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Stellungnahme des Bibelbundes: Keine weitere Relativierung der Bibel

Dienstag 29. Dezember 2015 von Bibelbund


Bibelbund

In mehreren Interviews hatte sich Mitte Dezember 2015 der Vorsitzende der Deutschen Evangelischen Allianz und Mitglied des Rates der EKD, Michael Diener, zu einer von ihm angestrebten VerĂ€nderung evangelikaler Gemeinden geĂ€ußert. Der Bibelbund mit einem Freundeskreis von 4000 evangelikalen Christen stimmt einigen Aussagen Dieners weitgehend zu:

1. Es gibt keine biblische Legitimation fĂŒr die in den meisten evangelischen Landeskirchen praktizierten Segnungs- und Trauungs- Gottesdienste fĂŒr homosexuelle Paare, so Diener. Kirchlicherseits dĂŒrfe es keine vollkommene Gleichstellung homosexueller Beziehungen mit der Ehe zwischen Mann und Frau geben.

2. Evangelikale Christen sollten nach Diener im Umgang mit ihren Gegnern auf Polemik und Selbstgerechtigkeit verzichten. Menschen von denen man sich abgrenzt oder die man fĂŒr Gott gewinnen will, sollte man in Klarheit und Liebe begegnen.

3. Im Gegensatz zur offiziellen Haltung der EKD hĂ€lt Diener die Mission unter Juden und Muslimen auch heute noch fĂŒr geboten. Große Teile der biblischen Urgemeinde waren Juden, die zum christlichen Glauben konvertierten.

Der Bibelbund distanziert sich deutlich

Auf der anderen Seite distanziert sich der Bibelbund deutlich von den relativierenden Aussagen Michael Dieners. Es steht im offenen Gegensatz zu evangelikalem SelbstverstÀndnis, wenn einer ihrer prominenten Vertreter zwar die eindeutigen Aussagen der Bibel nennt, sie dann aber sofort wieder als subjektive Meinung einschrÀnkt.

1. Christen mĂŒssen keine „gespaltenen Persönlichkeiten“ sein. Evangelikales, bibelorientiertes Leben ist nicht in erster Linie das Ergebnis einer pietistischen Sozialisation in einer gesellschaftlichen Subkultur, wie Diener suggeriert. Der Heilige Geist verĂ€ndert das Denken, Reden und Handeln des Menschen, der sich Gott ganz ausliefert (vgl. Röm 12, 2). Eine fromme Erziehung produziert keine an der Bibel orientierten GlĂ€ubigen. Nur die Umkehr zu Gott und die bewusste Unterstellung unter seinen Willen, machen einen Menschen zum lebendigen Christen.

2. Evangelikale Christen sind in erster Linie Gott und seiner in der Bibel mitgeteilten Wahrheit verpflichtet und nicht, wie Diener behauptet, der Evangelischen Kirche. In einer von Meinungs- und Religionsfreiheit geprĂ€gten Demokratie sind evangelikale Christen glĂŒcklicherweise nicht auf das Wohlwollen der großen Kirchen angewiesen. Statt der Akzeptanz unstrittig bibelkritischer Positionen um des theologischen Friedens willen, haben evangelikale Christen der Kirche immer dann am meisten geholfen, wenn sie deren Defizite benannten.

3. Christen sollen sich eindeutig und unverschnörkelt zu den Aussagen Gottes in der Bibel stellen, gerade auch in GesprĂ€chen mit den Vertretern anderer Religionen. Eine aktive Förderung islamischen Glaubens gehört nicht zu den Aufgaben eines glĂ€ubigen Christen. Dieners Werbung fĂŒr die Beteiligung des EKD- Ratsvorsitzenden Bedford- Strohm an der GrĂŒndung einer MĂŒnchener Großmoschee kann aus Sicht des Bibelbundes nicht als Meinung „der Evangelikalen“ angesehen werden. Nach den eindeutigen Aussagen der Bibel fĂŒhren andere Religionen den Menschen in die Irre und nicht zu Gott. Im Gegensatz zu einem evangelikalen GlaubensverstĂ€ndnis verteidigt Diener den MĂŒnchener Bischof, wenn dieser Ă€ußerte, die „Begegnung mit dem Reichtum anderer Glaubenstraditionen“ mache ihn zu „einem glĂŒcklicheren Menschen“ und, es könne „berĂŒhrend und bereichernd sein (
), wenn man sich vom Ruf des Muezzins mit hineinnehmen lĂ€sst in dessen Gottesdienst“. Solche MeinungsĂ€ußerungen fĂŒhren nicht zu einem klaren Bekenntnis des christlichen Glaubens, sondern weit eher zu einer fatalen Religionsvermischung.

4. Nicht alle Interpretationen der Bibel sind gleich gĂŒltig und akzeptabel, wie in Dieners Äußerungen vorausgesetzt. Es ist falsch, jede subjektive und hĂ€ufig interessengeleitete Deutung der Bibel als legitim und gleichwertig zu betrachten. Zwar treten durch einen solchen Umgang mit Wahrheit Konflikte und Differenzen in den Hintergrund. Gleichzeitig aber fĂŒhrt diese Auffassung zu einer generellen Relativierung göttlicher Aussagen. Die Bibel mit ihrem absoluten Wahrheitsanspruch wird hier ohne Not dem Diktat der Postmoderne und des Konstruktivismus ausgeliefert. Gottes MassstĂ€be entstehen eben nicht erst in der jeweils subjektiven Interpretation des Menschen, wie Diener nahelegt. Biblische Aussagen sind auch losgelöst von eigenen PrĂ€gungen und Meinungen erkennbar. Ob Gott beispielsweise HomosexualitĂ€t ablehnt oder gutheißt, darf nicht auf die Ebene persönlicher Meinungen oder unterschiedlicher LebensumstĂ€nde reduziert werden. PluralitĂ€t und Meinungsvielfalt sind, im Gegensatz zu Dieners Äußerungen, keine christlichen Werte an sich.

Gottes biblische Aussagen nicht verwÀssern

Der Bibelbund fordert Christen auf, sich eindeutig von einer weiteren Relativierung der Bibel zu distanzieren. Gottes Mitteilungen bieten nicht nur die Grundlage fĂŒr subjektive, religiöse Meinungen und randstĂ€ndige Lebensweisen. Gottes Wort hat eine ĂŒberzeitliche GĂŒltigkeit, die ĂŒber alle privaten Interpretationen und PrĂ€gungen hinausgeht. Gerade darin liegt die außerordentliche Kraft der Bibel, dass sie ideologiekritisch jedem vorlĂ€ufigen Zeitgeist und jeder Modetheologie korrigierend entgegentritt. Es ist unzulĂ€ssig und anmaßend, Gottes biblische Aussagen zu verwĂ€ssern oder durch strategische Kompromisse einzuschrĂ€nken nur um einen vorlĂ€ufigen kirchlichen Konsens zu erreichen.

„Wir verwerfen die falsche Lehre, als dĂŒrfe die Kirche die Gestalt ihrer Botschaft und ihrer Ordnung ihrem Belieben oder dem Wechsel der jeweils herrschenden weltanschaulichen und politischen Überzeugungen ĂŒberlassen.“ (3. These der Barmer Theologischen ErklĂ€rung 1934)

Michael Kotsch (Vorsitzender des Bibelbundes)

Quelle: www.agwelt.de

 

 

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Dieser Beitrag wurde erstellt am Dienstag 29. Dezember 2015 um 16:51 und abgelegt unter Gemeinde, Kirche, Theologie.