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Wunderwelt Bernstein

Freitag 1. Januar 2016 von factum


factum

Bernstein stellt mehr Fragen als sich Antworten finden lassen. Man kann sich weder die großen Mengen erklären, noch ist klar, wie es so häufig zum Einschluss von Lebewesen kommen konnte. Meist ist er honigfarben gelb, tritt aber auch in gelbweissem, orangefarbenem, rotem, grünlichem, braunem oder schwarzem Farbton auf – matt oder glänzend und teilweise transparent. Seine Brennbarkeit gab diesem verfestigten Baumsaft unbekannten Alters seinen Namen: Bernstein, abgeleitet vom mittelniederdeutschen Börnsteen, „Brennstein“.

Bernstein ist brennbar

Bernstein ist brennbar, sein Name leitet sich vom mittelniederdeutschen Börnsteen (Brennstein).

Brennbarkeit ist das untrügliche Kennzeichen seiner Echtheit. Wenn man „Börnsteen“ anzündet, verbreitet sich ein harzig aromatischer Duft. Schonender ist die Identifizierung mittels der Fluoreszenz-Methode: Echter Bernstein leuchtet unter UV-Licht blauweiß.

Bernstein gibt mehr Rätsel auf, als er preisgibt. Das größte Rätsel liegt bereits in der schier unglaublichen Menge, in der das Baumharz vorliegt. Weltweit existieren wahrscheinlich Millionen von Tonnen Bernstein, in China zum Beispiel eingebettet in Kohlenflöze. Es gibt ganze Erdschichten aus Bernstein, viele Meter dick. Wie entstanden diese gewaltigen Vorkommen von Baumharz, welches sich auf wundersame Weise in Börnsteen verwandelt und zudem erhalten hat? Was müssen das für Bäume gewesen sein und wie viele muss es davon gegeben haben? Der Harzfluss muss extrem gewesen sein. Man könnte annehmen, dass die Harzmenge sich eben über lange Zeiträume summiert hat. Wie aber kam es zur Kumulierung des Harzes an bestimmten Stellen? Wie konnte ein 68 Kilogramm schweres Bernsteinstück entstehen? Dieser bisher größte Fund wurde 1991 in Zentral Sarawak, Indonesien, entdeckt.

Der Wissenschaft ist die Herkunft der gewaltigen Bernstein-Vorkommen ein einziges Rätsel. Noch mehr gilt das für die Frage, wie tausendfach Tiere unversehrt eingeschlossen werden konnten. Die Bernsteinvorkommen sind so groß, dass das für die Schmuckindustrie wertvolle verfestigte Baumharz sogar unter Tage abgebaut wird. Das Zentrum der wirtschaftlichen Förderung von Bernstein ist Samland in der russischen Exklave Königsberg. Drei Viertel der Weltproduktion stammen von hier. Bernstein wird hier unter Tage gefördert.

Hauptfundschicht ist die „Blaue Erde“, ein mehrere Meter dicker, grünlichgrauer Ton. Das Kaliningrader Bernsteinkombinat Jantarny fördert jedes Jahr 650 Tonnen, man schätzt, dass allein an dieser Fundstätte noch 600 000 Tonnen in der Erde liegen. Auch in Bitterfeld, nördlich von Leipzig, wurde von 1974 bis 1993 Bernstein im Untertagebau in großen Mengen gewonnen. Der begehrte Stoff wird zur Herstellung von Schmuck und Ziergegenständen verwendet. Legendär ist das als „achtes Weltwunder“ gerühmte Bernsteinzimmer, ein vollständig mit Bernstein verzierter Raum, ursprünglich ein Geschenk des preußischen Königs an den russischen Zaren. Seit Ende des Zweiten Weltkriegs gilt es als verschollen. Vor zehn Jahren wurde im Katharinenpalast nahe Sankt Petersburg zum 300. Geburtstag der Stadt eine originalgetreue Nachbildung eingeweiht. 1979 hatte die Sowjetunion mit dem Nachbau begonnen, bei dem sechs Tonnen des fossilen Harzes verarbeitet wurden.

Man kann annehmen, dass man nur einen Bruchteil der tatsächlich weltweit vorkommenden Fundstätten kennt, da sie in Erdschichten sind, die tief unter dem Meer liegen. An den Stränden der Ostsee wird Bernstein angeschwemmt, welcher sich an unbekanntem Ort am Meeresgrund aus einer unterseeischen Lagerstätte löst. Wegen seiner geringen Dichte – etwa ein Gramm pro Kubikzentimeter – schwimmt Bernstein in Salzwasser (nicht in Süßwasser). In den Weiten und Tiefen der Weltmeere wird es viele weitere und eventuell größere Lagerstätten von Bernstein geben. Was hier aber gelöst wird, hat in dem aggressiv salzigen Meerwasser keine lange Lebensdauer.

Der Ostsee-Bernstein wird relativ kurz nach seiner Loslösung an Land entdeckt. Der größte Teil löst sich im Wasser auf. Reichhaltige Fundstätten sind die Küsten Mecklenburgs, Polens und Weißrusslands. Die Frage ist aber nicht nur, wie solch gewaltige Mengen Baumharz entstehen und sich an bestimmten Orten und in bestimmten Erdschichten konzentrieren konnten. Noch erstaunlicher ist, dass es so viel Bernstein gibt, obwohl das Material in keiner Weise verwitterungsbeständig ist. Wie wahrscheinlich ist der Erhalt von Bernstein aber, da man heute nirgends in der Welt beobachten kann, dass sich Baumharz erhält, konserviert – und zudem Lebewesen einschließt? Baumharz wird in kürzester Zeit zersetzt, in Humus verwandelt. Dem Baltischen Bernstein, der in unseren Breiten prominent ist und seinen Namen seinem häufigen Vorkommen in der Ostsee verdankt, wird ein Alter von 50 Millionen Jahren zugeschrieben. Das ist ein schönes Alter für ein relativ weiches organisches Material (man kann es leicht mit dem Fingernagel ritzen), welches, einmal der Witterung und damit dem Licht und Luftsauerstoff ausgesetzt, schnell verblasst und verrottet. Auch im Wasser geht das schnell. Das größte Geheimnis des Bernsteins liegt aber in seinen „Inklusionen“, den häufig darin eingeschlossenen Insekten, Pflanzen und Kristallen. Man mag sich vorstellen (beobachten konnte man es noch nie), dass einmal ein Insekt von einem herabfallenden Tropfen Baumharz eingeschlossen wird. Das wäre sicher ein gewaltiger Zufall. Zufälle gibt es. Aber eine einzige Tonne Bitterfelder Bernstein enthält 4500 tierische Inklusien, Einschlüsse von Lebewesen. Das sind 4500 Zufälle pro Tonne. Für jeden von ihnen ist die Wahrscheinlichkeit ungleich geringer wie für den sprichwörtlichen Sechser im Lotto. Und dies für Millionen von Tonnen. Nirgends tropft Baumharz in solchen Mengen aus Baumwunden, wie man das für die Zeit der Entstehung von Bernstein annehmen müsste. Wie wahrscheinlich ist es, dass ein Insekt stillhält, auf welches Harz tropft? Zumal es sich um fluchtschnelle, wuselige Tiere wie etwa Mücken, Ameisen, Bienen, Spinnen oder Wespen handelt. Es ist anzunehmen, dass es Verwischungen, Beschädigungen, Zerstörungen, Kampfspuren gäbe. Aber die Insekten scheinen artig stillgehalten zu haben, bis das zähflüssige Harz sie umschlossen hat. Das Harz muss zudem in Sekunden ausgehärtet sein. Auch für dieses Aushärten müssen besondere Bedingungen geherrscht haben, andere, als wir sie heute vorfinden. Tropfendes Harz wird nicht hart. Es wird trockener, zäher, dann verwittert es. Nicht selten sind verschiedene Lebewesen in Bernstein mitten in einer Aktion wie erstarrt, gleichsam schockgefrostet. Es gibt kämpfende Insekten wie etwa die Erzwespe, die eine Zuckmücke attackiert mit dem Ziel, in ihr ein Ei abzulegen (siehe Abbildung). Nicht selten finden sich Lebewesen mitten in einer Aktion erstarrt in Bernstein eingeschlossen.

Bernstein-Einschluss

Wie ist das möglich? Auch sind in den glänzend, oft goldgelb schimmernden Bernsteinen manchmal gleich mehrere oder gar viele Insekten zugleich eingeschlossen. Es gibt Unmengen von Bernstein, in dem man eine ganze Anzahl von Köcherfliegen erkennt – unverletzt und in schönster Klarheit. Die unzähligen der verschiedensten in Bernstein eingeschlossenen Insekten stellen so etwas wie eine sekundengenaue Momentaufnahme dar, eine „physikalisch-biologisch-chemische Fotografie“. Dafür eine plausible Erklärung zu präsentieren, ist nicht einfach.

Bislang ist das unmöglich. Zumal man noch nie beobachten konnte, wie ein Insekt von Baumharz eingeschlossen und unbeschädigt konserviert wurde. Nicht nur die Wissenschaft ist mit einer Erklärung dieses Geschehens überfordert. Auch die menschliche Fantasie reicht offenbar nicht hin, sich ein solches Szenario vorzustellen.

Die Antwort auf all diese Fragen muss spekulativ bleiben. Der Biologe Harald Binder von der evolutionskritischen „Studiengemeinschaft Wort und Wissen“, der sich intensiv mit Bernstein befasst hat, gibt zu bedenken, dass gewaltige Mengen Bernstein in kurzer Zeit entstanden sein müssen. Die Umweltbedingungen müssen offenbar gänzlich andere gewesen sein als diejenigen, die heute bestehen. Er hält ein katastrophisches Geschehen für denkbar. Rätselhaft ist, dass in manchen Bernsteinen Lebewesen verschiedenster Biotope gemeinsam eingeschlossen sind: solche aus dem Meer, aus Wäldern und solche, die fliegen können. 80 verschiedene Tiere und Pflanzen konnten schon in einem einzigen Bernstein identifiziert werden! Auch das schließt ein gemächliches Einschließen der Insekten aus.

Dass Lebewesen völlig verschiedener und voneinander entfernter Lebensräume in einem Stein eingeschlossen sind, ist ein starkes, eigentlich ein eindeutiges Indiz dafür, dass Bernstein auf einen Schlag, im Zuge einer Katastrophe entstanden ist. Die weltweiten Vorkommen solcher Bernsteine sprechen dafür, dass es sich um eine Katastrophe handelte, von der die ganze Erde erfasst war.

Für die Entstehung des Bernsteins bei einem katastrophischen Geschehen spricht auch eine Entdeckung, über die Forscher aus China, Europa und den USA in der Fachzeitschrift „Current Biology“ 2014 berichteten. Bei der Untersuchung von Bernstein aus Ostchina stellten sie mit großer Überraschung fest, dass „neben asiatischen Formen oft dieselben Insekten Gattungen wie im baltischen Bernstein“ vertreten sind, wie der Paläontologe Prof. Jes Rust von der Uni Bonn berichtete. Im Osten Asiens, im chinesischen Fushun, lebten demzufolge ganz ähnliche Insekten wie in Nordeuropa, 10 000 Kilometer vom Baltikum entfernt. In den 3000 Harzbrocken, an deren Untersuchung noch gearbeitet wird, entdeckten die Wissenschaftler bereits Gliederfüßer aus mehr als 80 verschiedenen Familien. In einer Pressemitteilung der Universität Bonn wird das als „einzigartiger Schnappschuss der damaligen Insektenwelt Ostasiens“ bezeichnet.

Den gängigen Annahmen über die Erdgeschichte zufolge waren Europa und Asien auch in der angenommenen Zeit der Entstehung des baltischen wie des ostchinesischen Bernsteins durch eine große Entfernung voneinander getrennt. Viele Forscher gingen bislang davon aus, dass solche Entfernungen Artenwanderungen verhinderten oder zumindest stark erschwerten. „Die große Ähnlichkeit der eingeschlossenen Insekten hat uns daher sehr überrascht“, sagt Prof. Rust, „wir wissen nicht, wie das zusammenpasst.“

Offenbar ist Bernstein nicht das Ergebnis einer langen und langsamen Entstehung. Aus biblischer Sicht ist das weniger überraschend. Die Landmasse der Erde war nicht immer zerteilt in verschiedene Kontinente, lehrt die Bibel, das geschah erst nach der Sintflut.

In der Zeit des Peleg wurde die Erde „geteilt“, trennte sich die eine Landmasse in der Kontinentaldrift in verschiedene Kontinente auf. „Und Heber wurden zwei Söhne geboren; der Name des einen war Peleg, denn in seinen Tagen wurde die Erde geteilt; und der Name seines Bruders war Joktan“ (1. Mose 10, 25). Auch in 1. Chronik 1, 19 wird das berichtet.

Die wissenschaftliche Theorie von der Kontinentalverschiebung ist viel jünger als die biblischen Berichte davon. Alfred Wegener entdeckte diesen Sachverhalt erst im Jahre 1912. Er übernahm diese Theorie allerdings von seinem Vater, einem evangelischen Prediger, der als bibelkundiger Mann wie selbstverständlich davon ausging, dass das so gewesen sein musste. Die wissenschaftliche „Entdeckung“ der Kontinentaldrift gebührt also eigentlich nicht der modernen Wissenschaft und Alfred Wegener, sondern der Bibel.

Die Kontinentaldrift war ein globales Ereignis. Wenn sie sehr schnell geschah, wofür vieles spricht, vor allem die Bibel, dann war das sicher auch ein Geschehen mit extremen tektonischen, vulkanischen Prozessen und klimatischen Begleiterscheinungen. Bildeten sich hier, in einem globalen katastrophischen Geschehen an bestimmten Orten Bernstein? Wurden hier innert Sekunden Insekten so schnell in flüssigem Harz eingeschlossen und dieses ebenso schnell gehärtet, dass diese verletzlichen Lebewesen nicht beschädigt, sondern perfekt – sogar inmitten einer Aktion – erhalten wurden? Das lässt sich nicht beweisen. Aber es ist eine Theorie für das Entstehen von Bernstein, die eine gewisse Plausibilität beanspruchen kann. Die Wissenschaft kann keine schlüssige Theorie für die Entstehung von Bernstein anbieten. Es ist ihr ein so großes Rätsel, dass sie nicht einmal die Frage nach der Entstehung stellt. Sie verträgt sich in keinster Weise mit dem Paradigma der unendlich langen Zeiträume, das wie eine Käseglocke über den Vorstellungen zur Erdgeschichte hängt. Die Existenz von Bernstein ist ein weiteres Indiz für die Infragestellung des Paradigmas von den (unendlich langen) „geologischen Zeiträumen“.

Harz am Baum

Harz fließt aus einer Baumwunde. Harz ist nicht sehr haltbar, es zersetzt sich sehr schnell.

Das schöne Aussehen von Bernstein und die rätselhaften biologischen Einschlüsse haben die Menschen schon immer fasziniert. Bereits im sechsten vorchristlichen Jahrhundert soll Thales von Milet mit Bernstein experimentiert und dabei eine geheimnisvolle Kraft entdeckt haben. Die alten Griechen nannten den Bernstein Elektron. Er lädt sich bei Reibung elektrostatisch auf. In der Antike entfernte man so mit großen Bernsteinbrocken Flusen von der Kleidung. Die Kraft, die man am Bernstein beobachtete, hängt mit dem zusammen, was wir heute elektrischen Strom nennen. Bernstein ist damit Namensgeber für Elektrizität und das Ladungsteilchen Elektron.

Der Schönheit von Bernstein haften viele Geheimnisse an. Vom Erscheinungsbild ein Stein, häufig ein sehr schöner, leuchtender, transparenter Stein in warmen Farbtönen, enthält Bernstein doch auch organisches Material und sehr häufig wie in einer Momentaufnahme Lebewesen. Bernstein ist somit ein Blick in eine vergangene, untergegangene Welt und ein Zeuge ihres Lebens und ihrer Schönheit. Die Entstehung von Bernstein bleibt ein wissenschaftliches Rätsel. Wenn jemand zur Lösung dieses Rätsels beitragen kann, dann sind das schöpfungsgläubige Wissenschaftler, die – wie der Entdecker der Kontinentaldrift Alfred Wegener – zu ihren Erkenntnissen durch die Bibel inspiriert werden. Die größten Entdeckungen machen Wissenschaftler, die ernst nehmen, was in der Bibel steht, und nach der Bestätigung dessen mit wissenschaftlichen Methoden suchen. Das ist die Erfahrung, die Alfred Wegener gemacht hat, der der biblischen Lehre seines Vaters nachforschte.

Menschen werden auch in Zukunft von „Börnsteen“ fasziniert sein. Das liegt an seiner rätselhaften Entstehung, den Lebewesen, die er birgt – und an seiner Schönheit. Und auch diese Schönheit ist ein Hinweis auf den Schöpfer von Himmel und Erde, den die Bibel bezeugt.

Philipp Wiens/Thomas Lachenmaier
Quelle: Factum 9/2015

Veröffentlicht mit Erlaubnis der redaktion

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Dieser Beitrag wurde erstellt am Freitag 1. Januar 2016 um 22:28 und abgelegt unter Allgemein.