Gemeindenetzwerk

Ein Arbeitsbereich des Gemeindehilfsbundes

Drucke diesen Beitrag Drucke diesen Beitrag Artikel empfehlen Artikel empfehlen

Gott war in Christus. Die Gewissheiten der Bibel im Streit zwischen Theologie, Kirche und Gemeinde

Samstag 23. Dezember 2017 von Pastor Harm Bernick


Pastor Harm Bernick

RegelmĂ€ĂŸig zu den großen christlichen Festen erscheinen in den Magazinen religionskritische Artikel – vor Weihnachten werden dazu Zweifel an der GlaubwĂŒrdigkeit der Geburt von Jesus („Ist Jesus wirklich in Bethlehem geboren?“) oder an Bekenntnisaussagen („
 geboren von der Jungfrau Maria
“) vorgetragen. Gelegentlich tun das auch Pfarrer, in jĂŒngster Zeit kirchenleitende Persönlichkeiten in der Tagespresse. Und alle berufen sich auf Ergebnisse der sog. historisch-kritischen Forschung.

Zur Jungfrauengeburt: Nach Ansicht der historisch-kritischen Deutung hĂ€tten die biblischen Autoren durch die Aussage der Jungfrauengeburt lediglich die NĂ€he Jesu zu Gott oder – so die etwas konservativere Sicht – ihr VerstĂ€ndnis von Jesus zum Ausdruck bringen wollen. Dabei hĂ€tten sie aus der falschen Übersetzung einer alttestamentlichen Stelle eine biologische Tatsache konstruiert. Wer die Jungfrauengeburt als Faktum glaube, habe die Autoren missverstanden. Einige Beispiele:

So hatte die ehemalige Hannoversche Landesbischöfin Margot KĂ€ĂŸmann „die landlĂ€ufige Vorstellung“ der Jungfrauengeburt bestritten. Die historisch-kritische Bibelforschung habe dargelegt, dass es sich hierbei um eine Übersetzungsfrage handele. In „der damaligen hebrĂ€ischen Welt des Jesaja, den MatthĂ€us zitiert, bedeutet der Begriff ganz einfach eine junge Frau“1.

Auf die Frage, was sie zur „biblischen Überlieferung, dass Maria bei der Geburt Jesu noch unberĂŒhrt war“ glaube, antwortete sie: „Da bin ich ganz Theologin des 21. Jahrhunderts. Ich glaube, dass Maria eine junge Frau war, die Gott vollkommen vertraut hat. Aber dass sie im medizinischen Sinne Jungfrau war, das glaube ich nicht.“ Auf den Einwand des Redakteurs, es gĂ€be doch „mehrere Bibelstellen, wonach sie ihr Kind vom Heiligen Geist empfĂ€ngt. Damit scheidet Josef als Vater schon mal aus
“ antwortete sie: „Gottes Geist war sicherlich am Werk. Aber es gibt beispielsweise im MatthĂ€usevangelium eine Abstammungsliste Jesu, in der sein Vater als Abkömmling des großen Königs David ausgewiesen wird. Das eine schließt das andere nicht aus. 
 Ich denke, dass Josef im biologischen Sinne der Vater Jesu war. Gott war es im geistigen.“ 2

In einer Vorlesung fĂŒr StudienanfĂ€nger im Jahr 2015 bestreitet eine Dozentin die Jungfrauengeburt. Sie brauche die Jungfrauengeburt fĂŒr ihren Glauben nicht.

Im Dezember 2015 schreibt eine Bremer Pastorin im „Weser-Kurier“, jedes Kind wisse, dass „Maria keine Jungfrau“ und „der Heilige Geist nicht fĂŒr ihre Schwangerschaft verantwortlich“ gewesen sei. Heute könne man sagen, „was an dieser Geschichte wahr ist und was nicht“. Der moderne Mensch erwarte hier eine Ehrlichkeit seitens der Kirchen, denn „die Leute wollen nicht verĂ€ppelt werden“. Die Weihnachtsgeschichte sei ein „GlaubensmĂ€rchen“. Die Annahme, dass die biblischen Geschichten wörtlich zu verstehen seien, verortet die Theologin in der römisch-katholischen und in der russisch-orthodoxen Kirche. Ein solch „strenges SchriftverstĂ€ndnis“ sei in der evangelischen Kirche nicht mehr möglich. 3

Der reformierte Pfarrer Ulrich Klein (Bremen) wird mit den Worten zitiert, das, „was sie gesagt habe, sei in der wissenschaftlichen Theologie nichts Neues, in bestimmten Kreisen werde darĂŒber gar nicht mehr diskutiert.“ „Diese Vielfalt gehört zur evangelischen Kirche in Bremen“, sagte Bernd Kuschnerus, stellvertretender SchriftfĂŒhrer des Kirchenausschusses in Bremen. Die bremische Kirche teilte mit, in ihr „herrsche Glaubens-, Gewissens- und Lehrfreiheit. Eine Stellungnahme seitens der bremischen Kirchenleitung sei daher nicht zu erwarten.“

In einem Interview mit der „Braunschweiger Zeitung“ erklĂ€rte der Bischof der Evangelisch-lutherischen Landeskirche in Braunschweig im Januar 2016, die biblische Weihnachtsgeschichte sei eine „Legende“, und man solle die neutestamentlichen Texte nicht naturwissenschaftlich interpretieren.

Die Lutherbibel 2017, die zum 500. JubilĂ€um der Reformation am 31.10.2016 als offizieller Bibeltext der EKD vorgestellt wurde und jetzt im Buchhandel ist, erlĂ€utert zur Stelle Jes. 7,14 in einer Fußnote die ErklĂ€rung: „wörtlich: junge Frau“ und zum Begriff „Jungfrau“ unter „Sach-und WorterklĂ€rungen: „Im Neuen Testament bleibt in der Schwebe, wie sich Jesu Herkunft von Gott und seine irdische Abstammung von David zueinander verhalten. Die Aussage von der jungfrĂ€ulichen EmpfĂ€ngnis Jesu (Mt. 1,23; Lk 1,27) will nicht als biologisches Wunder, sondern als theologische Aussage ĂŒber seine göttliche Herkunft verstanden werden.“

Diese unentschlossen zwischen zwei VerstĂ€ndnissen verharrende Aussage ist der Versuch, den theologischen Sachstand aufzunehmen, ohne bibeltreue Leser zu irritieren. Das Neue Testament lĂ€sst die „Herkunft von Gott“ fĂŒr Jesus jedoch keineswegs „in der Schwebe“, sondern bezeugt sie in ĂŒberwĂ€ltigender Breite. Die Herausgeber der Lutherbibel jedoch wollen eine Festlegung zur Göttlichkeit von Jesus vermeiden, indem sie sich in Unkenntnis ĂŒber die Anteile seiner „Herkunft von Gott“ und „seiner irdischen Abstammung“ zeigen, so als ginge es hier um eine Art „Göttlichkeitsquantum“, bei dem lediglich der Umfang unklar sei. DemgegenĂŒber hat die Kirche im Jahr 451 ein bis heute gĂŒltiges Bekenntnis dazu verabschiedet, das ĂŒbrigens schon damals dieselbe Vermutung zurĂŒckgewiesen hatte. Denn sie ist kein Ergebnis der jĂŒngeren Theologie. Sie begleitet die Geschichte der Kirche seit dem Kommen Jesu. Und das GrĂŒndungsbekenntnis der lutherischen Kirche sagt, „dass Gott, der Sohn, sei Mensch geworden, geboren aus der reinen Jungfrau Maria, und dass die zwei Naturen, die göttliche und menschliche, in einer Person, also unzertrennlich vereinigt, ein Christus sind, welcher wahrer Gott und wahrer Mensch ist
“ (CA III).

Die Evangelische Kirche in Deutschland hat das entmythologisierte VerstĂ€ndnis der Geburt Jesu in ihre offizielle Bibelausgabe aufgenommen, so dass die Gottesdienst-Gemeinde in ihrem Bekenntnis kĂŒnftig zwar weiterhin „von der Jungfrau Maria“ sprechen, aber aus ihrer Bibel wissen soll, dass sie an einen „Mythos“ glaubt.

Die Frage, ob wir den Bericht von der Jungfrauengeburt wörtlich oder wie wir ihn sonst verstehen sollen, ist auch ein Thema fĂŒr Christen, die in der Bibel Gottes Wort finden und damit tagtĂ€glich leben. Sie fragen: „Ist es wirklich heilsnotwendig, an die Jungfrauengeburt zu glauben, oder ist es nicht wichtiger, zu wissen, dass Jesus lebt, dass er mich liebt und mir vergeben hat?“ Es ist Zeit, zu sagen was und warum wir glauben.

Dazu drei Fragen: (1): Worum geht es eigentlich beim Streit um die Jungfrauengeburt? So dann (2): Wunderkritik: Argumente oder Spekulation? und (3) Was dĂŒrfen wir Weihnachten 2016 noch glauben?

1. Worum geht es eigentlich beim Streit um die Jungfrauengeburt?

Zur Sorgfalt in der Textauslegung: In Jes. 7,14 steht eine Verheißung an Ahas, der in einer prekĂ€ren Lage nicht glauben will, dass Gott ein Wunder tun wird. Daraufhin kĂŒndigt Gott ihm ein Zeichen an:

„Siehe, eine Jungfrau ist schwanger und wird einen Sohn gebĂ€ren, den wird sie nennen Immanuel“.

Jahrhunderte spĂ€ter berichtet Lk 1,26f., dass „der Engel Gabriel von Gott in eine Stadt in GalilĂ€a, die Nazareth heißt, gesandt wird zu einer Jungfrau, die verlobt war mit einem Mann mit Namen Josef vom Hause David, und die Jungfrau hieß Maria“.

Lk. 1,34ff setzt nach einer Verheißung an Maria mit deren Einwand fort:

„Da sprach Maria zu dem Engel: Wie soll das zugehen, da ich doch von keinem Mann weiß?“ Darauf antwortet der Engel: „Der Heilige Geist wird ĂŒber dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich ĂŒberschatten. Darum wird auch das Heilige, das geboren wird, Gottes Sohn genannt werden.“

Dann spricht Mt 1,23 von der Geburt von Jesus:

„Als Maria, seine Mutter, dem Josef vertraut war, fand es sich, ehe er sie heimholte, dass sie schwanger war von dem heiligen Geist“. Ihrem Verlobten – Josef – bestĂ€tigt ein Engel:

„
 was sie empfangen hat, das ist von dem heiligen Geist“. Und MatthĂ€us stellt fest, dass dies die ErfĂŒllung von Jes. 7,14 ist: „Das ist aber alles geschehen, damit erfĂŒllt wĂŒrde, was der Herr durch den Propheten gesagt hat, der da spricht (Jesaja 7,14): ‚Siehe, eine Jungfrau wird schwanger sein und einen Sohn gebĂ€ren, und sie werden ihm den Namen Immanuel geben, das heißt ĂŒbersetzt: Gott mit uns.‘“ (Mt 1,22f.)

ZunĂ€chst: In Lk. 1,27.34 und in Mt. 1,18.23 wird berichtet, dass Maria Jungfrau war und dass „Jesus vom Heiligen Geist herkomme“.4 Nirgendwo im Neuen Testament wird hingegen gesagt, dass Joseph der Vater sei, vielmehr „heißt Jesus fĂŒr damaligen Sprachgebrauch völlig ungewöhnlich ‚Sohn Mariens‘“

Sodann: Was wird mit „Jungfrau“ ĂŒbersetzt? Die Vermutung, die historisch-kritische Bibelforschung habe ergeben, dass es sich um einen Übersetzungsfehler handele, ist falsch. Übersetzen konnte man immer schon. Es ist immer schon bekannt gewesen, dass in Jes. 7,14 nicht der Begriff „Jungfrau“, sondern ein anderes Wort steht. Allerdings steht hier auch nicht, dass es sich – wie Frau KĂ€ĂŸmann behauptet – „ganz einfach“ um eine junge Frau handelte. Der Begriff in Jes. 7,14 meint das ledige oder verheiratete MĂ€dchen/Frau bis es ein Kind hat. Gemeint ist eine Frau vor EmpfĂ€ngnis des ersten Kindes. Der Begriff ist zwar nicht Synonym fĂŒr „Jungfrau“. Er habe „nichts mit der Vorstellung von sexueller UnberĂŒhrtheit zu tun“, ist jedoch in den Text hineininterpretiert und die fĂŒr die damalige Zeit unwahrscheinlichste Annahme. Man muss die Verwendung des Begriffes schon sorgfĂ€ltig einschĂ€tzen: Jesaja wĂ€hlt nicht das fĂŒr die Frau, auch fĂŒr die ledige Frau und auch die werdende Mutter ĂŒbliche Wort isha: „Weib jedes Alters und Standes, verehelicht oder nicht“5, das nahezu 800 mal im Alten Testament vorkommt, sondern dieses spezielle Wort almah „das Weib, bis es ein Kind hat“, das das Alte Testament nur 9 mal verwendet.6 Dass „eine junge Frau empfĂ€ngt und ein Kind bekommt, ist ein Allerweltsgeschehen“7 und hĂ€tte keiner ErwĂ€hnung bedurft. Wozu also angesichts einer Geburt die simple Altersbestimmung „junge Frau“ hier? Es ist eine auffallende Besonderheit, dass Jesaja diesen Begriff nennt, der fĂŒr die Frau als Mutter nicht verwendet wird, der demgegenĂŒber aber eine eng eingegrenzte Gruppe von Frauen so bezeichnet, dass er ohne Zusatz auch fĂŒr „Jungfrau“ verwendet werden konnte.

Frau KĂ€ĂŸmann vermutet, dass schon in der Septuaginta eine VerĂ€nderung vorgenommen worden sei. Die Septuaginta ist eine griechische und in der Antike viel verwendete Übersetzung des Alten Testaments. Dort wird das hebr. Wort aus Jes. 7,14 almah griechisch mit „Jungfrau“ parthenos: „Jungfrau, MĂ€dchen; adj.: jungfrĂ€ulich“ wiedergegeben. Ein Fehler? Sprachwissenschaftliche Untersuchungen sind sich da keineswegs so sicher. Das hebr. Wort almah schließt die Übersetzung „Jungfrau“ grundsĂ€tzlich nicht aus: „Vom Wortsinn her könnte die griechische Übersetzung ‚Jungfrau‘ in der Septuaginta an sich die Bedeutungen sowohl des hebr. Ausdrucks betulah; „Jungfrau“ als auch des hebr. Ausdrucks almah aus Jes. 7,14 einschließen.8 Der hebr. Begriff almah und der hebr. Begriff betulah „Jungfrau“ können in 1.Mo 24,16.43 abwechselnd fĂŒr dieselbe Frau verwendet und in der griechischen Übersetzung beide Male mit parthenos: „Jungfrau“ wiedergegeben werden.9

Das Wort ist eine Art „GefĂ€ĂŸâ€œ: es ist offen fĂŒr das, was noch nicht da ist und erst durch die ErfĂŒllung eindeutig wird. Zu vermuten, deshalb sei es grundsĂ€tzlich nicht als Jungfrau zu verstehen, ist schlicht falsch. Ja, es bleibt dabei, dass das Wunder der Jungfrauengeburt durch eine Vokabel weder bewiesen noch widerlegt werden kann. Das Wunder bleibt die Torheit, unter der Gott sich verbirgt. Und ich bin mir sicher: wĂ€re es aus dem Wörterbuch zwingend mit „Jungfrau“ zu ĂŒbersetzen – die ErklĂ€rungen der historisch-kritischen Methode wĂ€ren die gleichen.

2. Wunderkritik: Argumente oder Spekulation?

Es geht also nicht um eine „Übersetzungsfrage“. Grund fĂŒr die Bestreitung ist das Weltbild der historisch-kritischen Methode, das ein Wunder grundsĂ€tzlich ausschließt. Die historisch-kritische Methode ist deshalb nicht dasselbe wie eine historisch-grĂŒndliche Forschung. Der Disput mit der Methode hat seinen Grund nicht in der historischen Forschung, nicht in der Frage der GrĂŒndlichkeit und Sorgfalt, sondern im Frage-Paradigma der Methode. Die historisch-kritische Methode ist nicht, wie der Zusatz „Methode“ vermuten lĂ€sst, ein Instrument, um Ergebnisse prĂ€ziser und jedenfalls richtiger zu ermitteln. Die historisch-kritische Methode ist einem Weltbild verpflichtet, das nur Ereignisse erfasst und glaubt, deren Verursachung restlos mit der Vernunft ermittelt werden kann. Anderes gibt es fĂŒr diese „Methode“ nicht. Sie bestimmt damit in einem Vor-Urteil, was es geben kann und was nicht.

Die historisch-kritische Methode geht deshalb von der Annahme aus, dass es keine Wunder geben könne. Nur wer diese Voraussetzung teile, könne biblische Texte angemessen verstehen. Und sie fordert, jeden Bericht unter den drei Aspekten Kritik, Analogie und Korrelation zu prĂŒfen und ihm so eine Wahrscheinlichkeit zu- oder abzusprechen.10

Unter der Voraussetzung, dass es also auch das Wunder der Jungfrauengeburt nicht gegeben haben könne, wurde der Bericht als Mythos aufgefasst: Die Autoren des Neuen Testaments hĂ€tten Wunder erfunden, um damit die Bedeutsamkeit von Jesus zum Ausdruck zu bringen. Im Sinne der Entmythologisierung suchte man nun hinter dem Text nach einer Botschaft, in der das in den Mythos – wie man sagte: eingekleidete SelbstverstĂ€ndnis des Verfassers zum Ausdruck komme und wollte dies fĂŒr das SelbstverstĂ€ndnis der heutigen Existenz furchtbar machen.11 Das nannte man seitdem „existentiale Interpretation“.

Jetzt gab es so widersprĂŒchliche Aussagen wie „Ich glaube an die Jungfrauengeburt. Aber sie ist kein biologischer Vorgang.“12 Der „Glaube“ berief sich nun nicht mehr auf ein Ereignis, sondern auf eine vermutete Absicht des Verfassers. Der „Glaube“ glaubte kein Ereignis mehr, sondern seine Bedeutung. War fĂŒr die neutestamentlichen Autoren die Deutung Folge eines Geschehens, so wurde jetzt seine Deutung Ersatz fĂŒr das Geschehen.

Mit der Entmythologisierung und der existentialen Interpretation erfolgte eine Vergeistigung13 von Tatsachenberichten: Maria ist jetzt „eine junge Frau, die insofern Jungfrau war, als sie offen war fĂŒr Gottes Heiligen Geist“, schreibt Frau KĂ€ĂŸmann. Es gibt jetzt ein spiritualisiertes VerstĂ€ndnis von „Jungfrau“. Sie sei – wie oben erwĂ€hnt – der Ansicht, dass „Gott 
 im geistigen“ Sinn der Vater Jesu sei. Meint sie: sie waren sich in ihren Ideen besonders nahe? Ist Jesus in diesem Sinne „geistesverwandt“ mit Gott? Oder steht er „geistig“ in einer NĂ€he zum Geist Gottes – aber wie dann das? Hier verflĂŒchtigt sich nach der Sache nun auch die Sprache zu einer nebulösen Spekulation: Wie soll der Geist Gottes beteiligt sein, wenn es die in Mt 1 und Lk 1 bezeugte Zeugung nicht gab? Solche Unbestimmtheit ist typisch fĂŒr die ÜberfĂŒhrung von Tatsachen in vergeistigende Vorstellungen des 20.Jahrhunderts. Da scheint es auch egal, dass „geistig“ in der deutschen Sprache fĂŒr einen intellektuellen – nicht: geistlichen – Vorgang reserviert ist. Das Wort hier zu verwenden, wirkt wie eine Art Fluchtvokabel, eine Restvermutung ohne den Anspruch, sagen zu können oder zu wollen, was das genau sei.14

Das vergeistigende VerstĂ€ndnis von Heilstatsachen ist keine Auslegung, sondern eine Interpretation: Sie sagt nicht, was da steht (Auslegung), sondern ĂŒbertrĂ€gt die Aussage des Textes in einen anderen Rahmen mit anderen Voraussetzungen und macht sie dadurch fĂŒr verschiedene Interessen verwendbar.

Ein Beispiel: Wenn biblische Berichte von ihren Ereignissen gelöst und zu einer allgemeinen „Wahrheit“ abstrahiert werden, werden sie zum Vehikel unkontrollierter Spekulation: Frau KĂ€ĂŸmann sieht in der traditionellen Darstellung der JungfrĂ€ulichkeit eine Ursache der spĂ€teren Sexualfeindlichkeit in den Kirchen. „Es gab eine Aufspaltung in die sĂŒndige Eva und die reine Maria. Die eine stand fĂŒr die VerfĂŒhrung in der Welt, die andere fĂŒr die unbefleckte EmpfĂ€ngnis.“15 KĂ€ĂŸmann vermutet, dass aus dem Bekenntnis zur Jungfrauengeburt eine Ausgrenzung der SexualitĂ€t als eines sĂŒndigen Geschehens gefolgert worden sei. Hier sind zunĂ€chst die Jungfrauengeburt und das Dogma der unbefleckten EmpfĂ€ngnis verwechselt worden. Das Bekenntnis zur Jungfrauengeburt hat nichts mit der Frage „SĂŒnde – SĂŒndlosigkeit“ zu tun. Vor allem aber zeigt die Vermutung, wie leicht von Ereignissen losgelöste Deutungen in den Sog gewĂŒnschter „Aktualisierungen“ geraten. Ohne die Sensibilisierung der SexualitĂ€t in der Neuzeit wĂ€re das Thema vermutlich niemals in den Fokus einer entsprechenden kirchlichen Kritik geraten.16

Dass das vergeistigende VerstĂ€ndnis von Heilstatsachen meist in moralisierende Apelle mĂŒndet, zeigt sich an der weiteren Interpretation entmythologisierter Texte: „Der Sinn der Weihnachtsgeschichte sei vielmehr, an Elend und arme Menschen zu erinnern“, so KĂ€ĂŸmann. Hier wird allerdings ein erhebliches Defizit an historischer Kenntnis sichtbar, denn „ein Ergebnis der wissenschaftlichen Exegese steht nun allerdings wirklich fest: Dass Jesu Familie nicht arm war. Dass auch die UmstĂ€nde der Geburt in Bethlehem nicht durch Armut bedingt waren, sagt Lukas selbst.“ 17

Im Zuge der existentialen Interpretation wird die Bibel als eine Sammlung von Weltdeutungen, menschlichen SelbstverstĂ€ndnissen und moralischen MaßstĂ€ben aufgefasst, als eine Textsammlung, die – nach der Entmythologisierung und auf die eigene Situation hin interpretiert – jede Menge Spielraum gibt, biblische Texte fĂŒr Alltagsthemen oder die eigene Meinung in Anspruch zu nehmen. Geschehnisse werden zu Denkfiguren interpretiert. Der Kulturbeauftragte der EKD, Pastor Johann Hinrich Claussen (Hamburg), erklĂ€rte kĂŒrzlich, dass er biblische Geschichten „literarisch und existenziell“ lese, „als einen mythischen Text, der eine symbolische Wahrheit in sich trĂ€gt“. 18

Beispiele dafĂŒr gibt es aus Predigten der letzten drei Jahrhunderte in FĂŒlle, und manche zeigen aus dem zeitlichen Abstand besonders, welche WillkĂŒr nach Auflösung des historischen Zusammenhangs hier regierte, wenn „der Text in den Alltag hinein geholt“ werden sollte. In der Zeit der AufklĂ€rung wurde im Advent zum Text Mt 21,8 („
 andere hieben Zweige von den BĂ€umen“) „Über den Holzdiebstahl“ gepredigt; an Epiphanias zum Text Mt 2,1ff (die drei Weisen: „
 zogen auf einem anderen Weg wieder in ihr Land“) „Von guten Warnungen“ und sozusagen zum Selbstschutz vor ÜberfĂ€llen; am 1. Ostertag predigte man „Über die Gefahr des Lebendigbegrabenwerdens“ und „Über das FrĂŒhaufstehen“ und „VernĂŒnftige Regeln fĂŒr Christen, wie sie ihre Leichen begraben sollen“ und an Pfingsten wurde zur Frage „Wie wir uns bei Gewittern fromm und vorsichtig verhalten sollen“, gepredigt.

Im Folgenden zwei Beispiele aus der Gegenwart, die zeigen, wie biblische Wunder auf „allgemeine Wahrheiten“ hin interpretiert werden:

Die Speisung der FĂŒnftausend (Joh 6,1-13 par)

„Johannes macht damit klar, wo dem Wort Jesu geglaubt wird, beginnen Menschen zu teilen. Statt auf das Wenige zu sehen, was da ist, teilen sie, und sie werden erfahren, dass es reicht. Teilen macht aus wenig mehr. Wir brauchen keine Angst zu haben, dass es nicht reicht. Wir können austeilen von dem, was wir besitzen, ohne Sorge haben zu mĂŒssen, wir kĂ€men zu kurz. Wenn wir das Wenige festhalten wollen, was wir ergattert haben, wenn wir Ă€ngstlich darauf schauen, dass wir ja selbst zu wenig haben oder vor den Riesenaufgaben, die wir erkennen können, mutlos kapitulieren möchten, macht uns jemand Mut, doch das Teilen zu wagen, und darauf zu vertrauen, dass im Wenigen, was da ist, mehr Möglichkeiten stecken, als wir glauben wollen.“

Fazit: (1) Durch Teilen werden alle satt. Und (2) in einer weiteren Abstraktion: Mit Wenigem fĂŒr andere etwas wagen ist am Ende mehr als das Eigene krampfhaft festzuhalten.

Die Hochzeit zu Kana (Joh 2,1-11)

„Das Fest muss nicht abgebrochen werden, sondern kann weitergefeiert werden. Das heißt doch wohl: wer in seinem Leben feststellt, dass Lebendigkeit und Lebensfreude allmĂ€hlich zur Neige gehen; wer sieht, wie mager das Leben daherkommt oder dass es – wie diese WasserkrĂŒge in der Geschichte – nur noch mit AlltĂ€glichem angefĂŒllt ist; wer mĂŒde daran geworden ist und schon lange nicht mehr daran glauben kann, dass das Leben noch GrĂŒnde genug hat, um gefeiert zu werden – wer soweit ist, der sollte sein Leben Jesus hinhalten, es seinem Wort aussetzen. Dann wird er feststellen, wie sich die Leere und Langeweile seines Lebens wieder fĂŒllen, wie das Leben wieder Geschmack bekommt, Lust einkehrt, wie Freude und Begeisterung wieder neu entfacht werden.“

Fazit: Es geht nicht um die AnkĂŒndigung der messianischen Zeit (die eigentliche Botschaft dieses Wunders), sondern um eine belebende und Gewinn bringende Umgestaltung des eigenen Lebens; der Fragehorizont dieser Interpretation ist erkennbar die Wohlstandskultur.

Die Entmythologisierung als Abkoppelung der Wunder von ihrem heilsgeschichtlichen Zusammenhang zeigt in den beiden o.g. Beispielen ein weiteres Problem, das die VerkĂŒndigung heute bestimmt: Eine Allegorisierung der Texte zu einem moralischen Anspruch. Lehre und Taten von Jesus werden auf ein gewĂŒnschtes Verhalten hin interpretiert. Die aus der Heilsbotschaft herausgelöste und abstrahierte Botschaft wird auf eine Belehrung ĂŒber zwischenmenschliches Verhalten hin befragt. Die beiden Beispiele zeigen: die Folge der Entmy-thologisierung ist eine Moralisierung und Gesetzlichkeit der evangelischen Predigt.

Wenn das Kommen Jesu nicht ganz von Gott ist, entsteht ein intellektueller Spiritualismus und die Botschaft wird zum Appell fĂŒr eine durch den Menschen vollzogenen (Ersatz-) Tat. Wenn das Kommen Jesu nicht ebenfalls ganz vom Menschen ist, entsteht der mystische Spiritualismus, in dem der Mensch etwas unternehmen muss, um Gott nahe zu kommen.19

Was dĂŒrfen wir Weihnachten 2016 noch glauben: Sind Heilstatsachen Illustration oder Wirklichkeit?

SelbstverstĂ€ndlich hĂ€tte Gott das Heil auch ohne (Heils-)Geschehen wirken können. Eine „sexuelle UnberĂŒhrtheit“ ist nicht Voraussetzung fĂŒr die Rettung des Menschen. Gott hĂ€tte auch eine verheiratete Frau und mehrfache Mutter wĂ€hlen können. SelbstverstĂ€ndlich wĂ€re es möglich gewesen, dass Gott auch ohne Zeugung durch den heiligen Geist und ohne das zur-Welt-Kommen durch eine noch unberĂŒhrte Frau einen Menschen aus GalilĂ€a oder irgendeinem anderen Winkel der Welt hĂ€tte bevollmĂ€chtigen können. Es gibt hier keine Notwendigkeit, außer dass die historisch-kritische Forschung sie den Verfassern des Neuen Testaments stĂ€ndig unterstellt. Die verstehen sich jedoch nicht als Interpreten, sondern als Zeugen.

Ebenso hĂ€tte er die Erlösung auch ohne Mitwirkung eines Menschen ĂŒberhaupt – durch eine ErklĂ€rung – verwirklichen können. Das Heil wĂ€re auch als Zuspruch denkbar. Gott braucht keinen Menschen. Er braucht keinen Menschen, der stirbt, damit erst dadurch Versöhnung geschieht. Er braucht ihn nicht fĂŒr sich, sondern fĂŒr uns. Und er hat es getan. Nicht als Illustration fĂŒr uns. Es war als Ereignis vor Himmel und Hölle nötig. Der Grund war die SĂŒnde und Verlorenheit des Menschen. Mehr erfahren wir nicht. Eine ErklĂ€rung ĂŒber diesen Zusammenhang zeigt die Bibel nicht. Sie bezeugt den Ereignischarakter von Geburt, Leben, Kreuz und Auferstehung von Jesus als Bezahlung fĂŒr und Sieg ĂŒber SĂŒnde, Tod und Teufel. Wer meint, es handele sich dabei um eine zu erklĂ€rende Metapher, kennt weder die Heilige Schrift, die das Heilsgeschehen bezeugt, noch die Kraft Gottes, die in ihm wirkt (Mk. 12,24).

Die vergeistigende Betrachtungsweise ist eine Folge der Ansicht, man mĂŒsse „die eigentliche Aussage“ hinter einem Text suchen. Dort lĂ€ge eine „tiefere“ Wahrheit. Der Gedanke, dass nicht gemeint sein könne, was da steht, sondern die „eigentliche Wahrheit“ hinter den Worten zu suchen sei, hat unter den großen Katastrophen, LĂŒgen, VertrauensbrĂŒchen und ihren EnthĂŒllungen im 20.Jahrhundert verstĂ€ndlicherweise immer mehr PlausibilitĂ€t entwickelt. Hier sind unsere Gewissheiten verbraucht worden.20

Und Menschen haben seitdem auch die Botschaft der Kirche mit einer neuen Vorsicht gehört. Auf die neuen Zweifel sind die Menschen „geflogen“, wie man sagt. Zweifel an dem, was bisher unverrĂŒckbar gegolten hatte, erschien plötzlich, nachdem so viel Vertrauen und Hingabe an Versprochenes verbrannt war, plausibel. Im Schatten von Abgas-Skandal, Gammelfleisch, Lustreisen auf Firmenkosten, FIFA-Skandal, Doping in Sochi und tausend anderen Meldungen, die uns allabendlich den Sachstand unserer Welt mitteilen, ist nicht verwunderlich, dass der Vertrauensverbrauch sich gegenwĂ€rtig weiter beschleunigt. Die allgemeine Skepsis gegenĂŒber Personen, Institutionen, Ideen und deren TrĂ€ger erfasste auch die Hörer der kirchlichen VerkĂŒndigung – nicht zuletzt aufgrund selbst gesĂ€ter Zweifel. Jetzt hatten Verdachtsmuster – z.B.: „Hat Jesus wirklich 5000 Menschen gespeist, oder wollten die JĂŒnger ihn mit der Geschichte nur großmachen?“ – so seltsam es klingt – plötzlich einen GlaubwĂŒrdigkeitsbonus. Das ist verstĂ€ndlich: So reagieren Menschen, die VertrauensbrĂŒche erlebt haben. Das ist ein Selbstschutz. Das mĂŒssen wir verstehen lernen und sehen: Darum ist die VerkĂŒndigung des Evangeliums nicht Belehrung, sondern immer zuerst auch Seelsorge an diesem Menschen mit dieser Geschichte.

Die Entmythologisierung und existentiale Interpretation versteckt hinter einer vergeistigten und vermeintlich anspruchsvollen Interpretation eine letzte Aporie: Sie bestreitet das Kleinere und verlangt, das GrĂ¶ĂŸere zu glauben. Der Hörer soll grĂ¶ĂŸeres „glauben“, als er aus dem Text glauben darf. Er soll glauben, dass Gott – Gott! – in die Welt – zu ihm! – gekommen ist. Aber dass er dazu eine Jungfrau wĂ€hlt, darf er nicht glauben. Er soll glauben, dass Gott ihm im Leben und Sterben – im Sterben! – zur Seite steht. Aber dass er in einer Jungfrau als Mensch ins Leben kommt – darf er nicht glauben? Wie das? Die Entmythologisierung hat ein philosophisches GlaubensverstĂ€ndnis. „Glaube“ ist die intellektuelle Aneignung einer gedachten Deutung. Hier wird Glaube zum intellektuellen Werk.

DemgegenĂŒber nehmen die biblischen Autoren fĂŒr sich in Anspruch, von sichtbaren Ereignissen in Raum und Zeit zu berichten. Die folgenden Worte beweisen keine Wunder. Aber sie zeigen, wie die Autoren der Bibel Gottes Reden selbst verstanden haben: „Zu eurer Zeit rede ich ein Wort und tue es auch, spricht Gott, der HERR.“ Hes. 12,25

Die Verfasser der Bibel zeigen, welchen Anspruch sie an ihr Werk – anders als die Entmythologisierung behauptet – gestellt hatten: „Wir sind nicht ausgeklĂŒgelten Fabeln gefolgt, als wir euch kundegetan haben die Kraft und das Kommen unseres Herrn Jesus Christus; sondern wir haben seine Herrlichkeit selber gesehen.“ 2.Petr. 1,16 (Petrus).

Und sie stehen dafĂŒr ein, dass sie in Raum und Zeit erfahren haben, dass Gott da war: „Was von Anfang an war, was wir gehört haben, was wir gesehen haben mit unseren Augen, was wir betrachtet haben und unsre HĂ€nde betastet haben, vom Wort des Lebens – und das Leben ist erschienen, und wir haben gesehen und bezeugen und verkĂŒndigen euch das Leben, das ewig ist, das beim Vater war und uns erschienen ist – was wir gesehen und gehört haben, das verkĂŒndigen wir auch euch, damit auch ihr mit uns Gemeinschaft habt; und unsere Gemeinschaft ist mit dem Vater und mit seinem Sohn Jesus Christus. (1.Joh. 1,1-3)

Schluss:

Zweifel ist kein Grund, einen Menschen zu kritisieren. Zweifel steht nicht in der Kritik des Neuen Testaments. Denn Glaube ist kein „besser wissen“ und nichts, was aus irgendeiner QualitĂ€t des Menschen erwĂ€chst. Jesus hat Zweifler nicht getadelt und schon gar nicht diskriminiert, aber auch nicht bestĂ€tigt. Und er hat den Zweifel nicht durch eine weniger anstĂ¶ĂŸige Interpretation zufrieden gestellt, sondern mit dem Zweifler um Gewissheit gerungen (Joh. 20,27-29). Zweifel können der Anfang einer KlĂ€rung sein.

Zweifel dienen aber hĂ€ufig auch der Irritation von und Kritik an Christen, um ihnen zu sagen, wie „naiv“ oder „dumm“ sie seien, wenn sie die biblischen Wunder als Tatsachen glaubten. Christen haben die Zweifel und eine FĂŒlle von irritierenden AuskĂŒnften ĂŒber die Wunder im Neuen Testament hingenommen. Sie sind dafĂŒr auch – und nicht selten von Pastoren – als nicht auf der Höhe der Zeit betrachtet worden.

Wunder und Aussagen, die mit dem jeweiligen naturwissenschaftlichen Kenntnisstand kollidieren, sind seit dem ersten Ostermorgen, als die Grabwachen bestochen wurden, schon immer kritisiert worden. Oder man hat versucht, sie aus dem Weg zu rĂ€umen. Dabei haben sich naturwissenschaftliche Vorbehalte, theologische Meinungen und vergeistigende Deutungsmuster gegenseitig befruchtet. Die Texte waren dabei selten der Grund, sondern oft nur das Feld fĂŒr die in Wahrheit im monokausalen Weltbild begrĂŒndete Infragestellung von Wundern. Insofern wird keine exegetische BemĂŒhung die Bestreitung der Jungfrauengeburt beenden.

Inzwischen gibt es Tendenzen, den Zweifel an der Wirklichkeit der Wunder zur Lehrmeinung der Kirche zu erklĂ€ren. Die Bestreitung von biblisch bezeugten Wundern geschieht in den Kirchen selbst und wird inzwischen mal in vagen Metaphern, mal propagandistisch vorgetragen. Wurden diese Aussagen bis vor kurzem nur vereinzelt von Professoren und Pfarrern geĂ€ußert, so werden sie immer hĂ€ufiger in der Breite kirchlicher Öffentlichkeit, auch unter Nutzung der Massenmedien, manchmal mit geradezu bekenntnisartigem Pathos und in ersten AnsĂ€tzen (Bremen) intolerant als die kirchliche Lehre publiziert, ohne dass dem widersprochen wird. Deshalb widersprechen wir.

Wenn ich so deutliche Kritik an der historisch-kritischen Methode ĂŒbe, dann deshalb, weil sie als Methode die Offenbarung Gottes in den Worten und Taten Jesu ausschließt. Sie stuft die Offenbarung auf eine menschlich-vernunftmĂ€ĂŸige Reflexion zurĂŒck. Und fĂŒr die Auslegung bleibt der Text bis zum Ende menschliche Reflexion. Es gibt nĂ€mlich in der Praxis – entgegen vielen Behauptungen – keine Arbeitsteilung bei der Auslegung: Erst die kritische Untersuchung des Textes und danach „den Text zum Sprechen bringen“. Es geht in dem Streit gar nicht darum, ob und wie genau die Erforschung eines Bibeltextes sein muss. Es geht hier nicht um die historisch hoffentlich grĂŒndliche Arbeit. Es geht darum, dass die historisch-kritische Methode durch den methodischen Ausschluss göttlichen Handelns (was fĂŒr ein Gedanke!) ein in seinem Wesen atheistisches Deutungsdiktat errichtet. Es geht darum, dass sie als Paradigma Offenbarung ausschließt und sie in Wahrheit auch in einer nachtrĂ€glichen Interpretation nicht mehr zulĂ€sst.21 Das ist nicht weniger, als die Bestreitung der Offenbarung, wie die Bibel sie zeigt. Die historisch-kritische Methode unterstellt die Bibel einer weltanschaulichen Bevormundung mit Absolutheitscharakter. Dies gilt auch dann, wenn gelegentliche konservative BemĂŒhungen versuchen, „beides zusammenzubringen“, wie man dann sagt. Die Methode lĂ€sst dies nicht zu.22

Dabei ist mir wichtig: Dies ist kein moralisches Urteil ĂŒber diejenigen, die die Texte im entmythologisierten Sinn verstehen – vielleicht weil es ihnen so unhinterfragbar eingeleuchtet hat, dass sie die Methode bis heute nicht in Zweifel gezogen haben. Ich meine diejenigen unter den Anwendern der historisch-kritischen Methode, die in dem, was sie als existential verstandenen Kern des JĂŒngerglaubens meinen, ermittelt zu haben, ernsthaft glauben, Gottes Mitteilung an sich persönlich gefunden zu haben. Ich möchte sie weder der OberflĂ€chlichkeit noch irgendeiner moralischen Fehlhaltung bezichtigen. Ich glaube ihnen ihren Ernst. Ich bin aber ĂŒberzeugt, dass diese Auslegung auf einem subjektiven Entschluss beruht. Ihnen möchte ich die Frage stellen: Warum diese Methode, wenn sie das Kommen Gottes in diese Welt – außer natĂŒrlich in einem dem Intellekt erschließbaren, (be-)greifbaren und von ihm beherrschbaren Rahmen – grundsĂ€tzlich ausschließt? Welches Diktat kann uns veranlassen, eine Methode anzuwenden und ihre Ergebnisse anzuerkennen, die eine solch apodiktische Forderung – und das in der Begegnung mit dem Wort Gottes – erhebt? Wie kann man „mit Hilfe“ einer Methode das Kommen Gottes angemessen verstehen, die das Kommen Gottes in unsere Welt ausschließt?

Ich meine damit nicht diejenigen, die meinen, dass wir mit dem Wort Gottes Menschen „verĂ€ppeln“ und die – in einer Leichtfertigkeit und bisweilen sensationsheischenden LautstĂ€rke – die „Ergebnisse“ der historisch-kritischen Methode als eine Art „Befreiung“ vom Wortlaut des Wortes Gottes feiern.

Es gibt beide Formen der Infragestellung: Die Juden fordern Zeichen und die Griechen fragen nach Weisheit. Darum hat Gott „die Weisheit der Welt zur Torheit“ („Torheit“: nicht „Dummheit“, sondern „völlige Verborgenheit, UnzugĂ€nglichkeit“) gemacht (1Kor 1,20ff). Und darum verbirgt er seine Wunder fĂŒr die, die nicht glauben, aufschlusssicher in Zeichen (Mt 12,38). Seine heilswirksamen Zeichen sind fĂŒr die Weisheit dieser Welt Verschlusssache. Der Weisheits- und Zeichenforderung gegenĂŒber schweigt Gott. Er verbirgt sich in seinem Kommen so, dass die Weisheit dieser Welt das Zeichen, in dem er kommt, nicht fassen kann.

Gott entzieht sich dem kategorialen Zugriff des Intellekts. Das liegt nicht an unserer Begrenztheit und UnfÀhigkeit. Es ist das Ergebnis der Begegnung des Menschen in seiner Weisheit mit Gottes Weisheit: Gott verbirgt sich in, mit und unter dem, worin die Weisheit des Menschen ihn nicht erkennt (Mt 11,25f.; 1Kor 1,18; 1Kor 2,14).

Wenn es die Jungfrauengeburt, wie sie im Alten Testament angekĂŒndigt und im Neuen Testament berichtet ist, nicht gegeben haben kann, könnte es in der Konsequenz auch keine anderen Wunder gegeben haben. 23 Wer dieses Wunder mit dem Hinweis auf biologische Grundgesetze bestreitet, wird kaum erklĂ€ren können, wie die vielen Wunder Jesu und wie Kreuz und Auferstehung zu verstehen sind. Wir mĂŒssten dann an den Glauben der JĂŒnger glauben.24

Der Vorbehalt gegen die Jungfrauengeburt trifft das gesamte Heilshandeln Gottes in der Geschichte. Wenn es keine Jungfrauengeburt gegeben haben kann, wer kam dann in der Geburt Jesu zu uns? Der Vorbehalt trifft zuletzt auch Gott selbst: Was wĂŒrde uns dann gewiss machen, dass es einen Gott gibt, der fĂŒr uns ist? Und was wĂŒrde uns gewiss machen, dass es einen Gott gibt? Ja, wir haben „nur“ die Zeugen. Wenn sie uns aber Deutungen anbieten, die auch Philosophen hĂ€tten schreiben können, dann ist die Gottesfrage immer noch offen. Dann ist das Christentum nur eine Weltanschauung, eine philosophische Reflexion der Gottesfrage. Wenn Gott nicht in Christus war – und zwar so in Christus war, dass das „in“ nicht an uns liegt, nicht an unserem Erkennen, Analysieren, Meditieren und Interpretieren, wenn Gott nicht in Christus war, und zwar so in Christus war, dass das „in“ nicht davon abhĂ€ngt, ob und wie wir es uns intellektuell aneignen, sondern an Gottes Offenbarung, die uns ergreift, ĂŒberfĂŒhrt und in seinen alles ĂŒberragenden Frieden stellt, dann sind wir allein. Wenn er aber in Christus war, dann ist die Gottesfrage ĂŒberwunden – nicht weil sie erfolgreich reflektiert worden wĂ€re, sondern weil er – GOTT – mit unbezweifelbarer Gewissheit da war.

Wenn die Kirche ihren Glauben auf die subjektive, religiöse EinschĂ€tzung einiger MĂ€nner vor 2000 Jahren grĂŒndet, deren Folgerungen ihrer Vermutung nach nur Deutung sind und keine Wirklichkeit bezeugen, und deren Interpretation keinen Raum fĂŒr die schöpferische Kraft Gottes mehr zulĂ€sst, gibt es keine Gewissheit. Dass der Heilige Geist darin wirke, ist dann Spekulation. Was Kirchenmitglieder hier glauben sollen, trifft der Begriff „GlaubensmĂ€rchen“ in vollem Ernst.

Advent: Gott kommt! Das ist die Umkehrung der Interpretation. Nicht wir analysieren und interpretieren, nicht wir ermitteln (!) und schaffen herbei, wer Gott ist oder was er tut. Das kommt in ganz umgekehrter Richtung: von ihm zu uns. Gott kommt! Er selbst! Sonst wĂŒssten wir nichts von einem Gott. Jetzt wissen wir: Er ist gekommen. Jetzt wissen wir, wer gekommen ist: der Wunder-Rat, Gott-Held, Ewig-Vater, FriedefĂŒrst (Jes. 9,5). Jetzt ist die letzte Einsamkeit dieser Welt beendet! Jetzt ist die Finsternis vertrieben! Jetzt hat der Tod verloren. Jetzt ist Gott da!

Pastor Harm Bernick ist Studienleiter in der Bodelschwingh-Studienstiftung in Marburg, Marburg, 22.12.2016

 

1 KĂ€ĂŸmann, Margot, dpa-Interview von Dezember 2002, zit. bei Österreichischer Rundfunk ORF 19. 12. 2002, Evangelische Bischöfin: Jungfrauengeburt Jesu ist nicht sexuell zu verstehen (http://religion.orf.at)

2 DER SPIEGEL Nr. 30/2013, S. 44ff.

3 idea-Spektrum 2/2016 vom 13. Januar 2016, S. 29

4 Vgl. Berger, Klaus: „Die Jungfrau Maria 
“ in: Die Tagespost, 21.12.2002, Nr. 153 (Titel wg. beleidigender Wortwahl gekĂŒrzt.)

5 Wenn nicht anders vermerkt, sind die Übersetzungen der hebrĂ€ischen Begriffe dem Wörterbuch Gesenius z.St. entnommen. Die Bezeichnung „Weib“ hat im Altertum nicht den negativen Nebenton gehabt, der ihr heute anhĂ€ngt.

6 Der Begriff aus Jes. 7,14 hat eine große NĂ€he zu „Jungfrau“. Der Begriff „junge Frau“ und der Begriff „Jungfrau“ können auch abwechselnd fĂŒr dieselbe Frau verwendet werden: 1.Mo 24,16 „Jungfrau“ und 24,43 „junge Frau“ meinen dasselbe MĂ€dchen.

 7 Berger, Klaus, a.a.O.

 8 ThWBNT, Bd. V, S.831, zum besseren VerstÀndnis hier mit erklÀrenden deutschen Begriffen ergÀnzt.

 9 ThWBNT, Bd. V, a.a.O.

10 Troeltsch, Ernst, Über historische und dogmatische Methode in der Theologie. Bemerkungen zu dem Aufsatz „Über die Absolutheit des Christentums“ von Niebergall, in: Theologie als Wissenschaft, AufsĂ€tze und Thesen, Hrsg. Gerhard Sauter, MĂŒnchen 1971, S. 105 ff. Der Hinweis mancher Exegeten und vor allem Pfarrer, die Methode habe sich seit Troeltsch verĂ€ndert, trifft nicht zu. Die Bestreitung aller Wunder einschließlich des neutestamentlichen Zeugnisses vom SĂŒhnetod und der Auferstehung Jesu erfolgt in der ganzen Breite der neutestamentlichen Theologie in Deutschland. Eher wundern sich manche Gottesdienstbesucher ĂŒber den unerklĂ€rten Zwiespalt zwischen der theologischen Kenntnis und den sonntĂ€glichen Worten ihrer Pfarrer. – Dies ist nicht der Raum, um eine differenzierte Auseinandersetzung mit der historisch-kritischen Methode der Gegenwart zu fĂŒhren. Wenn Sie nĂ€here Hinweise dazu wĂŒnschen, finden Sie hier eine Darstellung an einem jĂŒngeren Beispiel: http://www.nbc-pfalz.de/pdf/hermeneutik/bernick_toten-stille.pdf

 11 Hier wird nicht die eigentlich immer auch wichtige Frage kritisiert, was wir ĂŒber das SelbstverstĂ€ndnis eines Autors in seinem Text auch erfahren, sondern dass die existentiale Interpretation Spekulationen ĂŒber die Selbstreflexion eines Menschen vor 2000 Jahren anstellt und dies tut, nachdem sie den Wirklichkeitshorizont des Textes durch Entmythologisierung radikal reduziert und damit das Themenspektrum des Textes auf das Innenleben des Verfassers beschrĂ€nkt hatte. Damit interpretiert sie Vermutungen aus der MentalitĂ€t des 20. Jahrhunderts in einen zuvor willkĂŒrlich verkĂŒrzten Text hinein. Entsprechend gering war das Interesse an spezieller historischer Forschung. ArchĂ€ologie, Papyrologie und altorientalistische Studien waren in den 60er und 70er Jahren an theologischen FakultĂ€ten nur marginal vertreten. Als PrĂŒfungswissen kamen sie kaum vor.

 12 Steinacker, Peter, Die Bibel ist nicht Gottes Wort – Interview in Zeitzeichen. Evangelische Diskussion zu Religion und Gesellschaft, zeitzeichen.net, 20. September 2005 Die Übertragung von Berichtetem aus dem Realgeschehen in eine Idee, eine gedachte Option oder Utopie, einen möglichen Appell – und dies als die „eigentlich gemeinte Wirklichkeit“ – ist Teil eines geistesgeschichtlichen Prozesses, der in mehreren auf einander folgenden SchĂŒben und hĂ€ufig im Gefolge tiefer politischer, gesellschaftlicher und weltanschaulicher Krisen erfolgte. Voraussetzung fĂŒr ihre Akzeptanz sind eine breite Bildungskultur und die ErmĂŒdung der vorherigen und durch die neue Interpretation abgelösten Gewissheitsmuster. Absicht ist es hĂ€ufig, die bisherigen Gewissheiten durch den Versuch zu erhalten, sie in einer jetzt noch plausiblen Weise zu verstehen.

14 Die Vergeistigung – die ÜberfĂŒhrung von Tatsachenberichten in ein wie auch immer gedachtes gedankliches Geschehen – ist u.a. ein Tribut an die Auseinandersetzung mit den neuen Erkenntnissen der Naturwissenschaften in der Mitte des 20. Jahrhunderts, als das Programm der Entmythologisierung entstand. Einen Vorgang in der „geistigen“ Welt mochte man sich offenbar leichter vorstellen als in der gegenstĂ€ndlich-natĂŒrlichen Welt. Das Verfahren, fĂŒr den Glauben „Nischen“ zu suchen, hat es vielfach und in nahezu allen Frömmigkeitstypen gegeben.

 15 KĂ€ĂŸmann, Margot, dpa-Interview a.a.O.

16 Dass antike Wertungen von SexualitĂ€t vor allem in ethische MaßstĂ€be der römisch-katholischen Kirche eingeflossen sind, ist unbestritten, jedoch eine völlig andere Fragestellung, denn sie betrifft nicht die Frage der Jungfrauengeburt, sondern die spĂ€te Dogmatisierung (1854) der Lehre von der „unbefleckten EmpfĂ€ngnis“ der Maria, also der Ansicht, dass Maria ohne SĂŒnde empfangen und geboren worden sei.

17 Berger, Klaus, Die Jungfrau Maria
, Die Tageszeitung, 21.12.2002, a.a.O.

18 DER SPIEGEL Nr. 53/2015 vom 25.12.2015, S.12

19 Das hatte die christologische Grundentscheidung von Chalcedon mit der Festlegung „unvermischt“ und „ungeschieden“ einmal heilsam festgehalten Die Bestreitung der Zeugung durch den Heiligen Geist und damit derGottessohnschaft, die in ihr grĂŒndet = „darum wird er Gottes Sohn genannt werden“, Lk 1,35) eröffnet den christologischen Streit von neuem und mit allen Konsequenzen. Hier hatte die Alte Kirche in der Auseinandersetzung mit dem Adoptianismus sorgfĂ€ltiger geurteilt. (Der Adoptianismus hatte bestritten, dass Jesus Gottes Sohn sei und behauptet, er habe „in der Taufe den Geist Gottes und damit göttliche KrĂ€fte empfangen, wodurch er 
 zum Christus wurde“ und in „bildhaft-uneigentlicher Weise Sohn Gottes genannt“ worden sei. Vgl. Hauschild, W.-D., Lehrbuch der Kirchen- und Dogmengeschichte, Bd.1, S. 13f.) Die dogmatischen Konsequenzen, die sich aus der Entmythologisierung ergeben, reichen jedoch darĂŒber hinaus und stellen nahezu alle altkirchlichen Entscheidungen, auf die sich die Lutherischen Kirchen berufen, infrage.

20 Die Deutung der Theologiegeschichte berĂŒcksichtigt den Einfluss, den Ereignisse auf das Denken, auf Deutungsmuster und Plausibilisierungstendenzen genommen haben, immer noch viel zu wenig. stĂ€rker als bisher berĂŒcksichtigt, hat nicht das Denken das Leben, sondern das Leben das Denken geformt. In weit höherem Maß als bisher angenommen haben Krieg und Kriegserlebnisse, ihre Folgen in AlltagszwĂ€ngen (EheverstĂ€ndnis) und das Gericht Gottes, unter dem wir aufgrund dieser Ereignisse noch einmal in ganz anderer Weise stehen, Denken und Glauben verĂ€ndert.

21 Vgl. die Beispiele oben, u.a. zur Speisung der FĂŒnftausend und der Hochzeit zu Kana.

22 Zahlreiche Theologen, die historisch-kritisch arbeiten, kommen zu z.T. „konservativeren Ergebnissen“ als den hier genannten. Auch prominente Vertreter unter ihnen haben noch jahrzehntelang nach der Entwicklung der Entmythologisierung die Heilungs- und Naturwunder von Jesus der Methode entsprechend bestritten und existential interpretiert, die Auferstehung jedoch als „Geschehen“ gewertet. Der Ereignischarakter der Auferstehung wurde in diesem Zusammenhang unterschiedlich beschrieben: von einem im Gegensatz zu den ĂŒbrigen Wundern des NT unantastbaren weil ganz anderen Wunder bis hin zu einer Vergeistigung, wie sie gegenwĂ€rtig in manchen „Osterbotschaften“ erfolgt, z.B. „Die Auferstehung ist Gottes Aufstand gegen den Tod“. Ob und welche Wunder ein Theologe uminterpretiert und welche er „stehen lĂ€sst“, hĂ€ngt dabei von selbst gewĂ€hlten Unaufgebbarkeiten ab. Die historisch-kritische Methode erlaubt es ihm nicht. Und ihr BegrĂŒnder hatte 1908 schon mit der Beobachtung, viele hĂ€tten „sich bereits mit dem sittlichen Charakterbild Jesu oder mit der Auferstehung Jesu begnĂŒgen gelernt“, mehrere Anwendungsstufen der Methode und eine nur schrittweise und frömmigkeitsabhĂ€ngige Preisgabe der Wunder vorausgesagt

23 „Es ist fĂŒr die Auferstehungshoffnung nicht konstitutiv zu wissen, ob das Grab voll oder leer war. Entscheidend ist die erkennbare IdentitĂ€t des gekreuzigten und auferstandenen Christus. Das Neue Testament berichtet, wie der Auferstandene unter die JĂŒnger tritt und sie ihn wiedererkennen“ in: FĂŒr uns gestorben – die Bedeutung von Leiden und Sterben Jesu Christi, Ein Grundlagentext des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Denkschrift der EKD, GĂŒtersloh 2015, S.183

24 Schon „Rudolf Bultmann (musste sich) wegen seines „theologischen Restes“ kritisieren lassen. Wieso am „Dass des Gekommenseins Gottes in Jesus Christus“ festhalten, wenn sich alles andere auch elegant historisch-kritisch erledigen oder existenzial interpretieren lĂ€sst? Kritischer mĂŒssten mir da die Historisch-Kritischen sein!“ Wenn ich mich bisher auf historisch-kritische Protagonisten des vergangenen Jahrhunderts bezogen habe, dann nur deswegen, weil ich der Überzeugung bin, dass die gleichen Grundmuster auch bis heute noch wirksam sind. Da wird die Bibel einerseits zum historischen SchriftstĂŒck wie jedes andere, um dann, nachdem der Wissenschaftlichkeit GenĂŒge getan wurde, im gottesdienstlichen Gebrauch als „Heilige Schrift“ wieder uneingeschrĂ€nkt zu Ehren zu kommen. In meiner fĂŒnfzehnjĂ€hrigen TĂ€tigkeit als Gemeindepfarrer bin ich nur zu vielen Kirchenmitgliedern begeg-net, die nicht nachvollziehen konnten, wie der Pfarrer, der – wie gefordert – die historisch-kritischen Ergebnisse auch auf die Kanzel getragen hatte, einerseits die Jungfrauengeburt als Legende und das leere Grab fĂŒr den aufgeklĂ€rten Glauben nicht erforderlich erklĂ€rte, dann andererseits auf dem Friedhof im Bekenntnismodus von Jesu Auferstehung sprach und „Tod, wo ist dein Stachel, Hölle, wo ist dein Sieg?“ verkĂŒndigte.“ Diener, Michael, „Die Bibel ist Gottes Wort“ in „Zeitzeichen“, September 2014, (http://zeitzeichen.net/religion-kirche/serie-schriftprinzip-iv/ Download vom 10.12.2016, deshalb o.S.)

 

Drucke diesen Beitrag Drucke diesen Beitrag Artikel empfehlen Artikel empfehlen

Dieser Beitrag wurde erstellt am Samstag 23. Dezember 2017 um 8:29 und abgelegt unter Kirche, Theologie.