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Wohin geht die Reise?

Freitag 10. April 2015 von Kirchenrat Hans Lachenmann (1927-2016)


Kirchenrat Hans Lachenmann (1927-2016)

Januar 2015, Paris „Je suis Charlie“

Als am 7. Januar 2015 in Paris sämtliche Mitarbeiter des Satiremagazins „Charlie Hebdo“ von einer islamistischen Terrorgruppe ermordet wurden, weil sie den Propheten durch eine Karrikatur zur Lachnummer machten, brach ein Sturm los, der die Stadt, das Land und die Völker Europas mit sich riss. Es genügte nicht, dass sich die Menschen mit „Je suis Charlie“ zu den verwegenen Satirikern bekannten, auch nicht, dass die Mörder ergriffen und erschossen wurden: die Mächtigen der westlichen Welt fanden sich zusammen und man bekannte sich zum freien Europa, zur europäischen Union und zu den höchsten Werten der aufgeklärten Gesellschaft – hier in der französischen Version „Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit.“

Der Terror IS ist an Grausamkeit nicht zu übertreffen. Wer sich nicht zu Allah bekennt und dem „Islamischen Staat“ unterwirft, wird umgebracht. Das Schreckgespenst, das scheinbar aus dem Nichts auftaucht, in der islamische Welt einen Sieg nach dem anderen feiert, in afrikanischen Staaten wütet und die Christen zur Flucht zwingt, ist jetzt im Herzen Europas, in Paris angekommen. Und das ist erst der Anfang. Die Islamisten sind unter uns. „Wir werden uns zur Wehr setzen zur Verteidigung unserer höchsten Werte“. So im Gespräch der pluralistischen Gesellschaft, in der einander widersprechende Parteien, Religionen, Lebensstile und verschiedene sexuelle Orientierungen möglich sind, jeder dem anderen seine Freiheit und sein Recht gönnt: Leben und Lebenlassen. Toleranz gehört zur modernen Staatsraison.

Verschiedene Wege

Beim Organisieren des gemeinsamen Kampfes gegen den islamistischen Terror zeigen sich bald Probleme. Da sind die neuen Staatsbürger aus der Welt des Islam. Sie bringen ihre vertrauten Lebensgewohnheiten und ihre Religion mit, hören die Suren des Koran und die Predigten des Imam. Aber wie ist ihr Urteil zu den Dschihadisten und Mördern in der Heimat und jetzt in Paris? Hier gehen die Wege auseinander. Da sind die einen bei uns lebenden Muslime, die sagen: die Terroristen vom 7. Januar können sich nicht auf den Koran berufen. Sie missbrauchen die Religion. Da sind andere, die dazu schweigen oder ihre Meinung zurückhalten, und da sind gründliche Kenner des Islam, die uns versichern, zwischen Islam und Islamismus gibt es kaum einen Unterschied. Viele verstehen sich als die wahren Muslime, die den Tötungsgeboten des Koran gehorchen. Dies entspricht dem Lebensvorbild des Propheten, der selber als Krieger lebte und Massenmörder an medinischen Juden war. Dazu kommen Stimmen aus aller Welt, die sich mit den Mördern vom 7. Januar solidarisieren. Und schließlich unsere jüdischen Mitbürger mit ihren Erinnerungen und Erfahrungen des Holocaust. Jetzt sind sie wieder Verhasste und Verfolgte, dieses Mal von Seiten des Islam.

Kommt es jetzt zur Spaltung? Die einen sind für einen mit dem Grundgesetz kompatiblen Islam. Deshalb möglichst schnell staatlich eingerichteter islamischer Religionsunterricht und akademisch ausgebildete Religionslehrer. Sicher werden sich dafür Interessenten finden, junge Leute, die Deutsche werden wollen. Andere haben kein Interesse, möchten Sprache und Tradition der Heimat behalten, schließen sich lieber ein in eine Subkultur und fordern für Familienangelegenheiten eigenes Recht. Sind sie nicht schon zu finden, in Berliner Bezirken und größeren Städten? Die große Spaltung setzt sich dann fort bei den Neubürgern mit islamischem Hintergrund. Die drohende Gefahr führte zu merkwürdigen Blitzreaktionen. Die Bundeskanzlerin übernimmt für sich die Erklärung des ehemaligen Bundespräsidenten Wulff, der Islam gehöre zu Deutschland – und bekommt darauf heftigen Widerspruch aus den eigenen Reihen. Der ehemalige Ratsvorsitzende der EKD Wolfgang Huber liefert sogar ein „Manifest“, das Bibel, Thora und Koran zu „Büchern der Liebe, nicht des Hass’s“ erklärt, unterzeichnet von deren Vertretern. Ob dies dem Frieden im Lande dient? Oder ist es nur ein hilfloser Hilferuf aus Angst vor dem drohenden Schisma der Gesellschaft? Während bei uns ein Tohuwabohu droht, wächst der Zulauf von Asylsuchenden aus den Kriegsgebieten und von Mutigen aus den zukunftslosen Gegenden der Welt von Woche zu Woche an, Monat um Monat, Jahr um Jahr. Wohin geht die Reise?

Aus den Bevölkerungswissenschaften und den statisischen Instituten kommt vom führenden Fachmann, Prof. Herwig Birg (Berlin) eine zuverlässige Antwort. Wer Klarheit will, wohin die Reise geht, muss sein Votum hören. Es ist wie bei unlösbaren Gleichungen mit mehreren Unbekannten, die gelöst werden können, wenn sich eine bekannte Größe findet. Herwig Birg erklärt uns (Idea vom 8. Januar 2015 S. 20): „Deutschland steckt tief in einer demographischen Sackgasse. Seit Jahrzehnten ignoriert das Land die am genauesten prognostizierte Krise seiner Geschichte.“ Das Problem besteht darin, dass zur Ergänzung der Bevölkerung in der kommenden Generation die erforderliche Durchschnittszahl von 2,1 Geburten pro Frau nicht erreicht wird, sondern immer weiter zurückbleibt. Eine Entwicklung in ganz Europa. Deutschland steht mit der Geburtenhäufigkeit von 1,4 mit Italien und Portugal am Ende der Liste. Diese Zahl lässt sich nicht schnell verändern wie ein Aktienkurs, sondern wirkt sich sofort auf die nächste Generation aus in einem Dominoeffekt, der dazu führt, dass die Geburtenzahl weiter abnimmt. Nichtgeborene können keine Kinder und diese keine Enkel zur Welt bringen. Herwig Birg liefert uns das Ergebnis und sagt damit, wohin die Reise geht: Die Abnahme der deutschen Bevölkerung um 16 Millionen Menschen, und dabei die Schrumpfung der Zahl der 20-bis 60-Jährigen wird in der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts, selbst bei weiterhin hohen Einwanderungen jüngerer Menschen, der deutschen Volkswirtschaft das Rückgrat brechen.

Bedrohlicher Ăśberdruck

Was bedeutet das? Die Weltbevölkerung hat sich in rasantem Tempo zu über 7 Milliarden Menschen vermehrt. Unser Planet ist überbevölkert mit den bekannten Folgen für das Klima und die letzten Ressourcen. Zugleich mit diesem anwachsenden Überdruck erzeugt in Europa dessen demographische Entwicklung einen ebenso anwachsenden Unterdruck. Beide addieren sich zur Hochspannung,, die weiter ansteigt und sich explosionsartig entladen wird. Genau hier sind wir auf unserer Reise angekommen. Da schwimmen vor der Küste Italiens alte, kaum seetaugliche Boote, überladen mit Menschen, deren Leichen man bald aus dem Meer fischen wird. Die Hoffnungslosigkeit, die Not im eignenen Land und die Sehnsucht nach dem sagenhaft reichen Land im Norden haben die Unglücklichen dazu getrieben. Ähnlich das Bild der mit messerscharfen Zähnen bewehrten haushohen Zäune an der Grenze zwischen Afrika und Spanien: Daran hängend verzweifelte Menschen, die mit zerissenen Kleidern und blutigen Händen hinübersteigen wollen ins gelobte Land.

Eine Reihe erdbebenartiger Entladungen erleben wir zur Zeit in Deutschland, ausgehend von Dresden. Seit dem 20. Oktober findet dort jede Woche der „Abendspaziergang“ statt, eine Demonstration mit dem Titel PEGIDA „Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“, mit wachsender Beteiligung der Bürgerschaft. Wut treibt sie an und Angst, von einem zur Völkerwanderung anwachsenden Zulauf der im Chaos versinkenden islamischen Staaten überschwemmt zu werden und die Identität als Europäer und Deutsche zu verlieren.

Der Dresdener „Abendspaziergang“ hat eine Kettenreaktion von Eruptionen ausgelöst. Gegendemonstrationen, Warnungen, hier würde nur Angst ausgelöst, um die politischen Rechtsaußen für eigene rassistische Schandtaten zu mobilisieren. Pegida sei pervers, fremdenfeindlich, unmenschlich und unchristlich. Und wer sich von Angst leiten lasse, gehe in die Irre, ein dummer Spruch, der nicht weiß, dass es ohne Angst in der Natur kein Überleben gibt. (Katz und Maus). Die Eruptionen gegen Pegida erscheinen vielen wie eine Allianz von Politik, Medien und Kirche mit dem Ziel, den bösen Geist wieder in die Flasche zu sperren. Dass Pegida mit 19 Bemerkungen sich für die Aufnahme der Verfolgten als Pflicht der Menschlichkeit einsetzt und dafür, dass sie anständig vesorgt werden, dass jedoch die Verteilung der Lasten gerecht sein müsse und der Missbrauch des Asylrechts bekämpft werden soll, bleibt unbemerkt. Die Ablehnung bezieht sich vor allem auf nicht integrierbare Islamisten. Eine Bürgeruntersuchung in Dresden kommt zum Ergebnis, dass es sich im Durchschnitt um normale und friedliche Bürger handelt, ferner dass die Bürgerschaft zur Hälfte „Pegida“ eher positiv beurteilt. Bald finden sich Nachahmer in den großen Städten. Es zeigt sich ein Schisma in unserer Gesellschaft, die Verantwortlichen in der Politik verweigern jedoch das Gespräch. Dies allerdings ist ein unerträglicher Zustand. Statt einem offenen und überzeugenden Gespräch das stinkende Gift gröbster Beleidigungen durch solche, deren Aufgabe es wäre, verschiedene politische Gruppen miteinander ins Gespräch zu bringen. Verursacher der Spaltung ist derjenige, der das Gespräch strikt verweigert, ein typisches Verhalten totalitärer Staaten. Von den Abendspaziergängern aber die Losung: „Wir sind das Volk.“

Demographischer Wandel- Schwindel

Das gilt auch für das Thema „Wohin geht die Reise?“ Nämlich die gemeinsame Reise in die Zukunft. Hier sitzen wir, ob wir wollen oder nicht in einem Boot. Das ist nun wie die Gleichung mit unbekannten Größen, die gelöst werden kann, wenn eine bekannte Größe hinzukommt. Genau das ist geschehen mit der demographischen Forschung, die bei Herwig Birg mit der „genauesten prognostizierten Krise der deutschen Geschichte “ zu der Voraussage kommt, dass die Reise in einer Sackgasse endet.

Für die herrschende Klasse ist die „demographische Sackgasse“ jedoch der „demographische Wandel“, eine Chance für ein langes gutes Leben; aber kein Anlass, dem Problem auf den Grund zu gehen. Dann würde man erfahren, dass die Hälfte der Frauen heute ohne Kinder bleibt, die andere mit durchschnittlich zwei Kindern, wo doch im Durchschnitt bei allen 2,1 Kinder nötig sind, um das demographische Gleichgewicht zu halten.

Allem Lebendigen ist eine doppelte Aufgabe gestellt: Die Produktion, was zum Leben nötig ist, Nahrungsaufnahme und Schutz, die Reproduktion zur Fortsetzung der Gattung in eigenen Nachkommen. Für beides sind sie ausgerüstet: Hunger und Durst und der unwiderstehliche Sexualtrieb. Wenn die Reproduktion nicht gelingt, führt das unausweichlich zum Aussterben der Art. Ein Unternehmer hat dieselbe Aufgabe von Produktion und Reproduktion und sichert deshalb die Fortsetzung seines Unternehmens durch die jährliche Bilanz. Wenn er auf die Reproduktion verzichtet, kann er die gesamte Produktion für seinen großzügigen Lebensstil verbrauchen. Bald wird er bankrott sein und aus dem Markt ausscheiden. Genau dies ist die Ursache des demographischen Niedergangs. Da sieht die Frau, dass sie ohne die Last der Kindererziehung und die Aufgabe, sie ins Leben zu begleiten, viel mehr Zeit und Geld zur freien, eigenen Verfügung hat, und dass die andere mit ihren zwei Kindern sich viel weniger leisten kann. Was für die Zukunftsfähigkeit geleistet werden müsste, hat man jedoch gespart. Es geht zu Lasten der kommenden Generation, die schon durch die Schulden der Vorgeneration belastet und an Zahl geringer ist. Das Schicksal einer vom Aussterben bedrohten Art. Das ist die Realität hinter dem “demographischen Wandel“.

Die Abschaffung der Wirklichkeit

Was hier bei den Verantwortlichen geschieht, ist „die Abschaffung der Wirklichkeit“. Das geschieht mit Ehe und Familie. Sie soll in unserer pluralistischen Kultur ersetzt werden durch die bunte Vielfalt sexueller Orientierungen. Welche Konsequenzen der neuen Kreation hat das für die Zukunftsfähigkeit einer Gesellschaft? Nur die „traditionelle“ Ehe–und Familie gewährleistet die Möglichkeit, den demographischen Niedergang aufzuhalten. Bei den anderen „Orientierungen“ bleibt Nachkommenschaft die Ausnahme. In unserer Verfassung wird deshalb nur die Ehe und Familie mit Kindern unter den besonderen Schutz und die Förderung des Staats gestellt. Das geschieht im Hinblick auf seine eigene Zukunftsfähigkeit, hat mit „Privilegierung“ oder gar „Diskriminierung“ anderer Lebensformen nichts zu tun. Hier steht unser Grundgesetz von 1949 in der Tradition der „Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte vom 10.12.1949“ und des Naturgesetzes, das Ehe und Familie nicht als ein vom Menschen gesetztes „positives Recht“ versteht, sondern eine mit der Natur gesetzte Ordnung..

Es geht hier bei Gut und Böse um das, was unser so leicht verletzliches Leben fördert oder zerstört. Im Volksmund: „Was du nicht willst, das man dir tu, das füg auch keinem andern zu“. In der Bibel: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“ Ähnlich in der Sprache der Philosophen bei Immanuel Kant. In diesen Zusammenhang gehört der Schutz von Ehe und Familie. Die pluralistische Ethik mit dem Prinzip der Vielfalt und Buntheit steht ihr direkt entgegen. Bei ihr geht es nicht mehr um ein Gesetz, das uns wie andere Naturgesetze vorgegeben ist, sondern um ein Konstrukt des Menschen, der autonom unter dem label des Regenbogens nach mehr Freiheit und Glück fragt. Der entscheidende Unterschied ist, dass im einen Fall der Mensch unterscheiden und „entscheiden“ muss, im anderen aber das Unterscheiden und Entscheiden streng verboten sind, weil ja alle gleich gut sind. Tiere müssen unterscheiden können zwischen gut und giftig, auch wenn es zwei schöne Pflanzen auf der bunten Wiese sind. Und bei den Menschen ist es nicht anders. Der Pilzsammler kann die Vielfalt und Buntheit der Pilze zwar schön finden, er muss aber einen Wiesenchampignon vom gelben Knollenblätterpilz „discriminieren“ nämlich unterscheiden können. Wenn neben der „traditionellen Ehe und Familie“ andere Lebensformen und sexuelle Ausrichtungen nicht unterschieden werden dürfen, dann wird die bisherige niedrige Geburtenquote von 1,4 erheblich absinken und zwar mit den Folgen, die Herwig Birg angesagt hat.

Das Endziel der Abschaffung von Wirklichkeit heiĂźt „Gender-Mainstreaming“. Hier wird das Leben schon in der Wurzel zerstört, indem die Polarität der Geschlechter aufgelöst wird. Es mag zwar die biologische Existenz der Geschlechter geben. Die Sortierung der Kinder in Knaben und Mädchen ist jedoch ein ihnen aufgezwungenes „Stereotyp“. Als Mann und Frau wird man nicht geboren, sondern erzogen. Es gibt fĂĽr uns – auch gegen die biologische Grundlage – im Genderbereich die Freiheit, seine sexuelle Orientierung selbst zu wählen und in Vielfalt und Buntheit zu leben. Mit der Einteilung in Mann und Frau werden auch „Vater“ und „Mutter“ abgeschafft. Und in der Sprache darf es nicht mehr Maskulinum und Femininum geben.

Das Ganze ist ein fantastisches Konstrukt, entstanden in den Köpfen psychisch gestörter Feministinnen. Und ausgerechnet diese Ideologie wird uns als Wissenschaft verkauft, von einer Lobbygruppe der UN anerkannt, von großen Geldgebern unterstützt. Die Rot-Grüne Bundesregierung hat durch Kabinettsbeschluss am 1. Mai 1999 Gender Mainstreaming übernommen als Vorgabe nach der sich alle Gesetzgebung zu richten hat. Inzwischen gibt es über 100 Professorinnen, Gender Kompetenzzentren an den Universitäten, um das Programm umzusetzen. Zunächst heimlich, so dass es keiner merkt. Heute sollen die Kinder nach pädagogischen Bildungsplänen vom Kindergartenalter an in die Vielfalt und Buntheit der sexuellen Orientierungen eingeweiht werden. Sie können auch die für sie passende Orientierung schon entdecken. Seither regt sich im Lande Protest. Hier wird den Kindern mit dem Schamgefühl das psychische Immunsystem zerstört und durch Genderideologie ersetzt. Nun kann die Fertilitätsquote auf Null sinken. Kein Wunder, dass Pegida nicht die einzige Organisationsform der Wutbürger bleibt. Es bildeten sich schon zuvor „Demonstrationen für alle“ wie in Stuttgat, gut organisiert und mit prominenten Sprechern. Schon zuvor ist auch die „Alternative für Deutschland“ (AfD) als politische Partei entstanden, die schnell Sitze in den Parlamenten erobert hat. Allen dreien auf der anderen Seite des Grabens, bei denen, die Gender-Mainstreaming ablehnen; wird das Gespräch verweigert. Ein Trost bleibt, dass uns in der katholische Kirche noch eine unbezwungene Macht geblieben ist.

Typisch ist die verschiedene Ă–ffentlichkeitsarbeit. Die eine kommt ĂĽber Presse und Fernsehen ins Wohnzimmeer. Sie informiert – ohne dass man es bemerkt – im Sinn der politisch korrekten Klasse, setzt die Macht der präparierten Bilder so ein, dass Gute zu Bösen werden und umgekehrt. Die Talkshow wird nach der Regel „alle gegen einen“ so inszeniert, dass der politisch inkorrekte Teilnehmer am Ende erledigt ist. Die andere Seite kommt im Internet zu Wort. Die in der Verfassung geforderte Meinungsfreiheit ist im Internet besser aufgehoben.. Die schon abgedroschene Ansage, der Gegner sei schon in Auflösung begriffen, wird regelmäßig enttäuscht und die Gegendemonstrationen erreichen auch meistens das Gegenteil ihres Ziels. So nimmt der „demographische Wandel“ seinen Lauf und treibt die Hochspannung zwischen SĂĽd und Nord immer höher und damit den Druck zur Völkerwanderung. Die kommende Generation aber wird die unsere anklagen, weil sie ihnen die Zukunft weggenommen und fĂĽr sich verbraucht hat. Die WutbĂĽrger sind jedoch kaum besser dran. Sie werden den unerwĂĽnschten und zugleich notwendigen Zustrom – auch von radikalen Muslimen – nicht verhindern. Der Wunsch, die Heimat zu bewahren, ist legitim, es wird aber dabei bleiben„ hinhaltenden Widerstand zu leisten und die vertraute Kultur zu pflegen. Nur wenig kann man ĂĽber das Ăśberraschungsfeld der Zukunft sagen. Doch kommen mit hoher Wahrscheinlichkeit Kriege und Katastrophen, die sich auf Europa auswirken, dazu die schon weit fortgeschrittene Klimakatastrophe und der Streit um die letzten Ressourcen des geplĂĽnderten Planeten Erde.

Der Untergang des Abendlandes

Kein Wunder, dass das Thema von Oswald Spengler (1918) vom „Untergang des Abendlandes“ wieder auf die Tagesordnung kommt. Könnte es nicht sein, dass es nicht nur ein schreckliches Thema ist? Gibt es nicht auch eine neue Dimension, die Welt zu sehen und unser Dasein zu verstehen? Da steht eine Türe offen, für die wir bisher kein Auge hatten. Ein erster Schritt ins Offene ist die Erinnerung, wie das „christliche Abendland“ geworden ist; nämlich durch den Untergang einer Welt: die römisch-griechische Antike.

Kein Volk spricht noch lateinisch, aber viele Sprachen Europas, französisch, spanisch, italienisch etc, stammen ab vom Latein. Sie entstanden in den ehemaligen römischen Provinzen, in denen sich Kelten, Germanen, Nachfahren der Völkerwanderung mit den neuen Herren vermischten, ihrer Sprache, Kultur und Religion. Und so lebt das Latein der untergegangen Antike bis heute fort: in den Monatsnamen, im Rechtswesen, der Römisch-katholischen Kirche, und wird in Gymasien und Hochschulen gelehrt. Das Erbe der Antike lebt im „christlichen Abendland“ weiter und treibt neue Blüten. Könnte es nicht sein, dass dies auch bei uns geschehen kann? Dann könnte der befürchtete „Untergang des Abendlandes“ die Menschheit sogar ein Stück weiter bringen.

Universum der kreativen Katastrophen

Wenn wir weiter zurückschauen in die Geschichte der Menschheit, werden wir entdecken, dass dies schon immer so gewesen ist. Da sind die großen Weltreiche an den Strömen des nahen Orients, Chaldäer, Sumerer, Assyrer, Ägypter, deren fortlebendes Erbe, Schrift, Geld, Astronomie, Mathematik, Brot und Wein – von den Weltreichen selbst bleiben Ruinen.

Wenn wir weiter zurückgehen zum Anfang unserer Erde, erfahren wir, dass das Auftreten der Säugetiere die Folge eines Meteoriteneinschlags vor 14 Millinen Jahren im Nördlinger Ries ist. Die Welt der schrecklichen Monster des Tertiär und Jura ging unter und es begann die Welt der bisher kleinen Säugetiere. Gehen wir weiter zurück, erfahren wir, das Wasser, das unsere Erde zu vier Fünftel bedeckt und auch die sauerstoffhaltige Luft, ohne die kein Leben werden kann, sind ebenso die Folge globaler Katastrophen. Und unser Planet entstand durch die Gravitation zusammengeballter Trümmer und Staubwolken von explodierten Riesengestirnen. Fragen wir nach den Uranfängen, dann stoßen wir auf das einfachste Atom h, aus dem in Milliarden Jahren die ganze Reihe der Atome bis zu den Transuranen ausgebrütet wurden. Der „Urknall“ des Anfangs von Raum und Zeit gibt den Weg frei zur Geschichte des Universums, gleich einer sich dem Ende zu immer schneller beschleunigenden Exponentialkurve. Die Katastrophe scheint unser Universum zu strukturieren, an dessen vorderster Front wir uns entdecken und fragen: wohin geht die Reise?

Die Bibel

Schlagen wir unsere Bibel auf, so werden wir die gleiche Struktur finden, allerdings unter einem besonderen Vorzeichen. Die ersten elf Kapitel, in denen die Menschheit ihr wahres Gesicht wie im Spiegel sieht, enden mit dem Turmbau zu Babel und der Zerstreuung der Menschheit in Völker und Sprachen, fern von Gott, vor dem sie sich einen Namen machen wollte. Mit dem 12. Kapitel kommt ein Neues: die Berufung Abrahams, eines alten Mannes ohne Kinder und Zukunft. Nun soll er ausziehen aus dem Schutz der Sippe in fremdes Land. Er erhält die Verheißung eines großen Namens und von Nachkommen wie Sand am Meer. Er wird Urvater einer neuen Menschheit unter Gottes Segen. Mit dem Satz: „Da zog Abraham aus, wie ihm Gott gesagt hatte“ beginnt eine neue Zeit. Dem folgen Gottes Wohltaten: Mose, die Rettung am roten Meer, Gesetz und Bund, das verheißene Land, Jerusalem und der Tempel. Doch bald führt der Weg wieder ins Verderben, die Zerstörung Jerusalems, Exil, Vertreibung und Zerstreuung. Ein Neuer Bund soll werden „Tröstet, tröstet mein Volk.“ Später zeigt Daniel die Liste der sich ablösenden Weltreiche. Am Ende das Nachtgesicht: der Menschensohn in den Wolken des Himmels, dem Macht, Ehre und Reich über alle Völker gegeben sind, „dessen Reich ewig ist.“ Später steht Jesus von Nazareth vor seinen Richtern: „Ihr werdet sehen des Menschen Sohn, sitzen zur Rechten der Kraft und kommen in den Wolken des Himmels“. Derselbe, dessen Wirken mit der Anssage beginnt: „Der alte Äon ist erfüllt, und das Reich Gottes ist herbeigekommen, ändert euch in eurem Sinn und glaubt an die frohe Botschaft (Markus 1,15).“ Es ist derselbe, an dessen Ende das Kreuz auf Golgartha steht, derselbe von dem die schon Verzweifelten mit Freude bekennen: ER ist wahrhaftig auferstenden. Derselbe, von dem die Christenheit weiß, dass er als Gottes Sohn selbst sich hineingeworfen hat in die im Tod verlorene Welt, sich erniedrigt bis zum Tod und zum Herrn geworden ist über alles (Philipper 2,5-11), derselbe der zum Gericht kommt und zur Neuen Schöpfung, in der die vergangene Schöpfung vollendet wird, sich die Tränen in Freude verwandeln und Gott sein wird alles in allen. Und da stehen auch heute Menschen, die zu ihm gehören, Verfolgte und Verachtete, die nun wissen, wohin die Reise geht.

Die Bibel ist auch heute der Spiegel, in dem wir uns, unsere Zeit, das Universum mit seiner Katastrophengeschichte und seinen Rätseln verstehen können. Es wird uns deutlich, was sich in den Ahnungen der Völker wiederfindet, nur in Bildern zu fassen: ein Urkonflikt, die Rebellion gegen Gottes Heiligkeit und Liebe, eindringlich wiedergegeben in den ersten Kapiteln der Bibel. In jedem von uns lebt deshalb die Sehnsucht nach dem paradise lost. Die Bibel ist das wichtigste Buch der Menschheit. Eigentlich kein Buch, sondern ein Fleckenteppich, zusammengenäht aus Texten verschiedenster Art und Größe, entstanden in einer Zeit von 1000 Jahren, zum Ganzen gestaltet von gelehrten, gottesfürchtigen Menschen in seine jetzige Gestalt, so dass sie das ganze Geschehen von Himmel und Erde, zwischen A und O zusammenfasst.

Die Bibel ist kein Koran, sondern eine Membran, durch die das ewige Wort Gottes zu uns kommt und in Herz, Verstand und Gewissen trifft. Es verbietet uns auch nicht das Fragen und Denken. Im Gegenteil, es reinigt und schärft uns alle Sinne und unser Denken. Christoph Friedrich Oetinger, der große Denker des schwäbischen Pietismus hat recht, wenn er von den zwei Büchern Gottes spricht, der Natur und der Bibel, die einander auslegen und ergänzen. Was Wissenschaft mit ihren Methoden von der Welt, der Geschichte des Universums, der Welt, erkennt, und die Bibel, durch die sich Gottes Wirken, in Gericht und Versöhnung bezeugt, fügen sich besser zusammen als wir denken.

Wohin die Reise geht

Den „Untergang des Abendlandes werden wir nicht aufhalten. Der point of returne ist überschritten. Der Gender Mainstream erweist sich als der sichere „demographische Wandel“ in den Genosuizid. Beim Untergang der Antike wurde die Bibel, der Gottesdienst, die Kirche, die Pflege der Armen und Kranken, und das Gotteslob mitgenommen in die neue Zeit. Damit aber auch das kostbare Erbe der Antike in der Pflege von Wissenschaft, Kunst, Musik und Bildung, und in einer universalen Theologie. Nicht nur stolze Burgen für eisenharte Ritter, stehen in der Landschaft, sondern Kirchen und Klöster als Zentren christlichen Lebens. So wurde das Abendland das „christliche Abendland.“ Ähnliches wird auch in kommenden dunklen Zeit sein, um das kostbare Erbe zu teilen mit den Menschen, die mit dem Strom der neuen Völkerwanderung zu uns kommen. Und das im Morgenglanz der Ewigkeit. Wir warten mit ihnen auf den großen Gottesmorgen am Ende der Geschichte des Universums in Gottes Reich und Frieden.

Friedrich Spee

Zum Abschluss eine Erinnerung an Friedrich Spee (1591-1635), den gelehrten Jesuiten aus Kaiserswerth: Priester, Professor, Schriftsteller, Liederdichter und Seelsorger, der viele Frauen begleitet hat, die dem damaligen Hexenwahn zum Opfer gefallen sind. Er hat uns aus dieser Zeit das Lied hinterlassen, das bei uns im Advent gesungen wird.

„O Heiland reiß die Himmel auf,
herab, herab vom Himmel lauf!
ReiĂź ab vom Himmel Tor und TĂĽr,
herab, wo Schloss und Riegel für.“

Das ist ein Notruf. Kein Aufruf zur politischen Einmischung bei den Weltverbesserungsaktionen gegen irgendwelche Bösewichte von Rechts oder Links. Etwas anderes tat Friedrich Spee. Es war eine Zeit der Angst, da keiner dem anderen über den Weg traute oder es wagte, auch nur eine kritische Frage zu stellen gegen den Hexenwahn und den „Hexenhammer“, ein übles juristisches Machwerk. Friedrich Spee brach den Bann des Schweigens, schrieb seine „Cautio Criminalis“ und begann den gewagten Kampf gegen das Unrecht an den völlig unschuldigen Frauen, die man auf dem Scheiterhaufen verbrannte. Wäre es nicht eine Wohltat, wenn wir so, wie Friedrich Spee dem Hexenwahn, dem Genderwahnsinn, dem Hexenwahn unserer Zeit in Staat und Kirche, ein deutliches NEIN entgegensetzten? Auch dies unter einem „Notruf“, der zugleich den grüßt, der aller Not ein Ende setzt:

Vater unser im Himmel
Dein Name werde geheiligt
Dein Reich komme
Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden
Unser tägliches Brot gib uns heute
Und vergib und unsere Schuld
Wie auch wir vergeben unseren Schuldigern
Und fĂĽhre uns nicht in Versuchung
Sondern erlöse uns von dem Bösen
Denn dein ist das Reich
Und die Kraft
Und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.

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Dieser Beitrag wurde erstellt am Freitag 10. April 2015 um 10:47 und abgelegt unter Gemeinde, Gesellschaft / Politik.