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Pressemeldung: Rentenpolitik aus dem Tollhaus

Montag 2. Mai 2016 von Verband Familienarbeit e.V.


Verband Familienarbeit e.V.

Die aufgrund des 2004 eingefĂŒhrten “Nachhaltigkeitsfaktors” kĂŒnftig sinkenden Renten sind wieder aktuelles Thema. Es wird die drohende Altersarmut, die vor allem weiblich sei, beklagt. Der stellvertretende Vorsitzende des Verbands Familienarbeit e.V., Dr. Johannes Resch, sagt dazu: “Von allen Bundestagsparteien sind heute Konzepte zu hören, die eigentlich nach Schilda gehören. So sollen Eltern, besonders MĂŒtter, noch mehr voll erwerbstĂ€tig werden. Aber je mehr Eltern zu voller ErwerbstĂ€tigkeit gedrĂ€ngt werden, desto weniger Kinder werden sie bekommen und desto brĂŒchiger wird dann unser Rentensystem. Ebenso könnte auch den Bauern empfohlen werden, sie sollten ihre Saatkartoffeln essen, um satt zu werden. Nachhaltigkeit sieht anders aus.”

Resch weiter: “Die Minderbewertung der elterlichen Erziehungsarbeit bei Überbewertung der Erwerbsarbeit ist eine Erfindung des Marxismus*, wurde aber durch die Rentenreform 1957 von der konservativen Adenauer-Regierung in Gesetzesform gegossen. Heute wird diese Erwerbsideologie vor allem von der neoliberalen Profitgier weniger Kapitalbesitzer gespeist. So besteht zur Zeit eine unheilige Allianz von marxistischem, konservativem und neoliberalem Denken zum Nachteil von Eltern und Kindern. Alle drei Denktraditionen wurzeln im ĂŒberheblichen Denken von MĂ€nnern, die die ĂŒberwiegend von Frauen geleistete Erziehungsarbeit gering schĂ€tzen. Ein Gleichberechtigung von Eltern und besonders von MĂŒttern wird erst möglich werden, wenn die elterliche Erziehungsarbeit der herkömmlichen Erwerbsarbeit gleichgestellt wird. Auch unser Rentensystem kann nur so wieder stabilisiert werden. Schließlich ist die Erziehungsarbeit der Eltern von heute der einzige echte Beitrag fĂŒr die gesetzlichen Renten ihrer Generation. Denn: Die von den heute ErwerbstĂ€tigen eingezahlten Gelder werden im Umlageverfahren direkt an die heutigen Rentner ausbezahlt. Angespart wird nichts. Auch Alterssicherung durch Steuern muss von der nachwachsenden Generation bezahlt werden.”

Fazit: Eine “große Rentenreform” kann nur bedeuten: Gleichstellung von elterlicher Erziehungsarbeit mit herkömmlicher Erwerbsarbeit bei Lohn und Rentenanspruch. Auch ErwerbstĂ€tige ohne Kinder sollten sich an der Finanzierung ihrer eigenen Rente beteiligen. Beim heutigen Recht mĂŒsste ein Elternteil 9 Kinder erziehen, um eine Rente in Höhe der Grundsicherung zu “erwerben”, wobei aber im Gegensatz zur Erwerbsarbeit nicht einmal ein Lohn gezahlt wird.

* Marx, Engels, Werke (MEW), Band 4, S. 373, Nr. 8: “Erziehung sĂ€mtlicher Kinder, von dem Augenblicke an, wo sie der ersten mĂŒtterlichen Pflege entbehren können, in Nationalanstalten und auf Nationalkosten. Erziehung und Fabrikation zusammen.”

Pressestelle Verband Familienarbeit e.V.
27. April 2016

 

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Dieser Beitrag wurde erstellt am Montag 2. Mai 2016 um 10:26 und abgelegt unter Ehe u. Familie, Gesellschaft / Politik.