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Acht Jahre nach Malatya-Morden: Witwe rechnet nicht mehr mit Gerechtigkeit

Samstag 18. April 2015 von Martin-Bucer-Seminar


Martin-Bucer-Seminar

Nach dem letzten Verhandlungstag im Malatya-Mordprozess ├Ąu├čerte die Witwe Susanne Geske gegen├╝ber einer t├╝rkischen Zeitung, dass sie in dieser Welt nicht mehr mit Gerechtigkeit rechne. Sie mache sich wegen der f├╝nf aus der Untersuchungshaft entlassenen Hauptverd├Ąchtigen Sorgen, so dass ihre Kinder immer wieder Angst h├Ątten, wenn eine neuer Verhandlungstag ansteht. Am 18. April 2007 wurden die drei evangelischen Christen Tilman Geske, Ugur Y├╝ksel und Necati Aydin im ostt├╝rkischen Malatya ermordet. Auch wenn die f├╝nf mutma├člichen M├Ârder noch am Tatort von der Polizei festgenommen werden konnten, ist bis heute kein Urteil gef├Ąllt worden. Seit etwa einem Jahr sind diese f├╝nf jungen M├Ąnner nicht mehr in Haft, sondern mit elektronischen Fu├čfesseln versehen in Hausarrest, nachdem die maximale Zeit f├╝r eine Untersuchungshaft ├╝berschritten war.Im Laufe der Jahre wurden nicht zuletzt auf intensives Dr├Ąngen der Anw├Ąlte der Hinterbliebenen etliche mutma├čliche Hinterm├Ąnner der Tat festgenommen und angeklagt. Aber auch in allen diesen F├Ąllen ziehen sich die Verhandlungen hin und ein Ende ist nicht in Sicht. Erschwerend kommt jetzt eine m├Âgliche Verwicklung dieser Angeklagten in eine Verschw├Ârung gegen den t├╝rkischen Staat (bekannt unter dem Stichwort ÔÇ×Ergenekon-ProzessÔÇť) hinzu, nachdem die t├╝rkische Regierung die G├╝len-Bewegung, mit der sie viele Jahre eng verbunden war, beschuldigt, Prozesse manipuliert zu haben. Deshalb treten die der Mithilfe an den Malatya-Morden Beschuldigten mit der Behauptung auf, auch in ihrem Fall sei alles nur manipuliert worden.

Ein Pastor aus der T├╝rkei schreibt BQ: ÔÇ×Das tragische an der Sache ist, dass wohl kaum noch jemand glaubt, dass wirklich die ganze Wahrheit ans Licht kommt. Vielmehr bekommt man den Eindruck, dass immer je nach politischer Lage in die eine oder andere Richtung manipuliert wird. Ob wenigstens das Verfahren gegen die f├╝nf offensichtlichen T├Ąter bald zum Abschluss kommt, ist auch immer noch nicht sicher. Der n├Ąchste, 104. Prozesstag ist f├╝r den 06. Mai 2015 angesetzt.

Die Lage der Christen und Kirchen in der T├╝rkei ist nach wie vor vielfach problematisch. Neben einzelnen positiven Aspekten gab es auch im Jahr 2014 wieder eine ganze Reihe von Menschenrechtsverletzungen gegen Christen bzw. Kirchen und Gemeinden. Deshalb hat das Internationale Institut f├╝r Religionsfreiheit auch den j├╝ngsten Bericht ├╝ber Menschenrechtsverletzungen f├╝r das Jahr 2014 der Vereinigung Protestantischer Kirchen, der T├╝rkischen Evangelischen Allianz, in deutscher ├ťbersetzung ver├Âffentlicht.

18.4.15
Bonner Querschnitte 351; Nr. 15/2015
www.bucer.de/bq.html
Hier kann auch der Menschenrechtsbericht der T├╝rkischen Evangelischen Allianz auf Deutsch heruntergeladen werden.

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Dieser Beitrag wurde erstellt am Samstag 18. April 2015 um 13:12 und abgelegt unter Christentum weltweit.