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Die Endzeitrede Jesu

Montag 24. November 2014 von Dr. Joachim Cochlovius


Dr. Joachim Cochlovius

Einführung in das Verständnis

Unabdingbar wichtig zum Verständnis der Endzeitrede Jesu ist das Buch Daniel. Jesus zitiert in seiner Endzeitrede wörtlich aus diesem biblischen Prophetenbuch. Daniel ist ein Israelprophet, das gilt es immer zu bedenken. Was er sagt, gilt zunächst einmal Israel. Viele Missverständnisse des prophetischen Wortes könnten vermieden werden, wenn man das ernst nähme. Die Endzeitrede ist vor Pfingsten gesprochen. Die Gemeinde als der geistliche Leib Jesu war noch nicht vorhanden. Die Jünger fragen als Juden. Sie wissen aus dem Buch Daniel, dass Israel unter Gottes Strafe steht. Es sind die 70 Gerichtsjahre, die Jeremia angekündigt hat (Jer 25,8-14) und über die Daniel im babylonischen Exil nachdenkt (Dan 9,2) und von Gabriel eine göttliche Aufklärung empfängt, daß es sich um 70 Jahrwochen handelt, also um 490 Jahre. Und sie wissen, dass diese 70 Jahrwochen andauern werden, bis im Jerusalemer Tempel ein Greuelbild stehen wird (Dan 9,24-27). „Wann geht diese Strafzeit, dieser Straf-Äon zu Ende?“ – diese Frage brennt ihnen im Herzen. Ganz ähnlich fragen sie Jesus auch nach Ag 1,6: „Wirst du noch in dieser Zeit, d.h. in diesem Äon die Herrschaft Gottes für Israel wieder aufrichten?“ D.h.: wann wird Israel in seine uralte Bestimmung wieder eingesetzt werden, ein heiliges Priester- und Königsvolk für die Menschheit zu werden? Das bewegt die Jünger! Die Endzeitrede muß also mit den Ohren der jüdischen Jünger Jesu gehört werden!

Die Situation der JĂĽnger

Die Jünger stehen unter dem Eindruck der gewaltigen Tempelrede Jesu in Mt 23: Der siebenfache Weheruf Jesu über die Schriftgelehrten und Pharisäer beschäftigt sie, vor allem die abschließenden Weherufe über Jerusalem, d.h. über die Führer Israels. „Ihr habt nicht gewollt“. „Euer Haus wird wüst gelassen werden“ „Ihr werdet mich nicht mehr sehen, bis ihr sprecht: Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn!“ (Zitat aus Ps 118,26). Ihre bange Frage als Juden lautet: Ist nun alles aus mit Israel? In dieser inneren Verfassung zeigen sie ihm den prachtvollen Herodes-Tempel. Hier, sieh, die verbürgte Gegenwart Gottes im Dienst der Priester! Das kann doch Gott nicht zulassen, daß sein Heiligtum untergeht! Daran klammern sie sich. Was für ein unendlicher Schock muss es für sie gewesen sein, dann hören zu müssen: „Es wird hier nicht ein Stein auf dem anderen bleiben, der nicht zerbrochen werde“ Wir haben eine hochdramatische Situation vor uns.

Zur Struktur der Endzeitrede

Man muss die drei Fassungen der Endzeitrede zusammen sehen: Mt 24 und 25, Mk 13 und Lk 21. Erst alle drei Fassungen zusammengenommen geben die Endzeitrede komplett wieder. Z.B spricht nur Lukas vom Untergang des Herodes-Tempels, von den anschließenden „Zeiten der Heiden“ und von der Zerstreuung des jüdischen Volks unter die Völker, während die Matthäus- und Lukas-Fassung nur den endgeschichtlichen Tempel mit dem „Greuelbild der Verwüstung“ in den Blick nehmen.

Nach der Beantwortung der drei Jüngerfragen überliefert nur Matthäus noch weitere Gleichnis- und Mahnreden Jesu, die sich auf die Verführung und Verfolgung Israels in der Endgeschichte beziehen (Mt 24,37 – 25,46).

In Jesu Antwort lässt sich eine chiastische Struktur erkennen. Die Frage nach dem Untergang des Tempels wird von Jesus nicht als erstes beantwortet. Stattdessen wird die Antwort auf die letzte Frage, welche Kennzeichen die Vollendungszeit dieses Äons hat, von allen drei Evangelisten zuerst gebracht.

Die drei Fragen der JĂĽnger an Jesus

In Mt 24,3 heißt es: „Als er auf dem Ölberg saß“. Der Berg ist biblisch gesehen meist ein Offenbarungsort. Denken wir an den Sinai und den Verklärungsberg. Nun sind sie auf dem Ölberg Die Jünger wissen: Jetzt erhalten sie eine Offenbarung Gottes. Sie warten, bis sie allein mit Jesus sind. Die Situation ist ähnlich wie bei der Bergpredigt. Dann stellen sie drei gewichtige Fragen.

1. Frage: Wann geht der Tempel unter?

2. Frage: Was sind die Anzeichen deines Kommens?

3. Frage: Was sind die Anzeichen für die Vollendung dieses Äons? („Ende der Welt“ ist eine unzureichende und missverständliche Übersetzung. Es geht um den jetzigen Äon, das jetzige heilsgeschichtliche Weltzeitalter, das gekennzeichnet ist durch die Strafe Gottes über Israel. Die Jünger wollen wissen, wann die lange Strafzeit endlich vorbei ist, wann Gott seine Gnade wieder Israel zuwendet).

Jesu Antwort auf die Frage: „Was sind die Anzeichen für die Vollendung dieses Äons?“

Die Antwort besteht im Wesentlichen aus Hinweisen auf die kommende Bedrängniszeit für Israel. Hier nimmt Jesus Dan 12,1 auf. Im einzelnen:

Israel wird verführt werden. „Seht zu, daß euch nicht jemand verführe“ (Mt 24,4). Es geht hier eindeutig um Israel. Unter Christi Namen werden Falsch-Christusse kommen, und vor allem der falsche Christus schlechthin. Die Offenbarung schaut diese Gestalt unter verschieden Aspekten: als Reiter auf dem weißen Pferd (Kap. 6,1f), als Tier aus dem Abgrund bzw. Meer (11,7; 13,1) und schließlich als eine Figur, „die war, jetzt nicht ist und wieder aufsteigt aus dem Abgrund“ (17,8). Dieser Falschchristus wird die Auferstehung Christi nachahmen und nach seinem überraschenden Tod als Dämon in Menschengestalt wiederkommen. Nach Dan 7,27 wird er dreieinhalb Jahre in einem dritten Tempelheiligtum in Jerusalem herrschen, sich als Gott anbeten lassen und mit seinen Wundern Israel und die Völker verführen. Wladimir Solowjew hat im Jahr 1900 in seiner „Kurzen Erzählung vom Antichrist“ diese Figur vorhergeahnt.

Israel wird verfolgt werden. Wieder handelt es sich um Israel. Wenn es in der Endgeschichte eine weltweite Christenverfolgung gäbe, hätte Paulus, der Völkermissionar, dies in seinen Briefen angekündigt. „Ihr werdet gehaßt werden um meines Namens willen von allen Völkern“ (Mt 24,9). „Fürchtet euch nicht“ (Mk 13,7), „entsetzt euch nicht“ (Luk 21,9). Hier ist jedes Mal Israel gemeint. Der Judenhass, der sich immer wieder in der Völkergeschichte Bahn gebrochen hat, wird in der letzten Zeit durch satanische Inspiration auf den Höhepunkt kommen. Völker werden sich zusammenrotten und sich entzweien an der Israelfrage. Die Offenbarung schaut diese kriegerischen Ereignisse unter dem Bild des Reiters auf dem feuerroten Pferd (6,3 und 4). In Offb 13,7 heißt es: „Ihm wurde Macht gegeben, zu kämpfen mit den Heiligen und sie zu überwinden“. Der Falsch-Christus wird an der Spitze der Judenverfolgung stehen. Die „Heiligen“ sind im Sprachgebrauch des Propheten Daniel und der Offenbarung die Juden, die von ihm verfolgt werden und nach Christi Wiederkunft als „Volk der Heiligen des Höchsten“ die „Herrschaft Gottes“ empfangen werden, d.h. als heiliges Priester- und Königsvolk den Willen Gottes tun und verkünden (Dan 7,27).

Israel wird Seuchen preisgegeben werden (Luk 21,11 und Offb 6,7 und 8). Natürlich muss man bei all endzeitlichen Attacken auch an Offb 13,7b denken. Das Tier erhält nicht nur Macht über die „Heiligen“, also über die Frommen aus Israel, die auf den wahren Messias warten, sondern auch „über alle Stämme und Völker und Sprachen und Nationen“. Der falsche Christus ist also in der Lage, seine endgeschichtlichen Aktivitäten auch auf die Nationen auszuweiten bzw. auf alle, die ihm die Gefolgschaft verweigern.

Ein weiteres Anzeichen für den zu Ende gehenden alten Äon steht in Mt 24,14: „Es wird ausgerichtet werden dieses Evangelium von der Königsherrschaft auf der ganzen bewohnten Erde zum Zeugnis für alle Völker, und dann kommt die Vollendung“. „Dieses Evangelium von der Königsherrschaft“ (griechisch: touto to euangelion täs basileias) ist besonders betont Es ist nicht unser Evangelium vom Sterben und Auferstehen Jesu Christi, sondern der Inhalt dieser frohen Botschaft ist die ewige Königsherrschaft, die Christus zusammen mit dem erneuerten Volk Israel auf der neuen Erde aufrichten wird. Diese Botschaft wird in der letzten Zeit, evtl. durch die beiden Zeugen in Offb 11 oder auch durch die 144.000 jüdischen Männer von Offb 7, auf der ganzen Erde vernehmbar sein. Jedes Volk wird es wissen, dass Christus bald mit Israel seine Königsherrschaft aufrichten wird, egal, ob es dieser Botschaft zustimmt oder nicht. „Zum Zeugnis für alle Völker“ – das kann auch heißen „zum Zeugnis gegen alle Völker“. Wie zur Zeit des A.T. die Ägypter, die kanaanäischen Völker und überhaupt die vorderasiatischen Völker zur Kenntnis nehmen mussten, dass Israel Gottes Auserwählungsvolk ist, und daß sie durch dieses Volk gesegnet werden, wenn sie es in seiner besonderen Berufung anerkennen, so wird es auch am Ende unseres Zeitalters sein.

Jesu Antwort auf die Frage: „Was sind die Anzeichen deines Kommens?“

Am Ende der letzten Bedrängniszeit werden sich Sonne und Mond verfinstern, Sterne werden vom Himmel fallen, Himmelskräfte werden wanken (Mt 24,29). Diese kosmischen Ereignisse sind von vielen Propheten des Alten Testaments als „Tag des Herrn“ angekündigt worden. Auch diese Anzeichen werden in Offb 6 geschildert. In Offb 6,14 heißt es, dass der Himmel wie eine Schriftrolle zusammengerollt wird. Damit beginnt, was beim Gericht über die Toten vollendet werden wird: „Vor Christi Angesicht flohen die Erde und der Himmel, und es wurde keine Stätte für sie gefunden“ (Offb 20,11). Wenn es diese Totalverfinsterung der kosmischen Lichtträger gibt, dann „wißt, daß er nahe vor der Tür ist“. Hier knüpft das Feigenbaumgleichnis an (Mt 24,33). So wie der Sommer nahe ist, wenn der Feigenbaum grünt, so ist das Kommen des Herrn nahe, wenn die kosmischen Katastrophen eintreten. Nach Luk 21,28 sollen die Auserwählten Israels dann die Häupter erheben, „weil sich eure Erlösung naht“. Das ist wörtlich zu nehmen. Der wahre Christus kommt von oben, der falsche Christus kam von unten, aus dem Abgrund.

Unmittelbar nach den kosmischen Ereignissen wird sich der Himmel öffnen, und Christus wird erscheinen „in einer Wolke mit großer Kraft und Herrlichkeit“ (Luk 21,27). Das „Zeichen des Menschensohns“ (Mt 24,30) ist vermutlich eine besondere Wolke. Die zwei Engel, die nach Jesu Himmelfahrt die Jünger belehrten, hatten gesagt „Dieser Jesus, der vor euch weg gen Himmel aufgenommen wurde, wird so wiederkommen, wie ihr ihn habt gen Himmel fahren sehen“. Da bei der Himmelfahrt eine Wolke Jesu aufnahm, könnte die Wolke das „Zeichen des Menschensohns“ bei seiner Wiederkunft sein (vgl. Ag 1,9-11). Die Wolke ist die Nahtstelle zwischen sichtbarer und unsichtbarer Welt. In der Wolke zeigt sich Gottes verhüllte Gegenwart („Und der Herr zog vor ihnen her, am Tag in einer Wolkensäule, um sie den rechten Weg zu führen“ (2 Mose 13,21).

Unter den frommen, auf den Messias Gottes wartenden Juden der letzten Zeit wird der wiederkommende Herr eine Nationalbuße auslösen. Israel, dieses so zeichenabhängige Volk (1 Kor 1,22), wird das Zeichen aller Zeichen erhalten, den vom Himmel herabkommenden Messias. Daraufhin werden sie von einer tiefen Erschütterung und Bußbewegung erfasst. Gott wird ihnen „den Geist der Gnade und des Gebets“ schenken (Sach 12,10). Röm. 11,26f erfüllt sich. Der heilige Rest Israels erkennt in Christus seinen Erlöser. Sie werden Jes. 53 beten, das große Bußgebet Israels, das Jesaja geschaut hat und das mit Recht uns Christen so teuer ist. „Fürwahr, er trug unsere Krankheit und lud auf sich unsere Schmerzen. Wir aber hielten ihn für den, der geplagt und von Gott geschlagen und gemartert wäre. Aber er ist um unserer Missetat willen verwundet und um unserer Sünde willen zerschlagen. Die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilt. Wir gingen alle in die Irre wie Schafe, ein jeder sah auf seinen Weg. Aber der Herr warf unser aller Sünde auf ihn“.

In Mt 24,34 heißt es „Dieses Geschlecht wird nicht vergehen, bis dies alles geschieht“. Sehr lange, durch die Jahrhunderte hindurch, hat Christus Israel getragen und ertragen, so wie Joseph seine Brüder. Christus hat sie in ihrer Existenz unter den Völkern bewahrt, ohne dass sie es merkten. Nun endlich werden sie ihn erkennen. Aber diese Verheißung bekommt jetzt noch eine ganz neue Dimension. Das Volk Israel wird dann von den Sünden erlöst sein, und die uralten Verheißungen für eine ewige Existenz Israels treten in Kraft (Jes 66,22: „Wie der neue Himmel und die neue Erde, die ich mache, vor mir Bestand haben, so soll auch euer Geschlecht und Name Bestand haben“). Nach Christi Gerichtshandelungen (den „Tausend Jahren“) wird Israel vor den Dämonenheeren Satans bewahrt werden. Und das Gewaltigste: Israel wird, wenn sich das Neue Jerusalem auf die neue Erde herabgesenkt haben wird, dort ewigen Bestand haben, zum ewigen Segen der Völker.

Jesu Antwort auf die Frage „Wann geht der Tempel unter?“

Die Antwort Jesu war eventuell ursprünglich zweigeteilt, nämlich bezüglich des Herodes-Tempels und bezüglich des endgeschichtlichen Tempelheiligtums. Lukas bringt Jesu Antwort bezüglich des Herodestempels. Er spricht nicht vom endgeschichtlichen „Greuel der Verwüstung“, auch nicht von einer letzten Bedrängnis, die so groß ist, wie noch nie eine gewesen ist. Statt dessen zeichnet er die Belagerung Jerusalems durch die Römer und den Untergang Jerusalems im Jahre 70 n. Chr. mit der Gefangenschaft und Zerstreuung des jüdischen Volks unter die Völker, und vor allem, er spricht als einziger der drei Evangelisten von den anschließenden „Zeiten der Heiden“ (Luk 21,20-24). Es kann sich also bei der Lukas-Fassung der Endzeitrede Jesu nicht um den Untergang des endgeschichtlichen Tempels handeln. Ganz anders lautet Jesu Antwort bei Matthäus und Markus. Hier ist vom „Greuelbild der Verwüstung“ an der „heiligen Stätte“ die Rede, unter Bezugnahme auf Dan 9,27 und 11,31, und außerdem davon, dass die Tage der großen Bedrängnis um der Auserwählten willen verkürzt werden, und schließlich von der Verführung durch Falsch-Messiasse und falsche Propheten.

Man kann die Frage stellen, warum Jesus in der Endzeitrede überhaupt auf das Schicksal des Jerusalemer Tempels eingeht. Geht es nicht bei den endgeschichtlichen Geschehnissen um ganz andere Dimensionen als um die Zerstörung eines Gebäudes? Aber: der Tempel ist eben im biblischen Kontext nicht nur ein Gebäude wie andere.

Er ist die Wohnstätte Gottes auf Erden, seit Gottes Anordnung an Mose, die Stiftshütte zu bauen. Im Tempelweihegebet Salomos kommt diese eigentliche Bestimmung des Tempels in Jesusalem am schönsten zum Ausdruck (1 Kön 8 und 2 Chron 6). Die zweimalige Zerstörung des Tempels durch Nebukadnezar und durch die Römer hatte demzufolge jeweils auch eine tiefe geistliche Dimension für Israel. Mit Nebukadnezar begann die Strafzeit Gottes für Israel, die bis zur großen Bedrängniszeit andauern wird. Mit der Zerstörung des Herodestempels im Jahre 70 n. Chr. beginnt das Zeitalter der Gemeinde Jesu und das der gottgefügten Blindheit Israels für Christus. Darüber hinaus geschehen im Zusammenhang des Sterbens Jesu am Tempel markante Veränderungen. Der Tempelvorhang zwischen dem Heiligen und Allerheiligsten zerreißt. Das bedeutet: In Christus ist der Zugang zum Allerheiligsten, zum Herzen und zur Gnade Gottes freigeworden. Auch der dritte, der endgeschichtliche Tempel, der nach 2 Thess 2,4 noch gebaut werden wird, hat eine geistliche Bedeutung. Sie scheint mir zunächst darin zu liegen, dass sich der fromme Teil Israel noch einmal sammeln darf, bis der falsche Christus mit der Verfolgung Israels einsetzt und es zum Exodus dieser auf den Messias wartenden Juden aus Jerusalem kommt. Aber die entscheidende Tatsache wird dann sein: Der falsche Christus wird sich in diesen Tempel setzen und sich dort als Gott anbeten lassen. Mit der endgeschichtlichen Zerstörung Jerusalems geht auch dieses Tempelheiligtum unter. Im Neuen Jerusalem wird es keinen Tempel mehr geben (Offb 21,22), denn Gott selber in Gestalt des Lammes, also Christus in Person wird dann sichtbar auf der Erde wohnen.

Jesu Mahnreden und Gleichnisse zur Wachsamkeit und zur Hilfestellung für das bedrängte Israel (Mt 24,36-51; 25,1-46)

Diese fünf Mahnreden sind: Der Hinweis auf Noah und die Sintflut – das Gleichnis vom Hausvater und den Dieb – das Gleichnis vom treuen und bösen Knecht – Die zehn Jungfrauen – Die anvertrauten Zentner. Diese Reden gehören konstitutiv zur Endzeitrede dazu. Sie sind bedingt durch die extreme Verführungssituation in der letzten Phase der endgeschichtlichen Ereignisse. In dieser Zeit wird das Volk Israel – zeichen- und wunderabhängig wie es ist – einer Extremverführung durch Wunder und Zeichen ausgesetzt sein, die alle darauf hinzudeuten scheinen, daß der wahre Messias gekommen ist. Das augenfälligste dieser Zeichen wird die Auferstehung des falschen Christus sein (Offb 17,8). Deswegen muß Israel „wachen“, d.h. geistlich nüchtern bleiben und „warten“, bis der „Bräutigam“, der wahre Christus vom Himmel her erscheint. In dieser letzten Verführungszeit muß Israel strikt an den Verheißungen festhalten, die es hat, besonders an der Abraham- und Sinaiverheißung, an den „Zentnern“, die Gott diesem Volk gegeben hat. Wer dann diese Verheißungen aufgibt, „vergräbt“, wird verworfen, wenn Christus kommt.

Einen besonderen Charakter hat die letzte Mahnrede von den Schafen und Böcken in Mt 25,31-46, meist mit „Das Völkergericht“ überschrieben. Der Schlüssel zum Verständnis dieser Rede ist Mt 24,9: „Ihr werdet gehaßt werden um meines Namens willen von allen Völkern“. Die Rede nimmt die Völker während der letzten Bedrängniszeit in ihrem Verhalten gegenüber den verfolgten Juden in den Blick. In dieser Verführungs- und Verfolgungszeit werden die Juden hungrig sein, durstig sein, Fremde in der Welt sein, nackt sein, im Gefängnis sein. Wer sich dann ihrer annimmt, wird von Christus gesegnet werden. Wer sich an der Verführung und Verfolgung beteiligt, wird verflucht werden. Die verbreitete Auslegung dieser letzten Mahnrede in Jesu Endzeitrede auf den sozialen Liebesdienst der Christen verkennt ihren Ort. Diese Rede zielt eindeutig auf die endgeschichtlichen Ereignisse.

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Dieser Beitrag wurde erstellt am Montag 24. November 2014 um 10:26 und abgelegt unter Allgemein.