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„Die Juden zuerst“

Dienstag 15. November 2016 von Pfr. Ulrich Parzany


Pfr. Ulrich Parzany

Die Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) hat am 9. November 2016 in Magdeburg verboten, was in den evangelischen Kirchen sowieso keiner tut: Judenmission. Haben die sonst keine Probleme?, könnte man fragen. Na, die haben dicke Probleme. Und das zeigt sich auch an diesem Beschluss. Es gibt nach dem schrecklichen Morden an Juden in der nationalsozialistischen Zeit wieder ĂŒber 200.000 Juden in Deutschland. Gott sei Dank! Unter ihnen einige Hundert, die an Jesus, den Messias, glauben. Sie nennen sich Messianische Juden. Ich kenne einige von ihnen. Manche sind als Atheisten in der Sowjetunion aufgewachsen. Sie haben durch den Glauben an Jesus ihre jĂŒdische IdentitĂ€t neu verstanden. Sie sind wie Petrus und Paulus nicht vom Judentum zum Christentum ĂŒbergetreten. FĂŒr sie erfĂŒllt sich in dem Messias Jesus die Hoffnung Israels.

Sie sind und bleiben Juden. Sie haben eine große Liebe zu ihrem jĂŒdischen Volk – wie Paulus, der immer zuerst in die Synagogen gegangen ist, um dort den Messias Jesus, den Retter Israels und der Völker, zu verkĂŒnden.

Der EKD-Beschluss muss fĂŒr Messianische Juden völlig unverstĂ€ndlich sein

Was die EKD-Synode beschlossen hat, muss fĂŒr diese Juden völlig unverstĂ€ndlich sein, denn da heißt es: „Christen sind – ungeachtet ihrer Sendung in die Welt – nicht berufen, Israel den Weg zu Gott und seinem Heil zu weisen. Alle BemĂŒhungen, Juden zum Religionswechsel zu bewegen, widersprechen dem Bekenntnis zur Treue Gottes und der ErwĂ€hlung Israels.“

Paulus gehörte in der Großstadt Antiochien in Syrien zu der Gemeinde aus Juden und Nichtjuden, die zuerst als „Christen“ bezeichnet wurden (Apostelgeschichte 11,26). Und selbstverstĂ€ndlich sind alle Jesus-Nachfolger – Juden und Nichtjuden – berufen, allen Menschen das Heil in Jesus zu verkĂŒnden. Im Römerbrief beschreibt Paulus die unverbrĂŒchliche Treue Gottes zu seinem erwĂ€hlten Volk Israel bis zum Ende der Geschichte. Und gerade darum ruft er Juden und Heiden zum Glauben an Jesus. „Ich schĂ€me mich des Evangeliums nicht; denn es ist eine Kraft Gottes, die rettet alle, die glauben, die Juden zuerst und ebenso die Griechen“ (Römer 1,16).

Was nicht gesagt werden soll

Was bildet sich eigentlich eine Kirchensynode ein – und ausgerechnet eine deutsche –, dass sie meint, sie könnte die messianischen Juden einfach ignorieren. Man erwĂ€hnt sie nicht einmal, aber verbietet ihnen quasi, ihrem Volk das Evangelium von Jesus zu sagen? Sie sollen nicht sagen dĂŒrfen, was Petrus und Johannes vor der Regierung in Jerusalem von dem gekreuzigten und auferstandenen Jesus gesagt haben: „Und in keinem andern ist das Heil, auch ist kein andrer Name unter dem Himmel den Menschen gegeben, durch den wir sollen gerettet werden“ (Apostelgeschichte 4,12).

Bei der EKD-Synode 1999 in Leipzig war alles ganz anders

Vergesslich scheinen die Verantwortlichen in der Evangelischen Kirche auch zu sein. Auf der EKD-Synode 1999 in Leipzig hielt der hoch angesehene Theologieprofessor Eberhard JĂŒngel (TĂŒbingen) das EinfĂŒhrungsreferat zum Thema „Der missionarische Auftrag der Kirche“. Ich war Zeuge, wie dieser langjĂ€hrige Vorsitzende der Kammer fĂŒr Theologie der EKD auch zum schon damals heftig umstrittenen Thema „Judenmission“ sprach. Die „aus den Heidenvölkern berufenen Christen“ sind „als wilde Schösslinge dem edlen Ölbaum Israel eingepfropft“. „Nur als solche können sie sich Israel gegenĂŒber bemerkbar machen mit der Botschaft, dass der aus dem Geschlecht Davids geborene Jesus von Nazareth durch seine Auferweckung von den Toten als Gottes Sohn eingesetzt, definiert worden ist (Römer 1,3f): ‚Christ, der Retter ist da!‘ Diese Wahrheit darf allerdings niemandem vorenthalten, muss also auch Israel gegenĂŒber angezeigt werden. Aus der Bezeugung des Evangeliums in Israel ist ja die Kirche hervorgegangen. Sie mĂŒsste ihre eigene Herkunft verleugnen, wenn sie das Evangelium ausgerechnet Israel gegenĂŒber verschweigen wollte. Dass das Evangelium Israels ureigenste Wahrheit ist, daran zu erinnern, haben die Apostel sich verpflichtet gewusst. Aus dieser Verpflichtung kann auch die Kirche nicht entlassen werden.“ Kein Synodaler hat ihm damals in der EKD-Synode widersprochen.

Die evangelische Kirche entmachtet „die Königin“

An dem Beschluss der jetzigen EKD-Synode in Magdeburg wird deutlich: Die evangelischen Kirchen haben ein großes Problem, das auch die aufwendigen Feiern zum ReformationsjubilĂ€um nicht verdecken können. Ihre Synoden fassen BeschlĂŒsse gegen klare Aussagen der Bibel. Luther hat geschrieben: „Ich will, dass die Schrift allein Königin sei.“ In den evangelischen Kirchen wird diese Königin entmachtet. Das fĂŒhrt zur geistlichen Selbstzerstörung dieser Kirchen.

Aus erneut gegebenem Anlass erinnere ich evangelische Christen an die wichtigste Bekenntnisschrift der Reformation, das „Augsburgische Bekenntnis“ (1530), auf das fast alle Pfarrer vereidigt werden. Darin heißt es in Artikel 28 ausdrĂŒcklich: „Wo das geistliche Regiment etwas gegen das Evangelium lehrt oder tut, haben wir den Befehl, dass wir ihm nicht gehorchen“.

Pfr. Ulrich Parzany, Kassel

Der obenstehende Kommentar erschien am 10.11.2016 im Nachrichtenmagazin idea; http://www.idea.de/spektrum/detail/die-juden-zuerst-98898.html

Quelle: Netzwerk Bibel und Bekenntnis (www.bibelundbekenntnis.de)

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Dieser Beitrag wurde erstellt am Dienstag 15. November 2016 um 14:10 und abgelegt unter Kirche, Theologie.