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Religionen m├╝ssen einander nicht verstehen

Freitag 24. Februar 2017 von Dr. Klaus-R├╝diger Mai


Dr. Klaus-R├╝diger Mai

Die deutsche Evangelische Kirche scheue die Abgrenzung gegen├╝ber dem Islam und stehe f├╝r einen „Wohlf├╝hl-Protestantismus“, kritisiert der Schriftsteller Klaus R├╝diger-Mai. Wer die Kirche jedoch in die „Hauptabteilung Kirchen des Kanzleramts“ verwandle, falle weit hinter den Reformator zur├╝ck:

Heinrich Bedford-Strohm legte vor dem Besuch des Tempelberges im Oktober 2016 das Amtskreuz ab. Dass es auch anders geht, bewies Papst Benedikt XVI. sieben Jahre zuvor. Bedford-Strohm ├Ąu├čerte zur Rechtfertigung, dass es auf Bitten der muslimischen und der j├╝dischen Gastgeber erfolgte. Der Haken an der Sache war, dass von j├╝discher Seite niemand die Bitte ge├Ąu├čert hatte. Eine Schutzbehauptung aus dem Reich der Fake News?

Der Skandal ist freilich ein dreifacher: ein menschlicher, ein politischer, ein theologischer. Der oberste Repr├Ąsentant der evangelischen Kirche verzichtet in einer Region, in der Christen massakriert werden, weil sie sich weigern, das Kreuz abzulegen, auf die Mitte des eigenen Glaubens.

Das unumgehbare Credo eines Christen

Im Lichte der Umst├Ąnde stellt der Akt einen Verrat an den get├Âteten Glaubensbr├╝dern, an ihren Familien, an ihren Kindern dar. Mit der gleichen Glaubensk├Ąlte verschlie├čt man die Augen davor, dass Christen in deutschen Fl├╝chtlingsheimen drangsaliert werden, weil sie eben das verweigern, was Bedford-Strohm in Jerusalem so bereitwillig tat.┬áDie Kreuzabnahme erfolgte nicht im Dienste des Glaubens, sondern einer politischen Ideologie.

Theologisch inakzeptabel an dem Akt ist, dass es sich nicht um sein, sondern um Christi Kreuz handelt, das der Gottessohn f├╝r die S├╝nden der Welt auf sich genommen hatte, um den Menschen den Weg zu Gott zu erm├Âglichen. Nat├╝rlich muss man diesen Glauben nicht teilen, weil keine Plicht existiert, Christ zu sein. Aber wenn man Christ ist, dann besteht darin das unumgehbare Credo.

Die Beauftragte der EKD f├╝r das Reformationsjubil├Ąum schreibt, dass wir von anderen Religionen lernen k├Ânnen, dass es au├čer Christus auch andere Wege zu Gott gibt. Im Evangelium des Johannes sagt Christus hingegen unmissverst├Ąndlich: „Niemand kommt zum Vater, denn durch mich.“

Wieder st├Ârt die Funktion├Ąre der EKD der Glauben im politischen Gesch├Ąft, wieder steht Christus im vermeintlichen Religionsgespr├Ąch mit dem Islam im Wege. Um den politisch erw├╝nschten Dialog zu f├╝hren, scheint man bereit zu sein, das Christentum durch einen Wohlf├╝hl-Protestantismus ohne Christus, ohne Luther auch, aber mit dem EKD-Funktion├Ąr als neuen Glaubensheros zu ersetzen.

Wor├╝ber sollen Religionen miteinander reden?

Im ├╝brigen m├╝ssen Religionen einander nicht verstehen, sie m├╝ssen auch nicht miteinander reden ÔÇô wor├╝ber denn? Es gen├╝gt vollkommen, wenn sie einander nicht verfolgen und herabsetzen. Es gen├╝gt, wenn sich Gl├Ąubige gleich welcher Religion an Lessings Maxime halten: „Es eifre jeder seiner unbestochnen / Von Vorurteilen freien Liebe nach!“, und dabei ihr religi├Âses Gesetz nicht ├╝ber das Grundgesetz stellen.

Wer aber die Kirche in eine politische Institution verwandelt und den Gottesdienst in eine Parteiversammlung, spaltet die Kirche und treibt die Christen aus den Gottesh├Ąusern. Die EKD f├Ąllt in ihrem Bestreben, zur Hauptabteilung Kirchen des Kanzleramtes zu werden, weit hinter Martin Luther zur├╝ck, der mit der Zwei-Regimenten-Lehre die Trennung von Staat und Kirche begr├╝ndete.

Dabei ging er von Christi Satz aus: „Mein Reich ist nicht von dieser Welt.“ Deshalb hat die Kirche den Laizimus zu akzeptieren. Jeder Christ hat als B├╝rger das Recht, sich politisch zu engagieren, aber eben als B├╝rger.

Die Kirche hat sich auf ihrer sechs Kernaufgaben zu konzentrieren: Bibelstudium, Gottesdienst, Charitas, Mission, Bildung und Seelsorge. Um das zu verwirklichen, steht 500 Jahre nach Martin Luther ein neuer Thesenanschlag, eine neue Reformation der Kirche unabweislich auf der Tagesordnung.

Dr. Klaus-R├╝diger Mai

Der Beitrag kann hier auf Deutschlandradio Kultur angeh├Ârt werden.

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Dieser Beitrag wurde erstellt am Freitag 24. Februar 2017 um 13:55 und abgelegt unter Gesellschaft / Politik, Kirche.