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Die Anbetung der Weiblichkeit Gottes und das Bilderverbot

Donnerstag 9. November 2006 von Prof. Dr. Reinhard Slenczka


Prof. Dr. Reinhard Slenczka

Die Anbetung der Weiblichkeit Gottes und das Bilderverbot (1) Dogmatische Beurteilung der „Bibel in gerechter Sprache“ (2)

„Das göttliche Wort verbietet von vornherein, Gott mit dem gleichzusetzen, was Menschen in ihrer Erfahrung erkennen. Jeder Versuch der Vernunft, das Wesen Gottes mit dem natĂŒrlichen Vorstellungsvermögen zu erfassen, macht aus Gott einen Götzen, jedoch verkĂŒndigt ihn nicht“ Gregor von Nyssa (335-394). (3)

1. Das gegenwÀrtig wirkende und ewig bleibende Wort Gottes

Es ist das Wunder der Heiligen Schriften Alten und Neuen Testaments, die ursprĂŒnglich nur in einzelnen Rollen oder BlĂ€ttern aufbewahrt und im Gottesdienst verwendet wurden, daß sie in einer wechselvollen Geschichte erhalten, gesammelt, in viele Sprachen ĂŒbersetzt und verbreitet worden sind bis auf den heutigen Tag. Das ist die sichtbare ErfĂŒllung der Verheißung: „Denn ihr seid wiedergeboren nicht aus vergĂ€nglichem, sondern aus unvergĂ€nglichem Samen, nĂ€mlich aus dem lebendigen Wort Gottes, das da bleibt. Denn »alles Fleisch ist wie Gras und alle seine Herrlichkeit wie des Grases Blume. Das Gras ist verdorrt und die Blume abgefallen; aber des Herrn Wort bleibt in Ewigkeit«. Das ist aber das Wort, welches unter euch verkĂŒndigt ist. (1 Petr 1, 23-25; Jes 40, 6). Davon lebt die Gemeinde Jesu Christi bis auf den Tag der Wiederkunft ihres Herrn in seiner sichtbaren göttlichen Herrlichkeit. Deshalb sind die in der Bibel gesammelten Schriften keineswegs nur Texte der Antike, sondern sie haben ihren Ort und Gebrauch im Gottesdienst. Durch sie spricht Gott zu uns, und wir sprechen zu Gott – auch heute.

Die Texte der Bibel wurden ursprĂŒnglich sorgfĂ€ltig mit der Hand abgeschrieben, oft auf hingebungsvoll kolorierten BlĂ€ttern, bis sie zum erstenmal um 1455 von Johannes Gutenberg in Mainz gedruckt wurden. Bibeln wurden verbrannt, ihr Besitz und ihre LektĂŒre wurden verboten, in Zeiten der Verfolgung wurden sie geschmuggelt, als kostbarer Besitz aufbewahrt und heimlich weitergegeben, weil der Glaube darauf angewiesen ist und davon lebt. Aber in Zeiten des Mangels konnte das BibeldĂŒnndruckpapier auch zum Drehen von Zigaretten verwendet werden. Rechter Gebrauch und Mißbrauch des Wortes Gottes sind immer beieinander, wobei die erste Frage ist, ob wir sie selbst auch regelmĂ€ĂŸig lesen, uns nachdenkend aneignen oder nur ĂŒber Verstehensprobleme diskutieren.

Die Übersetzung der Heiligen Schriften ist immer von neuem eine wichtige und verantwortungsvolle Aufgabe. Es gibt nicht nur eine Vielfalt von Sprachen, sondern auch deren Wandelbarkeit. Wohl in allen Kirchen findet sich eine große ZurĂŒckhaltung gegenĂŒber einer Anpassung an die Umgangssprache. In den meisten griechischen und slawischen orthodoxen Kirchen gibt es bis heute eine eigene Kirchensprache in Bibeln und in der Liturgie, ebenso wie in der Westkirche die lateinische Kirchensprache bis zum Vaticanum II. (1962-1965). Das ist keineswegs nur ein starrer Konservativismus, sondern man wehrt sich aus guten GrĂŒnden, die Texte fĂŒr die Begegnung mit der Heiligkeit Gottes in die ordinĂ€re Alltagssprache zu ĂŒbertragen. Man weiß, daß eine VerĂ€nderung der biblischen Texte auch eine VerĂ€nderung der liturgischen Sprache, aber auch der Sprache und Vorstellungen fĂŒr die persönliche Frömmigkeit nach sich ziehen muß. Wer diese Sachverhalte kennt, wird leicht verstehen, daß es beim VerstĂ€ndnis der biblischen und liturgischen Texte nicht nur um hermeneutische Probleme, sondern um pneumatische PhĂ€nomene geht.

Auffallend ist auch in der deutschen Kirchensprache, daß viele Wörter wie Amen, Halleluja, Zebaoth, Kyrie eleison, abba, dazu auch christologische Titel und PrĂ€dikationen wie Christus, Messias, vielleicht auch Pantokrator, keiner Übersetzung bedĂŒrfen. Daran ist mindestens in Resten noch zu erkennen, wie das Wort Gottes auch sprachfĂ€hig macht, indem es Sprache bildet und bereichert. Am leichtesten aber wird ĂŒbersehen und unterschĂ€tzt, wie die biblischen Texte mit ihren Begriffen und Bildern wie z. B. Herz, Gewissen, Seele, SĂŒnde, Himmel und Hölle, Teufel und Engel seit Jahrhunderten unsere Vorstellungswelt prĂ€gen und bereichern. Selbst so genannte Atheisten sind mit ihrer Negation darauf fixiert. Denn das gilt fĂŒr alles, was wir von Gott wissen und reden, und das kommt gerade nicht aus unserer Erfahrung, sondern aus Gottes Offenbarung.

So zeigt sich auch, wie keineswegs nur die Bibeltexte in die Umgangssprache ĂŒbertragen werden, indem wir „dem Volk aufs Maul sehen, wie sie reden“  (M. Luther), sondern indem auch die Alltagssprache durch Wörter, Vorstellungen und Redensarten (4) aus der Bibel bereichert und vertieft wird. Bildende Kunst und Literatur sind voll von solchen Bereicherungen. Dazu gehört auch die allgemeine Ethik sowie RechtsbegrĂŒndung und Recht. Je weniger jedoch die biblischen Schriften bekannt sind, desto mehr bleibt vieles davon unverstĂ€ndlich. Die Wirkung der Bibel ist also keineswegs nur auf die Kirche beschrĂ€nkt; sie ist ein Element unserer Kultur, auch wenn manche Theologen immer nur an den Verstehensproblemen hĂ€ngen bleiben, die sie meist selbst erfinden und dabei völlig den Blick fĂŒr die Wirkung, den Reichtum, die Schönheit und vor allem die Heiligkeit der Heiligen Schriften verlieren.

In der „Bibel in gerechter Sprache“ werden nun durchgehend die Gottesbezeichnungen durch weibliche AusdrĂŒcke verĂ€ndert oder ersetzt. Dies berĂŒhrt jedoch nicht nur die Übersetzung von Texten, sondern tiefgreifend auch den Vollzug der Begegnung mit Gott im Gottesdienst, im Bekenntnis und Zeugnis sowie im Gebetsleben von Christen. Es geht um die Offenbarung und Anbetung des wahren Gottes. Dies ist das sehr ernst zu nehmende Problem bei dieser Bibelausgabe, die man nicht als Übersetzung, sondern als ideologische TextverĂ€nderung bezeichnen muß.

2. Die Konkurrenz von Gottesbildern bei Übersetzung
und Bewertung biblischer Schriften

Es gibt immer wieder Bibelausgaben und Übersetzungen, (5) die dem Volk nach dem Mund reden, um vermeintliche Verstehenshindernisse zu jeweils herrschenden Meinungen und Vorstellungen zu ĂŒberwinden. In der Mitte des 2. Jahrhunderts haben wir das Beispiel des aus Kleinasien stammenden und vermutlich der Gnosis nahestehenden reichen Reeders Markion, der die alttestamentlichen und eine Reihe neutestamentlicher Schriften aus dem kirchlichen Gebrauch ausschließen wollte, weil sie nach seiner Meinung nicht mit der Gottesvorstellung Jesu Christi vereinbar seien. Die Abneigung gegen einen zornigen und strafenden Gott mit seinem unbedingt geltenden Gesetz wiederholt sich immer wieder bis zu der Forderung, das Alte Testament aus dem kirchlichen Gebrauch zu entfernen. Was bei Markion der „fremde Gott“ ist, das ist bei Schleiermacher „der andere Geist“ (6) , und Hegel trieb dies in seiner Jugendschrift „Der Geist des Christentums und sein Schicksal“ mit der Konfrontation von HumanitĂ€tsreligion der Griechen und dem „DĂ€mon des Hasses“ im AT auf die Spitze: „Der unendliche Geist hat nicht Raum im Kerker einer Judenseele“. (7) Mit seiner AutoritĂ€t als Wissenschaftler erneuerte Adolf von Harnack die Thesen Markions und forderte die völlige Abschaffung des Alten Testaments. (8) Kein Wunder, daß sich sogleich die frĂŒhen Nationalsozialisten wie Artur Dinter (9) auf solche Ergebnisse „wissenschaftlicher Forschung“ berufen konnten.

Allerdings wĂ€re es falsch, in diesen Beispielen, die man heute empört als Antijudaismus ablehnen wird, lediglich die Verirrung einzelner zu sehen. Es geht vielmehr um die Grundsatzfrage, ob die Heiligen Schriften Alten und Neuen Testaments als Wort ein und desselben Dreieinigen Gottes erkannt werden oder als Hervorbringungen menschlicher Geistes- und Religionsgeschichte. Gott ist dann nicht das Subjekt, das sich in seinem Wort offenbart und auf diese Weise angeredet und verkĂŒndigt werden kann, sondern die Gottesbezeichnungen werden aus menschlichen Erfahrungen, BedĂŒrfnissen und Ideologien, die wandelbar und durch die jeweilige Situation bedingt sind, auf Gott ĂŒbertragen.

Die Forderung der Deutschen Christen auf der Sportpalastkundgebung des Gaues Großberlin vom 13. November 1933, in der es hieß: „Wir erwarten, daß unsere Landeskirche als eine deutsche Volkskirche sich frei macht von allem Undeutschen in Gottesdienst und Bekenntnis, insbesondere vom Alten Testament und seiner jĂŒdischen Lohnmoral“ öffnete damals vielen die Augen fĂŒr das, was aus der Begeisterung fĂŒr eine politische Bewegung in das VerstĂ€ndnis der Heiligen Schrift als Fundament von Theologie und Kirche und damit in den Gottesdienst der Gemeinde eingedrungen war. Am 4. Januar 1934 folgte die „ErklĂ€rung ĂŒber das rechte VerstĂ€ndnis der reformatorischen Bekenntnisse“ (1. Barmer ErklĂ€rung), in der es heißt: „Die Kirche hört das ein fĂŒr allemal gesprochene Wort Gottes durch die freie Gnade des heiligen Geistes in dem doppelten, aber einheitlichen und in seinen beiden Bestandteilen sich gegenseitig bedingenden Zeugnis des Alten und des Neuen Testamentes, das heißt in dem Zeugnis des Mose und der Propheten von dem kommenden und in dem Zeugnis der Evangelisten und Apostel von dem gekommenen Jesus Christus.“

Wilhelm Vischer hat in seinem weithin vergessenen oder auch verdrĂ€ngten Werk „Das Christuszeugnis des Alten Testaments“ die theologische Einsicht, um die es hier und im weiteren gehen muß, gleich im ersten Satz des Buches prĂ€zis formuliert: „Die Bibel bezeugt vollgĂŒltig, unter der Beglaubigung durch den heiligen Geist, daß Jesus von Nazareth der Christus ist. Darum ist sie die heilige Schrift der christlichen Kirche. Denn die christliche Kirche ist die Gemeinde aller Menschen, die auf Grund des biblischen Zeugnisses erkennen und glauben, daß Jesus der Christus ist, d.h. der Messias Israels, der Sohn des lebendigen Gottes, der Heiland der Welt“ . (10)

3. Eine neue, jedoch alte programmatische Ideologie

Ob darĂŒber in Theologie und Kirche heute noch ein Konsens besteht, ist eine sehr ernste Frage, die durch die „Bibel in gerechter Sprache“ aufgeworfen wird. Unter drei Themenkreisen werden durch diese Übersetzung Wortlaut und Inhalt der Heiligen Schriften Alten und Neuen Testaments tiefgreifend und ausgehend von aktuellen gesellschaftspolitischen Forderungen und Ideologien verĂ€ndert:

Beseitigt werden soll 1. eine vermeinte patriarchalische Gesellschaftsordnung der Heiligen Schrift (10), in der die Frauen unterdrĂŒckt und benachteiligt werden. Dazu wird durchgehend die sog. „inklusive Sprache“ eingefĂŒhrt. Es ist nun die Rede von JĂŒngern und JĂŒngerinnen, von Sklavinnen und Sklaven, Herrinnen und Herren, von JĂŒdinnen und Juden, von Griechinnen und Griechen, von Freundinnen und Freunden, Priesterinnen und Priestern, Prophetinnen und Propheten, Lehrerinnen und Lehrer, Christinnen und Christen etc., auch wenn das im Originaltext ĂŒberhaupt nicht steht. Diese „political correctness“ nach amerikanischem Vorbild wird zwar inzwischen geflissentlich in Politik und Kirche befolgt, doch sie bleibt eine Verhunzung der Sprache und ist selbst fĂŒr Verfechter dieser Ideologie schwerlich lesbar. Grammatisch wird dabei einfach Genus und Sexus verwechselt. Bisweilen artet das in Peinlichkeit aus, wenn z. B. mit Hebr 13, 1 die „Geschwisterliebe“ gefordert wird.

Allerdings findet sich im Unterschied zu vielen anderen deutschen BibelĂŒbersetzungen und sogar einigen Kommentaren in Gen 1, 27 endlich einmal die genaue Wiedergabe des hebrĂ€ischen Wortlauts, wo es nicht „Mann und Weib“ heißt, sondern adjektivisch: „mĂ€nnlich und weiblich
 hat Gott sie geschaffen“ (ebenso richtig Gal 3, 28). Das dazu gehörende Objekt ist „Adam“ d. h. Mensch im Singular, und dies bedeutet, daß Mensch als Gattung, als Bild und Gleichnis Gottes, mĂ€nnlich und weiblich von Gott geschaffen ist. Auch wenn „der Mensch“ nach dem grammatischen Genus Maskulinum ist, wird es niemand einfallen, Frauen nicht auch als Mensch zu bezeichnen. Leider wird diese von Gott geschaffene Zusammengehörigkeit und gleiche WĂŒrde den Text verĂ€ndernd dadurch aufgehoben, daß die Gattungsbezeichnung „Mensch“ mit dem individualisierenden Plural „Menschen“ eindeutig falsch ĂŒbersetzt wird. Nach der richtigen Übersetzung des hebrĂ€ischen Urtextes haben wir hier im wahren Sinne eine „inklusive“ Sprache, die von der in der Schöpfung begrĂŒndeten Zusammengehörigkeit von Mann und Frau und ihrer gleichen WĂŒrde ausgeht. Was hingegen heute als „inklusive“ Sprache bezeichnet wird, ist in Wirklichkeit gerade „exklusiv“, indem Mann und Frau voneinander unterschieden und gegeneinander aufgebracht werden. Die daraus erwachsende tiefe Störung im VerhĂ€ltnis von Mann und Frau ist heute unĂŒbersehbar, wenn Frauen sich gezwungen fĂŒhlen, unter Verachtung ihrer weiblichen Gaben und Aufgaben sich nach der MĂ€nnlichkeit zu definieren, selbst wenn dies, wie viele andere GesellschaftslĂŒgen, emsig verdrĂ€ngt wird.

Beseitigt werden soll 2., um den jĂŒdisch-christlichen Dialog zu fördern (10), was man in den doch ĂŒberwiegend jĂŒdischen Texten fĂŒr antijudaistisch ansieht. Hierzu mag die Bemerkung von Martin Buber genĂŒgen, daß der Philosemitismus dieselben Wurzeln wie der Antisemitismus hat, und zwar deshalb, weil die GegensĂ€tzlichkeit von Völkern und Rassen gerade auch dadurch hervorgehoben wird, daß man sie auf die eine oder andere Weise zu beseitigen versucht. Die in Gen 1, 26 f begrĂŒndete Einheit aller Menschen nach Adam wird hier ĂŒbergangen und aufgehoben. Es ist jedoch nicht zu ĂŒbersehen, daß die feministischen Eingriffe in die unverĂ€nderliche Heiligkeit des Gottesnamen von rechten Juden als antijudaistisch und als tiefe Verletzung ihrer Frömmigkeit empfunden werden mĂŒssen. Dabei ist es schon unglaublich, wie die in jĂŒdischen BibelĂŒbersetzungen begegnende Gottesanrede „der Ewige“ flugs verweiblicht wird: „Neben der maskulinen Form ist gleichbedeutend die grammatisch weibliche Form möglich: ‚Die Ewige’ (20). Jeder Jude kann das mit seinem religiösen Empfinden und seinen HebrĂ€ischkenntnissen nur als GotteslĂ€sterung abweisen. Daß sich kein Jude bereit gefunden hat, an diesem Projekt mitzuarbeiten, wird zwar von den Herausgebern als Defizit bezeichnet, dĂŒrfte jedoch nach Lage der Dinge durchaus verstĂ€ndlich sein. Im Gegensatz zu dem BemĂŒhen, „von christlicher Seite den Antijudaismus auch in der Übersetzung zu ĂŒberwinden“ (26) ist dieser Text mit seinen ideologischen Entstellungen ein absolutes Hindernis fĂŒr ein GesprĂ€ch mit den anderen monotheistischen Religionen wie mit Juden und auch mit Moslems. Der alte Vorwurf des Polytheismus bei den Christen findet damit neue Nahrung.

Beseitigt werden sollen 3. ZustĂ€nde sozialer Ungerechtigkeit (11), und zwar eigenartiger Weise nicht nur bei den Frauen und Sklaven, sondern auch bei der Diskriminierung von „Gottlosen“, „als ginge es (bei dieser Übersetzung des hebrĂ€ischen Wortes ‚rascha’) um Atheismus oder Unglauben“ (11). Mit diesem Hinweis in der EinfĂŒhrung ist bereits angedeutet, was von vielen Textstellen in der Übersetzung bestĂ€tigt wird: Was der Mensch als SĂŒnder ist, wird offenbar durchgehend lediglich moralisierend als Tat und Verhalten aufgefaßt, nicht jedoch als Macht und Zustand in dem Bund zwischen Gott und Menschen. Gerechte sind demnach solche, „die Gutes“ tun, SĂŒnder hingegen solche, „die Unrecht tun“ oder „versagen“ (z. B. Röm 6, Mt 9, 10. 13; Lk 5, 8 u. ö.).

Als ein Hinweis fĂŒr die durchgehende Moralisierung der SĂŒnde mag die verblasene Übersetzung von Röm 6, 23 dienen: „Denn der Sold, den die SĂŒndenmacht zahlt, ist der Tod. Die Zuwendung, die Gott schenkt, ist ewig lebendiges Leben im Messias Jesus, dem wir gehören.“ Wo jedoch von SĂŒnde und Gnade nicht mehr klar geredet werden kann, verkommt das Evangelium. Die Zusammenfassung der VerkĂŒndigung Jesu Mark 1, 15 lautet dann: „Der Augenblick ist gekommen, die Zeit ist erfĂŒllt. Die Gottesherrschaft ist nahe gekommen! Kehrt zum Leben um und vertraut dem Evangelium.“ Der Ruf zur Buße angesichts des kommenden Gerichts wird verwĂ€ssert zu einer „wellness“-Theologie, wie sie leider von manchen Kanzeln tönt. In dieser Hinsicht folgt die Übersetzung eben auch den WĂŒnschen und Forderungen der Zeit.

4. Gottes Selbstoffenbarung oder menschliche Gottesbilder?

Die Verehrung weiblicher Gottheiten ist in der multikulturellen Umwelt des Alten wie des Neuen Testaments etwas völlig Normales, daher erwĂ€chst daraus auch immer wieder eine Versuchung fĂŒr das Volk Gottes des alten wie des neuen Bundes. Der Prophet Jeremia wendet sich gegen die Anbetung der Himmelskönigin, die vor allem von den Frauen verehrt wird (Jer 7, 17-19; 44, 15-27). Der Prophet Ezechiel wendet sich gegen die falschen Propheten und Prophetinnen, deren VerkĂŒndigung und liturgische Gestaltung ihrem eigenen Geist, nicht aber dem Wort Gottes folgen (Ez 13). Daß ausgerechnet in diesem Text „Gott der Herr“ mit „die Ewige“ wiedergegeben wird, kann man nur als Verblendung, durch die der Textinhalt nicht mehr wahrgenommen wird, bezeichnen. (11)

Was die feministische Ideologie heute als etwas scheinbar Neues verbreitet, ist im Grunde eine stĂ€ndig wiederkehrende Erscheinung in der Geschichte der Religionen. Im Umkreis des Christentums ist dabei vor allem auf die alte und neue Gnosis (12) zu verweisen, die durchgehend mĂ€nnliche und weibliche Wesen in ihren Hypostasen, Äonen und Emanationen als Offenbarung des Göttlichen beschreibt (13) bis hin zur Lehre von den Archetypen, den „seelendramatischen VorgĂ€ngen“, von Carl Gustav Jung (1875-1961) mit seiner ErgĂ€nzung der TrinitĂ€t zu einer QuaternitĂ€t durch Maria als weibliches Element.

Damit kommen wir zu dem entscheidenden Eingriff in den Textbestand der biblischen Schriften, daß durchgehend die biblischen Gottesbezeichnungen durch weibliche Bezeichnungen ergĂ€nzt oder ersetzt werden. Das geschieht unter der Voraussetzung, daß Gott nicht das Subjekt in seinem Wort ist, sondern Objekt und Produkt menschlicher Vorstellungen, BedĂŒrfnisse und Erfahrungen. Allerdings muß gleich darauf hingewiesen werden, daß diese Erscheinung keineswegs auf dieses Projekt beschrĂ€nkt ist, sondern, ob man das will oder nicht, in der protestantischen Theologie sehr weit bis zur unreflektierten SelbstverstĂ€ndlichkeit verbreitet ist.

Wir gehen nun aus von einigen Kerntexten, die zu den Grundlagen christlichen Lebens gehören, um zu zeigen, was hier geschieht:

4.1. Das Vaterunser:

„So also betet: Du, Gott, bist uns Vater und Mutter im Himmel
“ (Mt 6, 9). Gott wird nicht als Vater angeredet, sondern offenbar darĂŒber aufgeklĂ€rt, daß er uns Vater und Mutter ist. Im Paralleltext ist zu lesen „Du Gott
“ statt „Vater“ (Lk 11, 2). Manchen Gemeinden und Schulklassen wird diese Wiedergabe des Vaterunsers seit Jahren aufgezwungen; nicht wenige Gemeindeglieder werden aber damit auch gezwungen, solche Gottesdienste nicht mehr zu besuchen. Welche Folgen diese neue BibelĂŒbersetzung fĂŒr die Gemeinde und ihren Gottesdienst nach den Vorstellungen ihrer Verfechter haben soll, dĂŒrfte sich auch in der zum Reformationsfest 2006 in Frankfurt/M. arrangierten Veranstaltung gezeigt haben, die schlechterdings nicht als Gottesdienst bezeichnet werden darf, wenn die Schriftlesungen und liturgischen Texte nach dieser Übersetzungen verwendet werden sollten. Mit Sicherheit hĂ€tten ihn sĂ€mtliche Reformatoren unter Protest verlassen, und besonnene Christen, wenn sie wissen, was ihnen bevorsteht, werden ĂŒberhaupt nicht erst hingehen. Juden und Moslems, die man ja gerne bei solchen Veranstaltungen dabei hĂ€tte, werden sich bei alttestamentlichen Lesungen mit Entsetzen die Ohren zuhalten und weglaufen.

4.2. Die Taufe:

Ebenso wird das Problem, das hier auf die Gemeinde zukommt, bei dem Tauf- und Missionsbefehl von Mt 28, 17-20 deutlich, wo es nun heißt: „Die elf JĂŒnger wanderten nach GalilĂ€a auf den Berg, auf den Jesus sie hingewiesen hatte. Und als sie ihn sahen, huldigten sie ihm, einige aber zweifelten. Jesus trat heran und sprach zu ihnen: ‚Gott hat mir alle Macht im Himmel und auf der Erde gegeben. Macht euch auf den Weg und laßt alle Völker mitlernen. Taucht sie ein in den Namen Gottes, Vater und Mutter fĂŒr alle, des Sohnes und der heiligen Geistkraft. Und lehrt sie, alles, was ich euch aufgetragen habe, zu tun. Und seht: Ich bin alle Tage bei euch, bis Zeit und Welt vollendet sind’.“

Auch dies ist ein Text, der nicht nur jedem Christen im Ohr, ja im Herzen liegt, der aber durch die Taufe eine konstitutive Bedeutung und Wirkung fĂŒr das Entstehen und Bestehen der christlichen Gemeinde fĂŒr alle Zeiten hat. Wird eine Taufe mit diesen Einsetzungsworten gespendet, dann ist sie unwirksam und ungĂŒltig.

Daß der Paralleltext Mk 16, 9-20 als sekundĂ€re EinfĂŒgung in Petit wiedergegeben wird, entspricht der in Agenden und Taufhandlungen seit einiger Zeit verbreiteten Praxis, den deutlichen Hinweis darauf, daß allein die Taufe aus dem Gericht rettet, zu verdrĂ€ngen oder völlig zu streichen: „Wer da glaubt und getauft wird, der wird selig werden; wer aber nicht glaubt, der wird verdammt werden.“ Auch bei dem Text Mt 28, 20 entsteht der Eindruck, daß nicht mit dem Ende der Welt durch ein Endgericht gerechnet wird, wie das durchgehend vom Wort Gottes bezeugt wird, sondern mit einer fortschreitenden Vollendung der Welt in ihrer Geschichte.

In der ErlĂ€uterung zu „taufen“ wird dazu glatt behauptet, „daß ohne Taufe kein Heil bei Gott zu finden sei, ist ein Gedanke, der dem NT fremd ist, aber in einigen Handschriften spĂ€ter eingetragen wurde“ (2335). Man fasst sich bei solcher Unkenntnis unwillkĂŒrlich an den Kopf und fragt sich, welchen Unfug solche Theologen, denen einfachste Grundkenntnisse fehlen, in einer Gemeinde anstellen. (14)

An solchen Kernstellen wie Vaterunser und Taufe zeigt sich nun, wie es durch die schon philologisch an keiner Stelle zu rechtfertigende Eintragung weiblicher Elmente in die Gottesbezeichnung zu einer tiefgreifenden VerĂ€nderung, ja sogar Aufhebung des gesamten in der Selbstoffenbarung des Dreieinigen Gottes begrĂŒndeten christlichen Glaubens kommt. Daß darauf schon seit lĂ€ngerem von Theologen aus dem englischen Sprachbereich hingewiesen und davor gewarnt wird, ist den Nachahmern der amerikanischen feministischen Theologie in ihrer ideologischen Verblendung offenbar niemals zu Gesicht gekommen. (15)

4.3. ErgÀnzungen und Ersetzungen bei den Gottesbezeichnungen:

Bei der Bearbeitung der Texte kam es darauf an, weibliche Formen einzufĂŒgen und mĂ€nnliche, vor allem „Vater“ und „Herr“ zu vermeiden. FĂŒr die alttestamentlichen Texte wird das Tetragramm „jhvh“ durchgehend mit der vokalisierten Form „adonaj“ wiedergegeben, was wörtlich „Herr“ heißt. Das hebrĂ€ische Wort verdeckt also nur die deutsche Bedeutung. Jhvh elohim wird mit „adonaj, also Gott“ wiedergegeben. Ferner werden sowohl mĂ€nnliche „er“- wie auch weibliche „sie“-Personalpronomina damit verbunden, z. B. Gen 1, 27: „
mĂ€nnlich und weiblich hat er, hat sie, hat Gott sie geschaffen“. Oder man liest „die Ewige“, auch „die Heilige“, „die Gottheit“. Es werden hebrĂ€ische Bezeichnungen, die nicht aus dem Bibeltext kommen, eingetragen wie „ha makom“ – „der Ort“ oder auch „Schechina“, abgeleitet von „schachan“ – „wohnen“, z. B. der Tempel als der Ort, wo Gott seinen Namen wohnen lĂ€sst (z.B. 1 Kö 8, 13; 26, 8 – „der du thronst ĂŒber den LobgesĂ€ngen Israels“, Ps 22, 4 u. a. m.). Statt „Vater“ heißt es dann „Ursprung“ (Joh 8, 18f; 1 Kor 1, 3; Eph 6, 23); statt „Herr“ steht dann „die Lebendige“ (durchgehend in Lk) oder auch „der Befreier“, statt vom „Sohn“ wird meistens vom „Kind“ geredet, statt Geist liest man „die Geistkraft“. Dies aber zeigt, wie die Namen der drei Personen der göttlichen Dreieinigkeit, Vater, Sohn und Geist, durchweg durch weibliche ErgĂ€nzungen oder Ersetzungen verĂ€ndert werden. Daß pistis – Glaube mehrfach als „Zuneigung“ wiedergegeben wird, z. B. Hebr 13, 9, zeigt, daß man ĂŒberhaupt kein VerstĂ€ndnis fĂŒr den Glauben und Gehorsam in der Bundestreue Gottes hat (Röm 3, 1 ff).

Zu diesem durchgehenden Befund mit der Verweiblichung von Gottesbezeichnungen ist zu sagen, daß keine davon philologisch zu belegen ist. Das aber bedeutet, es handelt sich nicht um eine Übersetzung des Urtextes, sondern um eine TextverĂ€nderung. Der entsprechende Teil der Einleitung (16-21) lĂ€sst erkennen, wie man sich windet, um diese einschneidenden Eingriffe in den Text zu begrĂŒnden. In der Kopfzeile jeder linken Seite sowie auf dem Seitenrand wird daher auch meistens der Begriff aus dem Urtext angegeben und es werden Auswahlmöglichkeiten fĂŒr die Gottesbezeichnung notiert. Die weiblichen Elemente werden also dem Text und damit auch den Lesern förmlich aufgezwungen. Diese Texte zu lesen oder gar vorzulesen, ist ein Ding der Unmöglichkeit, was wohl auch von den Urhebern gesehen wird, wenn sie raten: „Wegen der Anpassung der grammatischen BezĂŒge empfiehlt sich bei öffentlichem Vorlesen eine Probelesung“ (17). Zu deutsch: der Text ist weder lesbar noch vorlesbar; er dient lediglich als Demonstration fĂŒr eine bestimmte Ideologie.

Dieser Vorgang greift aber noch tiefer nicht nur in den Text, sondern in den ganzen christlichen Glauben ein. Protestantische Theologen mĂŒssen sich von Juden an die Heiligkeit des Gottesnamens erinnern lassen und vor allem daran, daß diese Namen nicht von Menschen erfunden und auf Gott ĂŒbertragen werden, sondern daß Gott selbst seinen Namen offenbart (Ex 3, 14 etc.), daß daraufhin sein Namen verkĂŒndigt und Gott von uns so erkannt und angerufen werden kann. „Nomen Dei est Deus ipse“ – „Der Name Gottes ist Gott selbst“ – so lehrten die alten und alle rechtglĂ€ubigen Dogmatiker.(16)

Gerade wo die Eliminierung von antijudaistischen AnklĂ€ngen eines der drei Hauptanliegen dieses Textes ist, muß man mit Entsetzen feststellen, daß dieses ganze Unternehmen gerade in seinem Kern tiefgreifend antijudaistisch ist. Nicht nur orthodoxe Juden werden mit Abscheu auf das reagieren, was sie hier in ihren Heiligen Schriften vorgesetzt bekommen. In gleicher Weise ist es auch antichristlich.

5. Die Auflösung der Dreieinigkeit Gottes

Wenn evangelische Christen nicht in gleicher Weise wie Juden und Moslems darauf reagieren, dann wird das wohl daran liegen, daß jedes GefĂŒhl fĂŒr die Heiligkeit des Namens Gottes und fĂŒr seine Offenbarung in seinem Wort verloren gegangen ist, weil man die Heiligen Schriften lediglich als geschichtsbedingte Formulierung von Theologien ansieht, und dazu rechnen auch die Gottesnamen. Gerade deshalb muß man sich klar machen, daß auf diese Weise die Selbstoffenbarung des Dreieinigen Gottes als Vater, Sohn und Heiliger Geist, wie sich oben bereits bei der Taufformel zeigte, bis in die Wurzeln zerstört worden ist. Dies soll im Folgenden an den Aussagen ĂŒber die drei Personen der göttlichen TrinitĂ€t gezeigt werden:

5.1. Gott der Vater

Durchgehend wird die Bezeichnung „Vater“ vermieden und entweder durch „Ursprung“ ersetzt oder durch „Mutter“ ergĂ€nzt. So heißt es im Gebet Jesu im Garten Gethsemane Mt 26, 39: „Mein Gott, Vater und Mutter, wenn es möglich ist
“ Diese Entstellung der Gebetsanrede Jesu findet sich immer wieder (Joh 8, 18 f u. a. m.). Konsequent wĂ€re zu fragen, ob Jesus hier Gott als seine Eltern anredet, und damit stellt sich schon die Frage nach der Herkunft Jesu.

Die Wiedergabe von Mt 11, 25-30 zeigt in gleicher Weise, wie nicht nur das VerhĂ€ltnis Vater-Sohn, sondern zugleich die Unterscheidung des Sohnes Gottes von denen, die durch ihn die Kindschaft empfangen, aufgehoben wird: „Es war zu dieser Zeit, daß Jesus Gott antwortete und bekannte: ‚Ich singe dir Loblieder, Gott Vater und Mutter fĂŒr mich und mĂ€chtig im Himmel und auf der Erde
Du hast mir alles mitgeteilt. Niemand kennt mich als dein Kind so wie du, vĂ€terlich und mĂŒtterlich. Niemand kennt dich so vĂ€terlich und mĂŒtterlich, wie ich als dein Kind, und wie alle Geschwister, die ich darĂŒber aufklĂ€re
“ In gnostischen Texten findet man solche Vorstellungen; christlich sind sie auf keinen Fall.

Von einer geradezu erschĂŒtternden GefĂŒhllosigkeit ist die Banalisierung des Klagegebets Jes 63, 15 ff: „Blicke vom Himmel und sieh aus deiner heiligen und prĂ€chtigen Wohnung! Wo ist dein Eifer, dein Heldenmut? Deine innersten GefĂŒhle und deine Mutterliebe bleiben mir vorenthalten. Du bist ja unser Vater, unsere Mutter. Abraham kennt uns nicht, Israel nimmt uns nicht wahr. Du bist Gott, unser Vater, unsere Mutter. ,Unsere Befreiung seit jeher’, das ist dein Name.“

Eph 3, 15 wird der nicht ganz leicht zu ĂŒbersetzende Text, in dem alles, was genealogisch mit Vaterschaft (patria) bezeichnet wird, von Gott, dem Vater, herkommt, philologisch eindeutig falsch so verdreht: „Deshalb beuge ich meine Knie vor der schöpferischen Kraft (pater), die jedes Volk im Himmel und auf Erden benannt hat
“ In diesem Fall wie auch bei der Ersetzung von „Vater“ durch „Ursprung“ (1, Kor 1, 3; Eph 6, 23) wird eine personale Bezeichnung durch eine neutrale anonyme Bezeichnung im Sinne einer abstrakten KausalitĂ€t ersetzt. Außerdem zeigt sich hier, wie die Vorstellung von einer menschlichen Übertragung von Gottesvorstellungen, –bildern und –begriffen offenbar ein religiöser Pluralismus verborgen ist, nach dem die Gottesbezeichnungen der verschiedenen Religionen einen gemeinsamen Inhalt und Bezugspunkt haben. (17)

Auch die personale Bezeichnung „pantokrator“, „AllmĂ€chtiger“, wird neutralisiert: „Ich bin das Alpha und das O, sagt Gott, die Macht, die ist und die war und die kommt, die alles beherrscht“ (Apk 1, 8). Vermutlich weil nun doch Apk 22, 19 im Blick ist, heißt es dort jedoch: „Ich bin das Alpha und das O, der Erste und der Letzte, der Anfang und das Ende“ (Apk 22, 13).

Diese und viele weitere Eingriffe haben, wie leicht einzusehen ist, erhebliche Konsequenzen fĂŒr das gesamte christliche Glaubensbekenntnis, angefangen beim ersten Artikel.

5.2. Der Sohn Gottes

Neben dem bereits angefĂŒhrten Tauf- und Missionsbefehl ist die Taufe Jesu durch Johannes ein Grundtext fĂŒr die Offenbarung der Dreieinigkeit Gottes (Mt 3, 13-17; Mk 1, 9-11; Lk 3, 21f). Das offenbarende und die Verheißung des Alten Bundes erfĂŒllende Wort Gottes von Ps 2, 4 wird gegen den Urtext so verĂ€ndert: „Dieses ist mein geliebtes Kind, ihm gehört meine Zuneigung“. Dabei ist schon zu bedenken: Die Gottessohnschaft Jesu, der vom Vater in Ewigkeit geboren und daher nach seinem Wesen Gott ist, unterscheidet sich von der Gotteskindschaft, die wir durch die Taufe auf den Namen des Dreieinigen Gottes als Annahme zum Kind Gottes (adoptione Röm 8, 15f; Gal 4, 1 ff) empfangen. Dieselbe Aufhebung der Beziehung von Vater und Sohn durch die Ersetzung der Bezeichnungen aus dem Urtext findet sich auch Hebr 1, 1 ff.

Völlig unverstĂ€ndlich ist, daß dann auch die Gebetsanrede Jesu „abba“, die aus guten GrĂŒnden aramĂ€isch ĂŒberliefert und so auch in vielen Übersetzungen festgehalten wird, an entscheidenden Stellen in nach dem Textzusammenhang geradezu geschmackloser Weise pervertiert wird. So Mk 14, 36 beim Gebetsringen im Garten Gethsemane: „Gott, Ursprung, von dem ich herkomme, dir ist alles möglich
“ Röm 8, 15 wird die durch die Gabe des Geistes Jesu in der Taufe eröffnete Möglichkeit fĂŒr die Christen, Gott anzureden, wie es der Sohn Gottes getan hat, bagatellisiert: „Du Ursprung allen Lebens, sei unser Schutz!“ Nur Gal 4, 6 bleibt: „Abba! Vater“.

Völlig den Sinnzusammenhang von Wort und Logos mit Gen 1, 1ff zerstörend werden die gewichtigen Worte des Johannesprologs völlig verzerrt: „1 Am Anfang war die Weisheit und die Weisheit war bei Gott und die Weisheit war wie Gott. 2 Diese war am Anfang bei Gott. 3 alles ist durch sie entstanden, und ohne sie ist nichts entstanden
14 und die Weisheit wurde Materie und wohnte unter uns, und wir sahen ihren Glanz wie den eines einziggeborenen Kindes von Mutter und Vater voller Gnade und Wahrheit.18 Niemand hat Gott je gesehen. Der Einziggeborene, der im Mutterschoß des Vaters ist, jener ist uns vorangegangen.“ Diese theologisch wie philologisch falsche Übersetzung kann man nur mit einem GemĂ€lde von Rembrandt vergleichen, auf das irgend jemand seine politischen Parolen mit SprĂŒhfarben geschmiert hat. Und vor allem: Die Weisheit ist nicht die zweite Person der Dreieinigkeit, sondern Eigenschaft und Gabe Gottes, aber auch nur so und dann eine Eigenschaft von Menschen, wenn sie denn erbeten und geschenkt wird (1 Kö 3).

Völlig entstellt wird auch das Wort Jesu vom Bekennen und Verleugnen: „Denn zu allen, die sich zu mir bekennen vor den Menschen, werde auch ich mich bekennen vor Gott, fĂŒr mich Vater und Mutter im Himmel. Aber die mich verleugnen vor den Menschen, werde auch ich verleugnen vor Gott im Himmel“ (Mt 10, 32f). Noch schlimmer Mk 8, 38: „In dieser Generation, die den Bund mit Gott bricht, gibt es einige, die sich fĂŒr mich und meine Worte schĂ€men. FĂŒr die wird sich auch die himmlische Menschengestalt schĂ€men, wenn sie im Strahlenglanz Gottes mit den heiligen Engeln kommt.“ Dies hat ĂŒberhaupt nichts mehr mit dem Urtext zu tun, sondern das ist ein gesellschaftspolitisches Pamphlet, in dem die Grundlagen des Christusbekenntnisses aufgehoben sind.

Die KirchenvĂ€ter wie IrenĂ€us von Lyon, Gregor von Nyssa (s.o.), Gregor von Nazianz, Augustin und alle ihnen folgenden rechten Lehrer der Kirche haben immer darauf hingewiesen, daß die Namen Gottes nicht einfach Eigenschaften sind, die aus menschlichen Vorstellungen auf Gott ĂŒbertragen werden, sondern in ihnen offenbaren sich die wesenhaften Beziehungen (sceseiV– relationes) zwischen den trinitarischen Personen. In ihnen offenbart sich das Wesen (Homousie) der Dreieinigkeit Gottes. Grundlegend offenbart sich in der Beziehung Gott Vater – Gott Sohn die Gemeinschaft des Wesens als Gott und die Differenz der Personen in einem Ich-Du-VerhĂ€ltnis, wie es sich gerade bei der Taufe Jesu und bei seinen Gebeten manifestiert.

Sowohl die Auseinandersetzung mit der Gnosis, z. B. bei IrenĂ€us von Lyon (18) wie auch die sog. christologischen und trinitarischen Streitigkeiten des 4. Jahrhunderts wurden durchweg dadurch ausgelöst, daß bestimmte theologische Lehren der Anbetung des dreieinigen Gottes im Gottesdienst der Gemeinde widersprachen. Es wurde also keineswegs eine TrinitĂ€tslehre oder Christologie entwickelt, sondern die IntegritĂ€t des christlichen Gottesdienstes mit dem Lobpreis des Dreieinigen Gottes und der Taufe als realer Gemeinschaft mit Gott mußten verteidigt werden. Deshalb sind die christologisch-trinitarischen Abgrenzungen stets auch mit Taufe und Abendmahl verbunden. So ging es durchweg darum, diese RealitĂ€t der Gemeinschaft mit dem Wesen Gottes festzuhalten. GegenĂŒber Arius wird dabei die falsche Auffassung vom Sohn Gottes energisch zurĂŒckgewiesen: „Auch wenn er als Gott bezeichnet wird (nĂ€mlich im Gottesdienst der Gemeinde), ist er doch nicht wahrhaftiger Gott“. (19) Hier begegnet die Vorstellung von einer Übertragung von Gottesbezeichnungen, denen kein reales Sein entspricht. In gleicher Weise wird in der Confessio Augustana Art. I von der Einheit des Wesens und der Dreiheit der göttlichen Personen betont: „daß ein göttlich Wesen sei, welches genennt wird und wahrhaftiglich ist (quae appellatur et est) Gott, und seind doch drei Personen in demselben einigen gottlichen Wesen, gleich gewaltig, gleich ewig, Gott Vater, Gott Sohn, Gott heiliger Geist, alle drei ein gottlich Wesen
“

Wenn man sich vor Augen fĂŒhrt, wie mit diesen falschen Übersetzungen das unterschiedene Sein Gottes nicht nur aufgehoben, sondern durch weibliche Elemente aus der menschlichen Erfahrungswelt verĂ€ndert und ersetzt wird, dann wird deutlich, daß damit der „magnus consensus“ mit der alten Kirche und der gesamten rechtglĂ€ubigen Christenheit, der in CA I ausdrĂŒcklich betont und sorgfĂ€ltig nachgewiesen wird, durchweg willkĂŒrlich zerbrochen ist.

5.3. Der Heilige Geist

Es ist immerhin bedenkenswert, daß die Wörter fĂŒr „Geist“ im HebrĂ€ischen feminin, im Griechischen neutrisch und im Lateinischen wie auch im Deutschen und vielen anderen Sprachen maskulin sind. Unter dem Zwang der ideologischen Vorgaben heißt es aber nun meistens: „die Geistkraft“. Auch die Bezeichnung der Person wird anonym gefaßt, und das wird verbunden mit der Behauptung: „In nachbiblischer Theologie wird die Geistkraft zu einer Person der göttlichen Dreifaltigkeit (TrinitĂ€t)
“ (2377). Abgesehen davon, daß die altkirchlichen Konzile keineswegs neue Dogmen produzierten, sondern, wie gerade gezeigt, die IntegritĂ€t des Glaubens in der Einheit des Geistes vor allem fĂŒr den Gottesdienst festhielten und gegenĂŒber Irrlehren abgrenzten (definierten), liegt auch hier wie bei manchem anderen einfach mangelnde Kenntnis der Schrift vor. Denn als Person und damit als Subjekt begegnet uns der Geist als „parakletos“ (Joh 14, 16. 26; 15, 26; 16, 7 sowie Röm 8, 16; 26 f), wenn er fĂŒr uns eintritt und uns vor Gott vertritt. An allen diesen Stellen wird jedoch dieser theologisch und grammatisch eindeutige Sachverhalt plattgewalzt mit „die Geistkraft“.

6. Das Bilderverbot Ex 20, 4-6; Dtn 5, 8-10; 4, 9-20

Luther hat in seinen Katechismen das zweite Gebot biblischer ZĂ€hlung keineswegs, wie selbst von Theologen gelegentlich behauptet wird, gestrichen. Er hat es vielmehr mit dem ersten Gebot zusammengefaßt und die umfangreiche Sanktion mit Zorn und Gnade als „Beschluß“ des Dekalogs im Kleinen Katechismus und als Anhang zur Auslegung des ersten Gebots im Großen Katechismus eingefĂŒgt: „Du sollst dir kein Bildnis noch irgendein Gleichnis machen
“ Der biblische Kommentar zum Bilderverbot in Dtn 4 schĂ€rft das ein: Gott begegnet seinem Volk im Wort, das gehört wird und geschrieben ist: „Seine Worte hörtet ihr, aber ihr saht keine Gestalt, nur eine Stimme war da. Und er verkĂŒndete euch seinen Bund, den er euch gebot zu halten, nĂ€mlich die Zehn Worte, und schrieb sie auf zwei steinerne Tafeln (V. 12-13). Gott begegnet seinem Volk aber nicht im Bild von dem, was er geschaffen hat. Deshalb wird mit aller Strenge gewarnt: „So hĂŒtet euch nun wohl – denn ihr habt keine Gestalt gesehen an dem Tage, da der Herr mit euch redete aus dem Feuer -, daß ihr euch nicht versĂŒndigt und euch irgendein Bildnis macht, das gleich sei einem Mann oder Weib
“ (genau muß es auch hier wie Gen 1, 27 heißen: mĂ€nnlich und weiblich. (V. 15-16).

Wenn man nun vor Augen hat, in welcher Weise in dieser Ausgabe der Heiligen Schriften die Namen Gottes verĂ€ndert und durch andere ersetzt worden sind, dann ist zunĂ€chst festzustellen, daß durchgehend Übertragungen aus dem Bereich von Gottes Schöpfung vorgenommen worden sind. Auf diese Weise schafft sich der Mensch einen Gott nach seinem eigenen Bildnis.

Nun wird immer wieder auf Texte hingewiesen, in denen weibliche Verhaltensweisen mit Gott verbunden werden wie z. B. „Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet“ (Jes 66, 13) oder: „Kann auch ein Weib ihres Kindleins vergessen, daß sie sich nicht erbarme ĂŒber den Sohn ihres Leibes? Und ob sie seiner vergĂ€ĂŸe, so will ich doch deiner nicht vergessen“ (Jes 49, 15), oder: „Wie die Augen der Magd auf die HĂ€nde ihrer Frau, so sehen unsere Augen auf den Herrn
“ (Ps 123, 2). An allen diesen und Ă€hnlichen Stellen geht es jedoch um Vergleiche oder Metaphern, nicht jedoch um Gleichsetzungen. (20) Wenn dies nicht beachtet wird, kommt es unweigerlich zu einer Übertretung des Bilderverbots mit allen seinen Folgen.

Wenn durchgehend die Bezeichnungen Herr, Vater ersetzt werden, dann geschieht dies erklĂ€rtermaßen deshalb, weil man meint, auf diese Weise Unrecht wieder gut machen zu können. BegrĂŒndet wird das in der feministischen Theologie immer mit negativen Erfahrungen in Ehe und Familie, die es ja durchaus geben mag. Doch dabei wird offenbar völlig ĂŒbersehen, daß man vorhandene oder eingebildete soziale und politische MißstĂ€nde nicht dadurch verĂ€ndern kann, daß man andere Gottesbilder produziert. Vielmehr wird auf diese Weise genau die Grundlage aus dem Wort Gottes aufgehoben, von der aus, beginnend mit Gen 1, 27, gezeigt werden kann, was in unserem Leben dem Willen Gottes zuwider ist. Andernfalls setzt sich der Mensch an die Stelle Gottes (Gen 3), auch in der Meinung, er könne alle Folgen des SĂŒndenfalls in dieser Welt bekĂ€mpfen und beseitigen.

Allerdings muß man auch sehen, wie bei diesen VerĂ€nderungen und Ersetzungen in den Gottesnamen die PersonalitĂ€t des Dreieinigen Gottes aufgelöst wird in Begegnungen, GefĂŒhle und Erfahrungen, wie es das Kennzeichen aller Gnosis ist. Gott wird entmachtet, indem er seiner Herrschaft beraubt wird, nach der er Schöpfer, Erhalter, Richter und Retter der Welt und aller Menschen ist, den wir als solchen â€žĂŒber alle Dinge fĂŒrchten, lieben und vertrauen“ sollen.

Die ausgewĂ€hlten Beispiele fĂŒr die dogmatische Beurteilung bilden nur einen kleinen Ausschnitt aus einem Gesamtbefund von theologischen und philologischen Fehlern. In den bisher vorliegenden Äußerungen zu der „Bibel in gerechter Sprache“ zeigt sich, wie man sich darĂŒber entweder empören oder lustig machen kann. Nach meiner Einsicht kommt es jedoch in erster Linie darauf an zu sehen, was an diesem Projekt symptomatisch ist fĂŒr das, was bei uns in Theologie und Kirche weit verbreitet ist. Kirchenleitungen, die dieses Projekt unterstĂŒtzt haben und weiterhin fördern, mĂŒssen sich vorwerfen lassen, daß sie damit die Kirche und den christlichen Glauben zerstören. Wie jedoch nichts ohne Gottes Willen geschieht, so sollte uns auch diese Bibelausgabe die Augen öffnen fĂŒr das, was wir in der Lehre und daher weithin auch im Gottesdienst einfach verloren haben. Dies aber ist keineswegs eine Frage theologischer Richtungen und Schulen, sondern des theologischen Grundwissens. Die ernste Frage zur PrĂŒfung von uns selbst ist, ob der Dreieinige Gott, den wir bekennen, anbeten und verkĂŒndigen, nur ein Gedankenprodukt von Theologen ist, oder ob er sich selbst in seinem Wort der Heiligen Schriften Alten und Neuen Testaments offenbart, zu uns spricht und an uns und dieser Welt handelt.

Anmerkungen

1 Ex 20, 4-6; Dtn 5, 8-10; 4, 9-20.

2 Bibel in gerechter Sprache. Hgg.: Frank CrĂŒsemann, Marlene CrĂŒsemann, Erhard Domay, JĂŒrgen Ebach, Claudia Janssen, Hanne Köhler, Helga Kuhlmann, Martin Leutzsch und Luise Schottroff. GĂŒtersloher Verlagshaus. GĂŒtersloh 2006. 2400 S.

3 De vita Moysis. MPG 44, 376 D.

4 Vgl. Heinrich Kraus, GeflĂŒgelte Bibelworte. Das Lexikon biblischer Redensarten. MĂŒnchen 1993.

5 VorzĂŒgliche Untersuchungen zu den ideologischen EinflĂŒssen bei neueren BibelĂŒbersetzungen mit weiteren Literaturhinweisen bieten: Bernhard Rothen, Der Hang zur frommen LĂŒge. Die Gute Nachricht als Beispiel einer natĂŒrlichen Theologie. In KuD 37, 1991, 280-306; Armin Wenz, SchriftgemĂ€ĂŸe BibelĂŒbersetzung? Kritische Anmerkungen zur ‚Guten Nachricht’. In: Ders., Sana Doctrina. Heilige Schrift und theologische Ethik. (=Neue BeitrĂ€ge zur historischen und systematischen Theologie. 37) Frankfurt / M. u. a. 2004.84-120

6 F. D. E. Schleiermacher (1768-1834), Der christliche Glaube § 132: Es „kann wohl nicht behauptet werden, daß das Gesetz von diesem selbigen Geist eingegeben sei“.

7 Hegels Jugendschriften, Hg. von Hermann Nohl. 260).

8 Adolf von Harnack, Marcion. Das Evangelium vom fremden Gott. 1924ÂČ. Nachdr. 1985. Das Alte Testament „seit dem 19. Jahrhundert als kanonische Urkunde des Protestantismus zu konservieren ist die Folge einer religiösen und kirchlichen LĂ€hmung
Hier reinen Tisch zu machen und der Wahrheit in Bekenntnis und Unterricht die Ehre zu geben, ist die Großtat, die heute – fast schon zu spĂ€t – vom Protestantismus verlangt wird.“ (217. 222).

9 Artur Dinter, 197 Thesen zur Vollendung der Reformation. 1926. These 1: „Das alte Testament ist kein göttliches offenbartes Buch, sondern das widerspruchsvolle Werk irrender Menschen. Es ist von jĂŒdischen Priestern teils aus jĂŒdischen, teils aus nichtjĂŒdischen Schriftwerken zusammengearbeitet worden. Es sind zahlreiche Schichten seiner Entstehung wissenschaftlich festgestellt
“ These 29: „Die Heilandslehre ist fĂŒr alle Menschen die gleiche. Ein Volk höherer Rasse aber wird sie anderes auffassen und anders betĂ€tigen als ein Volk niederer Rasse.“ – Alfred Rosenberg, Der Mythos des 20. Jahrhunderts (1930) lehnt die „Viehhalter und ZuhĂ€lter Geschichten“ des AT ab und fordert ein 5. Evangelium, das dem germanischen Geist und Bewußtsein entspricht.

10 Wilhelm Vischer(1895-1988) verfaßte in dieser Zeit sein Werk „Das Christuszeugnis des Alten Testaments“, ZĂŒrich I Das Gesetz 1934 (19467); II Die Propheten 1941 (1946ÂČ). Dazu: Stefan Felber, Wilhelm Vischer als Ausleger der Heiligen Schrift. Eine Untersuchung zum Christuszeugnis des Alten Testaments. (=FSÖTh 89) Göttingen 1999).

11 Vgl. auch: Offb 2, 14 ff. 20 ff; Kol 2.

12 Vgl. hierzu Micha Brumlik, Die Gnostiker. Der Traum von der Selbsterlösung des Menschen. Frankfurt 1992. Daß der Name dieses Autors auf Seite 2399 unter den Mitgliedern des „Beirats zur Förderung, UnterstĂŒtzung und Begleitung des Projektes ‚Bibel in gerechter Sprache’“ erscheint, kann nur auf einem mir unerklĂ€rlichen MißverstĂ€ndnis beruhen.

13 Wenigstens ein paar Beispiele dafĂŒr aus den Textfunden von Nag Hammadi, „Die dreigestaltige Protennoia“: Die Protennoia spricht zu den Gnostikern
ich bin mann-weiblich, ich bin Mutter und Vater, bei mir selbst wohnend, mich mit mir selbst vereinigend und mich selbst liebend, weil das All allein durch mich Bestand hat, bin ich der Mutterschoß der Erkenntnis des Alls, die ich gebĂ€re das Licht
ich bin der unwiederholbare Ruf der Herrlichkeit der Mutter, die Herrlichkeit der Schöpfung Gottes, eine mĂ€nnliche Jungfrau aus einem verborgenen Verstand
“ Übersetzung nach ThLZ 99, 1974, 741 f. Vater, Mutter und Sohn bilden in Analogie zur menschlichen Familie und Fortpflanzung die Dreieinigkeit (ebda 735).

14 Um wenigstens auf einige Belege angesichts mangelnder Bibelkenntnis hinzuweisen: Act 2, 37 ff; Röm 6; Gal 3, 27 f; 1 Petr 1, 3ff; 3, 21; Ti 3, 5; Eph 4, 5; Kol 2, 12 u. v. a. m.

15 Vgl. dazu u. a.: Geoffrey Wainwright, Doxology. 1982ÂČ: Der Verf. Ă€ußert deutliche Sympathien fĂŒr ‘inclusive language’. Doch gerade deshalb hat seine Warnung noch mehr Gewicht, wenn er schreibt: „Certain problems occur in connexion with the changes so far proposed when the reference is to God. The constant use of ‘Creator’, ‘Redeemer’, ‘Sustainer’ might push the understanding of the Trinity in an unacceptably modalist or economic direction. Forfeiture of sexual language is to risk falling into impersonal neuter.” (352 f). Roland M. Frye, Language for God and Feminist Language. Problems and Principles. In: Scottish Journal of Theology Vol 41, No 4. 1988. 441-469: “For the church to adopt inclusive feminist language for the Deity would disrupt and destroy the careful, nuanced, and balanced formulations that for centuries have made it possible to proclaim the three persons, Father, Son, and Holy Spirit whom Christians encounter as divine, within a single undivided godhead”. – “Inclusive language scenarios for speaking of God involve major misreadings of history and historical evidence. Such misuse of history and language cannot achieve desirable results. We cannot alleviate oppression among any segment of humanity by altering the language for the one sovereign God who revealed himself in Scripture and in the person of his only Son, who created us all in his image and who calls us all to the dignity of his service and strength of his redeeming love” (469).

16 So z. B. Abraham Calovius (1612-1686), Biblia Testamenti Veteris Illustrata. Wittenberg 1672. 314 zu Ex III; Biblia Novi Testamenti Illustrata. Hildburghausen 1719. 231 zu Mt 6, 9f: “Nomen Dei est Deus ipse, ut inter homines nominatur, h. e. agnoscitur et celebratur
“

17 Vgl. u. a.: John Hick, Gott und seine vielen Namen. Altenberge 1985. (God Has Many Names, Philadelphia 1982ÂČ); Paul. Knitter, No other Name? New York 1987

18 Adversus Haereses.

19 Athanasios von Alexandria, Oratio 1 adversus Arianos. „eos de kai legetai theos, all’ouk alethinos estin”. (Im Original in griechischer Schrift).

20 Man wird wohl (hoffentlich) auch nicht auf den Einfall kommen, den Vergleich von Ps 78, 65 f mit Gott gleichzusetzen.

9. 11. 2006

Bildveröffentlichung mit freundlicher Genehmigung der Nachrichtenagentur idea

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Dieser Beitrag wurde erstellt am Donnerstag 9. November 2006 um 21:25 und abgelegt unter Theologie.