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Eltern und Schwiegereltern (Teil 1)

Mittwoch 8. Februar 2017 von Pfr. Bernhard Ritter


Pfr. Bernhard Ritter

„Als ich 14 Jahre alt war, konnte ich meinen Vater kaum in meiner Nähe ertragen, weil er so ignorant war. Als ich 21 war, staunte ich darüber, wie viel der alte Mann in 7 Jahren gelernt hatte.“ (Mark Twain)

„Eltern“, sagt Amy, „sind wegen ihres Alters so seltsam.“ (Amanda Vail)

1. Wie man eine gute Beziehung zu Eltern und Schwiegereltern pflegt

1.1. Die Entwicklung des Kindes von der Abhängigkeit zur Unabhängigkeit

Es ist von entscheidender Bedeutung für unsere Ehe, wie wir die Entwicklung von der totalen Abhängigkeit als Kind von unseren Eltern hin zur allmählichen Unabhängigkeit erlebt haben. Wir durchlaufen mehrere Phasen in unserer Entwicklung vom Kind zum Erwachsenen und schließlich zu einer verheirateten Person.

Wir müssen offen über die Stärken und Schwächen unserer Eltern und ihrer Ehe reden. Eine erwachsene Beziehung zu den Eltern zu haben setzt voraus, dass wir unsere kindlichen Vorstellungen, in denen wir unsere Eltern idealisierten, loslassen – genauso wie unsere Vorbehalte während der Teenagerjahre, als unsere Eltern in unseren Augen alles falsch gemacht haben. Wir müssen sie als Erwachsene sehen, wie sie wirklich sind, einen realistischen Blick für sie bekommen.

1.1.1. Die frĂĽhe Kindheit

Während der frühen Kindheit sorgen die Eltern in allen Dingen für ihre Kinder. Nicht nur für Essen und Trinken, Hygiene, Wärme, Bildung und medizinische Versorgung, sondern auch für die emotionalen Bedürfnisse des Kindes wie Zuneigung, Annahme, Sicherheit, Ermutigung, Trost usw. Die Erfahrung elterlicher Liebe sorgt für die Entwicklung eines stabilen kindlichen Selbstvertrauens, was für alle späteren Beziehungen von entscheidender Bedeutung ist. Nur mit einem hinreichend stabilen Selbstvertrauen kann man später Beziehungen eingehen und deren Probleme bewältigen. Wir wissen heute, dass die frühkindliche emotionale Prägung, insbesondere eine stabile Beziehung zwischen Mutter und Kind in den ersten Jahren, das spätere Beziehungsverhalten entscheidend beeinflusst.

1.1.2. Teenagerzeit

In dieser Zeit gewährten uns unsere Eltern zunehmende Unabhängigkeit und größere eigene Spielräume zu eigenen Entscheidungen. Sie gaben uns die Möglichkeit, in möglichst vielen Bereichen Schritt für Schritt selbstverantwortlich zu werden.

Dieses allmähliche Loslassen ist ein wichtiger Teil des Übergangs von der totalen elterlichen Kontrolle zur Unabhängigkeit. Als junge Teenager benötigten wir jedoch immer noch bestimmte Grenzen. Das führte auch immer wieder zu Spannungen mit ihnen.

Die Teenagerjahre brachten viele Fragen mit sich, denn wir waren damit beschäftigt, unsere eigene Identität aufzubauen und brauchten die emotionale Unterstützung unserer Eltern.

1.1.3. Erwachsenwerden / das Elternhaus verlassen

Schrittweise übernahmen wir unsere eigene Verantwortung, wurden wir unabhängig. Wir trafen eigene Entscheidungen über unsere weitere Ausbildung, über die berufliche Laufbahn, die Verwendung von Geld, andere Beziehungen usw. Die Beziehung zu den Eltern wurde nun mehr und mehr die zwischen Erwachsenen. Hoffentlich waren wir weniger mit uns selbst beschäftigt und haben eine gewisse Verantwortung gegenüber unseren Eltern akzeptiert. Zum Beispiel die, mit ihnen im Kontakt zu bleiben.

1.1.4. Heiraten / Hochzeitsvorbereitungen mit Vernunft

Nun müssen wir die emotionale Abhängigkeit von unseren Eltern hinter uns lassen. Wenn die junge eheliche Beziehung auf einer gesunden Grundlage steht, können Eltern (und Geschwister) eine wichtige Unterstützung und Stabilität für die Ehe sein.

Die gemeinsamen Treffen und Familienfeste sind wertvolle Begegnungsmöglichkeiten für alle Generationen der Großfamilie.

Die Zukunftsgestaltung der Ehe beginnt mit den Hochzeitsvorbereitungen. Diese verlaufen nur sehr selten ohne Spannungen. Oft offenbaren sich hier erstmals die unterschiedlichen Vorstellungen der Familien sehr deutlich. Auch die unterschiedlichen Ansichten des Hochzeitspaares und die ihrer Eltern wollen unter einen Hut gebracht werden. Die Organisation einer Hochzeit bedeutet in der Regel intensive, wochenlange Vorarbeit, und viele Paare sind geschockt, wenn sie entdecken, wie viele Entscheidungen fĂĽr dieses Ereignis zu treffen sind.

1.2. Den Eltern weiterhin unsere Wertschätzung zeigen

Alle Eltern blühen auf, wenn ihre Kinder ihnen Dankbarkeit und Wertschätzung zeigen. Manche Paare schreiben ihren Eltern auch einen Brief, in dem sie ihnen einmal ihren besonderen Dank ausdrücken.

1.3. In Kontakt bleiben

Wenn wir verheiratet sind, müssen wir gemeinsam erarbeiten, wie wir mit unseren Eltern Kontakt halten wollen. Tägliches langes Telefonieren ist eine fortgesetzte Abhängigkeit und schädlich für die Ehe. Die Zeiten der Ehe dürfen nicht unangemessen eingeschränkt werden.

Wir mĂĽssen gemeinsam entscheiden, wie oft wir unsere Eltern besuchen oder einladen wollen.

Wenn einer der Partner das Problem hat, in die alte Abhängigkeit von den Eltern zurückzufallen, oder unfähig ist, einer Einmischung der Eltern zu widerstehen, dann sollte man sie am besten zu sich nach Hause einladen.

Wenn die Beziehung angespannt ist, so können häufige, aber dafür kürzere Besuche zu einer positiveren Beziehung beitragen. Eine angenehme Atmosphäre ist für kurze Zeit leichter zu erreichen. Wenn man sich zu lange sieht und nichts zu tun oder zu sagen hat, können Spannungen entstehen.

Wenn die Beziehung zu einem Elternteil schwierig ist sollte man versuchen, zu ihm einen besonders herzlichen Zugang zu finden. Das kann nicht nur das Herz des Elternteils ändern, sondern auch die eigene Einstellung zu ihm. Wir müssen eine ehrliche Beziehung zu unseren Eltern pflegen und dabei die eigene Ehe sicher bewahren. Aber wir dürfen auch die Liebe und Zuwendung der Eltern nicht ausnutzen.

1.4. Sich um Konfliktlösungen bemühen

Auch in engen Beziehungen zu Eltern und Schwiegereltern werden Meinungsverschiedenheiten auftreten. Spannungen und Schwierigkeiten müssen nach den gleichen Grundsätzen gelöst werden, wie schon zuvor beschrieben:

Man muss a) darĂĽber reden, b) um Entschuldigung bitten und c) vergeben!

Es ist wichtig, ungelöste Konflikte aus der Vergangenheit vollständig zu lösen, am besten noch vor der Eheschließung. Wenn wir dies nicht tun, werden Ärger, Bitterkeit, Groll und Schuldgefühle immer wieder an die Oberfläche kommen. Es kann sogar sein, dass wir uns sonst nach einiger Zeit ebenso negativ verhalten wie die Eltern.

Wir Menschen haben einen Hang zur negativen Nachahmung. Nur wenn wir aufrichtig vergeben, können wir dem entkommen.

Wenn wir als Kind für einen Knacks in der Beziehung zu unseren Eltern verantwortlich waren, so müssen wir uns bei ihnen entschuldigen, ohne ihnen Schuld zuzuweisen und ohne unser Verhalten erklären zu wollen.

1.5. BedĂĽrfnisse der Eltern berĂĽcksichtigen

Kinder durchlaufen eine Entwicklung von einer völligen Abhängigkeit von ihren Eltern hin zu einer Beziehung unter Erwachsenen, die aus gegenseitiger Unterstützung besteht, bis sich die Rollen komplett vertauschen und die Eltern, wenn sie sehr alt geworden sind, von ihren Kindern abhängig sind.

Als Erwachsene müssen wir uns nicht mehr gegenüber unseren Eltern für unser Tun verantworten, doch wir tragen weiterhin Verantwortung für sie. Das 5. Gebot: „Du sollst Vater und Mutter ehren …“ behält lebenslang seine Aktualität. Wenn ein Elternteil allein lebt, sehnt es sich vermutlich mehr als alles andere nach Gesprächen und Gesellschaft. Auch dafür muss sich eine Lösung finden.

1.6. Die Großfamilie wertschätzen

Natürlich ist keine Großfamilie perfekt, im Gegenteil. Aber sie kann für eine junge Ehe – und vor allem für Kinder – eine große Chance der Abwechslung und der gegenseitigen Hilfe sein. Deshalb sind Treffen zu bestimmten Gelegenheiten sehr wünschenswert. Man kann diese Treffen z.B. auch als Austauschmöglichkeiten über die verschiedenen Lebenserfahrungen in den verschiedenen Lebensaltern nutzen. Und nicht zuletzt sind sie eine Chance zum Austausch und zur Beziehungspflege für die Kinder und Enkel. Manche Großeltern können eine wichtige Rolle im Leben ihrer Enkel einnehmen. Viele Großeltern berichten, wie sehr sie es genießen, Kinder um sich zu haben, für die sie nicht mehr verantwortlich sind und die sie am Ende des Tages wieder abgeben können.

Wir dĂĽrfen aber nicht zu viel von unseren Eltern erwarten. SchlieĂźlich haben sie sich die Enkel nicht ausgesucht, und keinesfalls tragen sie die Verantwortung fĂĽr sie.

Wenn wir als Eltern unsere Eltern nicht mehr haben oder sie sehr weit entfernt wohnen kann es wünschenswert und wichtig sein, unsere Kinder mit anderen Menschen aus der älteren Generation in Kontakt zu bringen (Freunde, Gemeinde u. ä.).

1.7. Einander verstehen

Auch wenn wir eine gesunde Beziehung zu unseren Eltern und Schwiegereltern pflegen gibt es Konfliktpotenziale. Während die junge Familie die intensivste Phase des Lebens durchläuft, wird das Leben der Eltern (in der Regel) bedächtiger und ruhiger. Es kann echt anstrengend sein, einander darin zu verstehen. Dazu kommen: Gesundheitsprobleme, Organisation der Kinderbedürfnisse usw.

Wenn wir gelegentlich die Vorstellungen unserer Eltern oder Schwiegereltern nicht akzeptieren können, dann sollten wir vielleicht aufhören, sie verstehen zu wollen. Wir sollten stattdessen lockerer werden und sie um ihrer selbst willen wertschätzen, statt ihnen kritisch zu begegnen.

Wir sind und bleiben mit den Eltern und Schwiegereltern schon durch die Gene und die gemeinsame Geschichte verbunden. Es ist ganz normal, dass sie zu unserem Leben dauerhaft hinzugehören. Deshalb sollen wir auch füreinander sorgen, Erfolge und Misserfolge miteinander teilen, unsere Schwächen ertragen und unsere Stärken wertschätzen. Wir sollen sie lieben, solange sie leben – es wird uns zum Segen sein.

2. Von der elterlichen Kontrolle lösen

1 Mo 2, 24: „Darum wird ein Mann seinen Vater und seine Mutter verlassen und seiner Frau anhangen, und sie werden sein ein Fleisch.“

Manche Eltern empfinden das Loslassen ihres Kindes als schwierigste Aufgabe der Elternschaft.

Die Notwendigkeit, unsere Eltern zu verlassen, ist heute anders als frĂĽher, aber ebenso notwendig. Viele Kinder leben vor einer EheschlieĂźung oft schon jahrelang auĂźer dem Haus der Eltern.

Mit dem „Verlassen“ ist aber weniger das örtliche als vielmehr das seelische und spirituelle Loslassen gemeint. Mit der Hochzeit entsteht ein neues Zentrum des Lebens. Das ist für das junge Paar nicht mehr das Elternhaus. Viele Menschen haben selbst nach vielen Ehejahren ihre Eltern in diesem Sinne noch nicht verlassen. Deshalb ist es gut, sich einmal zu überprüfen. Das kann im gemeinsamen Nachdenken über folgende Prüf-Fragen geschehen:

– Sind Vater und/oder Mutter für uns wichtiger als unser Ehepartner?

– Sind wir immer noch emotional von unseren Eltern abhängig?

– Versuchen unsere Eltern, sich in unser Leben einzumischen?

– Erwarten wir von unserer Ehe, dass sie so aussieht oder wird wie die Ehe unserer Eltern?

2.1 Wir müssen erkennen, wem unsere oberste Loyalität gehört

Nach der Hochzeit ist der neue Mittelpunkt unseres Lebens die Ehe, nicht mehr das Elternhaus. Auch wenn die Eltern Schwierigkeiten durchmachen, gehören wir zuerst zu unserem Partner und sind für ihn da!

In vielen Ehen wird dieser notwendige Wandel der Zugehörigkeit nicht praktiziert. Manchmal üben die Eltern einen ungesunden und wenig hilfreichen Einfluss weiterhin auf ihr Kind aus. Das ärgert den Partner und bringt Stress in die Ehe.

In manchen Fällen haben die Eltern einfach nicht erkannt, dass ihr Kind seine eigenen Entscheidungen treffen muss.

Vielleicht kontrollierten es die Eltern bisher übermäßig aus Unsicherheit oder Angst. Oder sie klammern sich an ihr Kind, um ihre eigenen Bedürfnisse nach Zuwendung und Hilfe zu befriedigen.

Wenn Eltern unangemessen mit unerwünschten Ratschlägen oder Kritik in das Leben ihres verheirateten Kindes eingreifen, geschieht dies meist dann, wenn sie meinen, damit eine Hilfe zu sein.

Wir sind als Ehepartner gemeinsam dafür verantwortlich, solchen Einmischungen freundlich aber klar zu widerstehen. Das kann schwierig sein, wenn sich ein Elternteil schon immer kontrollierend und manipulierend verhalten hat. Eltern können auch emotionalen Druck ausüben, indem sie dem Kind z.B. vorwerfen, undankbar zu sein oder sich nicht genügend um sie zu kümmern. Dadurch werden Schuldgefühle geweckt, und wir müssen uns wieder in Erinnerung rufen, wem unsere erste Loyalität nun gilt.

2.2. Die Ehe muss ihre eigenen Entscheidungen treffen

Es ist äußerst wichtig in einer Ehe, dass man gemeinsam über anfallende schwerwiegende Dinge diskutiert und gemeinsam Entscheidungen trifft. Wir müssen als Ehepaar entscheiden,

  • wie wir unseren Urlaub verbringen,
  • wie wir mit unserem Geld umgehen,
  • wie wir unser Heim einrichten,
  • welcher Arbeit wir nachgehen,
  • wie wir unsere Kinder erziehen,
  • wie oft wir Besuche machen und empfangen,
  • wie wir unsere Kompetenzen und Zuständigkeiten verteilen
  • wie wir mit unserer Zeit umgehen usw.

Eltern haben oft wertvollen Rat zu bieten, weil sie in ihrem Leben viele Lebenserfahrungen gesammelt haben, und es ist eine gute Sache, wenn ein Ehepaar dem Rat der Eltern Gehör schenkt. Aber es ist von höchster Bedeutung, dass die Ehepartner frei sind, diesen Rat zu befolgen oder nicht und dies selbst gemeinsam entscheiden.

Wir dürfen auf keinen Fall eine wichtige Entscheidung mit unserem Vater oder unserer Mutter treffen, ohne zuvor mit unserem Ehepartner darüber gesprochen und entschieden zu haben (z.B. die Anordnung der Möbel bestimmen, ohne die Ehefrau zu fragen…! Jeder hat einen anderen Geschmack; eine Frau muss sich in ihrer Wohnung wohl fühlen können …).

Wir müssen auch unbedingt darauf achten, dass unser Ehepartner nicht den Eindruck gewinnt, die Meinung unserer Eltern sei wichtiger für uns als die Meinung unseres Partners. Ein solcher Eindruck wird das Vertrauen des anderen untergraben und zu Spannungen und Konflikten führen. Wenn ein Paar von den Eltern finanzielle Unterstützung erhält, muss es dennoch frei sein, über die Verwendung dieser Zuwendung selbst zu entscheiden.

Eine solche Einmischung in Entscheidungen ist noch schwerer zu ertragen, wenn Kinder geboren werden. Die meisten jungen Eltern haben keine Erfahrung im Umgang mit Babys, und Ratschläge der Eltern werden leicht als Kritik und Einmischung empfunden, besonders, wenn sich junge Eltern in ihrer neuen Rolle noch unsicher fühlen. Außerdem gibt es wahrscheinlich Bereiche, in denen wir unsere Kinder auch anders erziehen wollen, als es unsere Eltern getan haben.

2.3. Miteinander einig sein und einander unterstĂĽtzen

Wenn Eltern oder Schwiegereltern versuchen die Meinung eines Partners zu manipulieren oder ihre Ăśberzeugung durchzusetzen (z.B. bei der Erziehung der Kinder), mĂĽssen sich beide Ehepartner ganz einig sein und diese gemeinsame Ăśberzeugung vor den Eltern mit freundlichem Nachdruck vertreten. Wenn sie ihre abgesprochene Linie konsequent verfolgen, werden alle Versuche von Ausnutzen oder Manipulation scheitern.

Doch sobald sich ein Spalt Uneinigkeit zeigt, haben die Eltern oder Schwiegereltern (übrigens später auch die eigenen Kinder!) die Möglichkeit, einen Keil zwischen sie zu treiben.

Wir mĂĽssen als Ehepartner eine Einheit bilden. Das bedeutet, dass wir uns nicht auf die Seite unserer Eltern schlagen und dass wir uns vor unseren Partner stellen, wenn er von den Schwiegereltern kritisiert wird.

Wenn wir einander konsequent unterstützen, werden wir allmählich die Einheit unserer Beziehung festigen und mit unseren Eltern eine freundliche, aber klare Sprache sprechen.

2.4. Gegebenenfalls Grenzen setzen

Wenn die Eltern gewohnt waren, vor der Ehe immer Einfluss auf ihr Kind zu nehmen oder mit ihm alles abzusprechen; oder wenn sie in Not sind und ständig um Hilfe nachsuchen; oder wenn sie häufig anrufen (vielleicht sogar mehrmals am Tage) usw. muss man dem Einfluss Grenzen setzen, damit die Ehe nicht gefährlich belastet wird.

  • In solchen Situationen muss der erste Schritt darin bestehen, die Problematik in der Ehe miteinander zu besprechen. Wir mĂĽssen dabei versuchen, die GefĂĽhle der Eltern wie des Ehepartners zu verstehen. Das ist nicht einfach. Manchmal versucht ein Kind, seine Eltern instinktiv zu verstehen oder will ihnen gefällig sein – das gilt besonders, wenn wir sie stets idealisiert haben oder wenn sie krank oder einsam sind. Das kann u. U. dazu fĂĽhren, dass wir uns gegenĂĽber unserem Partner zurĂĽckziehen oder seinen Standpunkt nicht verstehen wollen. Möglicherweise erkennen wir das Problem auch gar nicht. Wir mĂĽssen aufmerksam sein und einsehen, dass es fĂĽr den Partner offenkundig ein ernstes Problem gibt.

Wenn wir teilnahmsvoll zuhören, haben wir in der Regel schon die halbe Strecke zur Lösung des Problems zurückgelegt. Wir müssen auch erkennen, dass unser Partner unsere Eltern nicht angreifen will, sondern zu Recht unsere Ehe verteidigt. Wenn wir das begreifen, können wir gemeinsam erarbeiten, was nötig ist, eventuell mit Rat und Hilfe von außen.

  • In einem zweiten Schritt muss man das Problem mit den Eltern gemeinsam einfĂĽhlsam besprechen. Dazu sind folgende wichtige Aspekte in einem gemeinsamen Gespräch zu beachten:
  • Sie mĂĽssen ihre Wertschätzung und Dankbarkeit fĂĽr die bisherige UnterstĂĽtzung der Eltern mit allem Nachdruck ihnen vermitteln, möglichst zu Beginn des Gesprächs.
  • Sie mĂĽssen sehr deutlich machen, dass sie sich wĂĽnschen, auch weiterhin eine enge und gute Beziehung zu den Eltern zu unterhalten.
  • Sie mĂĽssen ausfĂĽhrlich erklären, inwiefern das Problem Stress in ihre Ehe brachte, evtl. warum sich der leidende Ehepartner ausgeschlossen fĂĽhlte (mit konkreten Beispielen).
  • Sie mĂĽssen konkrete und praktische Vorschläge machen, wie sie gemeinsam die Situation verbessern können.

2.5. Einander vorrangig behandeln / die Ehe hat Priorität

In jedem Fall gilt: Die Einheit mit dem Ehepartner hat oberste Priorität vor allen anderen Überlegungen. Er ist die wichtigste Bezugsperson im ganzen Leben. Nur die gemeinsam entschiedene Haltung verbindet und führt zu einem friedvollen Ergebnis.

Wenn ein Partner von den Eltern/Schwiegereltern kritisiert wird (in besonderer Weise, wenn Schwiegertöchter von Schwiegereltern kritisiert werden), hat das Kind für seinen Partner einzustehen und für die Anerkennung seines Partners zu sorgen.

Er steht auf der Seite seines Ehepartners, selbst wenn erkennbare Fehler aufgetreten waren!

Und nicht zuletzt: Auch im Verhältnis zu den Eltern ist eine Haltung des freundlichen Humors (und insbesondere des entkrampfenden Selbsthumors) oft von entscheidender Bedeutung für eine dauerhaft offene und freundschaftliche Beziehung.

Pfr. Bernhard Ritter, LEO-Rundbrief Februar 2017 (Gesellschaft fĂĽr Lebensorientierung – LEO)

Der zweite Teil dieses Aufsatzes erscheint im Juni 2017.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Dieser Beitrag wurde erstellt am Mittwoch 8. Februar 2017 um 7:59 und abgelegt unter Ehe u. Familie.