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„Die Gemeinde in der Zerreißprobe“

Kongresse des Gemeindehilfsbundes:
„Die Gemeinde in der Zerreißprobe
zwischen Nachfolge und Verweltlichung“

„Da nun der Teufel sah, dass Gott eine solche heilige Kirche baute, feierte er nicht und baute seine Kapelle dabei, größer denn Gottes Kirche ist“. Mit diesen markanten Worten beschrieb Martin Luther im Jahr 1539 das Nebeneinander von wahrer und falscher Kirche. Damals wie heute stehen Christen vor der Herausforderung, die eine Kirche von der anderen zu unterscheiden. Vor diesem Hintergrund kamen vom 20.-22.3. über 200 evangelische Christen zu einem Kongress des Gemeindehilfsbundes im Geistlichen Rüstzentrum Krelingen zusammen.

Die Tagung stand unter dem Motto: „Die Gemeinde in der Zerreißprobe zwischen Nachfolge und Verweltlichung.“ In seinem Eröffnungsvortrag zeigte Pastor Dr. Joachim Cochlovius (Walsrode) biblisch-reformatorische Maßstäbe zur Beurteilung der kirchlichen Lage auf. Um die falsche Kirche überhaupt erkennen zu können, müsse zunächst die wahre Kirche erkannt werden. Mit Blick auf das Nicäno-Konstantinopolitanum von 381 n. Chr. entfaltete der Leiter des Gemeindehilfsbundes die Kriterien „Einheit, Heiligkeit, Allgemeinheit und die Apostolizität“ der Kirche. Wo Kirchenleitungen durch ihre Verlautbarungen gegen diese Kriterien verstießen, in dem sie z. B. das Selbstbestimmungsrecht der schwangeren Frau zur letzten Instanz in der Entscheidung über Leben und Tod des ungeborenen Menschen machten oder in Fragen der Sexualethik die apostolischen Ordnungen außer Kraft setzten, würden sie den Boden der wahren Kirche verlassen und für die falsche Kirche sprechen.

Prof. Rainer Mayer (Stuttgart) zeigte in seinem Vortrag Parallelen auf zwischen der kirchlichen Situation in den Jahren 1933-1945 und heute. Von Dietrich Bonhoeffer könne man u. a. lernen, häretische Entwicklungen klar zu benennen und auszuschließen, also die Grenzen der Kirche aufzuzeigen. Die Kirche dürfe sich nicht der jeweils herrschenden Weltanschauung unterwerfen, sondern sie sei bis hinein in ihre Ordnungen bekenntnisgebunden. Auch im heutigen Bekenntniskampf gehe es nicht darum, uns Christen viel zuzutrauen, sondern Gottes Wort zu vertrauen, dass es Gottes Wort sei und ausrichtet, was es sagt.

In den parallelen Seminaren am Samstagnachmittag sprachen Lutz Scheufler (Waldenburg) über den evangelistischen Auftrag der Kirche, Prof. Rainer Mayer über die Ausbreitung der Gender-Ideologie in der Kirche und die Folgen für die Seelsorge, Pastor Uwe Holmer (Serrahn) über die Gemeinde in der sozialistischen Diktatur der DDR, Pfarrer Falk Klemm (Plauen) über die theologische Arbeit und die Ziele der Sächsischen Bekenntnis-Initiative und Pastor Jens Motschmann (Bremen) über den Zeitgeist in der Evangelischen Kirche.

Ein besonderer Höhepunkt des Kongresses waren die Beiträge von Bischof Roland Gustafsson und Pastor Jakob Okkels aus der sogenannten Missionsprovinz in Schweden. Diese wurde im Jahr 2003 wegen der dramatischen Verweltlichung der Schwedischen evangelisch-lutherischen Kirche und der zunehmenden Ausgrenzung bibel- und bekenntnisgebundener Pfarrer gegründet. Die Missionsprovinz ordiniert Pfarrer und betreut Kirchengemeinden, welche die Autorität der Schwedischen Kirche nicht mehr anerkennen. Die beiden Geistlichen ermutigten die Teilnehmer, die Autorität des Wortes Gottes voll und ganz anzuerkennen und den gekreuzigten, auferstandenen und wiederkommenden Christus mutig zu bezeugen.

Pastor Uwe Holmer nannte in seinem Vortrag die liberale Theologie eine Theologie der leeren Kirchen. Die zentralen Fragen von Leben und Tod, Vergebung und Sünde, Heil und Unheil, von Himmel und Hölle verschwänden im psychologischen und gesellschaftspolitischen Nebel. Die liberale Theologie habe die Bibel den Gesetzen des Rationalismus unterworfen. Möglich sei bei ihr nur, was innerweltlich erklärbar und von der Vernunft verstanden werde. Doch Gott stehe als Schöpfer des Himmels und der Erde über dieser Schöpfung und sei nicht an die von ihm geschaffenen Naturgesetze gebunden. Selbstverständlich seien also auch Wunder oder die Auferstehung Jesu von den Toten für Gott kein Problem. Die evangelische Kirche sei krank und viele ihrer Leiter seien Mietlinge. Christen sollten in dieser Situation ihren Glauben bekennen und dafür beten, dass Gott zeige, ob und wann der Tag für eine Bekenntnissynode und die Entstehung einer neuen Bekennenden Kirche gekommen sei.

Im Abschlussgottesdienst sprach der sächsische evangelisch-lutherische Evangelist Lutz Scheufler (Waldenburg). Er forderte dazu auf, Jesus Christus konsequent nachzufolgen. Jesus suche Leute, die seine Worte hören und bewahren, aber sich nicht in den „frommen Kuschelclub“ zurückziehen. Vielmehr seien die Christen aufgerufen, in der Welt das Evangelium zu bezeugen.

Auf dem Kongress wurde ein von Pastor Dr. Joachim Cochlovius und Pastor Uwe Holmer verfasstes „Persönliches Bekenntnis zur vollen Geltung der biblischen Glaubensaussagen“ vorgestellt und von vielen Teilnehmern unterzeichnet. Das Bekenntniswort kann in der Geschäftsstelle des Gemeindehilfsbundes, Mühlenstr. 42, 29664 Walsrode (info@gemeindehilfsbund.de) bestellt werden.

Der jährliche veranstaltete Kongress des Gemeindehilfsbundes ist als Doppelkongress angelegt. Vom 27.-29.3. findet die Tagung unter demselben Motto in Bad Teinach-Zavelstein/Nordschwarzwald statt.

Johann Hesse, Geschäftsführer des Gemeindehilfsbundes

Von den Vorträgen der beiden Kongresse ist eine Dokumentation in Vorbereitung (5,00 Euro zuzügl. Versandkosten), die vorbestellt werden kann.

Kongressplenum [1]

Foto: Wolfgang Wilke