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Vergesst die Gastfreundschaft nicht!

Samstag 21. April 2018 von Landesbischof i. R. Heinrich Herrmanns


Landesbischof i. R. Heinrich Herrmanns

„Vergesst die Gastfreundschaft nicht, denn durch sie haben einige, ohne es zu ahnen, Engel beherbergt.“ (HebrĂ€er 13,2)

Der HebrĂ€erbrief, aus dem unser biblisches Wort entnommen ist, bewegt sich noch sehr nahe bei dem alttestamentlichen Opferkult. Es war ein starker, wirkungskrĂ€ftiger Traditionsstrom, der die Frömmigkeit in Israel prĂ€gte. Die vielen Weisungen zu Opfern aller Art, als SĂŒndopfer, Dankopfer, Reinigungsopfer, durch das Opfern von Tieren oder auch durch Speisopfer, waren den Menschen in Israel sehr prĂ€sent. Und auch als der römische Feldherr Titus im Jahr 70 n. Christus Jerusalem erobert hatte und den Tempel zerstören ließ, waren doch die vielen Kapitel aus den BĂŒchern Moses in der Thora nachzulesen.

Über 1000 Jahre und mehr prĂ€gten Altar und Tempel als Kultusfrömmigkeit die GlĂ€ubigen in Israel. Dort empfing man Vergebung, Loskauf von strafwĂŒrdigen Taten, man wurde wieder rein und wĂŒrdig, um in der gottesdienstlichen Gemeinde Gott zu ehren. Denn ĂŒber allem stand das

  1. Gebot: „Ich bin der Herr, dein Gott, du sollst keine anderen Götter haben neben mir.“ (2. Mose 20. 2-3). Das Heidentum mit seinen Götzen, seinen faszinierenden Riten und in Ekstase jegliche Grenzen – wie sie die Gebote kennzeichnen – ĂŒberschreitend, war eine stetige Versuchung fĂŒr die GlĂ€ubigen Israels.

Die Versuchungen heute greifen in verschiedenen Ideologien nach dem Gewissen und dem Denken der Christen in unserer Gegenwart. Sie sind in ihrer Propaganda einer gĂ€nzlich unbegrenzten Freiheit und einer totalen Selbstbestimmung ohne Gottesverantwortung ebenfalls fĂŒr große Teile der Bevölkerung attraktiv, verfĂŒhrerisch, irreleitend. Da stört nur die Frage: „Verliere ich dabei meine ewige Bestimmung, mein Heimatrecht in der ewigen Welt Gottes?“ Die ausschließliche Ausrichtung Vieler nur auf das Diesseits, auf die begrenzte Lebenszeit, verdrĂ€ngt diese Frage. Man ist mit Lebenshunger, ja mit Lebensgier ganz ausgefĂŒllt.

Der HebrĂ€erbrief richtet seine Leserschaft ganz und gar auf Christus aus. Er ist in seiner Hingabe zum Leiden und Sterben am Kreuz das abschließende Opfer – ein fĂŒr alle mal. Christus ist der Hohepriester, der aus der ewigen Welt kommt und fĂŒr die Erlösung zur ewigen Welt stellvertretend fĂŒr die Menschen eintritt. Das ist und bleibt einmalig. Er schafft den Zugang zu Gott in der Lebenszeit und fĂŒr die Ewigkeit. Zu Recht weist der HebrĂ€erbrief darauf hin, dass die alttestamentlichen Opfer immer wieder erneut wiederholt werden mussten. Auch der Hohepriester im Tempel musste jĂ€hrlich neu ein SĂŒndopfer fĂŒr seine eigene persönliche SĂŒndhaftigkeit, Versuchlichkeit und Unvollkommenheit darbringen. Christus aber ist der Schuldlose, der von Gott selbst gesandte, der letztlich nicht in die Verstrickungen einer irdischen Existenz Verfangene. Er bricht die MĂ€chte der Finsternis, das Böse mit seiner Versuchungskraft und die VergĂ€nglichkeit. Daraus geht er siegreich hervor und bahnt in der Auferstehung fĂŒr die Glaubenden den Weg zur himmlischen Welt. Wer an ihn glaubt wird in seiner Persönlichkeit geheiligt, das heißt von allem entledigt, was von dem lebendigen, heiligen Gott trennt. Unsere LebensfĂŒhrung in unserer Erdenzeit ist dann frei von jeglichen Verdienstgedanken, sondern versteht sich umfassend als Dank an Gott und Christus. So finden sich in dem abschließenden Kapitel 13 des HebrĂ€erbriefs einige Weisungen zur LebensfĂŒhrung der Christen. Worte zum liebevollem Umgang untereinander, die Ehe soll in Ehren gehalten werden, Geldgier sei zu meiden, die Lehrer des christlichen Glaubens sollen geachtet werden, die Gebete der Christen sind Lobopfer vor Gott und das Bekenntnis zu ihm ebenfalls .

Zu Beginn dieser Weisungen findet sich auch die Aufforderung „Gastfrei zu sein, vergesst nicht.“

Das war in den biblischen Zeiten ein sehr hohes ethisches Gut, wenn Christen eine Reise machen mussten, ihnen auf Zeit Unterschlupf zu gewĂ€hren. Die Missionare der ersten Jahrhunderte brauchten die Gastfreundschaft sehr dringend. Sie war die Voraussetzung, um mit dem Evangelium in Gebiete und Regionen vorzustoßen, in denen Jesus Christus noch nicht als der alleinige Herr und Erlöser bekannt gemacht worden ist.

In unseren Jahren ist bereits viel getan worden und viel nachgedacht worden zu der großen Herausforderung von Migranten, FlĂŒchtlingen, Asylsuchenden. Es ist aber auch wichtig an die Menschen bei uns zu denken, die alt geworden sind, sich zurĂŒckgezogen haben, an mancherlei Beschwernissen leiden. Da wendet sich die Mahnung zur Gastfreundschaft hin zu dem Gedanken, wen besuche ich oder auch wen lade ich ein. Es ist eine Anfrage an die Kraft der Zuwendung, die bei uns Christen wachgerufen werden kann. Wir lesen von der wachsenden Zahl von einsamen Menschen unter uns. Menschen, die sich zurĂŒckziehen, ihre Kontakte einschlafen lassen, jedoch ihr Alleinsein als Last und seelische Not empfinden. Sie sind auch eine Aufgabe fĂŒr die christliche Gemeinde, fĂŒr eine biblisch begrĂŒndete Gemeinschaft. Wenn wir nur einige auf unsere Gottesdienste, unsere Gruppen und Kreise hin neu ausrichten können, dann haben wir Gutes getan. Sodass eine neue Gastfreundschaft unter Glaubenden entsteht. Wenn dann bei Besuchen oder Einladungen auch vom christlichen Glauben selbst gesprochen wird, ein Gebet das GesprĂ€ch beschließt, dann ergibt sich auch ein Bezug zu der Anspielung, die der HebrĂ€erbrief aufgreift, dass Abraham und Lot Engel – also Gottesboten – aufgenommen haben. Das kann auch heute geschehen, wenn Jesus, unser Heiland, im GesprĂ€ch aufleuchtet.

Heinrich Herrmanns, Landesbischof i. R., Memmingen

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Dieser Beitrag wurde erstellt am Samstag 21. April 2018 um 11:25 und abgelegt unter Predigten / Andachten.