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Deutschland ist kein atheistisches Land

Mittwoch 20. Dezember 2017 von Institut fĂŒr Demographie, Allgemeinwohl und Familie e. V.


Institut fĂŒr Demographie, Allgemeinwohl und Familie e. V.

Nur jeder vierte Deutsche (26 Prozent) ist sich sicher, dass es keinen Gott gibt. Nur  16 Prozent der römisch-katholischen Christen, 18 Prozent der evangelisch-landeskirchlichen Christen und 7 Prozent der evangelisch-freikirchlichen Christen zweifeln an der Existenz Gottes. Interessant: Am geringsten ist der Zuspruch fĂŒr die These „Ich bin sicher, dass es keinen Gott gibt.“ bei WĂ€hlern der Union (22 Prozent) und der FDP (25 Prozent), am höchsten ist er bei WĂ€hlern der Linken (40 Prozent). Jeweils jeder dritte WĂ€hler von SPD (31 Prozent), AfD (32 Prozent) und der GrĂŒnen (35 Prozent) verneint die Existenz Gottes.

Das ist das Ergebnis einer Umfrage des Instituts fĂŒr Markt- und Sozialforschung, INSA-consulere (www.insa-consulere.de) im Auftrag des i-DAF. INSA-Chef Hermann Binkert folgert aus diesen Daten: „Drei von vier Befragten wollen die Existenz Gottes nicht ausschließen. Deutschland ist kein atheistisches Land, auch wenn nur noch gut jeder zweite Deutsche einer der beiden christlichen Kirchen angehört.“

Zwischen den Altersgruppen gibt es keine wesentlichen Unterschiede. Anders zwischen den Geschlechtern und regional. Mehr MĂ€nner (31 Prozent) als Frauen (22 Prozent) und mehr Ostdeutsche (35 Prozent) als Westdeutsche (24 Prozent) rechnen nicht mit der Existenz Gottes.

Die Umfrage stĂŒtzt sich gedanklich auf die sogenannte Pascal‘sche Wette. Der bekannte französische Mathematiker, Physiker, Literat und Philosoph Blaise Pascal, der im 17. Jahrhundert lebte, argumentierte so: Es ist stets besser, an Gott zu glauben, weil der Erwartungswert des Gewinns (ewige GlĂŒckseligkeit), der durch Glauben an einen Gott erreicht werden könne, stets grĂ¶ĂŸer sei als der Erwartungswert im Fall des Unglaubens (ewige Verdammnis). Er ging davon aus, dass wir nicht wissen, ob Gott existiert oder nicht, und daher jeder Option eine 50-prozentige Chance zuzuordnen sei. Wer im Falle der Existenz Gottes fromm lebe, so Pascal, bekomme als unendlich großen Gewinn die ewige GlĂŒckseligkeit. Wenn Gott allerdings nicht existieren sollte, dann ist der Verlust relativ klein – das ist das Opfer oder Verlust der Frömmigkeit. Die mathematische Erwartung fĂŒr den Lohn eines frommen Verhaltens wĂ€re also Âœ  mal unendlich (Gewinn, wenn Gott existiert) minus Âœ mal Lebenszeit (Verlust, wenn Gott nicht existiert). Der erwartete Lohn fĂŒr die Frömmigkeit ist somit positiv unendlich. Jeder vernĂŒnftige Mensch, schlussfolgerte Pascal, sollte daher Gottes Gesetzen folgen. Gilt das auch heute noch?

Das Erfurter Meinungsforschungsinstitut nun befragte am 28. und 29. November 2017 in einer reprĂ€sentativen Online-Befragung insgesamt 1.061 BĂŒrgerinnen und BĂŒrger. Die große Mehrheit teilt Pascals Annahme, dass es mindestens genauso wahrscheinlich sei, dass Gott existiert, als dass er nicht existiert. Mehr noch: FĂŒr drei von fĂŒnf Befragten (59 Prozent) ist es mindestens genauso wahrscheinlich, dass es Gott gibt, als dass es ihn nicht gibt. Fast jeder Dritte (30 Prozent) meint, es sei genauso wahrscheinlich, dass es Gott gibt, als dass es ihn nicht gibt. FĂŒr weitere 29 Prozent ist es sogar wahrscheinlicher, dass es Gott gibt, als dass es ihn nicht gibt. Frauen (66 Prozent zu 34 Prozent) sind deutlich glaubensfester als MĂ€nner (51 Prozent zu 49 Prozent). Nur bei den unter 30-JĂ€hrigen (47 Prozent zu 53 Prozent) ĂŒberwiegen die Skeptiker. In allen anderen Altersgruppen hĂ€lt eine deutliche Mehrheit (57 bis 65 Prozent) es fĂŒr mindestens genauso wahrscheinlich, wenn nicht sogar wahrscheinlicher, dass es Gott gibt. Signifikant ist auch der Unterschied zwischen West- und Ostdeutschen. Bei den Ostdeutschen (47 Prozent zu 53 Prozent) ĂŒberwiegen die Skeptiker, bei den Westdeutschen (62 Prozent zu 38 Prozent) ist es fĂŒr eine große Mehrheit mindestens genauso wahrscheinlich, dass es Gott gibt, als dass es ihn nicht gibt.

Spannend ist auch der Vergleich zwischen Mitgliedern der christlichen Kirchen, Muslimen und Konfessionslosen. Bei den Mitgliedern der christlichen Kirchen (72 Prozent zu 28 Prozent) ist es fĂŒr die deutliche Mehrheit mindestens genauso wahrscheinlich, dass es Gott gibt, als dass es ihn nicht gibt. Bei den Konfessionslosen (34 Prozent zu 66 Prozent) ĂŒberwiegen die Skeptiker. Dass aber selbst fĂŒr jeden dritten Konfessionslosen die Chance, dass Gott existiert, bei 50 Prozent und mehr liegt, ist eher ĂŒberraschend. Die geringsten Skeptiker im Blick auf die Existenz Gottes gibt es unter den Muslimen. Nur bei jedem Zehnten (90 Prozent zu 10 Prozent) ĂŒberwiegt die Skepsis.

Interessant auch der Blick in die politischen WĂ€hlerschaften: Vor allem fĂŒr die AnhĂ€nger der Union (69 Prozent), der AfD (59 Prozent) und der FDP (55 Prozent) ist es mindestens genauso wahrscheinlich, dass es Gott gibt, als dass es ihn nicht gibt. Die WĂ€hlerschaft der SPD (50 Prozent zu 50 Prozent) ist gespalten, bei den WĂ€hlern von Linken (44 Prozent zu 56 Prozent) und der GrĂŒnen (40 Prozent zu 60 Prozent) sind die Skeptiker in der Mehrheit.

In einem zweiten Schritt hat INSA die Fragen gestellt, in welchen FĂ€llen die Befragten der Meinung sind, dass bei ihnen ein eher „richtiges“ oder „falsches“ Leben beschrieben wird. Die Skala der Fragen reichte von „es gibt Gott und man versucht, zu glauben und gottgefĂ€llig zu leben“ ĂŒber „es gibt Gott und man versucht nicht, zu glauben und gottgefĂ€llig zu leben“ und „es gibt Gott nicht und man versucht, zu glauben und gottgefĂ€llig zu leben“ bis zu „es gibt Gott nicht und man versucht nicht, zu glauben und gottgefĂ€llig zu leben“. Immer waren es um die 40 Prozent aller Befragten, die sagten, es gehe fĂŒr sie bei der jeweiligen Option weder um „richtiges“ noch um „falsches“ Leben. Interessant dabei: Signifikant ist vor allem das Ergebnis der Befragten zu der These „es gibt Gott und man versucht nicht, zu glauben und gottgefĂ€llig zu leben“. 80 Prozent derjenigen, die sich hier zwischen „richtig“ und „falsch“ entschieden haben, sind der Meinung, dass man dann ein „falsches“ Leben fĂŒhre. Übrigens völlig unabhĂ€ngig davon, ob man einer christlichen Kirche angehört oder nicht. Auch 79 Prozent der Konfessionslosen finden, dass man ein „falsches“ Leben fĂŒhre, wenn es Gott gibt und man nicht versucht, zu glauben und gottgefĂ€llig zu leben.

Im Ergebnis folgt die große Mehrheit der Befragten also auch heute noch der Pascal‘schen Logik. Deutschland ist kein atheistisches Land, auch wenn ein erheblicher Anteil der Bevölkerung in Politik und Wirtschaft sich so verhĂ€lt.

Institut fĂŒr Demographie, Allgemeinwohl und Familie, Nachricht und Zitat 12 / 2017 (www.i-daf.org)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Dieser Beitrag wurde erstellt am Mittwoch 20. Dezember 2017 um 14:31 und abgelegt unter Gesellschaft / Politik.