀche

Freitag 9. November 2018 von Family Life Mission


Family Life Mission

Wir neigen oft dazu, nicht um Hilfe zu bitten, obwohl wir sie brĂ€uchten. Welche unbewusste BeweggrĂŒnde stecken dahinter? Wie oft hört man als Berater: „Meine Frau und ich haben seit Jahren Probleme. Ich habe sie oft gebeten, mit mir zu einem Berater zu gehen, doch sie weigert sich, andere wissen zu lassen, dass wir nicht perfekt sind. Ich glaube, sie wĂŒrde sich lieber scheiden lassen, als zuzugeben, dass wir Probleme haben.“

Dies ist nicht ungewöhnlich. Viele Paare warten, bis ihre Beziehung nur noch an einem FĂ€dchen hĂ€lt, um Hilfe zu suchen. In diesem Stadium wurden hĂ€ssliche Dinge gesagt oder getan, und es ist viel schwieriger, die Beziehung wieder herzustellen. Warum kommen sie nicht frĂŒher? Dann wĂ€re es viel leichter, und es wĂŒrde manchmal einige Jahre Leid ersparen.

Meist gestehen die Leute sich nicht ein, dass sie Hilfe brauchen, weil sie eine falsche Vorstellung darĂŒber haben, was es bedeutet, Hilfe zu suchen. Hier einige Meinungen, die sich oft in der Kindheit eingeprĂ€gt haben: – Du sollst anderen nicht zur Last fallen. Erledige es selbst. – Wenn du andere fragst, belĂ€stigst oder Ă€rgerst du sie, und sie werden dich nicht mögen. – Du musst in allem perfekt sein, sonst bist du schlecht. – Wenn du um Hilfe bittest, bist du schwach, und man wird dich nicht respektieren.

Vielleicht befĂŒrchten Sie, verstoßen zu werden, lĂ€cherlich zu sein, oder dass andere Sie nicht respektieren. Vielleicht fĂŒhlten Sie sich als Kind lĂ€cherlich oder wurden ausgelacht, wenn etwas schief lief. Und es hat diese Angst in Ihnen hervorgerufen. Sie sind fest davon ĂŒberzeugt: Ich muss andere beeindrucken, sonst bin ich blöd. Diese unbewussten Regeln erscheinen uns richtig. Das sind sie aber nicht! Sie schaden mehr als sie helfen. Sie schĂŒtzen die BedĂŒrfnisse des Egos, um anderen zu imponieren, aber Sie fĂŒhlen sich miserabel und leiden. Ist es die Sache wert?

Sich weigern, Hilfe zu suchen, fĂŒhrt zu Isolation, und diese Haltung wird als Arroganz interpretiert. Man gibt den Eindruck, perfekt zu sein – dabei sind wir alle SchĂŒler in der Lebensschule und kĂ€mpfen, um uns Wissen anzueignen. Wir sind „Lehrlinge“ in der Lebensschule. Wir sind „Werke“, die ihr Leben lang unvollendet bleiben werden. Es gibt keine wirkliche UnabhĂ€ngigkeit – wir sind alle abhĂ€ngig von etwas oder von jemandem. Wir sind alle fĂŒreinander abwechslungsweise Lehrer oder SchĂŒler. Es ist keine Schande, manchmal ein SchĂŒler zu sein! Es ist normal. Wir sind hier zum Lernen. Man kann nicht alles wissen und ein Experte in jedem Bereich sein. Es ist unmöglich! Lernen wir also, ehrlich, wahr und verletzlich zu sein, und geben wir zu, dass wir manchmal Hilfe brauchen. Vergessen wir nicht, es mindert nicht unseren Wert.

Unser Wert ist unendlich und absolut, d.h. dass wir den gleichen Wert haben, ob wir Hilfe in Anspruch nehmen oder nicht. Sobald man dies versteht, wird die Angst, schlecht abzuschneiden, schwinden. Man wird sich nicht mehr darauf konzentrieren, was andere denken, sondern darauf, zu lernen und zu wachsen.

Ihr Wunsch ist es, stark und weise zu sein? Starke und weise Menschen sind nicht die, die andere durch ihr Perfektsein beeindrucken möchten. Menschen, die andere beeindrucken wollen, haben immer Angst, Fehler zu machen. Sie denken, sie mĂŒssen perfekt sein, um einen Wert zu haben. Richtig starke Menschen haben keine Angst, etwas zu tun, und infolgedessen können sie um Hilfe bitten, schwach sein und sogar „blöd“ erscheinen. Es hat keinen Einfluss auf ihren Selbstwert. Dieser bleibt der gleiche, egal, was andere von ihnen denken. Daher erlauben sie anderen auch, nicht perfekt zu sein. Und alle mögen Leute, die echt sind und nicht versuchen, zu imponieren.

Wenn Sie um Hilfe in Gegenwart Ihrer Kinder bitten, ist es die Möglichkeit, sie zu lehren, dass sie nichts zu befĂŒrchten haben, wenn sie Fragen stellen oder zugeben, dass sie etwas nicht wissen. Und alle Eltern möchten, dass die Kinder diese Lektion frĂŒh lernen. Geben Sie keine falsche Verhaltens- und Denkmuster an die Kinder weiter!

Einige Tipps: – Wenn andere Hilfe anbieten, nehmen Sie sie an. – Vermeiden Sie aber Leute, vor denen Sie Angst haben… Sie wissen, wen ich meine! Die Leute, die schnell verurteilen oder die eh auf Sie herabschauen. Suchen Sie Menschen, denen Sie vertrauen und die Sie annehmen. – Üben Sie sich darin, um Hilfe zu bitten, und erinnern Sie sich stets daran, dass Ihr Wert unverĂ€ndert bleibt. – Was andere von Ihnen denken, spielt keine Rolle. Sie bleiben dieselbe Person; und andere können Sie nur verletzen, wenn Sie es Ihnen erlauben. Starke Menschen trauen sich, um Hilfe zu bitten. Schwache Menschen hingegen sind verĂ€ngstigt und tun es nicht. – Aus jeder Lebenssituation können wir etwas lernen, und fĂŒr jedes Problem gibt es eine Lösung.

Beginnen Sie, anderen Hilfe anzubieten. Teilen Sie mit anderen, was Sie wissen, und wenn Sie es können, helfen Sie anderen, ihre Probleme zu lösen. Gehen Sie jeden Tag einen Schritt weiter aus Ihrer Komfortzone heraus. Konzentrieren Sie sich auf andere, und nicht auf sich selbst – und nehmen Sie sich Zeit, neue Verhaltensregeln aufzustellen und die alten zu ersetzen.

Hier einige Punkte, die Sie nicht vergessen sollten: – Um Hilfe zu bitten ist keine Last. – Sie brauchen nicht perfekt zu sein, um wertvoll zu sein. – Starke Menschen trauen sich, Hilfe zu suchen. – Niemand kann völlig allein leben. Wir brauchen einander. – Seien Sie „nur“ sich selbst. Stehen Sie zu ihren Niederlagen. Es braucht viel Mut, verletzlich zu sein. – Jeder braucht hin und wieder fachliche Hilfe. Niemand ist in allen Bereichen ein Experte. Warum also lĂ€nger leiden, wenn man Hilfe in Anspruch nehmen könnte?

Quelle: Family life newsletter III/2018

 

 

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Dieser Beitrag wurde erstellt am Freitag 9. November 2018 um 19:40 und abgelegt unter Seelsorge / Lebenshilfe.