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Predigt über 1 Joh 4,7-16: „Gott ist die Liebe“

Freitag 11. August 2017 von Prädikant Wolfgang Wilke


Prädikant Wolfgang Wilke
„Ihr Lieben, lasst uns einander lieb haben; denn die Liebe ist von Gott, und wer liebt, der ist von Gott geboren und kennt Gott. Wer nicht liebt, der kennt Gott nicht; denn Gott ist die Liebe. Darin ist erschienen die Liebe Gottes unter uns, dass Gott seinen eingebornen Sohn gesandt hat in die Welt, damit wir durch ihn leben sollen. 10 Darin besteht die Liebe: nicht dass wir Gott geliebt haben, sondern dass er uns geliebt hat und gesandt seinen Sohn zur Versöhnung für unsre Sünden. 11 Ihr Lieben, hat uns Gott so geliebt, so sollen wir uns auch untereinander lieben. 12 Niemand hat Gott jemals gesehen. Wenn wir uns untereinander lieben, so bleibt Gott in uns, und seine Liebe ist in uns vollkommen. 13 Daran erkennen wir, dass wir in ihm bleiben und er in uns, dass er uns von seinem Geist gegeben hat. 1Und wir haben gesehen und bezeugen, dass der Vater den Sohn gesandt hat als Heiland der Welt. 15 Wer nun bekennt, dass Jesus Gottes Sohn ist, in dem bleibt Gott und er in Gott. 16 Und wir haben erkannt und geglaubt die Liebe, die Gott zu uns hat. Gott ist die Liebe; und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm.“ (1. Johannes 4,7-16)

Die beste Botschaft der Welt

In seinem ersten Brief an die Gemeinden in Kleinasien stellt der Apostel Johannes ihnen die Liebe Gottes vor Augen, die in Jesus Christus sichtbar / offenbar wurde. Er wendet sich, wie aus den vorhergehenden Versen ersichtlich, gegen eine gefährliche Irrlehre, die in die jungen Christengemeinden eingedrungen war und ihnen viel Not machte.

Einigen Gemeindegliedern war die einfache biblische Botschaft von Jesus Christus zu simpel und zu wenig anspruchsvoll. Sie streckten sich aus nach tieferen Erkenntnissen und mystischen Erlebnissen. Vor allem wollten sie durch ihr eigenes intellektuelles Denken Gott erkennen. Sie warfen den Gemeinden vor: „Ihr glaubt ja nur, was die  Apostel euch sagen; wir aber ‚erkennen’ selber Gott. Wir sind auf dem Weg philosophischer oder religiöser Erkenntnis zu Gott vorgedrungen und haben in unserem großen Lehrsystem ‚Gott erkannt’“. Diese Denkrichtung ist auch heute noch aktuell und beeinflusst viele Gemeinden. Hier weht aber der antichristliche Geist des Irrtums, der von Gott wegführt.

Dem hält Johannes entgegen: Gott ist durch Denken nicht zu erkennen, sondern nur durch Seine Offenbarung und die zeigt uns auf wunderbare Weise, Gott ist Liebe.

Das ist die frohe Botschaft, die die Welt revolutionierte und bis heute nachhaltig geprägt und verändert hat. Das ist die einmalige Botschaft, die in keiner Religion zu finden ist. Nirgends wird behauptet, daß eine Gottheit die Menschen liebt. Das wird einzig und allein von dem lebendigen Gott, dem Gott der Bibel, und dem Vater von Jesus Christus behauptet.

So schreibt ein moderner moslemischer Gelehrter: „Bedingungslose göttliche Liebe zur Menschheit ist ein dem Koran völlig fremder Gedanke. So finden wir an keiner Stelle den Gedanken ausgeführt, daß Gott die Menschheit liebt. Die Liebe Gottes ist an Bedingungen geknüpft.“

Demgegenüber offenbart sich der lebendige Gott in der Bibel als der, der unterschiedslos alle Seine Menschen, ob gut oder böse bedingungslos liebt! Ja, ER liebt auch und gerade uns Sünder, denn wir haben Seine Liebe und Zuwendung Not-wendig, weil sie all unsere Not wendet.

Ist das nicht die beste Nachricht der Welt? Sie erreicht und erwärmt unser Herz und schenkt uns neue Lebenskraft und Lebensfreude. Wir dürfen wissen, Gott ist kein fordernder Gott, der Seine Liebe und Zuwendung an Vorbedingungen knüpft, die wir zuerst erfüllen müssten. Zu IHM, dem lebendigen Gott, dem Schöpfer des Himmels und der Erde, dürfen wir so kommen, wie wir sind.

Wir müssen also nicht erst besser werden, bevor wir uns an IHN wenden und zu IHM kommen. ER wird uns dann allerdings nicht so lassen wie wir sind. ER wird uns, wenn wir das zulassen und IHM vertrauen, in das Bild Seines Sohnes umgestalten und uns durch einen göttlichen Schöpfungsakt schon hier auf dieser Erde, ewiges Leben schenken, denn ER liebt uns bedingungslos und will nur das Beste für uns und will uns für die Ewigkeit vorbereiten.

Nach solch bedingungsloser Liebe sehnen sich viele Menschen auch und besonders Moslems, die das in ihrer Religion so nicht kennen. Sie sind deshalb, wenn sie diese Liebesbotschaft hören, oft offen für das Evangelium von Jesus Christus.

Über ein Internetforum sind in den letzten zwei Jahren mehr als 200 Muslime zum Glauben an Jesus gekommen. Grund? Sie haben gesehen, wie freundlich aber bestimmt Christen dort auf Angriffe der Muslime gegen das Evangelium reagiert haben.

Warum lässt Gott Leid zu?

Hier bei uns höre ich in Gesprächen über Gott allerdings auch immer wieder den Einwand: Das soll ein Gott der Liebe sein, der all das Böse und Schreckliche in der Welt zulässt?

Warum hat ER den Tsunami zugelassen, warum das Erdbeben und warum hat ER das Schulmassaker nicht verhindert? Andere sagen, „Warum mußte unser Kind oder mein Ehepartner sterben?

Warum? Warum? Warum? Wer kann das verstehen?

Auch diese Fragen wollen ernstgenommen werden.

Pfr. Hermann Pompe sagt dazu: „Es gibt Themen, die sind nicht geeignet für eine theoretische Diskussion. Die Frage nach der Gottesliebe und der Erfahrung von Leid gehört dazu. Leid markiert eine deutliche Grenze jeder logischen Argumentation. Und er fährt fort: „Ich habe bis heute keine Antwort gefunden für jemand, der von einer Katastrophe betroffen wird – und ich bin mir ziemlich sicher, daß auch andere keine befriedigende Antwort haben.“ Soweit Hermann Pompe.

Verstehen kann ich das alles auch nicht. Aber ein Gott, den wir verstehen und dessen Handeln wir begreifen könnten, wäre nicht Gott. Er wäre kleiner als wir Menschen, ja, er wäre ein Geschöpf unserer Gedanken und nicht anbetungswürdig der Schöpfer aller Dinge.

Es kann ja viel über Gottes Liebe gesagt werden, aber sind das nicht alles nur fromme Wünsche und leere Versprechungen? Wie und wo kann ich erkennen, daß das wahr ist und daß Gott uns, ja auch mich ganz persönlich, wirklich liebt?

Liebe erkennt man am Geben, nicht an den Worten, sondern an der Tat. Genau das geschah in Raum und Zeit, damals in Israel, zu einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort:

Am Kreuz auf Golgatha!

Dort, und nur dort, können wir die Liebe Gottes in ihrer tiefsten Dimension erkennen (erahnen). Denn, so sagt Johannes, der das als Augenzeuge miterlebt hat, „Gottes Liebe zu uns ist für alle sichtbar geworden, als er seinen einzigen Sohn in die Welt sandte, damit wir durch ihn leben können.“ V.9

Ja, Gott schenkte uns das Beste und Liebste, was ER hat, Jesus Christus, Seinen Sohn. ER schickte Seinen Sohn in die IHM feindlich gesinnte und IHN ablehnende Welt, ja mitten unter Seine Feinde und Mörder.

Und Johannes fährt fort: „Das Einzigartige an dieser Liebe ist: Nicht wir haben Gott geliebt, sondern er hat uns geliebt. Er hat seinen Sohn gesandt, damit er durch seinen Tod Sühne leiste für unsere Schuld.“ V.10

Hier wird sichtbar, daß Gott wirklich durch und durch Liebe ist. Diese Liebe ist nicht eine Seiner vielen göttlichen Eigenschaften, nein, Liebe ist sein ureigenstes, innerstes Wesen. ER kann nicht ohne Liebe handeln, was immer ER denkt und tut, ist von Seiner bedingungslosen Liebe geprägt.

Wer kann dieser Liebe widerstehen?

Wird dadurch nicht unser Herz erreicht und wollen wir uns dieser Liebe nicht öffnen und ganz anvertrauen? Gottes Liebe ist auf ein Gegenüber angelegt. Gott kann deshalb Liebe sein, weil ER innerhalb der göttlichen Dreieinigkeit Liebe praktiziert. ER ist auf die Menschen nicht angewiesen, um ein Gegenüber Seiner Liebe zu haben. Das hat ER innerhalb Seiner göttlichen Trinität. Dort offenbart sich die Liebe Gottes in dem Verhalten der drei göttlichen Personen zu einander.

Der Vater erschafft die Welt (den Kosmos) nicht selbst sondern durch den Sohn, das göttliche Wort, den Logos. (Christus ist das Fleisch gewordene Wort Gottes.)

Der Sohn seinerseits will nichts anderes, als gehorsam den Willen des Vaters tun. ER will die Menschen von aller Sünde erlösen, ihnen den Vater lieb machen und ihnen die Tür zum Vaterhaus öffnen. Dafür hat der Vater Seinem Sohn alle Macht übertragen im Himmel und auf Erden, daß ER der HERR aller Herren sei.

Der Heilige Geist will nichts für sich, will nicht angerufen oder angebetet werden. ER will nur eines, Jesus, den Sohn, den Menschen bekannt machen, damit sie Jesus erkennen und sich Jesus ganz anvertrauen. ER will den Menschen das Wort Gottes aufschließen, daß sie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen.

Keine der drei göttlichen Personen will etwas für sich, alle drei wollen für den jeweils anderen dasein und für die Menschen, und diese in ihre Liebe und Gemeinschaft einbeziehen, hereinholen und teilhaben lassen.

Deshalb will Gott, daß wir eine lebendige und dauerhafte Beziehung zu IHM unterhalten. ER seinerseits will sich aufs engste mit uns verbinden und in Seinem Heiligen Geist sogar Wohnung in uns nehmen.

Eine solche Liebe übersteigt unser Vorstellungsvermögen. Und nun ermuntert Johannes die Christen in Kleinasien:

„Ihr Lieben, hat uns Gott so geliebt, so sollen wir uns auch untereinander lieben. Ja, wer liebt der ist von Gott geboren und kennt Gott. Aber wer nicht liebt, der kennt Gott nicht, denn Gott ist Liebe.“

Als natürliche Menschen sind wir unmöglich in der Lage so zu lieben. Aber wieso? Es gibt doch viele Menschen, die liebevoll miteinander umgehen. Ja, aber hier ist „Agape“ gemeint. Die Bibel verwendet dieses Wort nur für die Liebe, die von Gott kommt, die Sein ganzes göttliches Wesen ausmacht und die ER denen schenkt, die sich IHM in Jesus Christus ganz anvertrauen.

Dazu müssen wir umkehren, unsere Sünde bekennen und durch den Geist Gottes zu neuen Menschen „um-erschaffen“ werden (neugeboren werden), sonst können wir diese Liebe nicht haben. Warum nicht? Weil Agape, diese göttliche Liebe, keine menschliche Möglichkeit ist. Sie ist eine total neue Existenzweise, ja neues Leben, das aus Gott stammt und Gottes Wesen an sich trägt.

Welch ein Unterschied zu unserem Wesen. Unser Wesen ist geprägt, ja deformiert durch die Sünde. Diese zeigt sich, oft zwar liebevoll kaschiert, u.a. in Eigensucht, Lieblosigkeit, Egoismus und Selbstverwirklichung. Wir sind „zurückverkrümmt“ auf uns selbst.

Dieses Wesen werden wir nicht los. Wir müssen also aus Gott neu geboren worden sein, um wirklich wahrhaft lieben zu können.

Die Liebe Gottes schafft das Liebenswerte

Martin Luther hat den Unterschied zwischen der göttlichen und der menschlichen Liebe so formuliert:

„Die Liebe des Menschen entzündet sich am Liebenswerten. Die Liebe Gottes schafft sich das Liebenswerte.“

Diese wunderbare Liebe Gottes hat schöpferische und verwan­delnde Kraft. Gott schenkt sie allen, die durch Jesus Christus eine echte Lebensbeziehung zu IHM haben. Das ist das wahre Leben, das Gott allen schenken will, die sich danach ausstrecken. Wer so liebt, der kennt Gott und wer bekennt, daß Jesus Christus Gottes Sohn ist, in dem bleibt Gott und er in Gott.

Eine solch innige Gemeinschaft will Gott mit uns haben, daß ER Wohnung in uns nehmen will. Welch eine Freude, welch eine Würde, die Gott uns dadurch verleiht, daß ER mit Seiner ganzen Liebe dauerhaft, ja ewig, in uns wohnen will.

Diese Liebe, die Gott uns schenken und zu der ER uns umgestalten und befähigen will, ist zum Weitergeben bestimmt. Die Liebe von Gott setzt in Bewegung zum anderen hin, kreist nicht um sich selbst, sondern will sich verströmen zum anderen hin.

Wir alle hungern doch nach Liebe. Wir brauchen auch Anerkennung und Bestätigung. Wenn wir von anderen geliebt werden, sind wir glücklich. – Doch wie oft scheitern unsere Vorsätze zur Nächstenliebe bereits an der Kirchentür. Sobald wir den Gottesdienst verlassen haben, will uns unser altes Wesen wieder beherrschen. Angst und Misstrauen melden sich und wollen uns einreden, wir könnten dann zu kurz kommen, denn tief in uns tragen wir ein falsches, ein verzerrtes Gottesbild in uns, das tief von Misstrauen geprägt ist.

Doch als Geliebte, als wiedergeborene Kinder Gottes, dürfen wir großzügig sein und vorbehaltlos lieben, weil wir von Gott Geliebte sind. Wir vergeben uns nichts und verlieren nichts, und sind nicht abhängig vom Verhalten des Anderen.

Voller Vertrauen dürfen wir die Initiative ergreifen und agieren und nicht nur reagieren, denn Vertrauen ist die Frucht unserer Beziehung zu Gott, in der wir wissen, daß wir von IHM geliebt werden.

So dürfen wir den ersten Schritt auf den Anderen zugehen, der uns noch nicht liebt aber sich nach Liebe und Annahme sehnt.

Durch unsere Liebe zu ihm können wir sein Herz erreichen und ihm etwas davon weitergeben, was wir selbst von Gott empfangen haben, wie es der barmherzige Samariter tat, von dem wir vorhin im Evangelium gehört haben.

Durch diese Liebe wird eine Bewegung angestoßen, die in ihrer Auswirkung kaum zu unterschätzen ist. So hat die Botschaft von der Liebe Gottes und die praktizierte Liebe z.B. den Stamm der Fayus in Indonesien völlig verändert und die Blutrache beendet. Das kann die Liebe Gottes bewirken, die ER durch uns schwache Menschen an andere weitergeben will.

An unserer Liebe zum Bruder und der Schwester wird es konkret, wie es mit unserer Liebe zu Gott steht. Lieben wir Gott nur mit Worten und Gedanken oder mit Taten und mit unserem Leben?

Laßt uns von dieser tiefen, sich verschenkenden Liebe Gottes in Bewegung setzen lassen. Laßt uns die geschenkte Liebe weitergeben und einander lieben, wie Christus uns geliebt hat, denn die Liebe ist aus Gott und wer liebt ist aus Gott geboren und kennt Gott.

Laßt uns noch heute damit beginnen, gleich auf dem Kirchvorplatz. Wir werden feststellen, daß es unser Leben und unsere Beziehung zu Gott bereichern und stärken, ja in wunderbarer Weise verändern wird.

Gott schenke uns dazu den Willen, die Kraft, die Gelegenheit – und das Gelingen.

Prädikant Wolfgang Wilke, Predigt für den 13. Sonntag nach Trinitatis

 

 

 

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Dieser Beitrag wurde erstellt am Freitag 11. August 2017 um 9:33 und abgelegt unter Predigten / Andachten.