Gemeindenetzwerk

Ein Arbeitsbereich des Gemeindehilfsbundes

Drucke diesen Beitrag Drucke diesen Beitrag Artikel empfehlen Artikel empfehlen

Allgemeines Priestertum, Ordination und Beauftragung – Teil II

Sonntag 28. November 2004 von VELKD-Bischofskonferenz


VELKD-Bischofskonferenz

Allgemeines Priestertum, Ordination und Beauftragung nach evangelischem Verständnis 
Teil II

3.4 Das mit der Ordination √ľbertragene Amt
in der reformatorischen Theologie

Von 1520 an bis in seine sp√§ten Schriften h√§lt Luther die Allgemeinheit der Berechtigung und Verpflichtung zum priesterlichen Dienst und die damit gegebene Verantwortung jedes Christenmenschen f√ľr den Dienst am Evangelium fest. (29) Gleichzeitig hat er jedoch nie die uneingeschr√§nkte, eigenm√§chtige Aus√ľbung aller priesterlichen Funktionen durch jeden Gl√§ubigen gebilligt, sondern von Beginn an zusammen mit der These vom Allgemeinen Priestertum an der Notwendigkeit eines eigens zu ordnenden und ordnungsgem√§√ü zu √ľbertragenden Amtes festgehalten. Es handelt sich um eine Notwendigkeit im strikten Sinn, d. h. es liegt nicht im Belieben der Gemeinde, diese √úbertragung zu ordnen und vorzunehmen oder nicht.

Die Verpflichtung, das zu tun, hat ihren Grund gerade in dem Verk√ľndigungsamt, das der Kirche als Ganzer aufgetragen und damit Sache aller Christenmenschen ist (CA V, s.o. Kap.2). Denn die Verk√ľndigung des Evangeliums ist nicht nur im privaten Bereich, sondern auch in √ľberindividueller √Ėffentlichkeit, d. h. allgemein zug√§nglich, umfassend sowie in r√§umlicher oder zeitlicher Hinsicht nicht eingeschr√§nkt oder begrenzt ‚Äď wahrzunehmen; geht es doch um das Evangelium, das allen und zu allen Zeiten gilt und bei allen und zu allen Zeiten Glauben wecken will. Solche √ľberindividuelle Wahrnehmung aber kann nur durch Einzelne geschehen, die von der Gesamtheit der Kirche dazu beauftragt sind. Sie kann nicht durch die Menge (Luther: den ‚ÄěHaufen‚Äú) der Tr√§ger und Tr√§gerinnen des Allgemeinen Priestertums geschehen, die alle dieselbe geistliche Vollmacht haben. Wollten sie diese Vollmacht alle √∂ffentlich wahrnehmen, k√§me √Ėffentlichkeit gar nicht zustande, sondern nur ein wirres Nebeneinander von Einzelnen: ‚ÄěWas sollte … werden, wenn jeder reden oder die Sakramente reichen und keiner dem anderen weichen wollte.‚Äú (30) Oder es w√ľrden sich Einzelne anma√üen, die √∂ffentliche Verk√ľndigung auszu√ľben, obwohl sie dazu keine gr√∂√üere Vollmacht haben als ihre Mitchristen. Dann aber w√ľrden sie nicht mehr das Verk√ľndigungsamt wahrnehmen, das der ganzen Kirche aufgetragen und Sache aller ist, sondern ihren eigenen Anspruch vertreten: ‚ÄěEs ist niemandem erlaubt, aufgrund eigener Autorit√§t vorzutreten und an sich allein zu rei√üen, was allen zusteht‚Äú. (31) Soll gew√§hrleistet sein, dass jenes allgemeine Amt √∂ffentlich wahrgenommen wird, so muss es durch Einzelne ausge√ľbt werden, die dazu als Einzelne von allen beauftragt sind. Das geschieht in der Ordination. Die Ordination ist also der Akt, in dem ein Christenmensch ‚Äď unter Gebet und Handauflegung ‚Äď mit der √∂ffentlichen Verk√ľndigung beauftragt wird. (32) Sie ist nicht die Verleihung einer besonderen geistlichen F√§higkeit, die √ľber die aller Christen hinausginge.

Streng in diesem Rahmen zu verstehen sind die Aussagen Luthers, die das ordinationsgebundene Amt als Stiftung Christi oder Stiftung Gottes bezeichnen. (33) Sie sind nicht so zu verstehen, als ginge das ordinationsgebundene Amt und seine Ordnung auf eine g√∂ttliche Einsetzung zur√ľck, wie dies von den Heilsmitteln Wortverk√ľndigung und Sakramente zu sagen ist. Sondern damit ist gemeint, dass mit der Einsetzung der Heilsmittel selbst, insofern diese nach Christi Willen √∂ffentlich weiterzugeben sind, die Kirche unter der Notwendigkeit steht, eine √Ąmterordnung zu schaffen, deren Zentrum es ist, dem √∂ffentlichkeitsbezogenen Auftrag Christi im ordinationsgebundenen Amt Gestalt zu geben: ‚ÄěMan muss Bisch√∂fe, Pfarrer oder Prediger haben, die √∂ffentlich insbesondere die oben genannten vier St√ľcke oder Heilsmittel [sc. Predigt, Taufe, Absolution, Abendmahl] geben, reichen und √ľben, wegen der Kirche und in ihrem Namen, noch viel mehr aber aufgrund der Einsetzung Christi … Denn der Haufen in seiner Gesamtheit kann das nicht tun, sondern sie m√ľssen es einem anbefehlen oder anbefohlen sein lassen.‚Äú (34) In diesem strikt auf den Auftrag bezogenen Sinn k√∂nnen die Bekenntnisschriften die √úbertragung des ordinationsgebunden Amtes sogar als Sakrament bezeichnen: ‚ÄěWo man aber das Sakrament des Ordens wollt nennen ein Sakrament von dem Predigtamt und Evangelio, so h√§tte es kein Beschwerung, die Ordination ein Sakrament zu nennen. Denn das Predigtamt hat Gott eingesetzt und geboten, und hat herrliche Zusage Gottes … Denn die Kirche hat Gottes Befehl, da√ü sie soll Prediger und Diakonos bestellen.‚Äú (35)

Es zeigt sich also, dass Allgemeines Priestertum und ordinationsgebundenes Amt nicht, wie oft behauptet wird, im Gegensatz zueinander stehen, dass es sich bei den entsprechenden Aussagen Luthers auch nicht um Inkonsequenzen handelt. Allgemeines Priestertum und ordinationsgebundenes Amt sind vielmehr organisch aufeinander bezogen: Das ordinationsgebundene Amt folgt aus der √∂ffentlichen, √ľberindividuellen Dimension des der Kirche als ganzer gegebenen, allen Christen √ľbertragenen Verk√ľndigungsamtes. Und es dient dem Allgemeinen Priestertum und sch√ľtzt es, weil es verhindert, dass einzelne Christenmenschen ihr Priesterrecht auf Kosten anderer aus√ľben und diesen so das ihre streitig machen: ‚ÄěDenn weil dies alles … allen Christen gemeinsam ist, ist es niemandem erlaubt, aufgrund eigener Autorit√§t vorzutreten und an sich allein zu rei√üen, was allen zusteht. … Vielmehr zwingt diese Gemeinschaft des Rechts, dass einer oder so viele der Gemeinschaft gefallen ausgew√§hlt oder angenommen werden, die anstelle und im Namen aller derer, die dasselbe Recht haben, jene Aufgaben √∂ffentlich durchf√ľhren..‚Äú (36)

Nach welchen Kriterien ist eine Person auszuw√§hlen, der das ordinationsgebundene Amt √ľbertragen wird? Sie muss zur √∂ffentlichen Verk√ľndigung und Sakramentsverwaltung geeignet sein, d. h., sie muss sich insbesondere durch theologische Kompetenz auszeichnen. (37) F√ľr diese Kompetenz ist die F√§higkeit zur theologischen Schriftauslegung konstitutiv.(38)

3.5 Das Verhältnis zwischen dem Allgemeinen Priestertum
und dem mit der Ordination √ľbertragenen Amt

Auf der Basis der grunds√§tzlichen Aussagen √ľber Allgemeines Priestertum und mit der Ordination √ľbertragenes Amt stellt sich die Aufgabe, das Verh√§ltnis beider n√§her zu bestimmen.

Von grundlegender Bedeutung f√ľr das reformatorische Verst√§ndnis von Allgemeinem Priestertum und mit der Ordination √ľbertragenem Amt ist die √úberzeugung, dass beide keine selbst√§ndigen Mittel oder Kriterien der Kirche darstellen, die denselben Rang wie Wortverk√ľndigung und Sakramentsdarreichung (als die Heilsmittel) h√§tten, sondern dass sie beide diesen ganz zu- und untergeordnet sind. Entscheidend ist, dass das Wort Gottes durch Predigt und Sakrament zuverl√§ssig und verst√§ndlich ausgerichtet wird. Denn die heilsame Kraft liegt nicht in den Amtstr√§gern, sondern in den vom Heiligen Geist frei benutzten √§u√üeren Mitteln (CA VIII und V).

Mit der Ordination von Amtstr√§gern und Amtstr√§gerinnen werden Recht und Auftrag zur √∂ffentlichen Wortverk√ľndigung und Sakramentsverwaltung im umfassenden, uneingeschr√§nkten Sinn √ľbertragen.

F√ľr die anderen Christenmenschen ist mit der Ordination von Amtstr√§gerinnen undAmtstr√§gern verbunden, dass sie den Dienst des Allgemeinen Priestertums in der √Ėffentlichkeit nicht eigenst√§ndig, sondern in der Weise wahrnehmen, dass die Kirche die Ordinierten durch die Ordination mit der Wahrnehmung jener priesterlichen Funktionen in der und f√ľr die Gesamtgemeinde beauftragt. Dabei gibt es jedoch ein priesterliches Recht, das unaufgebbar bei den Gliedern der Gemeinde bleibt, von dessen Aus√ľbung sie sich letztlich nicht dispensieren k√∂nnen: das Urteilen √ľber die Lehre. (39) In der Geschichte der Christenheit hat sich dieses Recht immer wieder Geh√∂r verschafft, wof√ľr die Reformation das prominenteste Beispiel ist. Unter normalen Umst√§nden geht seine Aus√ľbung im Zusammenwirken mit den Inhabern des geordneten Amtes vor sich. Dazu sind geordnete Verfahren notwendig.

In der Praxis der lutherischen Kirchen wurde die Funktion des Wachens √ľber die Lehre lange Zeit von bisch√∂flichen Amtstr√§gern und Konsistorien so wahrgenommen, dass die Gemeinden daran kaum mitwirkten ‚Äď sei es in Verbindung mit der Pr√ľfung, Visitation, Ein- und Absetzung von Amtstr√§gern, der Festlegung offizieller kirchlicher Verlautbarungen und Beschl√ľsse u. a. m. (40) D. h., die Einsichten der Reformation √ľber die Beteiligung der Gemeinde wurden hier nur sehr eingeschr√§nkt umgesetzt; deren angemessenere institutionelle Ber√ľcksichtigung sollte sp√§teren Zeiten vorbehalten sein. Im √úbrigen gilt, dass das Recht und die Pflicht der Gemeinde, die Lehre zu beurteilen, alle, auch die bisch√∂flichen Amtstr√§ger betrifft und sich u. U. auch gegen diese kehren kann: ‚ÄěWo sie [sc. die Bisch√∂fe] aber etwas dem Evangelio entgegen lehren, setzen oder aufrichten, haben wir Gotts Befehl in solchem Falle, da√ü wir nicht sollen gehorsam sein‚Äú (CA XXVIII). (41) Dieses grunds√§tzliche Recht und diese grunds√§tzliche Macht aller Christenmenschen treten in solch kritischer Weise immer dann in Kraft, wenn bisch√∂fliche Amtstr√§ger ihre Aufgabe, zu lehren und Lehre zu beurteilen, nicht mehr in rechter, evangeliumsgem√§√üer Weise wahrnehmen. (42)

Dar√ľber hinaus stellt sich die Frage nach dem Verh√§ltnis von Allgemeinem Priestertum und ordinationsgebundenem Amt in Notsituationen und in der Mission:

– Da mit dem Allgemeinen Priestertum jedem Getauften und Glaubenden grunds√§tzlich die F√§higkeit auch zur √∂ffentlichen Verk√ľndigung zukommt, ist nach Luther in Notsituationen von dieser F√§higkeit Gebrauch zu machen: ‚ÄěEines ist es, das (scil.: mit dem Allgemeinen Priestertum gegebene) Recht √∂ffentlich wahrzunehmen, ein anderes, dieses Recht in einer Notlage zu gebrauchen: Es √∂ffentlich wahrzunehmen, ist nicht erlaubt, au√üer mit Zustimmung der Gesamtheit oder Kirche. In einer Notlage gebrauche es, wer will.‚Äú (43)

– Ebenso legt Luther Wert darauf, dass in Missionssituationen, in denen kein √∂ffentlich beauftragter Amtstr√§ger vorhanden ist, jeder Christenmensch die Aufgabe der Wortverk√ľndigung und Sakramentsverwaltung auch √∂ffentlich wahrnehmen kann und soll: ‚ÄěNimm dieses Recht an dich und √ľbe es aus, wo keiner da ist, der ein gleiches Recht h√§tte.‚Äú (44)

Diese Argumentation ist in sich stimmig, weil erstens nur so in solchen Situationen der Auftrag der Verk√ľndigung des Evangeliums wahrgenommen werden kann und weil zweitens in beiden F√§llen durch die √∂ffentliche Aus√ľbung des Priesterrechtes niemand anderem das Priesterrecht streitig gemacht wird. Damit muss in diesen F√§llen nicht auf das Argument rekurriert werden, dass die Wahrnehmung des Rechts der √∂ffentlichen Wortverk√ľndigung und Sakramentsverwaltung durch einzelne Ordinierte dem Schutz des Allgemeinen Priestertums gilt. Deshalb tritt in der Missionssituation oder in vergleichbaren Situationen f√ľr jeden Christenmenschen die Aus√ľbung aller priesterlichen Dienste voll in Funktion.

4 Das Allgemeine Priestertum und das gemäß CA XIV
√ľbertragene Amt unter gegenw√§rtigen Bedingungen

Nachdem die biblischen und reformatorischen Einsichten, die f√ľr die Wahrnehmung des Verk√ľndigungsauftrages relevant sind, dargestellt worden sind, soll es nun darum gehen, wie dieser Verk√ľndigungsauftrag unter gegenw√§rtigen Bedingungen angemessen wahrzunehmen ist.

Leitend ist dabei die Einsicht, dass das reformatorische Grundmodell von Kirche nicht nur unter den damaligen Bedingungen das biblische Zeugnis sachgem√§√ü und kritisch zur Sprache gebracht hat. Es ist es ebenso f√ľr die heutige Situation tragf√§hig und fruchtbar. Zu diesem Grundmodell geh√∂rt nicht zuletzt die in der Reformationszeit entwickelte Unterscheidung und Zuordnung von Allgemeinem Priestertum und dem mit der Ordination √ľbertragenen Amt.

Allerdings stellt es eine eigene Herausforderung dar, die kirchliche Praxis unter den heutigen, gegen√ľber der Reformationszeit wesentlich ver√§nderten Bedingungen auf der Basis der reformatorischen Grunds√§tze zu gestalten. Im Blick auf die heute anstehenden praktischen Probleme ist es n√∂tig, zwischen bleibend g√ľltigen theologischen Gr√ľnden und zeitgeschichtlich bedingten Gr√ľnden f√ľr die Gestaltung des kirchlichen Amtes zu unterscheiden.

Das reformatorische Grundmodell von Kirche, das sich an der beschriebenen Verh√§ltnisbestimmung zwischen Allgemeinem Priestertum und mit der Ordination √ľbertragenem Amt orientiert, muss unter den jeweiligen gesellschaftlichen Bedingungen in die Praxis umgesetzt werden. Die Herausforderung besteht darin, dies so zu tun, dass m√∂glichst g√ľnstige Bedingungen f√ľr die Erf√ľllung des Verk√ľndigungsauftrags der Kirche geschaffen werden.

Diese Gestaltungsaufgabe verlangt gegenw√§rtig in den evangelischen Kirchen in Deutschland besondere Aufmerksamkeit. Die Praxis des Allgemeinen Priestertums wie des mit der Ordination √ľbertragenen Amtes bed√ľrfen der kontinuierlichen kritischen Reflexion und der daraus u. U. resultierenden Neugestaltung.

4.1 Die gegen√ľber der Reformationszeit ver√§nderten Bedingungen als Herausforderung

Die Bedingungen, unter denen das Allgemeine Priestertum wie das mit der Ordination √ľbertragene Amt ihre jeweils angemessene Gestalt finden m√ľssen, haben sich seit der Reformationszeit in mehreren Hinsichten erheblich ver√§ndert. Exemplarisch seien einige dieser Ver√§nderungen genannt:

– Die Komplexit√§t und Vielfalt unserer Lebenswelt und in deren Folge des kirchlichen Dienstes, wie er innergemeindlich und √ľbergemeindlich wahrzunehmen ist, hat stark zugenommen.

– Die Bildungsm√∂glichkeiten in der Breite der Bev√∂lkerung sind erheblich gestiegen. Hieraus resultiert eine Zunahme der Qualifikation von Christenmenschen f√ľr zahlreiche Aufgaben auch in Gemeinde und Kirche.

– Zugleich ist das Wissen um die Grundlagen des christlichen Glaubens und die Vertrautheit mit christlichen Br√§uchen und kirchlichen Vollz√ľgen auch bei Menschen, die sich der Kirche zugeh√∂rig f√ľhlen, dabei, verloren zu gehen, oder bereits verloren gegangen. Ein fortschreitender Traditionsabbruch ist un√ľbersehbar.

– Pluralit√§t und Bildungsm√∂glichkeiten haben einerseits zu einer Steigerung der Freiheit, andererseits zu einem Verlust von Orientierung gef√ľhrt. Das gilt auch f√ľr die kirchlichen Amtstr√§ger. Vielfach ist ihnen ihre Aufgabe unklar geworden.

– In den Gemeinden wie gemeinde√ľbergreifend tun sich Gruppen von Christen zusammen und treten mit eigenen Initiativen und Zielen der kirchlichen Institution gegen√ľber.

– Vielerorts sind die Christen in eine Minderheitensituation geraten: Das Christsein ist nicht mehr selbstverst√§ndlich, und die Rolle der Kirche in der √Ėffentlichkeit hat sich gewandelt.

– Das demokratische Selbstverst√§ndnis der Gesellschaft wird als Deutungsmuster f√ľr das Allgemeine Priestertum herangezogen. Das ist einerseits eine Herausforderung, √ľber das Allgemeine Priestertum nachzudenken, bringt andererseits aber auch die Gefahr mit sich, es von fremden Kategorien her zu verzeichnen.

Unter diesen ver√§nderten Bedingungen ist die Kirche heute herausgefordert, das Zeugnis der Christenmenschen im Alltag ‚Äď im Privatleben, in Familie, Freundeskreis und Beruf sowie im √∂ffentlichen Leben ‚Äď in seiner Bedeutung f√ľr die Wahrnehmung des kirchlichen Auftrags neu in den Blick zu nehmen und sie zu diesem Zeugnis zu ermutigen und zu st√§rken. Zugleich muss sie ihren Amtstr√§gern bei der Kl√§rung ihrer Aufgaben und ihrer Rollen helfen und sie dazu ermutigen, diesen auch heute gerecht zu werden. Damit kommen das Allgemeine Priestertum und die √∂ffentliche Verk√ľndigung in ihrer jeweiligen Bedeutung in der Kirche zur Geltung. Beides ist um der zeit und sachgem√§√üen Wahrnehmung des Verk√ľndigungsauftrags der Kirche willen dringend erforderlich.

4.2 Das gem√§√ü CA XIV √ľbertragene Amt
unter den Bedingungen der Gegenwart

Weil die Kirche das Amt hat, das Wort Gottes zu verk√ľndigen, dem sie sich selbst verdankt, muss sie sicherstellen, dass es √∂ffentlich verk√ľndigt wird, d. h. √ľberindividuell in Raum und Zeit, dauerhaft, regelm√§√üig, verl√§sslich und allen Menschen zug√§nglich. Kurz, sie muss die Verk√ľndigung institutionell sicherstellen. Das tut sie, indem sie einzelne Christenmenschen gem√§√ü CA XIV ordnungsgem√§√ü beruft und beauftragt, die √∂ffentliche Verk√ľndigung des Evangeliums in Predigt und Sakrament wahrzunehmen.

Die Evangelische Kirche tut dies gegenw√§rtig in zwei Grundformen: einerseits in der Form der Ordination, andererseits in Form der Beauftragung. (45) Diese beiden Grundformen k√∂nnen dadurch unterschieden werden, dass die kirchliche Berufung zur √∂ffentlichen Wahrnehmung des kirchlichen Verk√ľndigungsdienstes sich teilweise auf einen uneingeschr√§nkten (46), teilweise auf einen eingeschr√§nkten Verk√ľndigungsauftrag bezieht.

Die m√∂glichen Einschr√§nkungen k√∂nnen sich dabei beziehen auf die mit dem Dienstauftrag verbundenen Aufgabenstellungen und Befugnisse, auf die zeitliche oder r√§umliche Erstreckung des Dienstauftrages, auf die vorauszusetzende theologische Kompetenz und damit auf die Selbstst√§ndigkeit in der Wahrnehmung des Dienstauftrages. √Ąmter, f√ľr die dies gilt, sind z. B. die T√§tigkeit als Religionslehrerin oder Religionslehrer, das Vikariat, das Pr√§dikanten- und das Lektorenamt, das Kantoren- und das K√ľsteramt sowie andere Formen regelm√§√üiger, durch Beauftragung anvertrauter Mitwirkung im kirchlichen Verk√ľndigungsdienst. In all diesen F√§llen ist nicht eine Ordination angezeigt, sondern eine von der Ordination unterschiedene Beauftragung, z. B. eine Vokation oder Einsegnung.

Dort jedoch, wo der kirchliche Verk√ľndigungsauftrag uneingeschr√§nkt √ľbertragen wird ‚Äď gleichg√ľltig ob hauptamtlich, nebenamtlich oder ehrenamtlich wahrgenommen ‚Äď erfolgt die ordnungsgem√§√üe Berufung in Form der Ordination. Und weil es sich dabei um die √úbertragung eines uneingeschr√§nkten Verk√ľndigungsauftrags handelt, ist dem Wesen der Ordination eine zeitliche Befristung nicht angemessen. Zugleich l√§sst sich von dem durch die Ordination √ľbertragenen uneingeschr√§nkten Dienstauftrag sagen, dass er zum Sprechen und Handeln ‚Äěim Namen der Kirche‚Äú erm√§chtigt.

Die gelegentlich anzutreffende Auffassung, das durch Ordination √ľbertragene Amt stehe der Gemeinde gegen√ľber, ist hingegen unrichtig. Auf dem Hintergrund des evangelischen Verst√§ndnisses von Wort und Sakrament, Kirche und Amt ist vielmehr festzuhalten, dass es die Aufgabe des durch Ordination √ľbertragenen Amtes in der Kirche ist, das Gegen√ľber von Wort und Sakrament nicht nur zur Welt, sondern auch zur Gemeinde dauerhaft und umfassend zur Geltung zu bringen. Folglich ist nicht das Amt, sondern nur das Wort Gottes das Gegen√ľber zur Gemeinde. Wohl aber hat das Amt auf dieses Gegen√ľber zu verweisen. (47)

Zu widersprechen ist auch einem Verst√§ndnis der Ordination (und der Beauftragung), wonach sie als Bef√§higung, sei es zur Wortverk√ľndigung, sei es zur g√ľltigen Darreichung der Sakramente gilt. Weil die F√§higkeit dazu grunds√§tzlich allen Christenmenschen eignet, ist jede Deutung der Ordination oder einer anderen rechtm√§√üigen kirchlichen Berufung im Sinne einer Weihe abzulehnen. Ordination und Beauftragung verleihen keine besondere, zu spezifischen Amtsvollz√ľgen √ľberhaupt erst instandsetzende Seinsqualit√§t.

Der Auftrag, das Evangelium √∂ffentlich zu verk√ľndigen, umfasst die Wortverk√ľndigung im √∂ffentlichen Gottesdienst, die Sakramentsverwaltung, die stets auf die √Ėffentlichkeit der ganzen Gemeinde bezogen ist, und in der Regel auch die Amtshandlungen. Zu pr√ľfen ist, welche Institutionen der Lebensbegleitung, die konstitutiv mit √∂ffentlicher Verk√ľndigung verbunden sind, um der Wahrnehmung des Verk√ľndigungsauftrags unter den gegenw√§rtigen und zuk√ľnftigen Bedingungen willen neu zu entwickeln, einzuf√ľhren und durch eine spezifische Form der Beauftragung zu √ľbertragen sind (s. u. 4.4).

Berechtigung und Auftrag zur √∂ffentlichen Wortverk√ľndigung und Sakramentsverwaltung werden durch eine ordnungsgem√§√üe Berufung in Form der Ordination und der Beauftragung auf die Amtstr√§gerinnen und Amtstr√§ger √ľbertragen. Voraussetzung f√ľr die Ordination ist, dass den Ordinanden und Ordinandinnen die f√ľr ihren umfassenden Auftrag erforderliche theologische Kompetenz (48) eignet. Weil es ihre Aufgabe ist, das in der Heiligen Schrift bezeugte Wort Gottes zu verk√ľndigen, ist die F√§higkeit zur selbst√§ndigen, am Urtext orientierten und zur hermeneutischen Reflexion f√§higen Schriftauslegung konstitutives Element der theologischen Kompetenz. Hierzu geh√∂rt auch die selbst√§ndige Aneignung des Ansatzes und der Grundlage evangelischer Lehre. Hierzu geh√∂rt ferner die auf diesem Fundament zu erwerbende F√§higkeit der theologischen Urteilsbildung angesichts aktueller Herausforderungen sowie die F√§higkeit, das christliche Verst√§ndnis von Gott, Welt und Mensch innerhalb und au√üerhalb der Kirche darzustellen und zu vermitteln. Solche Kompetenz wird durch eine theologische Ausbildung erworben und bedarf der kontinuierlichen eigenst√§ndigen theologischen Fortentwicklung.

Voraussetzung f√ľr eine Beauftragung ist eine dem Auftrag entsprechende theologische Kompetenz. Es ist darauf zu achten, dass die Beauftragten diese Kompetenz auf dem Wege der Fortbildung bewahren und vertiefen.

Mit der ordnungsgem√§√üen Berufung in einen kirchlichen Dienstauftrag insbesondere in Form der Ordination verbindet sich zu recht die Erwartung der Kirche ‚Äď aber auch der √Ėffentlichkeit ‚Äď, dass die Berufenen sich nicht nur in der Wahrnehmung ihres Verk√ľndigungsdienstes, sondern in ihrer gesamten Lebensf√ľhrung so verhalten, wie es ihrem Auftrag entspricht.

4.3 Die neue Gestaltung der kirchlichen Leitungsaufgabe

F√ľr eine angemessene Bewertung des Verh√§ltnisses von Allgemeinem Priestertum und mit Ordination oder Beauftragung √ľbertragenem Amt ist es n√∂tig, sich neben den ver√§nderten geschichtlichen Bedingungen auch die Ver√§nderungen der von Ordinierten und Nichtordinierten wahrgenommenen Aufgaben von der Reformationszeit bis heute bewusst zu machen.

Seit dem 19. Jh. hat sich die Gestaltung des innerkirchlichen Lebens in den reformatorischen Kirchen in einer Hinsicht wesentlich ver√§ndert: Im Zuge der zunehmenden Ausdifferenzierung des kirchlichen Lebens kommt die Frage der Leitung von Gemeinde und Kirche als Gestaltungsaufgabe auf der Basis des reformatorischen Verst√§ndnisses von Allgemeinem Priestertum und ordinationsgebundenem Amt neu in den Blick. Es kommt zur Einf√ľhrung von Synodalverfassungen. Die Verantwortung f√ľr die Kirchenleitung wird seitdem von gew√§hlten Gremien (z. B. Kirchenvorst√§nden/ Presbyterien/Gemeindekirchenr√§ten und Synoden, in denen Ordinierte und Nicht-Ordinierte zusammenwirken) und ordinierten Personen gemeinsam wahrgenommen.

Dabei obliegt diesen kirchenleitenden Gremien die Verantwortung f√ľr rechtsetzende, konzeptionelle und finanzielle Entscheidungen. Die Ordinierten haben hier ihre theologische Kompetenz einzubringen. Das betrifft Entscheidungen √ľber die √∂ffentliche Wortverk√ľndigung und Sakramentsfeier, Kasualgottesdienste, kirchliche Lehre, Unterweisung, Ausbildung und Seelsorge und alle √ľbrigen konzeptionellen und rechtsetzenden Entscheidungen in der Kirche.

Als eine gemeinsame Aufgabe der kirchenleitenden Personen und Organe hat sich herausgebildet, die Kirche im √∂ffentlichen Leben ‚Äď auch durch kirchliche Stellungnahmen ‚Äď zu repr√§sentieren. Das Bild der Kirche in der √Ėffentlichkeit wird nicht zuletzt davon bestimmt, welches Bild ihre Vertreterinnen und Vertreter und insbesondere Pfarrerinnen und Pfarrer von der Kirche zeichnen und wie sie selbst als Repr√§sentanten der Kirche auftreten. Um so wichtiger ist ihre theologische Kompetenz.

Die spezifische Art der Kirchenleitung durch das ordinationsgebundene Amt ist die Wahrnehmung der umfassenden √∂ffentlichen Verk√ľndigung und Sakramentsverwaltung. Diese ist in sich Vollzug von Kirchenleitung.

4.4 Die Beteiligung aller Christenmenschen
am Leben der christlichen Gemeinde

Das gem√§√ü CA XIV √ľbertragene Amt dient dem Priestertum aller Glaubenden. Das zeigt sich auch darin, dass es die Beteiligung aller Christen am Leben der christlichen Gemeinde f√∂rdert, nicht zuletzt auch die √úbertragung und verantwortliche √úbernahme besonderer Aufgaben:

Schon seit langem haben sich M√∂glichkeit und Notwendigkeit ergeben, Gemeindeglieder mit ihren unterschiedlichen Bef√§higungen in verschiedenen Bereichen der Gemeindearbeit mit eigenst√§ndigen Aufgaben zu betrauen oder um ihre kompetente Mitwirkung zu bitten, etwa im Kindergottesdienst, in Besuchsgruppen, bei der Alten und Jugendarbeit. Dies ist eine unverzichtbare Bereicherung des kirchlichen Lebens und der kirchlichen Arbeit auf allen Ebenen und bedarf der Wertsch√§tzung. Sofern es sinnvoll erscheint und erw√ľnscht ist, kann und soll in solche Aufgaben und √Ąmter in Form einer gottesdienstlich gestalteten Beauftragung eingef√ľhrt werden. Die Ordination ins √∂ffentliche, uneingeschr√§nkte Amt der Verk√ľndigung und Sakramentsverwaltung muss davon auf Grund der oben skizzierten reformatorischen Einsichten deutlich unterscheidbar bleiben. Es ist nicht vertretbar, aus solchen Beauftragungen die Konsequenz einer Ausweitung oder Vervielf√§ltigung der Ordination zu ziehen.

Die Betrauung von nichtordinierten Gemeindegliedern mit besonderen Aufgaben muss jedoch in jedem Fall geordnet erfolgen. Dazu ist Voraussetzung einerseits, dass Zust√§ndigkeitsbereiche in der Gemeinde ausdifferenziert und m√∂glichst genau bestimmt werden; andererseits, dass auch die Zust√§ndigkeiten f√ľr das Ordnen dieser Bereiche so genau wie m√∂glich geregelt sind.

Nicht selten begegnet ein Pfarrerbild ‚Äď in den Gemeinden und bei den Amtstr√§gern selbst ‚Äď, wonach die pfarramtliche Aufgabe ‚Äěeigentlich‚Äú darin besteht, m√∂glichst alles allein zu machen und f√ľr den nicht zu leistenden Rest Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu suchen. Demgegen√ľber muss betont werden, dass es eine der origin√§ren pfarramtlichen Aufgaben ist, nach Begabungen Ausschau zu halten, Menschen zum Einsatz ihrer F√§higkeiten in Gemeinde und Kirche zu ermutigen und sie in ihrer T√§tigkeit zu begleiten, soweit dies sinnvoll und erforderlich ist.

Die Ausbildung der zuk√ľnftigen Pfarrer und Pfarrerinnen ist daraufhin zu √ľberpr√ľfen, ob sie hinreichend auf diese Aufgaben vorbereitet und ihnen die dazu notwendigen F√§higkeiten vermittelt werden. Die pfarramtliche Praxis ist daraufhin zu √ľberpr√ľfen, ob bzw. inwieweit diese Aufgabe wahrgenommen wird. Bei der Dienstaufsicht √ľber Pfarrerinnen und Pfarrer sowie bei der Begleitung und Beratung von Kirchenvorst√§nden (Visitation) ist verst√§rkt auf die F√∂rderung solcher F√§higkeiten zu achten.

Zu den Weisen der Beteiligung aller Christenmenschen am Leben der Gemeinde geh√∂rt die ‚Äď vielerorts bereits gewachsene ‚Äď Praxis, dass nichtordinierte Gemeindeglieder an der Vorbereitung und Durchf√ľhrung von Gottesdiensten, z. B. durch √úbernahme von Lesungen und Gebeten sowie durch Beteiligung an der Austeilung des Heiligen Abendmahls, mitwirken. (49) Dazu geh√∂rt ebenfalls die Seelsorge im pers√∂nlichen Bereich, einschlie√ülich des H√∂rens der Beichte. Die pers√∂nliche Seelsorge geh√∂rt nach reformatorischem Verst√§ndnis zum bleibenden Recht und zur bleibenden Pflicht jedes Christenmenschen. In der gegenw√§rtigen volkskirchlichen Wirklichkeit ist das aufs Ganze gesehen zu wenig im Bewusstsein. Gemeinde- und Kirchenleitungen sowie Pastoren und Pastorinnen sind darum herausgefordert, Wege zu suchen und zu beschreiten, auf denen die Wahrnehmung auch dieser seelsorgerlichen Aufgabe durch alle Christenmenschen gef√∂rdert wird. Zur Beteiligung der Gemeinde geh√∂rt schlie√ülich auch, dass dazu kompetente Gemeindeglieder leitende Funktionen in kirchenleitenden Gremien (Kirchenvorstand/ Gemeindekirchenrat/Presbyterium, Synode) √ľbernehmen, ja ganze Gottesdienste wesentlich mitgestalten (z. B. Weltgebetstag).

Wenn einzelne Christenmenschen oder kirchliche Gruppen allerdings die Zust√§ndigkeit der Amtstr√§gerinnen oder Amtstr√§ger f√ľr die √∂ffentliche Wortverk√ľndigung und Sakramentsfeier in Frage stellen, widerspricht dies dem reformatorischen Verst√§ndnis von Allgemeinem Priestertum und Amt. Das kirchliche Leben wird stets nachhaltig gest√∂rt, wenn zwischen den Zust√§ndigkeiten des gem√§√ü CA XIV √ľbertragenen Amtes und der Aus√ľbung des allen Christen gegebenen Auftrags Konkurrenzverh√§ltnisse auftreten.

 4.5 Ordination und Beauftragung

In den meisten evangelischen Kirchen hat sich die Praxis entwickelt, unter bestimmten Bedingungen auch nichtordinierte Gemeindeglieder mit der Leitung von Gottesdiensten zu beauftragen: Schon lange gibt es Lektoren und Lektorinnen, die Lesepredigten vortragen, und seit einigen Jahrzehnten gibt es auch Pr√§dikanten und Pr√§dikantinnen (50), die den Auftrag zur freien Wortverk√ľndigung, d. h. zur eigenst√§ndigen Erarbeitung von Predigten, und meist auch zur Sakramentsverwaltung haben.

Dazu ist zu sagen: Personen, die die √∂ffentliche Wortverk√ľndigung und die Sakramentsverwaltung uneingeschr√§nkt wahrnehmen sollen, sind zu ordinieren. Personen, die einen ‚Äď zeitlich, r√§umlich oder inhaltlich ‚Äď eingeschr√§nkten Dienstauftrag zur √∂ffentlichen Wortverk√ľndigung und/oder Sakramentsverwaltung erhalten, sind hierzu ordnungsgem√§√ü zu beauftragen. Das folgt aus dem oben skizzierten reformatorischen Amtsverst√§ndnis, wonach die uneingeschr√§nkte √∂ffentliche, und d. h. zugleich im Namen der Kirche ergehende Verk√ľndigung in Predigt und Sakrament Sache des ordinationsgebundenen Amtes ist.

In der Regel wird die f√ľr den umfassenden Dienst erforderliche Kompetenz durch wissenschaftliches Theologiestudium und Vikariat erlangt. Diese Regel schlie√üt aber nicht aus, dass diese Kompetenz in einzelnen F√§llen auch auf anderem Weg gewonnen werden kann. Ob das der Fall ist, muss von der Kirche jeweils gepr√ľft werden. Ma√ügeblich ist dabei nicht der Wunsch der Einzelnen, ordiniert zu werden. Entscheidend ist vielmehr das Interesse der Kirche am ordinationsgebundenen Dienst der jeweiligen Person, ferner die Einsch√§tzung der zust√§ndigen kirchlichen Organe, dass diese Person die erforderliche theologische Kompetenz f√ľr die Wahrnehmung des mit der Ordination √ľbertragenen Amtes hat. Dabei kann es sich etwa um einen entsprechend ausgewiesenen Pr√§dikanten handeln. (51) Im Blick auf eine angemessene und einheitliche Amtsbezeichnung f√ľr ordinierte Pr√§dikanten soll zwischen den Gliedkirchen eine Verst√§ndigung angestrebt werden. (52)

Die vorhandenen gliedkirchlichen Pr√§dikantenordnungen sollten hinsichtlich einer m√∂glichst gro√üen Vereinheitlichung unter folgenden Gesichtspunkten √ľberpr√ľft werden:

Voraussetzungen, z. B. Alter, Zur√ľstung, kirchliches Interesse, Regelm√§√üigkeit sowie Ort und Zeit des Dienstes, Verantwortung des Pfarrers/der Pfarrerin bzw. des Superintendenten/der Superintendentin

Einf√ľhrung und Verpflichtung, z. B. Bekenntnisbindung, Urkunde, Befristung,

Segenshandlung

Aus√ľbung des Auftrages, z. B. Anbindung an Kirchenkreis und Gemeinde, Dienstanweisung, Amtstracht, Fortbildung, Verschwiegenheit, Kosten

Beendigung und Entpflichtung.

Drucke diesen Beitrag Drucke diesen Beitrag Artikel empfehlen Artikel empfehlen

Dieser Beitrag wurde erstellt am Sonntag 28. November 2004 um 12:46 und abgelegt unter Kirche, Theologie.