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Malatya-Mordprozess auch nach neun Jahren nicht zu Ende

Donnerstag 21. April 2016 von Martin-Bucer-Seminar


Martin-Bucer-Seminar

Christen in der TĂŒrkei weiter unter Druck

(Bonn, 19.04.2016) Der Malatya-Mordprozess ist auch nach neun Jahren noch nicht zu Ende. Vor Kurzem wurde bekannt, dass die Staatsanwaltschaft in ihrem SchlussplĂ€doyer den Vorwurf des Terrors und der BandenkriminalitĂ€t fallen gelassen hat. GegenĂŒber BQ bemerkte dazu Wolfgang HĂ€de, Schwager von Necati Aydın, einem der Opfer: „Die neusten Entwicklungen bestĂ€rken uns in unserer Überzeugung, dass letztliche Gerechtigkeit nur von unserem Gott zu erwarten ist.“

Die „Vereinigung Protestantischer Kirchen“ in der TĂŒrkei schreibt in ihrem „Bericht ĂŒber Menschenrechtsverletzungen – 2015“: „Da sich der Prozess hinzieht, befĂŒrchtet die evangelische Gemeinschaft, dass der Fall ergebnislos enden wird. Das Fehlen eines Urteils in solch einem Fall, so die berechtigte Sorge der protestantischen Gemeinschaft, kann dazu fĂŒhren, dass Ă€hnliche FĂ€lle passieren könnten und andere TĂ€ter ermutigt werden weiterzumachen. Wegen der finanziellen BĂŒrde, die dieser Prozess mit sich bringt, erwarten sowohl die Familien als auch die evangelische Gemeinschaft, dass der Fall bald abgeschlossen wird.“

Am 18. April 2007 hatten fĂŒnf junge MĂ€nner in der osttĂŒrkischen Provinzhauptstadt Malatya drei Christen grausam ermordet und wurden auf frischer Tat von der Polizei festgenommen. Necati Aydın, Ugur YĂŒksel und der Deutsche Tilmann Geske hatten sich in den RĂ€umen des evangelischen Zirve-Verlages mit ein paar jungen MĂ€nnern, die Interesse am christlichen Glauben bekundet hatten, ĂŒber einige Wochen hinweg zum Bibelstudium getroffen. Dies war offenbar nur ein Vorwand, um sich das Vertrauen der spĂ€teren Opfer zu erschleichen. Diese drei Christen sind die ersten der evangelischen Kirche in der TĂŒrkei, die fĂŒr ihren Glauben mit ihrem Leben bezahlt haben.

Auch in diesem Jahr trafen sich wieder Christen am 18. April zu Gedenkfeiern, unter anderem am Grab von Necati Aydın in Izmir. Diese Feiern sollen die Erinnerung an die drei MĂ€rtyrer wachhalten und öffentlich bezeugen, dass die Christen in der TĂŒrkei an ihrem Glauben festhalten.

TĂŒrkische Christen von IS bedroht

Seit einiger Zeit wird der christliche Radiosender „radio shema 98.0“ (www.radioshema.com/en) in Ankara massiv bedroht, so dass die Polizei permanent mit zwei Autos vor der TĂŒr steht. Zeitgleich geriet die protestantische Kurtulus-Gemeinde, zu deren Arbeitszweigen auch Radio Shema gehört, derart unter Druck, dass vor Gottesdiensten bis zu 50 Polizisten jeden einzelnen Gottesdienstbesucher genau kontrollierten, um etwaige AnschlĂ€ge zu verhindern. Soner Tufan, Generalmanager von Radio Shema, schrieb: „Bislang haben wir noch nie gesehen, dass uns die Polizei so ernsthaft schĂŒtzt.“ Auch habe er erfahren, dass der Premierminister der TĂŒrkei angeordnet habe, „alles zu tun, um uns zu schĂŒtzen“.

Auch die anderen evangelischen Gemeinden in der TĂŒrkei sind informiert worden, dass der IS mit AnschlĂ€gen gedroht habe, weshalb die Polizei mit verstĂ€rkten Patrouillen versuchen werde, die Gemeinden zu schĂŒtzen.

Auch das BĂŒro des Bibelkorrespondenzkurses in Istanbul (www.bccturkey.org) hat in den letzten Monaten verstĂ€rkt Drohungen vor allem per Telefon erhalten, wie aus Mitarbeiterkreisen bekannt wurde. Auch hier wird vermutet, dass dies aus dem Umfeld des IS kommen könnte.

Aufgrund der aktuellen Situation riefen tĂŒrkische Pastoren und Leiter die Christen in aller Welt dazu auf, verstĂ€rkt fĂŒr ihre Glaubensgeschwister in der TĂŒrkei zu beten.

Bonner Querschnitte Presseinformationen, BQ 406 – Nr. 11/2016

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Dieser Beitrag wurde erstellt am Donnerstag 21. April 2016 um 9:40 und abgelegt unter Christentum weltweit.