Gemeindenetzwerk

Ein Arbeitsbereich des Gemeindehilfsbundes

Drucke diesen Beitrag Drucke diesen Beitrag Artikel empfehlen Artikel empfehlen

Predigt: Mach aus Sorgen ein Gebet

Sonntag 1. Oktober 2006 von Pfr. Dr. Theo Lehmann


Pfr. Dr. Theo Lehmann

Mach aus Sorgen ein Gebet
Predigt über Matthäus 6, 25-34

Liebe Freunde,

gleich nach der Wende habe ich mir einen Traum erfüllt und bin nach Frankreich gefahren. Mein Verhältnis zur französischen Sprache war wie das zu meiner Frau: ich liebte sie, aber beherrschte sie nicht. Ein bißchen Französisch konnte ich ja, z.B. „merci cheri“, das hatte ich von Udo Jürgens gelernt. Und ansonsten ist die Sprache wirklich kinderleicht. Z.B. das Wort „Kind“ heißt bei denen „Enfant.“ Ist doch klar: Ein Kind ist ein Anfänger, ist am Anfang. Bloß daß die Franzosen das „n“ nicht so sprechen wie wir, sondern durch die Nase, also nicht „Anfang,“ sondern „enfant.“

Seht ihr, so einfach ist das. Nein, die Sprache war nicht mein Problem. Ich hatte dort andere Sorgen. Mein Ziel war der Süden. Und als ich in Orange (ratet mal, was orange auf deutsch heißt; tatsächlich, Orange heißt orange, wie die Farbe oder die Apfelsine, also ich sage doch, Französisch ist ein Kinderspiel) – also, als ich in Orange, dem Tor zum Süden, ankam, da bin ich fast durchgedreht. Da stand ich unter den Platanen, ich hörte die Grillen zirpen wie wahnsinnig, ich sah den römischen Triumphbogen, es war alles genau wie auf der Postkarte und genau das, wonach ich mich immer gesehnt hatte. Das konnte ich jetzt sehen, in Wirklichkeit! Ich war da! Also ich war vor Glück ganz aus dem Häuschen. Dann bin ich ins Hotel, hab nur das Nötigste mitgenommen und die Koffer im Auto gelassen. Ich bin herzkrank und kann so schweres Zeug nicht mehr tragen. Am nächsten Morgen eile ich beschwingten Schrittes zu meinem Auto und will meine Rundreise fortsetzen, aber daraus wurde nichts, so nach dem Motto „Jetzt geht’s rund, jubelte der Spatz, und flog in den Ventilator.“ Denn als ich auf dem Parkplatz zu meinem Auto komme, da denk ich, mich trifft der Schlag: eine Scheibe eingeschlagen und die Koffer mit sämtlichen Klamotten geklaut.

Als ich da so stand, nur noch mit dem, was ich auf dem Leib hatte und in meinem Handköfferchen, da kam wie so eine Welle die Sorge auf mich zu: Was mach ich jetzt? Und da fiel mir ein, was ich eine halbe Stunde vorher gelesen hatte. Denn bevor ich mein Hotel verließ, hatte ich Stille Zeit gehalten und Bibel gelesen. An dem Tag war die Lesung Matthäus 6,25-34, und das lese ich euch jetzt mal vor.

Das hört sich gut an, was? Mit Vögeln und Lilien und so. Aber ich sage euch: Als ich in Südfrankreich auf dem Parkplatz stand, waren mir die Vögel und die Grillen und die Lilien und Platanen ziemlich egal. Was heißt hier „Keine Sorgen machen?“ Ich mußte mir welche machen. Ich besaß noch zwei T-Shirts, und vor allem mußte ich mir eine neue Autoscheibe besorgen. Aber schon bei diesem Wort „besorgen“ merken wir, daß Jesus seine Rede von der Sorglosigkeit nicht so gemeint haben kann, als brauchten wir uns um nichts mehr zu kümmern, als könnten wir die Hände in den Schoß legen und warten, bis Gott uns das Frühstück bringt. Selbst den Vögeln, die Jesus hier erwähnt, fliegt das Futter nicht in den Schnabel, sondern auch die müssen den ganzen Tag rumfliegen und Futter besorgen. Und ich mußte losgehen, mir eine Autoscheibe besorgen, und du mußt losgehen, dir eine Arbeitsstelle besorgen, du mußt deine Kinder versorgen usw. Und so hat jeder von uns Dinge, für die er zu sorgen hat. Und Jesus denkt überhaupt nicht daran, deine Aktivität, deinen Arbeitseinsatz, deine Anstrengungen zu blockieren. Gegen Vorsorge, Fürsorge und Seelsorge hat Jesus nichts einzuwenden.

Was meint er aber mit dem Satz: „Macht euch keine Sorgen, was ihr anziehen werdet?“ Wenn das heißen soll, daß es egal ist, ob wir uns und was wir uns für Klamotten umhängen, dann müßten wir alle, zumindest die Frauen, jetzt ein schlechtes Gewissen haben. Denn eine Frau, die sich keine Sorgen macht um das, was sie anziehen soll, die gibt es in der ganzen Welt nicht. Aber da kann ich euch beruhigen. Ihr braucht kein schlechtes Gewissen zu haben, wenn ihr einen Kleiderschrank, einen Kühlschrank oder einen Geldschrank habt. Auch der Wanderprediger Jesus hatte mit seinen Jüngern eine Kasse. Er hat nicht einfach ins Blaue reingelebt, sondern sich sehr viel Gedanken über die Zukunft gemacht. Ohne planende Vorsorge für die Zukunft kann kein Mensch mit Verantwortungsgefühl leben, auch der Christ nicht. Wer uns Christen einmal die Woche über so beobachtet und unsere Gespräche mithört, so wie früher bei uns die Stasi, der dürfte kaum auf die Idee kommen, daß wir uns um unser Leben weniger Sorgen machen als andere Leute. Sondern man hat den Eindruck, daß bei uns die Sorge um Essen, Geld und Kleidung, also die Sorge um den Lebensstandard, die gleiche Rolle spielt wie bei anderen auch. Zur Zeit muß man sogar sagen, daß noch nie in der Kirche soviel von Geld geredet worden ist wie heute. So soll es zwar nicht sein, aber so ist es. Weil wir Christen für den Liter Sprit genauso viel blechen müssen wie andere Leute auch, also weil wir Menschen sind wie alle anderen. Und die Sorge gehört zum Wesen des Menschen wie die Kälte zum Winter, das Gewitter zum Sommer und der Schaum zum Bier. Daß die Sorge zum menschlichen Dasein gehört, das wird hier von Jesus ja nicht verneint, sondern vorausgesetzt. Sorge ist eine eiserne, unumgängliche Lebensnotwendigkeit.

Gerade weil das so ist und Jesus uns mit unseren Sorgen ernst nimmt, deshalb nimmt er hier zu diesem Problem Stellung. Weil er uns nämlich helfen will, mit diesem Lebensproblem fertig zu werden. Denn er sagt ja nicht: „Ihr dürft keine Sorgen haben,“ sondern er sagt: „Weil ihr Sorgen habt, sage ich euch, wie ihr sie loswerden könnt.“

Nun klingt seine Rede von der Sorglosigkeit zunächst mal irgendwie wirklichkeitsfremd, romantisch, naiv, von Vögeln und Blumen und so, wie die Rede eines Dichters, Träumers oder Reichen. Klar, wer satt ist und im Schrank ein paar Anzüge von Boss hängen hat, hat keine Kleidersorgen und kann sich romantische Formulierungen leisten. Nun stammt aber diese Rede hier nicht von einem romantischen Dichter oder reichen Playboy, sondern von Jesus. Und der war so arm, daß er nicht mal ein eigenes Bett hatte, geschweige denn einen Kleiderschrank. Der wurde geboren in einer geborgten Futterkrippe. Er hat gepredigt in einem geborgten Boot. Er ist in Jerusalem eingezogen auf einem geborgten Esel. Er hat seine letzte Mahlzeit gegessen in einem geborgten Saal. Und er wurde begraben in einem geborgten Grab. Dieser Mann redet hier nicht von oben herab aus der Vogelperspektive, sondern aus der Perspektive des armen Schweins. Der philosophiert hier nicht, weil er über den Problemen des Lebens schwebt, sondern weil er mit uns darunter leidet und die Probleme unseres Lebens teilt.. Das einzige Mal, als er geschwebt ist, da schwebte er zwischen Himmel und Erde, angenagelt an ein Kreuz, um an unserer Stelle die Strafe für unsere Sünden zu erleiden und uns dadurch zu erlösen. Der Mann ist unseren Tod gestorben. Der Mann hat unser Leben gelebt. Und schon aus diesen äußeren Lebensumständen wird klar: der empfiehlt hier nichts, was er nicht selber ernst nimmt und macht.

Jesus gehört nicht zu denen, die anderen Wasser predigen und selber heimlich Wein trinken, so wie das z. B. Mohammed, der Stifter des Islam, gemacht hat. Der erlaubte seinen Anhängern den Besitz von Frauen im Harem nur in einem begrenzten Umfang, sich selber aber genehmigte er von dieser Sorte mehr, als er seinen Anhängern zugestand. Er hat das übrigens schlauerweise so begründet, daß er von Gott dazu eine Spezialerlaubnis bekommen hat. Da kann man natürlich nichts machen. Wie gesagt, so einer ist Jesus nicht. Sondern alles, was er seinen Anhängern sagt, hat er selber praktiziert. Nur aus diesem Grund hat es ja auch für uns einen Sinn, daß wir auf das hören, was Jesus sagt. Sonst wäre es ja zwecklos, unsere Zeit damit zu verschwenden. Denn von den Leuten, die uns Sachen empfehlen, an die sie sich selber nicht halten, haben wir genug. Aber hier ist einer, der genau nach dem lebt, was er sagt. Und er sagt hier „Sorgt euch nicht um euer Leben.“ Und er sagt das nicht nur so, sondern er begründet es auch, indem er mit logischen Argumenten unseren Verstand anspricht.

Wenn du deine Sorgen mal mit kühlem Verstand analysierst, kommst du zu dem Ergebnis: Es ist Unsinn und unnütz, sich Sorgen zu machen. Ganz im Ernst, das Sorgen ist wirklich unvernünftig. Das sagt uns schon unser Verstand. Denk doch mal selber nach: Was kommt raus, wenn du dir Sorgen machst? Sorgenfalten im Gesicht sind noch das Harmloseste. Was schlimmer ist, ist Nervosität, schlechte Laune, Gallensteine und Krach mit deiner Frau. Irgend etwas Positives erreichst du mit deinen Sorgen nicht. Mit Sorgen wird nichts gebessert, sondern nur verschlechtert. Ich zum Beispiel – bloß damit ihr mal seht, was ich für ein Blödmann bin – ich mache mir manchmal eine Rübe, ob ich in der Stadt, in die ich will, einen Parkplatz finde. Das ist natürlich absolut idiotisch, und selbst wenn ich mir 300 Kilometer lang Sorgen mache. kriege ich dadurch nicht einen Millimeter Parkfläche. Ich muß aber sagen, daß ich in dieser Hinsicht gerade im letzten Jahr einiges gelernt habe. Z.B. hatte ich in Stuttgart einen Offenen Abend zu halten. Schon auf dem Einladungszettel stand „Bitte benutzen Sie öffentliche Verkehrsmittel, da Parkmöglichkeiten kaum vorhanden sind.“ Als wir nun abends ins Stuttgarter Zentrum fuhren, sagte unsere Quartiergeberin, es gäbe um diese Zeit kaum eine Chance für eine Parklücke. Aber in den vielen Jahren, in denen sie zum Offenen Abend fährt, hätte Jesus immer für eine Parklücke gesorgt. Also haben wir jeder im Stillen unsere Stoßgebete losgelassen: „Jesus, wir sind hier als deine Knechte, wir wollen heute abend für dich Dienst tun. Du weißt, wir haben keine Zeit, noch in der halben Stadt rumzukurven. Wir brauchen jetzt für unsere zwei Autos eine Parkmöglichkeit, bitte hilf uns.“ Wir kamen an, vor uns fuhr einer raus und wupp, schon hatten wir unseren Parkplatz, und bei dem anderen Auto mit den Mitarbeitern war es genauso. Den ganzen Weg sich sorgen hätte überhaupt nichts genützt. Aber das Gebet zu Jesus, das hat genützt. Und selbst wenn du mir in diesem Punkt nicht folgen kannst und sagst: das war eben Zufall – selbst dann mußt du mir zugeben: Sich-Sorgen-Machen hätte jedenfalls nichts genützt.

Jesus wendet sich also zunächst mal an unseren Verstand mit einem ganz logischen Argument, indem er fragt (V.27): „Wer von euch kann durch Sorgen sein Leben auch nur um einen Tag verlängern?“ Dagegen ist wirklich nichts vorzubringen. Im Gegenteil, die medizinische Wissenschaft bestätigt, daß Sorgen das Leben nicht verlängern, sondern verkürzen. Allerdings hat die Medizin heute Mittel, das Leben zu verlängern, die es zur Zeit von Jesus noch nicht gab. Z.B. Kann man sich in eine Tiefkühltruhe legen lassen, wie ich das von Amerikanern gelesen habe, die unbedingt das Jahr 2050 erleben wollen. Na sagt mal selber – 50 Jahre auf Eis liegen – ist das ein Leben? Aber auch sonst können die Ärzte durch ihre Tricks uns noch eine Weile über Wasser halten, wo früher schon längst Sense war. Für diese Möglichkeiten sind wir auch sehr dankbar. Ich z.B. wäre schon zweimal tot gewesen, wenn die Medizinmänner mir nicht geholfen hätten. Aber abgesehen davon, daß durch diese Aufschiebung des Sterbens die Sorgen nicht kleiner, sondern eher größer werden, daran hat sich bis heute nichts geändert: Durch Sorgen verhindern wir unser Sterben nicht, wir beschleunigen es nur. Jedenfalls wird durch Sorgen nichts gebessert.

Aber auch wenn wir das alles verstandesmäßig einsehen, sind wir unsere Sorgen noch lange nicht los. Denn die Sorge sitzt nicht im Kopf, sondern im Herzen, also in einem Bereich und einer Tiefe, wo kein Verstand, sondern nur der Glaube hinreicht. Und deshalb ist die Erlösung von unseren Sorgen auch nicht eine Sache des Verstandes, sondern des Glaubens. Das Gegenteil von Sorge ist nicht Optimismus, sondern Glaube. Und Glaube ist das Vertrauen darauf, daß Gott unser Vater ist, der weiß, was wir brauchen und der uns gibt, was wir brauchen. Und deshalb läßt es Jesus nicht bei seinen logischen Argumenten bewenden, sondern er wendet sich an unser Herz und sagt: Eure erste und einzige Sorge muß sein, daß ihr dieses Vertrauen zu Gott habt, Vers 33: „Sorgt euch zuerst darum, daß ihr euch Gottes Herrschaft unterstellt und tut, was er verlangt, dann wird er euch schon mit all dem anderen versorgen.“ Oder, wie Luther übersetzt: „Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und seiner Gerechtigkeit, dann wird euch alles andere zufallen.“

Das ist nun aber auch wieder das genaue Gegenteil von der üblichen Lebensauffassung. Wer von uns kann denn schon von sich sagen, daß in seinem Leben Gott immer die erste Stelle hat? An erster Stelle kümmern wir uns um unser Vorwärtskommen, unser Einkommen, unsere Nachkommen, und erst danach, an zweiter, dritter, fünfter oder fünfzigster Stelle kommt Gott. Erst mal was aus dem Leben machen, und wenn sich die Rente und die Gicht einstellt, ist immer noch Zeit, die Frage nach Gott zu stellen. Viele Leute meinen sogar, (das habe ich immer wieder bei Beerdigungsgesprächen erlebt), wenn einer sein ganzes Leben brav gearbeitet hat wie ein Pferd und sich um seine Familie gekümmert hat wie eine Amsel, wenn er also immer für sich und seine Leute für Essen und Kleidung gesorgt hat, dann wird ihm auch, wenn ihm die Augen zufallen, automatisch das Reich Gottes zufallen. Das ist aber die genaue Umkehrung unseres Jesuswortes, und am konsequentesten hat Kwame Nkrumah, der frühere Staatschef von Ghana, diese Umkehrung au die Spitze getrieben. Dessen Wahlspruch hieß: „Trachtet zuerst nach dem politischen Reich, dann wird euch alles andere zufallen.“ Diese lästerliche Verdrehung eines Bibelwortes war auch auf dem Sockel des Denkmals eingemeißelt, das Nkrumah zu seinen Lebzeiten von sich anfertigen und vor seinem Parlamentsgebäude aufstellen ließ. Das Ergebnis war aber nicht, daß ihm alles andere zufiel, sondern daß er mitsamt seinem Denkmal umfiel. Danach war Ghana, früher ein reiches Land, ruiniert, und euch ist nicht mal der Name dieses Mannes bekannt, der sich als Messias und Erlöser wie Christus verehren ließ. Woraus ihr übrigens ersehen könnt, daß unser Jesuswort seine Gültigkeit nicht nur für einzelne Menschen hat, sondern für ganze Völker und Staaten.

Dostojewski hatte Recht mit seiner Warnung: „Jene, die Gerechtigkeit zu schaffen meinen, indem sie Christus leugnen, werden am Ende die Welt im Blut ertränken.“ Das kommunistische Weltreich, das ohne Gott aufgebaut wurde, hat 140 Millionen Todesopfer gekostet und ist vor unseren Augen zusammengefallen. Ich habe mir jahrelang anhören müssen von Leuten aus dem Osten und dem Westen, der Kommunismus wäre die gerechtere Weltordnung. Und viele Pfarrer und Kirchenführer haben immer wieder den Satz nachgequasselt: „Der Antikommunismus ist die größte Torheit des Jahrunderts.“ Ich habe bisher von diesen falschen Propheten nie eine Entschuldigung für ihre kommunistische Propaganda gehört. Die Wahrheit ist: Der Kommunismus ist die größte Torheit des Jahrhunderts, und die größten Toren sind die linken Theologen, die das nicht kapiert haben. Aber wir wollen uns uns jetzt nicht über verlogene Theologen, die mörderischen Kommunisten oder Nkrumah entrüsten, denn wenn wir es auch nicht so übertreiben wie die – praktisch machen wir es in unserem kleinen Lebensbereich oft genauso. Wir fragen auch nicht immer als erstes nach Gott. Wir haben nicht genug Vertrauen, daß er für uns sorgt, deshalb machen wir uns unnötigerweise selber Sorgen. Die Zahl unserer Sorgen ist das Barometer unseres Kleinglaubens. Sage mir, wie groß deine Sorgen sind, und ich sage dir, wie klein dein Glaube ist. Das gilt auch umgekehrt. Ein chinesischer Pfarrer, den die Kommunisten über 22 Jahre ins Straflager gesperrt hatten, schrieb von dort: „Alles muß zum Besten dienen. Ich bin mehr als ein Sperling.“ Seht ihr – das ist Glaube. Das ist Vertrauen. Das ist wahre Freiheit. Das ist die Haltung, aus der heraus Dr. Martin Luther King in seiner letzten Rede kurz vor seiner Ermordnung rief „ich sorge mich um nichts.“ Wir werden also heute aufgefordert, es einmal anders herum als sonst zu versuchen, also Gott für uns sorgen zu lassen. Jesus schlägt dir vor: „Dreh die Reihenfolge um. Bring zuerst dein Leben mit Gott in Ordnung. Das soll deine Hauptsorge sein. Die Hauptsorge für die Hauptsache. Kümmere dich zuerst darum, daß du es Gott recht machst, den Rest macht dann Gott. Der weiß sowieso, was du brauchst.“ Das Wichtigste im Leben ist also der Kontakt mit Gott. Kontakt mit Gott heißt mit anderen Worten: beten. Mach aus Sorgen ein Gebet – das ist die Lösung. Das ist der Titel eines Liedes von Wolfgang Tost:

Wenn du fertig und kaputt bist, wenn dein Schreien dir nicht hilft,
wenn du sinnlos nur noch rumhängst, wenn du dich so einsam fühlst:
Mach aus Sorgen ein Gebet.
Mach aus Sorgen ein Gebet, wenn du Hilfe brauchst.
Wenn dein Hoffen hoffnungslos ist, wenn dein Sehnen Sehnsucht bleibt,
wenn dein Zweifeln noch mehr zunimmt, wenn du haltlos resignierst:
Mach aus Sorgen ein Gebet. Mach aus Sorgen ein Gebet, wenn du Hilfe brauchst.
Wenn du deinen Mut verloren hast, wenn du dich nicht ausstehn kannst,
wenn dein Glaube nicht mehr echt ist, wenn du Gott nicht mehr verstehst:
Mach aus Sorgen ein Gebet. Mach aus Sorgen ein Gebet, wenn du Hilfe brauchst.

Sobald die Sorgen auftauchen, mußt du sie in ein Gebet umwandeln und in dieser Form Gott zur Bearbeitung übergeben. Dazu fordert uns die Bibel auf: „Alle eure Sorge werft auf ihn, denn er sorgt für euch.“ Sorgen sind ein hochexplosiver Stoff. Wer sie zu lange bei sich behält, dem zerreißen sie das Herz. Als mir bei meinem Herzinfarkt das Herz buchstäblich zerrissen ist, da war ein Grund bestimmt meine Unfähigkeit bzw. mein Unglaube, meine Sorgen völlig an Jesus abzugeben. Ich hab zuviel in mich reingefressen, und das ist lebensgefährlich. Du sollst deine Sorgen nicht tapfer runterschlucken, damit vergiftest du nur dich selber. Du sollst sie nicht verdrängen, da fängst du nur eine Neurose oder einen Herzinfarkt. Nein, wegwerfen sollst du sie! Alle eure Sorgen werft auf ihn! Wirf sie weg, wie man eine gefährliche Bombe wegschleudert, bevor sie losgeht. Bevor die Sorge dich zermürbt – wirf sie weg, und zwar direkt Jesus in die Arme. Er steht mit ausgebreiteten Armen vor uns und fängt alle Sorgen auf, besser noch als der Theodor im Fußballtor. Ihm ist keine Sorge zu hoch oder zu tief. „Kein Problem ist ihm zu groß, keine Last ist ihm zu schwer“ heißt es in einem Lied. Und ihm ist auch keine Sorge zu unbedeutend. Du kannst mit allem zu ihm kommen, auch mit einem fehlenden Koffer. Als ich zum ersten Mal ins Ausland geflogen bin, zum Kongress für Weltevangelisation nach Manila, stand ich dort auf dem Flughafen und wartete auf meinen Koffer, der auf dem Band angefahren kommen sollte. Meiner kam und kam nicht, und ich wurde immer nervöser, zumal einer aus unserer Gruppe erzählt hatte, daß sein Koffer mal aus Versehen nach Australien geflogen war. Als ich so dastand in meiner Aufregung, fiel mir der Psalm 23 ein: „Der Herr ist mein Hirte.“ Da gibt es eine moderne Übersetzung, die heißt: „Der Herr ist mein Bewährungshelfer.“ Da habe ich gebetet: „Jesus, du bist mein Reiseleiter. Es ist deine Sache, dich um alles zu kümmern; ich rechne damit, daß du für alles sorgst, daß ich meinen Koffer kriege.“ So, ab da war ich meine Sorge los, hatte meine Ruhe und bald meinen Koffer. „Alle eure Sorge werft auf ihn, denn er sorgt für euch.“

Es hat mal einer gesagt: „Das Gebet ist der Transformator, der die unerträglichen Spannungen unseres Lebens in die herrliche Freiheit der Kinder Gottes umformt.“ Du kannst gegen Jesus und seine Rede von der Sorglosigkeit einwenden, was du willst, aber eins mußt du zugeben; Diese Rede beschreibt eine atemberaubende Freiheit. Und wenn man sie hört, hat man die Sehnsucht: „Tja, wenn das ginge! Wenn ich so leben könnte! Das wäre schön!“ Du kannst! Vielleicht nicht immer. Nicht an allen Tagen. Es gibt Tage, da sind die Sorgen so übermächtig, da ist dieses Vertrauen zu Jesus nicht da, wie verschwunden. Aber du kannst es versuchen! Diese Sorglosigkeit gelingt vielleicht nicht das ganze Leben, aber manchmal, punktuell. Ich habe dir paar solche Punkte aus meinem Leben genannt. Ich möchte dir Mut machen: Glaube an Jesus. Vertrau dich ihm an. Wenn er sagt „Macht euch keine Sorgen!“, dann ist das kein Befehl, sondern eine Erlaubnis. Ihr braucht euch keine Sorgen zu machen. Ihr seid in der Hand Gottes. Und Gott, euer Vater, sorgt für euch. Das ist Freiheit. Das ist aber wirklich nur was für Menschen, die an Jesus glauben. Den anderen bleibt nur das Weiterspielen, Überspielen, Runterspülen der Sorge nach dem Motto: „Es ist ein Brauch von alters her, wer Sorgen hat, hat auch Likör.“

Wenn du es bisher ohne Jesus versucht hast, dann kann sich das ändern. Wenn du Jesus jetzt als deinen Herrn annimmst, gehörst du ab sofort zu denen, denen sein Versprechen gilt: „Sorgt euch als erstes darum, daß ihr euch seiner Herrschaft unterstellt und tut, was er verlangt. Dann wird er euch schon mit allem anderen versorgen.“

1. Oktober 2006

Drucke diesen Beitrag Drucke diesen Beitrag Artikel empfehlen Artikel empfehlen

Dieser Beitrag wurde erstellt am Sonntag 1. Oktober 2006 um 12:29 und abgelegt unter Predigten / Andachten.