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Asia Bibi: Pakistans gerichtlicher Verrat

Dienstag 6. November 2018 von Gatestone Institute


Gatestone Institute

„Ich bitte den Pr√§sidenten der Vereinigten Staaten, Donald Trump, uns zu helfen, aus Pakistan auszureisen.“ — Ashiq Masih, der Mann von Asia Bibi. „Asia Bibi auf die ECL [No-Fly-Liste] zu setzen, ist wie ihr Todesurteil zu unterschreiben.“ — Wilson Chowdhry, Vorsitzender des Britisch-Pakistanischen Christlichen Verbandes. Blasphemiegesetze wurden in Pakistan dazu „benutzt, religi√∂se Minderheiten ins Visier zu nehmen, pers√∂nliche Rachefeldz√ľge zu verfolgen und Selbstjustiz zu √ľben. Auf der Grundlage von wenigen oder gar keinen Beweisen werden die Angeklagten darum k√§mpfen, ihre Unschuld zu beweisen, w√§hrend w√ľtende und gewaltt√§tige Mobs versuchen, Polizei, Zeugen, Staatsanw√§lte, Anw√§lte und Richter einzusch√ľchtern.“ — Amnesty International.

Die Freude √ľber den Freispruch von Asia Bibi dauerte knapp 24 Stunden. Die christliche Mutter-von-F√ľnf aus Pakistan wurde gezwungen, acht Jahre wegen angeblicher „Blasphemie“ im Gef√§ngnis zu verbringen, einen Gro√üteil der Zeit in der Todeszelle, bevor der Oberste Gerichtshof sie von jeglicher Schuld freisprach.

„Ich kann gar nicht glauben, was ich h√∂re, werde ich jetzt rausgehen? Werden sie mich wirklich rauslassen?“, sagte Asia Bibi nach dem historischen Urteilsspruch am Telefon, so die Nachrichtenagentur AFP.

Leider brachen sofort massive Stra√üenproteste extremistischer Muslime aus, um die Regierung dazu zu zwingen, ihre Freilassung zu verz√∂gern. Das Telefonnetz wurde in einigen Regionen aus „Sicherheitsgr√ľnden“ unterbrochen. Die Unruhen f√ľhrten zur Schlie√üung von Schulen in Islamabad, im Punjab und in Kaschmir. Stra√üen wurden blockiert, was Teile von Islamabad, Lahore und anderen St√§dten l√§hmte. Christliche Schulen warnten Eltern aus Angst vor Gewalt, zu kommen und ihre Kinder abzuholen. Kirchen wurden in h√∂chste Alarmbereitschaft versetzt. Demonstranten hielten Plakate, auf denen zu lesen war: „H√§ngt Asia Bibi“.

„Es wird einen Krieg geben, wenn sie Asia aus dem Land schicken“, warnte Khadim Hussain Rizvi, F√ľhrer von Tehreek-e-Labbaik Pakistan (TLP), einer islamistischen Partei, die Blasphemiegesetze unterst√ľtzt.

Drohungen von w√ľtenden Mobs, die ihren Tod forderten und vor nationalen Unruhen warnten, funktionierten offensichtlich. Pakistans Regierung, nachdem sie gesagt hatte, sie w√ľrde einen Prozess einleiten, um zu verhindern, dass Asia Bibi das Land verl√§sst, wurde nun beschuldigt, ihr „Todesurteil“ unterzeichnet zu haben.

Die Regierung erlag offenbar dem Druck und unterzeichnete eine Vereinbarung, die viele der Forderungen von Tehreek-e-Labbaik erf√ľllt. Die pakistanische Regierung versprach auch, sich einer rechtlichen Petition zur Aufhebung der Freilassung von Asia Bibi nicht zu widersetzen und ihren Namen auf die „Exit Control List“ (ECL), eine No-Fly-Liste, zu setzen, um zu verhindern, dass sie das Land verl√§sst.

„Asia Bibi auf die ECL zu setzen, ist wie ihr Todesurteil zu unterschreiben“, sagte Wilson Chowdhry vom Britisch-Pakistanischen Christlichen Verband. „Die Vereinbarung“, tweetete der Politologe Mosharraf Zaidi, „war eine ‚historische Kapitulation'“. „Es ist fast sicher, dass Bibi nach ihrem Freispruch nicht mehr im Land leben kann“, schrieb der ber√ľhmte pakistanische Schriftsteller Mohammed Hanif in der New York Times. „Ihr zu verbieten, das Land zu verlassen, gew√§hrt Tehreek-i-Labaik stillschweigend die Erlaubnis, sie zu jagen und zu ermorden“, schrieb Robert Spencer, ein Menschenrechtsaktivist und Autor von 18 B√ľchern, darunter Bestseller der New York Times.

Asia Bibis Ehemann, Ashiq Masih, hat sofort in den Vereinigten Staaten, Kanada und England Asyl beantragt. „Ich bitte den Premierminister des Vereinigten K√∂nigreichs, uns zu helfen und uns so weit wie m√∂glich Freiheit zu gew√§hren“, sagte er. „Ich bitte den Pr√§sidenten der Vereinigten Staaten, Donald Trump, uns zu helfen, aus Pakistan auszureisen“, f√ľgte er hinzu. Deshalb wird der Pakt zwischen den Islamisten und der Regierung als Verrat angesehen. „Die Vereinbarung hat mir einen Schauer √ľber den R√ľcken gejagt“, sagte Masih. „Die aktuelle Situation ist sehr gef√§hrlich f√ľr uns. Wir haben keine Sicherheit und verstecken uns hier und dort und wechseln h√§ufig unseren Standort“. Unterdessen bleibt das Schicksal von Asia Bibi „ungewiss“.

Pakistan, ein Land mit 197 Millionen Einwohnern, bewaffnet mit nuklearen Sprengk√∂pfen, und ein Verb√ľndeter des Westens, mit 97% Muslimen in seiner Bev√∂lkerung, ist durchgedreht wegen des gerechten Freispruchs dieser christlichen Frau. Nicht nur, dass das pakistanische Justizsystem sie acht Jahre lang gefoltert hat, indem es sie allein in einer fensterlosen Zelle getrennt gehalten hat. Jetzt, da Asia Bibi freigesprochen ist, gibt es unz√§hlige Tausende, die bereit sind, sie zu ermorden.

Die Islamisten scheinen zu glauben, dass es beim Freispruch von Asia Bibi um ein offeneres Pakistan, eine Niederlage f√ľr die Scharia und eine gewisse Hoffnung f√ľr die wenigen verfolgten Christen dort geht. Ihre Tortur zeigt deutlich, wie die Rechtsstaatlichkeit in Pakistan zusammengebrochen ist. Laut Amnesty International:

„Pakistans Blasphemiegesetze sind allzu breit gefasst, vage und Zwangsmittel. Sie wurden benutzt, um religi√∂se Minderheiten ins Visier zu nehmen, pers√∂nliche Rachefeldz√ľge zu verfolgen und Selbstjustiz zu √ľben. Auf der Grundlage von wenigen oder gar keinen Beweisen werden die Angeklagten darum k√§mpfen, ihre Unschuld zu beweisen, w√§hrend w√ľtende und gewaltt√§tige Mobs versuchen, Polizei, Zeugen, Staatsanw√§lte, Anw√§lte und Richter einzusch√ľchtern.“

Zu den j√ľngsten Angriffen auf pakistanische Christen geh√∂ren ein Angriff auf eine Kirche in Quetta im Dezember 2017, bei dem 9 Menschen starben; ein Selbstmordanschlag auf Christen, die im M√§rz 2016 auf einem Spielplatz in Lahore Ostern feierten und bei dem 70 Menschen starben; zwei Bombenanschl√§ge auf Kirchen in Lahore im M√§rz 2015, bei denen 14 Menschen starben; ein doppelter Selbstmordanschlag auf eine Kirche in Peshawar im Jahr 2013, bei dem rund 80 Menschen starben, und fast 40 H√§user und eine Kirche, die 2009 in der Stadt Gojra im Punjab von einem Mob verbrannt wurden, mit acht lebendig verbrannten Menschen. Im vergangenen M√§rz sprach ein pakistanisches Gericht 20 Personen frei, Teil eines Mobs zu sein, der ein christliches Paar, das f√§lschlicherweise der „Blasphemie“ beschuldigt worden war, lebendig verbrannt hatte. Das christliche Paar wurde gefoltert und ihre K√∂rper in einem Ziegelofen zu Asche verbrannt.

„Die einzige Strafe f√ľr einen Gottesl√§sterer ist die Enthauptung“, br√ľllten extremistische muslimische Sprechch√∂re auf den Stra√üen Pakistans nach dem Freispruch von Asia Bibi. Ihr Anwalt, Saif Mulook, ist bereits aus Angst um sein Leben geflohen, erkl√§rte aber, dass die Risiken die Belohnung wert seien. „Ich denke, es ist besser, als ein tapferer und starker Mann zu sterben, als als Maus und √§ngstlicher Mensch“, sagte er.

Die muslimischen Richter, die Asia Bibi freigesprochen haben, der Pr√§sident des Obersten Gerichtshofs Mian Saqib Nasir und der Richter Asif Khosa, haben ebenfalls Morddrohungen erhalten. Sie waren sich zweifellos der potenziellen Gefahr f√ľr ihr Leben bewusst, gingen aber mutig vor und gingen das Risiko ein, Ziel von gewaltt√§tigen-Gruppen zu werden.

„Sie alle drei verdienen es, get√∂tet zu werden“, sagte ein islamistischer F√ľhrer, Mohammed Afzal Qadri, zu einer Kundgebung in Lahore. „Entweder sollte ihre Security sie t√∂ten, ihr Fahrer soll sie t√∂ten, oder ihr Koch soll sie t√∂ten… Wer auch immer, wer Zugang zu ihnen hat, soll sie noch vor dem Abend t√∂ten“.

Jeden Tag riskiert Asia Bibi, von diesen Extremisten ermordet zu werden. Gef√§ngnisbeamte enth√ľllten, dass noch letzten Monat, vor ihrem Freispruch, zwei H√§ftlinge verhaftet wurden, weil sie geplant hatten, sie zu erw√ľrgen. Seit 1990 wurden in Pakistan 62 Menschen get√∂tet, nachdem sie der „Blasphemie“ beschuldigt worden waren.

Salman Taseer, ein tapferer Moslem, der Gouverneur der pakistanischen Provinz Punjab war, bezahlte mit dem Leben, nur weil er seine Unterst√ľtzung f√ľr Asia zum Ausdruck brachte; er wurde von seinem eigenen Leibw√§chter ermordet, der sagte: „Ich tat dies, weil Herr Taseer k√ľrzlich die vorgeschlagenen √Ąnderungen am Blasphemiegesetz verteidigt hat“. Malik Mumtaz Qadri, Taseers M√∂rder, der sp√§ter f√ľr das Verbrechen hingerichtet wurde, wurde in Pakistan zu einem Helden, einem „M√§rtyrer“. Eine Moschee wurde nach ihm benannt, die Leute kamen mit ihren Kindern, um ihn im Gef√§ngnis zu sehen, und er ver√∂ffentlichte CDs mit seinem Gesang.

Wenn Asia Bibi ermordet w√ľrde, w√§re es eine gigantische Niederlage f√ľr jede Art von Gerichtsverfahren und ein gigantischer Sieg gegen Christen – vergleichbar mit der Vertreibung von Christen aus ihrem Kernland im Irak.

Zum jetzigen Zeitpunkt kann man nur um Asia Bibi und andere Christen in S√ľdasien f√ľrchten. Im Westen scheint man nur ein G√§hnen daf√ľr √ľbrig zu haben, dass sie gejagt wird. Fast eine Woche lang haben gewaltt√§tige Proteste und Drohungen gegen ihr Leben die europ√§ische √Ėffentlichkeit nicht dazu bewegt, auf die Stra√üe zu gehen, um auf ihrer Freiheit zu bestehen. Vom ansonsten lautstarken UNO-Menschenrechtsrat in Genf ist keine Resolution gekommen. Es wurde kein Druck auf Pakistan ausge√ľbt, um ihre sofortige und sichere Freilassung zu gew√§hrleisten. Es wurden keine Konferenzen von EU-Beamten in Br√ľssel oder Stra√üburg einberufen.

Europ√§ische und westliche Regierungen sollten alles in ihrer Macht Stehende tun, um sie zu retten. Bieten Sie ihr eine Ehrenb√ľrgerschaft an, wie es die Stadt Paris im Jahr 2015 tat. Schirmen Sie sie in einer ausl√§ndischen Botschaft in Pakistan ab. Vor allem, gew√§hren Sie ihr Asyl in einer westlichen Demokratie.

In den letzten Jahren stand Pakistan im Mittelpunkt vieler islamistischer Versuche, die Meinungsfreiheit im Westen einzuschr√§nken. Islamistische Hardliner randalierten, als die d√§nische Zeitung Jyllands Posten Cartoons von Mohammed ver√∂ffentlichte. Geert Wilders hat im August letzten Jahres nach gro√üen Protesten in Pakistan einen Mohammed-Cartoon-Wettbewerb abgesagt. Nach dem Massaker in den B√ľros der franz√∂sischen Satirezeitschrift Charlie Hebdo kam es in Pakistan zu gewaltt√§tigen Ausschreitungen. Ein pakistanischer Minister bot jedem, der den Mann, der den Film „Innocence of Muslims“ gedreht hatte, t√∂tet, eine Pr√§mie von 100.000 Dollar. Das Wort „Blasphemie“, das √ľber dem Kopf von Asia Bibi h√§ngt, ist das gleiche wie bei extremistischen Muslimen, die den Westen ins Visier nehmen.

Die Richter sagten in ihrem Freispruch f√ľr Asia Bibi: „Sie scheint ein Mensch zu sein, mit den Worten von Shakespeares K√∂nig Lear, gegen die mehr ges√ľndigt wurde, als dass sie ges√ľndigt hat.“

Wird der Westen standfest bleiben und dieser verfolgten Christin helfen? Sie ist wir.

Giulio Meotti, Kulturredaktor f√ľr Il Foglio, ist ein italienischer Journalist und Autor. Englischer Originaltext: Asia Bibi: Pakistan’s Judicial Betrayal (5.11.2018)

√úbersetzung: Daniel Heiniger

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Dieser Beitrag wurde erstellt am Dienstag 6. November 2018 um 10:19 und abgelegt unter Christentum weltweit, Gesellschaft / Politik.