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Integration und Islam: Sind Parallelgesellschaften unvermeidbar?

Montag 20. Februar 2017 von Institut fĂŒr Demographie, Allgemeinwohl und Familie e. V.


Institut fĂŒr Demographie, Allgemeinwohl und Familie e. V.

Die Politik und die meisten Medien verweigern sich öffentlich der Erkenntnis, aber der Bevölkerung in Europa scheint es zu dĂ€mmern: Die muslimische Einwanderung in Europa bringt Probleme mit sich und gefĂ€hrdet auf Dauer die Demokratie. Nach einer Umfrage des international bekannten Thinktank Chatham House in zehn LĂ€ndern der EU spricht sich jedenfalls eine deutliche Mehrheit gegen eine weitere Einwanderung von Muslimen nach Europa aus (1). Das Ergebnis variiert von Land zu Land. Am stĂ€rksten ist die Ablehnung in Polen (71 Prozent), es folgen Österreich (65%), Ungarn (64 %), Belgien (64%), Frankreich (61%), Griechenland (58 %), Deutschland (53%) und Italien (51%). In allen zehn LĂ€ndern liegen die BefĂŒrworter einer weiteren Zuwanderung unter 32 Prozent, etwa jeder fĂŒnfte hatte im europĂ€ischen Schnitt keine Meinung dazu.

Die GrĂŒnde fĂŒr die wachsende Ablehnung einer weiteren muslimischen Einwanderung liegen auf der Hand: Man verbindet sie mit dem Mißbrauch der Religion durch Terror, mit Frauenverachtung, mit der Unterordnung westlicher Grundwerte unter die Scharia. Die Mehrheit der EuropĂ€er ist offensichtlich davon ĂŒberzeugt, daß islamisches Denken und Gebote nicht in die Kultur Europas passen. Der Einzelfall sieht natĂŒrlich immer anders aus. Aber in diesen Zahlen spiegelt sich die Ahnung von einem kulturellen Zusammenprall. Diese Ahnung gab es schon vor der FlĂŒchtlingskrise. Köln, WĂŒrzburg, Berlin und die AnschlĂ€ge in Paris, Nizza, BrĂŒssel haben sie verstĂ€rkt. Es handelt sich auch nicht nur um diffuse Ängste. Die Ahnung fusst auf der Tatsache, daß sowohl die radikalen Islamisten als auch die friedfertigen Muslime ihre Legitimation aus dem Koran belegen können. Diese Ambivalenz der religiösen Grundlage (2) macht den Islam zu einem unberechenbaren Faktor der Integration. Wie gesagt, im Einzelfall mag das anders aussehen.

Aber selbst die moderate Variante ist integrationsschwach. Denn muslimische  GrundĂŒberzeugung ist, daß jeder Muslim Allahs Willen bedingungslosen Gehorsam schuldet. Allah aber lĂ€sst sich nicht definieren oder festlegen, auch nicht auf die Liebe. Im Christentum aber geht es letztlich um Vergebung und Liebe, was durch Vernunft erkennbar sei. Gott hat, theologisch gesprochen, die Welt geschaffen, durch die Vernunft kann man das Schöpfungswerk erkennen, mithin auch RĂŒckschlĂŒsse auf den Schöpfer ziehen. Das ist der Sinn der Offenbarung. Ganz anders der Islam: Auch Allah hat die Welt geschaffen, aber sein Wille bleibt fĂŒr die Menschen nicht erkennbar. Nichts kann Allahs Absicht oder Willen festlegen, kein Grundgesetz, keine Kultur, kein Staatssystem. Gleichzeitig legen Koran, Hadith und Scharia das Verhalten und die Lebensweise des muslimischen Menschen fest. Der Koran ist unwidersprechbares Gesetzbuch, die Bibel interpretierbares Geschichtsbuch. Ein politischer und geistiger Pluralismus auf Augenhöhe widerspricht dem Wesen und der Geschichte des Islam (3).  Dieser fundamentale Unterschied erzeugt Unsicherheiten und die Ahnung davon macht sich breit.

Sicher, es gab ein goldenes Zeitalter des Islam, als man mehr oder weniger offen darĂŒber diskutierte, wie weit die Vernunft gebraucht werden könne. Es war die Zeit medizinischer und naturwissenschaftlicher Erkenntnisse. In der Philosophie aber ging es ĂŒber die Übersetzungen griechischer Philosophen – ĂŒbrigens durch christliche Mönche – nicht hinaus. Das Thema der Freiheit des Menschen, auch gegenĂŒber dem Schöpfer, blieb ohne Antwort und fĂŒhrte schließlich dazu, daß auch die bescheidenen AnsĂ€tze einer AufklĂ€rung nicht weiter zum Zuge kamen (4). SpĂ€testens seit dem 15. Jahrhundert sind solche AnsĂ€tze von muslimischen Denkern nur noch außerhalb der islamischen Welt zu finden. In den aktuellen Bildungssystemen spielen sie keine Rolle. Hinzu kam die demographische Explosion in der zweiten HĂ€lfte des letzten Jahrhunderts. Sie machte Bildung fĂŒr alle zur Illusion. Mehr noch: Sie fĂŒhrte dazu, daß Millionen Kinder nur in Koranschulen gingen und dort vielfach nur die dumpfen Parolen der radikalen Variante des Islam lernten. Zwar ist zu erwarten, daß der demographisch bedingte Migrationsdruck aus islamischen LĂ€ndern in den nĂ€chsten Jahrzehnten nachlĂ€sst. Die Geburtenraten in diesen LĂ€ndern sinken erheblich, man kann sogar von einem „historischen Absturz“ sprechen (5). Aber im Moment und fĂŒr die nĂ€chsten Jahre wird der Druck noch anhalten, insbesondere aus Afrika und vor allem, wenn es in diesen Regionen bei KriegszustĂ€nden bleibt.

Es ist selbstverstĂ€ndlich – das heißt, es entspricht dem humanitĂ€ren SelbstverstĂ€ndnis Europas – , daß FlĂŒchtlingen aus Kriegsgebieten Zuflucht gewĂ€hrt wird. Die Frage der Integration geht dann aber ĂŒber die Asylfrage hinaus.  Bei nicht-muslimischen Minderheiten ist die Integration in der Regel kein grĂ¶ĂŸeres Problem, dafĂŒr gibt es zahllose Beispiele. FĂŒr muslimische FlĂŒchtlinge könnte die (vorĂŒbergehende) neue Heimat auch die Chance sein, Freiheit, MenschenwĂŒrde und Achtung fĂŒr jede Person, nicht nur fĂŒr MĂ€nner, kennen zu lernen. Das setzt voraus, daß sie diese Denkweise in Europa auch erfahren und mit dem islamischen Denken vergleichen können. Das wĂ€re die Voraussetzung fĂŒr Integration. Ohne diese Erfahrung kommt es zwangslĂ€ufig zu Parallelgesellschaften. Man kann sich fragen, warum manche Medien und gerade auch manche KirchenfĂŒhrer den Muslimen heute diese Erfahrung nicht offen nahe bringen wollen.

Institut fĂŒr Demokratie, Allgemeinwohl und Familie, Nachricht der Woche, 2017 / 2, 13.02.2017

(1)    https://www.chathamhouse.org/expert/comment/what-do-europeans-think-about-muslim-immigration

(2)    vgl. Hanna-Barbara Gerl Falkovitz, Gewalt und Religion – Die Ambivalenz des Islam,  http://www.i-daf.org/aktuelles/aktuelles-einzelansicht/archiv/2015/01/12/artikel/gewalt-und-religion-die-ambivalenz-des-koran.html

(3)    fĂŒr wissenschaftlich nĂŒchterne Darstellungen siehe Hans Peter Raddatz und Bat Ye’or, Europa und das kommende Kalifat, Duncker und Humblot, 2013; Tilman Nagel, Angst vor Allah?, Duncker und Humblot, 2014;

(4)    vgl. u. a. Hillel Ofek, Why the Arabic World turned away from Science, aus: The New Atlantis, Number 30, Winter 2011, pp 3-23; Robert R. Reilly, The Closing of the Muslim Mind, ISI Books, 2010; Hans-Peter Raddatz, op.cit.

(5)    siehe Grafik und iDAF-Nachricht, http://www.i-daf.org/aktuelles/aktuelles-einzelansicht/archiv/2014/02/03/artikel/historischer-absturz-demographie-im-nahen-und-mittleren-osten.html

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Dieser Beitrag wurde erstellt am Montag 20. Februar 2017 um 10:59 und abgelegt unter Gesellschaft / Politik.