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Lage der Christen in der TĂŒrkei nach wie vor schwierig, aber evangelische Gemeinden wachsen

Mittwoch 15. Februar 2017 von Martin-Bucer-Seminar


Martin-Bucer-Seminar

Jahresbericht 2016 ĂŒber Menschenrechtsverletzungen von evangelischen Kirchen der TĂŒrkei erschienen

Auch im Jahr 2016 gab es eine ganze Reihe ernst zu nehmender Menschenrechtsverletzungen im Rahmen der einheimischen evangelischen Gemeinden in der TĂŒrkei. Der Bericht nennt zusammenfassend:

  • Hassdelikte gegen Christen;
  • physische Angriffe gegen Christen und Kirchen, was z.T. schwerwiegende Sicherheitsvorkehrungen nötig machte;
  • Probleme bei Beantragung neuer gottesdienstlicher StĂ€tten oder Nutzung bestehender KirchengebĂ€ude;
  • starke Propaganda gegen Weihnachten und Silvester durch Plakate, BroschĂŒren, Zeitungsartikel und Fernsehsendungen;
  • Nennung von Gemeinden parallel mit Terrororganisationen;
  • Probleme im Rahmen des staatlichen Religionsunterrichtes;
  • offiziell keine Möglichkeit, pastorale Mitarbeiter auszubilden;
  • einige auslĂ€ndische Mitarbeiter in Gemeinden wurden ausgewiesen oder es wurde ihnen nach einer Auslandsreise die Einreise verweigert, ein auslĂ€ndischer Pastor befindet sich wegen TerrorismusvorwĂŒrfen in Izmir in Haft;
  • die Religionszugehörigkeit steht nach wie vor im Personalausweis und stellt damit ein hohes Risiko fĂŒr Diskriminierung dar;
  • der Malatya-Mordprozess ging in erster Instanz zu Ende;
  • öffentliche Weihnachtsfeiern wurden 2016 aus SicherheitsgrĂŒnden nicht gestattet.

Der Bericht erlĂ€utert dann sachlich und detailliert jeden der genannten Punkte. Er möchte damit einen Beitrag leisten, damit die auch in der tĂŒrkischen Verfassung verbriefte Religions- und Glaubensfreiheit fĂŒr alle BĂŒrger der TĂŒrkei, und damit auch fĂŒr die evangelischen Christen, verwirklicht wird.

Der Bericht beschrĂ€nkt sich bewusst auf die Lage der einheimischen evangelischen Christen, dies aber nicht, weil es in Bezug auf andere Christen oder Kirchen keine Menschenrechtsverletzungen gĂ€be, sondern nur deshalb, weil man fĂŒr einen breiter aufgestellten Bericht nicht die Mittel und KapazitĂ€ten hat.

Bei allen Schwierigkeiten gibt es punktuell aber auch Positives zu berichten. So konnte die Gemeinde in Bursa trotz KĂŒndigung der Nutzung des historischen KirchengebĂ€udes ihre Gottesdienste ohne Unterbrechung in diesem GebĂ€ude fortsetzen, da kurzfristige intensive GesprĂ€che zu einem Umdenken bei den zustĂ€ndigen Behörden fĂŒhrten. Die GesprĂ€che halten auch in 2017 an, eine finale formelle Vereinbarung steht noch aus, die aber im Moment das Gemeindeleben nicht behindert.

Dankbar zeigen sich die Gemeinden auch, dass es an vielen Orten eine gute Zusammenarbeit mit der Polizei gegeben hat, sodass Gottesdienste ohne ZwischenfÀlle gefeiert werden konnten.

Alles in allem wĂ€chst die Zahl der evangelischen Christen und der Gemeinden in der TĂŒrkei kontinuierlich. Im Bericht wird aktuell eine Zahl von 140 grĂ¶ĂŸeren und kleineren Gemeinden angegeben, wobei die meisten davon in den drei großen StĂ€dten Istanbul, Ankara und Izmir beheimatet sind. Die Gesamtzahl der evangelischen Christen belĂ€uft sich aktuellen Angaben von Silas, einer einheimischen Gemeindehilfs-Organisation, zufolge auf ca. 5.000. Das sind ca. 0,006 Prozent der Bevölkerung der TĂŒrkei.

Der Bericht endet mit einer Reihe von konstruktiven VorschlÀgen, wie die Lage der Christen im Land konkret verbessert werden könnte.

Der „Bericht ĂŒber Menschenrechtsverletzungen“ wird von der Vereinigung Protestantischer Kirchen (TĂŒrkei) seit 2007 immer im Januar fĂŒr das vergangene Jahr erstellt und veröffentlicht. Seit dem Jahresbericht 2013 erstellt das Internationale Institut fĂŒr Religionsfreiheit jeweils eine deutsche Übersetzung.

Martin-Bucer-Seminar, Bonn am 15.2.2017, Bonner Querschnitte 464 – Nr. 03/2017

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Dieser Beitrag wurde erstellt am Mittwoch 15. Februar 2017 um 9:59 und abgelegt unter Christentum weltweit.