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Wo bleibt der Mann? – Teil I

Dienstag 22. April 2008 von Christian Hausen


Christian Hausen

Wo bleibt der Mann?
Seine Abwertung durch Gender-Mainstreaming

Vorbemerkung: Als Mann fĂŒhle ich mich eigentlich nicht kompetent genug, um ĂŒber Frauenrechte zu reden – eine gewisse Legitimation bieten mir BerĂŒhrungspunkte im anwaltlichen Berufsleben.

„Es gibt keine guten VĂ€ter, das ist die Regel; die Schuld daran soll man nicht den Menschen geben, sondern dem Band der Vaterschaft, das faul ist. … HĂ€tte mein Vater weiter gelebt, er hĂ€tte mich mit seiner ganzen LĂ€nge ĂŒberragt und dabei erdrĂŒckt. GlĂŒcklicherweise starb er sehr frĂŒh
“ (Jean Paul Sartre). Dieser Schriftsteller hat als 68er Leitfigur einen Beitrag dazu geleistet, daß MĂ€nner zunehmend diskriminiert werden. Großen Anteil hatte seine Partnerin Simone de Beauvoir mit ihrem berĂŒhmt/berĂŒchtigten Satz, man werde nicht zur Frau geboren, sondern zur Frau gemacht. Dabei hat sie, wenn auch nicht allein, die Weichen fĂŒr eine Ideologie gestellt, nĂ€mlich entgegen den wissenschaftlichen, insbesondere biologischen Erkenntnissen, fĂŒr die GeschlechtsneutralitĂ€t von MĂ€nnern und Frauen: Gender Mainstreaming = GM.

Der Grundgedanke ist durchaus nachvollziehbar: Es muß ein Weg gefunden werden, um die Vorherrschaft des Mannes zu beseitigen. Die biologischen Unterschiede einzuebnen, schien den Aktivisten als zu wenig Erfolg versprechend. Das Vorgehen sollte auch nicht zu plump sein, am besten wĂŒrde sich eine Methode eignen, die einerseits ein Schlagwort beinhaltet wie „soziale Gerechtigkeit“, die eine umfassende Zustimmung in der Bevölkerung findet. Andererseits sollte die Begrifflichkeit möglichst verschwommen sein, um den Eindruck des Geheimnisvollen zu erwecken und mögliche Kritik gar nicht aufkommen zu lassen. Aus der englischen Sprache ĂŒbernahm man den Begriff „Gender“, der ĂŒber die Vokabel „Sex“ (biologisches Geschlecht) hinaus die Voraussetzungen erfĂŒllte. Darin konnte das letztlich feministische Gedankengut – in einer bereits z. T. feminisierten Gesellschaft – versteckt werden. Eine Basis war fĂŒr die Abschaffung der Vorherrschaft des Mannes gefunden – mit dessen Abtauchen im „Hauptstrom“ der zeitgeistigen Geschlechterschau.

Mit der 68er Studentenrevolution konnte ein Klima geschaffen werden, das fĂŒr Neuigkeiten offen war; wenn dadurch Überkommenes in Frage gestellt werden konnte, dann wĂŒrde man ein leichtes Spiel haben. Die Nordelbische Kirchenzeitung schreibt dazu: „Ja, da gab es noch diesen tiefen messianischen Impuls, daß etwas ganz neu entstehen mĂŒĂŸte
“. Vielen Meinungsmachern war ohnehin ein Dorn im Auge, daß z. B. die christlich-abendlĂ€ndische Kultur an der ehelichen Treue festhielt, homosexuelle Partnerschaften nicht förderte oder die von der Verfassung gebotene Gleichstellung von Frau und Mann nicht maximal in die Praxis umsetzt. Damit gab es eine moralische Rechtfertigung, auf Ideologien zurĂŒckzugreifen, welche die unterschiedliche Behandlung zwischen MĂ€nnern und Frauen in der Gesellschaft, ob in Politik, Wirtschaft oder Kirchen, drastisch einschrĂ€nken wĂŒrden. Die Lösung bot eine Kombination zwischen philosophischen – insbesondere marxistischen – und soziologischen Erkenntnissen.

Da die Lehre des GM ziemlich anstrengend und unattraktiv ist, hat es auch keine öffentliche Diskussion gegeben. Zwar sind Politiker und Kirchen sehr aktiv. So bestehen mehr als 100 LehrstĂŒhle an deutschen Hochschulen, um sich mit diesen Fragen auseinanderzusetzen. Ich hatte in der Kieler UniversitĂ€tsbibliothek mehr als 300 BĂŒcher gefunden und war darĂŒber in der Tat höchst ĂŒberrascht. Mich erschĂŒttert aber sehr, daß die – undemokratisch handelnde – EuropĂ€ische Union von den Mitgliedsstaaten fordert, Gender-Mainstreaming zur Leitlinie ihres politischen Handelns zu ĂŒbernehmen. Einige evangelische Kirchen haben mitgemacht, u. a. die Nordelbische. Interessant fĂŒr Recherchierende ist, daß die MĂ€nner, sich so gut wie gar nicht gegen die feministischen Attacken wehren, sondern munter mitmachen. Der Mann scheint verschwunden zu sein. Damit ist das Thema höchst aktuell. Die evangelische Wochenzeitung „Die Nordelbische“ hat in der aktuellen Ausgabe zum zentralen Thema die „Geschlechterrollen“ gewĂ€hlt. Der Leitartikel von Annika Haak hat den Titel erhalten „Kerle in der KĂŒche“. Auf dem Foto, das mehr Platz einnimmt als der Artikel selbst, ist ein Vater abgebildet, der mit seinem kleinen Sohn Kartoffeln schĂ€lt. Das fĂŒr die EU-Staaten mittlerweile verbindliche Konzept GM wird in dieser Zeitung nicht kritisiert. Dringt man in die Materie ein wenig hinein, so wirkt ein beherztes Vorgehen gegen die Einseitigkeit eher als hoffnungslos. Allerdings beweist ein nĂ€heres Hinsehen, daß erhebliche Chancen bestehen, zusammen mit klugen Frauen nicht nur die MißstĂ€nde zu beseitigen, sondern auch eine Zukunft zu gestalten, welche in gesunder Weise dem verfassungsmĂ€ĂŸigen, ja auch biblischem Gleichberechtigungsgebot Rechnung trĂ€gt. Meine Eltern stammen aus Estland. Mich beeindruckt der „Baltische Kernspruch“:

Lieber brechen als biegen
Lieber leiden als lĂŒgen,
Lieber mit Helden in Hader leben,
Als nach der Gunst von Halunken streben;
Lieber stĂŒrzen als sinken,
Tausendmal lieber in Ehren stinken,
Als mit Schurken und Schuften zu duften!

1. Unwissenschaftlichkeit der Gender Mainstreaming Perspektive

Der Schriftsteller Hans-Christoph Buch, bekannt durch seine Essays „Standort Bananenrepublik“ macht sich lustig ĂŒber die angeblich aufgeklĂ€rte Gesellschaft: „Wer sich dem modischen Trend verweigert und auf einer traditionellen Geschlechterrolle beharrt, der oder die gilt als rĂŒckstĂ€ndig, reaktionĂ€r und langweilig“. Nach seiner Ansicht beherrscht heute weitgehend die Weltanschauung der „Political Correctness“ die Wahrnehmung der Geschlechterunterscheidung und das daraus abgeleitete RollenverstĂ€ndnis. „So kommt das groteske Resultat zustande, daß sexuelle Perversionen als normal gelten, wĂ€hrend die Verteidigung von Ehe und Familie im Sinne eines christlichen Menschenbilds als gefĂ€hrlicher Extremismus erscheint“. In der Tat gelten heute Gedanken wie Heiligkeit und SĂŒnde als Provokation.

Erinnert wird man an den Anfang des 21sten Jahrhunderts verstorbenen französischen Philosophen Jacques Derrida, den „Erfinder“ der Dekonstruktion. Nach seiner Ansicht beruht jeder neue Diskurs auf der Aussparung als störend empfundener Elemente. Das können wohl am besten Bauleute verstehen, die HĂ€user konstruieren. Die Dekonstruktion, also die RĂŒckgĂ€ngigmachung des Gestalteten, ist ein relativ neuer Begriff. Die Brockhaus-EnzyklopĂ€die aus den 70er Jahren kennt ihn noch nicht einmal. Im Kontext mit der Gender-Perspektive soll all das, was gesellschaftlich erstellt worden ist, wieder in den alten Zustand zurĂŒckversetzt werden.

Die Gender-Ideologie ist, wie so viele Zeitgeisterzeugnisse, letztlich das Produkt verschiedener Ismen. FĂŒhrend ist der Feminismus, der, so merkwĂŒrdig es klingen mag, direkt oder indirekt Anleihen bei den Großideologien des 20sten Jahrhunderts, Realsozialismus und Nationalsozialismus gemacht hat. Zur Vervollkommnung haben in erheblicher Weise die Hauptdarsteller der 68er Kulturrevolution beigetragen. Der Soziologe Herbert Markuse forderte die „totale Negation der christlich-jĂŒdischen Moral“. Es kam – positiv gesprochen – zu einem Aufbruch, der „Muff unter den Talaren“ wurde gewiß beseitigt. Leider ĂŒberwiegen die Negativa wie RechtsbrĂŒche, Sprach- und BewußtseinsĂ€nderungen, vor allem – in diesem Kontext – Partizipation, Emanzipation und Betroffensein. Das fĂŒr den Juristen Unglaubliche ist die faktische Beweislastumkehr, die die Protagonisten veranlaßt haben: Vor 1968 war VerĂ€nderung begrĂŒndungspflichtig – danach das Festhalten an Traditionen. Es war hohes Kulturgut, daß ethische GrundsĂ€tze, die als jahrhundertelang bewĂ€hrt angesehen wurden, bestandskrĂ€ftig waren; kam irgendjemand auf die Idee, etwas abzuĂ€ndern, dann mußte er den Nachweis fĂŒhren, daß das Novum besser und effizienter sei.

Der Philosoph Robert Spaemann hat aufgrund seiner wissenschaftlichen Erkenntnisse das Bibelwort bestĂ€tigt: „
. und geschieht nichts Neues unter der Sonne“ (Prediger Salomo Kap. 1 Vers 9). Die Erfahrung zeigt, daß im ethischen Bereich neue Ideen nur ausnahmsweise Positives und Konstruktives bieten. Das gilt erst recht fĂŒr Vereinseitigungen und Überzeichnungen, wodurch gerade die Ismen geprĂ€gt sind. Der historische Feminismus des 19ten Jahrhunderts setzte die Betonung auf Gleichheit und Gleichberechtigung. Das lĂ€ĂŸt sich noch gut nachvollziehen. Marxistische und sozialistische AnsĂ€tze sind zweifellos vorhanden, gerade weil die Differenzen zwischen MĂ€nnern und Frauen in ein VerhĂ€ltnis zu Klassenstrukturen gesetzt wurden. Marx war selbst relativ zurĂŒckhaltend, soweit es Fragen des Geschlechts betrifft. Engels interessierte sich allerdings fĂŒr die Analyse der UnterdrĂŒckung von Frauen.

Was den Nationalsozialismus betrifft, so wirkt es als Ungeheuerlichkeit, den fĂŒr die Befreiung der Frauen KĂ€mpfenden Hitlers Geist zu unterstellen. GegenĂŒber dieser verbrecherischen Ideologie ist es mehr die Abgrenzung, welche zu der neuen Ideologie gefĂŒhrt hat. FĂŒr Adolf Hitler war der Gedanke an die Tradition der GeschlechterpolaritĂ€t eine SelbstverstĂ€ndlichkeit: „Es ist eines der Wunder der Natur und Vorsehung, daß ein Konflikt zwischen den Geschlechtern ausgeschlossen ist, solange ein jedes die Aufgabe erfĂŒllt, die ihm von Natur aus gestellt ist“.

Der Gedanke, daß der Unterschied zwischen Frau und Mann konstruiert sei, wirkt schon recht kĂŒhn. Damit ist das Gegensatzpaar aufgelöst, der Körper selbst steht zur Disposition. „Der postmoderne Verlust der Grenzen zwischen innen und außen, belebt und unbelebt, mĂ€nnlich und weiblich, Geist und Körper kulminiert im Verlust der Grenze zwischen KörperreprĂ€sentation und Körperwirklichkeit. Die Lust am Fragmentarischen, Heterogenen zerstörte zwar die Zwangsjacke der Moderne, aber öffnete zugleich das Tor zu einer nihilistischen Desintegration. Menschliche Körper fungieren als bloße Kunstobjekte“ (Philip J. Sampson). Damit wird die bisherige PolaritĂ€t zwischen Mann und Frau in Frage gestellt, die biologische Komponente „Sex“ wird auf die kulturelle Rolle „Gender“ zurĂŒckgefĂŒhrt. Im Witz wird dies illustriert: „Ein Kind wird geboren; endlich erreicht die Oma den Vater am Telefon mit der Frage: Ist es denn ein Bub oder ein MĂ€dchen. Darauf er stolz: Das lassen wir es spĂ€ter selber mal entscheiden“ (so die Philosophin Hanna-Barbara Gerl-Falkowitz). Diese Zuspitzung der Geschlechterfrage widerspricht unserem gesamten Erfahrungswissen. Die Ergebnisse der Forschung belegen nachdrĂŒcklich, daß Mann und Frau in ihrem Denken, FĂŒhlen und Handeln durch ihr Geschlecht wesentlich mitbestimmt sind. Gerade die Humanethnologie und Kommunikationsforschung können dies in aller Deutlichkeit beweisen. UnterstĂŒtzt werden diese Erkenntnisse durch die neuesten Daten der Neurobiologie und Entwicklungspsychologie (so der Psychiater und Psychotherapeut Dr. med. Christian Spaemann).

„Die Spannung vom Wir zum Ich ist in den großen Ideologien zugunsten eines allmĂ€chtigen Wir, einer Partei, einer Klasse oder einer Rasse aufgelöst worden. Die Absolutsetzung des Wir im Sozialismus und seiner Spielart, dem Nationalsozialismus, brachte jene gesichtslose, hörige Masse zum Vorschein, in welcher das Individuum und sein freies Gewissen TodsĂŒnde waren. Die Gesellschaft selbst schuf und befriedete nun den Menschen“ (Gerl-Falkowitz). Damit erschuf die Gesellschaft selbst den Menschen. Erinnert wird man an den Ausspruch des Philosophen Ernst Bloch: „Wir erstrebten die Befreiung der Frau und erhielten die neutrale Arbeitsbiene“.

Die aggressivste feministische Strategin Judith Butler meint pointiert, das soziale Geschlecht und der Körper seien diskursiv hervorgebracht, also sozial konstruiert. Im Rahmen historisch gewachsener Sprache seien Bezeichnungen herausgebildet worden, welche aufgrund stĂ€ndiger Wiederholungen den Charakter des Unhinterfragbaren und NatĂŒrlichen gewinnen wĂŒrden. Es sei folglich nur eine Art Gewöhnung, daß wir unseren Körper und seine Anatomie aus einer zweigeschlechtlichen Perspektive als mĂ€nnlich oder weiblich zu bezeichnen. Eine wirkliche BegrĂŒndung liefert die Feministin nicht. Frau Butler gehört zur FĂŒhrungsspitze von IGLHR (International Gay and Lesbian Human Rights Commission), einer internationalen Homosexuellenorgansisation. Sie war aktiv in der Vorbereitung fĂŒr die vierte Weltfrauenkonferenz in Peking beteiligt, also einer entscheidenden Quelle von GM. Deren Ziel war die „Dekonstruktion“, d. h. die Auflösung von Mann- und Frausein sein.

Diese neuen Ideen wĂ€ren nicht denkbar ohne die Entwicklung der Sozialwissenschaften, die unter dem Begriff der „Sozialisation“ den grundsĂ€tzlichen Aspekt der Vergesellschaftlichung der Individuen thematisieren und damit ein neues Weltbild begrĂŒnden. Das Problem ist bei diesen BegrĂŒndungsversuchen, daß es an einer echten Argumentation mangelt. In der Vielzahl von BĂŒchern ĂŒber die Gender-Sichtweise sind es regelmĂ€ĂŸig mehr oder weniger Empfindungen, die zu den neu erscheinenden Schlußfolgerungen hinleiten. Dabei sind es nicht nur Klischees, wenn die Alten zwischen MĂ€nnlichkeit und Weiblichkeit differenzieren und dabei MĂ€nnern Eigenschaften zuweisen wie AbgrenzungsfĂ€higkeit, RationalitĂ€t oder technische Begabung, wĂ€hrend Frauen als bindungsfĂ€higer, fĂŒrsorglicher und fĂ€higer charakterisiert werden, mit kleinen Kindern umzugehen. Ein Blick in die Tierwelt bestĂ€tigt: Jungen von Rhesus-Affen spielen lieber mit Autos als mit PlĂŒschpuppen, was aus einer Studie US-amerikanischer Forscher hervorgeht, nĂ€mlich mit der Folgerung, daß eine Neigung fĂŒr bestimmte TĂ€tigkeiten angeboren ist. Es fragt sich, weshalb sich die EU, Bundesregierung und manche Landeskirchen den wissenschaftlichen Erkenntnissen verschließen.

Nun möchte man gern den Regierungsstellen zugute halten, daß sie es gut meinen. Das wird man auch teilweise anerkennen mĂŒssen, da gerade den Frauen bis in die 90er Jahre hinein deutlich erkennbares Unrecht angetan worden ist. Der Jurist denkt an einen der wichtigsten LeitsĂ€tze im Strafrecht, nĂ€mlich „in dubio pro reo“. Im Zweifel muß also vom traditionellen MĂ€nnlichkeitsbegriff ausgegangen werden. Dieser wird „angeklagt“, jedoch nicht ĂŒberfĂŒhrt.

2. VernĂŒnftige biologische Geschlechterunterscheidung

Die Soziologen – welche stark bei der GM-Verbreitung mitgewirkt haben – tun sich mit ihrem Vorpreschen keinen Gefallen. Ernst zu nehmende Wissenschaftler kommen nicht umhin, die uralten Zweifel an den Erkenntnissen dieses Forschungszweigs zu manifestieren. Bei aller verstĂ€ndlichen Skepsis gegenĂŒber den Instituten fĂŒr Demoskopie – die Gesellschaft kann ohne deren Forschungsergebnisse nicht mehr so recht existieren. Daß Gewichtiges und Hilfreiches durch die Umfragen vermittelt wird, ist zum großen Teil sozialwissenschaftlicher Arbeit zu verdanken. Man denke an die bekannten Recherchen von RĂŒdiger Schloz in den „Evangelischen Kommentaren“ ĂŒber die kommunikative Kompetenz der Kirche. Richtigerweise zeigt er Defizite auf und verweist auf den notwendigen missionarischen Impuls im Wettbewerb auf dem Markt der Sinnanbeter. Unternehmerisches Denken, etwa das Eingehen auf Menschen mit Zuwendung und Annahme ist gefragt, die Kirche “soll eine Gemeinschaft sein mit dem Zweck, Zeugnis fĂŒr Christus abzulegen in Wort und Tat.“ Wir brauchen „eine einladende, aufsuchende, nachgehende Kirche“. Diese soll im Kontakt mit Wissenschaft und Kunst, Technik und Wirtschaft, Publizistik und Freizeitkultur in Zuversicht auf das Reich Gottes fĂŒr die verbesserliche Welt Engagement zeigen, um die Entfaltung des Lebens in die Tiefe und Weite sowohl im Verstand als auch im GefĂŒhl zu zeigen. Dazu gehören auch Selbstkritik und Visionen.

Es ist allerdings nicht viel, was die Sozialwissenschaften bieten. Das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ machte sich einmal lustig mit den Worten, die Soziologen hĂ€tten die Welt interpretiert, die Welt habe aber ĂŒberlebt. Der berĂŒhmte Soziologe und Philosoph JĂŒrgen Habermas spottete auch ĂŒber die Disziplin und bezeichnete sie als Ideologie: “Was diese Erkenntnisse der Welt gebracht haben, wissen wir nicht. Was sie den Soziologen nĂŒtzen, dagegen schon: wenig. Noch immer sind Gesellschaftskundler und Gesellschaftskundlerinnen der Öffentlichkeit verdĂ€chtig: als revolutionĂ€re U-Boote, als Theoriebesoffene, als feministische BlaustrĂŒmpfe“. Wichtig ist mir, daß die Kirche sich nicht von diesem Geist einlullen lĂ€ĂŸt. Der Sozialwissenschaftler Georg Kamphausen spricht von der Babylonischen Gefangenschaft vieler gegenwĂ€rtiger, theologisch reflektierter Glaubensweisen im Zuchthaus der Sozialwissenschaften. Gerade die emanzipatorische Rhetorik der Sozialwissenschaften muß als sĂ€kulares Pendant zu einer frĂŒheren Glaubensgewißheit gesehen werden. Dahinter steht eine Anthropologie, die am Ende weder verifiziert noch falsifiziert werden kann, sondern geglaubt werden muß. Dazu gehört auch das Dogma des „guten Menschen“, das in modifizierter Form in die Praxis und Ethik der Kirche eingedrungen ist. Bei Ablehnung des biblischen SĂŒndenverstĂ€ndnisses und bei der Liberalisierung der SexualitĂ€t wird in der Kirche humanwissenschaftlichen Methoden zu viel Raum gegeben.

Hier erscheint mir eine Umkehr vonnöten. Die Soziologie soll wieder den Platz bekommen, der ihr gebĂŒhrt. Sie hat den Begriff der „Rolle“ entwickelt. Schlimm wird es, wenn sich der Mensch in die verschiedenen Rollen flĂŒchtet, um akzeptiert zu werden. Die Endstation wĂ€re der seelenlose FunktionĂ€r oder der „Mann ohne Eigenschaften“, wie es Robert Musil in seinem Roman karikiert – dem vielleicht bedeutendsten zeitkritischen literarischen Werk des vergangenen Jahrhunderts. Der „Held“ gibt sich als ein Möglichkeitsmensch, der nicht den gegebenen Tatsachen, sondern der möglichen Wirklichkeit lebt. Der Theologieprofessor Kroeger kritisiert die kirchlichen Mitarbeiter, die der Soziologie als Ersatztheologie frönen, sie sollten sich mehr auf die wirkliche Gotteslehre zu konzentrieren. Daß letztlich auf den Marxismus zurĂŒckzufĂŒhrende Ideen wie die „Kritische Theorie“ (Frankfurter Schule) zum VerhĂ€ltnis zwischen Frauen und MĂ€nnern wirklich Konstruktives geliefert haben, ist zumindest höchst umstritten. Daß der Feminismus zumindest teilweise darin seine Wurzeln findet, indiziert die Unwissenschaftlichkeit, nĂ€mlich den ideologischen Charakter. Erinnert werde ich an das Buch des aggressiven Religionskritikers Dawkins „Gotteswahn“, der sich ganz bewußt in Bezug auf seine glaubenskritischen Feststellungen auf den Feminismus beruft und diesem bescheinigt, er habe sein Bewußtsein erweitert. Das lĂ€ĂŸt Gedanken aufkommen an die Folgen der Einnahme von Drogen.

Es gibt keinen vernĂŒnftigen Grund, alte Erkenntnisse fĂŒr das Mann- bzw. Frausein ĂŒber den Haufen zu werfen. Frauen verwenden durchschnittlich 20000 Wörter am Tag, MĂ€nner schaffen dagegen gerade einmal die HĂ€lfte. Schon im Mutterleib bewegen mĂ€nnliche Embryonen ihre Kiefer 30 % weniger als weibliche. Nun war es fĂŒr die frĂŒhzeitlichen MĂ€nner wĂ€hrend der Jagd unvorteilhaft, viele Worte zu machen, wenn sie sich an die Beute heranschlichen. Im MĂ€nnergehirn wird die Wirkung des Bindungs- und Kommunikationshormons Oxytocin vom „DraufgĂ€ngerhormon“ Testosteron eingeschrĂ€nkt. „Der Mann stellt sich lieber dem BĂ€ren in den Weg, um die Frau zu schĂŒtzen, als mit ihr ĂŒber Beziehungsprobleme zu reden“ („Mann + Christ“). Es ist schon merkwĂŒrdig: WĂ€hrend wir heute die SelbstĂŒberhebung des Menschen ĂŒber die ihm vorgegebene Welt in Ökologie und Politik kritisch hinterfragen, propagieren Gender-Philosophen in geradezu fantastischen, intellektualistischen PurzelbĂ€umen den Triumph der abstrakten Vernunft ĂŒber die Natur. MĂŒssen wir erst noch krĂ€ftig auf die Nase fallen, um uns auf eine neue, demĂŒtigere Haltung gegenĂŒber der Natur – unserer Natur – zu besinnen?

Nun steht fest, daß – rein biologisch –Frauen durchschnittlich sieben Jahre lĂ€nger als MĂ€nner leben. Das wird auch nicht von den Gender-Propagandisten geleugnet. Die Biologie spielt insoweit doch noch eine Rolle. Der naturwissenschaftliche Blick sollte nun wirklich bestimmend bleiben. Menschen nehmen einander unwillkĂŒrlich zuerst als weiblich oder mĂ€nnlich wahr. Bei der ĂŒblichen Art, BegrĂŒndungen fĂŒr die neue Lehre zu finden, wird deutlich die Hilflosigkeit, wirkliche Argumente zu finden. Es genĂŒgt einfach nicht, wenn das biologische Geschlecht nur noch durch Anatomie, Morphologie, Physiologie und Hormone benannt wird, um sich dann dem Problem der festgeschriebenen gesellschaftlichen MachtverhĂ€ltnisse voll zu widmen.

3. WidernatĂŒrlichkeit der Gender-Ideologie

Die UnnatĂŒrlichkeit drĂ€ngt sich bereits beim ersten Blick auf: Schon Ă€ußerlich sind die Unterschiede zwischen Mann und Frau erkennbar. Aber auch bei nĂ€herer Betrachtung wird deutlich, daß ein Verwischen der Unterschiede unzulĂ€ssig ist. FĂŒr Denker von Weltformat, wie fĂŒr den BegrĂŒnder der Psychoanalyse Sigmund Freud, war es eine SelbstverstĂ€ndlichkeit, daß die GeschlechteridentitĂ€t fest in der Biologie verwurzelt ist. Überhaupt wird diese Differenzierung in den Weltkulturen vorgenommen, gerade MĂ€nnlichkeit schließt einen gewissen Abstand von der Weiblichkeit zwangslĂ€ufig ein.

Aufschlußreich sind die ErwĂ€gungen zu der Tatsache, daß MĂ€nner in Kriminalstatistiken bei Gewalttaten deutlich vor den Frauen liegen. Aus feministischer Sicht hat dies nichts mit der Natur des Menschen zu tun. Man geht eben nicht davon aus, daß MĂ€nner generell aggressiver sind als Frauen. Gewiß können, wie die Erfahrungen aus den KZs lehren, Frauen jede Grausamkeit und kaltblĂŒtige Aggression an den Tag legen, die sich die Menschheit bisher hat einfallen lassen. ErklĂ€rt wird dies mit sozialen Macht- und Statusunterschieden (Holger Brandes). Hier spĂŒrt man besonders, wie wenig fundiert die neuen Theorien sind. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, daß letztlich ein diffuser Freiheitsdrang zu den feministischen – im Gegensatz zu den femininen – Ideen fĂŒhrt. Wenn die Geschlechtszuordnung unabhĂ€ngig von der Anatomie erfolgt, können MĂ€nner und Frauen quasi ihr Geschlecht wĂ€hlen.

Gerade was die Homosexuellen betrifft, so wird der Gedanke der NatĂŒrlichkeit berĂŒhrt. Es gibt kaum Kulturen, die gleichgeschlechtliche Beziehungen voll akzeptieren. Auch die christlich-abendlĂ€ndische Kultur ist kritisch. Der große christliche Denker, nĂ€mlich der Apostel Paulus, qualifiziert im ersten Kapitel des Römerbriefs homosexuelle Handlungen als „Verlassen des natĂŒrlichen Brauchs“ (Römer 1, 26 u. 27). Die Auflösung der Kultur in diesem Bereich seit einigen Jahrzehnten hat zu UmwĂ€lzungen bis in die Gesetzgebung hinein gefĂŒhrt. So sind auf homosexuelle und feministische Intervention diverse EU-Richtlinien entstanden, die Privilegierungen gleichgeschlechtlich Empfindender von den Mitgliedsstaaten fordern, etwa das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (Antidiskriminierungsgesetz). Es handelt sich hier um ein klassisches Beispiel fĂŒr die Verweichlichung der gesamten Gesellschaft durch die Gender-Ideologie. Ich habe mir darĂŒber vertiefte Gedanken in seinem Buch „Hilfe, wir werden diskriminiert!“ (Schleswig 2006) gemacht und erhebliche Zweifel an der Richtigkeit des Gender-Denkens geĂ€ußert. NatĂŒrlich besteht keinerlei Berechtigung, andere Menschen zu diskriminieren. Daß aber Homosexuelle gar mit dem Lebenspartnerschaftsgesetz privilegiert werden mĂŒssen, lĂ€ĂŸt sich argumentativ nicht rechtfertigen. Im Kontext mit der WidernatĂŒrlichkeit muß jetzt intensiver ĂŒber die Bestrebungen der homosexuellen Lobbyisten nachgedacht werden, das Adoptionsrecht gleichgeschlechtlicher Partnern zuzubilligen. Zum Wohle der Gesellschaft reichen aus: Verzicht auf Bestrafung und auf Diskriminierung.

Der Bundesvorstand GrĂŒne Jugend hatte am 19.11.2007 auf ihrem 29sten Bundeskongreß in WĂŒrzburg zur Frage der kĂŒnftigen Familie u. a. folgendes beschlossen:

Der Begriff „Familie“ wird bei uns in erneuerter Definition verwendet: Wir verstehen darunter sowohl das klassische Vater-Mutter-Kind-Bild, als auch gleichgeschlechtliche Partnerschaften mit oder ohne Kind, polygame Lebensgemeinschaften, Patchworkfamilien, Alleinerziehende aber auch Wohngemeinschaften wie Studierenden-, Mehrgenerationen-, und Senioren-Gemeinschaften oder ganz einfach der engste Freundeskreis. 
 Dies wollen wir rechtlich mit einem Familienvertrag absichern und damit die Ehe ersetzen. 


Es darf in unserer Gesellschaft nicht der Anschein entstehen, daß um ein Kind erziehen zu können, es dafĂŒr einer Mutter und eines Vaters – wie es konservative KrĂ€fte gerne hĂ€tten – bedarf. Wir leben in einer modernen Gesellschaft und in dieser soll es auch möglich sein, daß homosexuelle Paare, Alleinerziehende oder platonische Zweier- oder Dreierkonstellationen Kinder adoptieren dĂŒrfen.

Nachdem die GrĂŒnen mit ihrem Protagonisten Volker Beck das Lebenspartnerschafts- und das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz durchgesetzt haben, soll nun der Angriff auf Ehe und Familie fortgefĂŒhrt werden. Der besondere Schutz in Artikel 6 des Grundgesetzes soll ausgehöhlt werden. Äußerlich können sich die GrĂŒnen auf EU-Richtlinien grĂŒnden, die letztlich aber auch von ihnen stammen. Nun ist die EU-Kommission gar der Ansicht, daß Deutschland die Vorgaben bislang nur unzureichend umgesetzt habe (SĂŒddeutsche.de).

NatĂŒrlich ist es unbestritten, daß gleichgeschlechtlich empfindende Menschen ĂŒber viele Jahrhunderte diskriminiert worden sind. Dazu gab es keinerlei Recht, das gilt selbstverstĂ€ndlich auch heute. Nicht nur das Gesetz muß zwischen Person und Sache differenzieren, das gilt fĂŒr jeden BĂŒrger, wenn er Homosexuellen begegnet und mit Problemen, die diese betreffen, konfrontiert wird. Das beinhaltet auch kritische Beurteilungen. Nach den neuesten demoskopischen Umfragen finden gar zwei Drittel der jungen Menschen gleichgeschlechtliche Praxis nicht gut. Ehrlich hat der Marburger Prof. Walter Grasnick in der „Frankfurter Rundschau“ deren IrrationalitĂ€t in seinem Artikel „Das traurige StĂŒck ZurĂŒck – wider das Naturrecht“ ausgedrĂŒckt. Vor der Homosexualisierungswelle waren zwei Drittel der Psychiater weltweit der Ansicht, daß homosexuelle Praxis nicht natĂŒrlich sei. Daran hat sich in den vergangenen 35 Jahren nichts geĂ€ndert.

Das Wohl des Kindes ist so gut wie nie Thema der homosexuellen Lobbyisten gewesen. Dabei fĂ€llt auf, daß die Argumente der Andersdenkenden seitens der homosexuellen Lobbyisten regelmĂ€ĂŸig unterdrĂŒckt werden. Bereits die Faktenresistenz ist erschreckend. Definiert man mit dem Psychologieprofessor Rudolf Seiss Dummheit als „bewußten Wissensverzicht“, so ist es anstrengend, Gedanken an Eigenschaften wie „töricht“ bei den Homosexuellen Aktivisten zu verdrĂ€ngen. Erinnert werde ich an die jĂŒngst veröffentlichte Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts vom 26.02.2008 ĂŒber die Strafbarkeit des Geschwisterinzests: „Die lebenswichtige Funktion der Familie fĂŒr die menschliche Gemeinschaft, wie sie der Verfassungsgarantie des Artikel 6 Abs. 1 GG zugrunde liegt, wird entscheidend gestört, wenn das vorausgesetzte OrdnungsgefĂŒge durch inzestuöse Beziehungen ins Wanken gerĂ€t.“ Das Kind braucht Vater und Mutter als Eltern. FĂŒr ein möglichst natĂŒrliches KindesverhĂ€ltnis ist es wichtig, daß es mit den Eltern sowohl eine Frau als auch einen Mann als engste Vertrauens- und Bezugspersonen hat. Nach der Gender-Ideologie allerdings sind die AdoptionswĂŒnsche Homosexueller keinesfalls inkonsequent. Elternstellung oder Kindeswohl spielen in der Diskussion allenfalls eine sehr vernachlĂ€ssigte Rolle.

4. Verfassungswidrigkeit von Gender Mainstreaming

Auszugehen ist von Artikel 6 des Grundgesetzes. Im ersten Absatz heißt es: „Ehe und Familie stehen unter dem besonderen Schutze der staatlichen Ordnung“. Es handelt sich bei der Ehe um eine Beziehung zwischen einem Mann und einer Frau, wobei gleichgeschlechtliche Verbindungen aus dem Ehebegriff ausgeschlossen sind. Ähnlich steht es um die Familie. Sie ist „die umfassende Gemeinschaft zwischen Eltern und Kindern“. Voraussetzung fĂŒr die Elterneigenschaft ist die Verbindung zwischen Mann und Frau (so das Bundesverfassungsgericht = BVG). Nach unserer Verfassung hat nun der Staat Ehe und Familie zu fördern. Das heißt im Klartext: Jede BeeintrĂ€chtigung, Aufweichung und Relativierung ist verboten. Von großer Bedeutung ist das Diskriminierungsverbot, soweit es Ehe und Familie betrifft.

Nun könnten sich die Deutschen hinter der EuropĂ€ischen Union verstecken, die ja die entsprechenden Richtlinien erlassen hat. Das entschuldigt die Verantwortlichen in Berlin und in den Landesministerien ĂŒberhaupt nicht. Einerseits haben sie immer ein Vetorecht; wenn sie die Frist ĂŒberschritten haben, mĂŒssen sie zur Verantwortung gezogen werden. Im Übrigen kann ĂŒber das internationale Recht in Deutschland auch mit VerspĂ€tung EU-Recht abgelehnt werden, und zwar wenn es dem „Ordre Public“ widerspricht. Ich habe zu den Problemen in dem erwĂ€hnten Buch ausfĂŒhrlich Stellung genommen (vgl. Kap. 2 ĂŒber die „Anfechtbarkeit der EU-Richtlinien“ ab S. 85). Die EU-Kommissare werden es niemals wagen, Deutschland mit derartigen Sanktionen zu belegen, daß sich die Bundesrepublik Gedanken darĂŒber machen mĂŒĂŸte, ihre Mitgliedschaft aufzukĂŒndigen. Wenn der zentrale europĂ€ische Staat verschwindet, dann ist die EuropĂ€ische Union gestorben. Das können sich weder die Verantwortlichen in BrĂŒssel noch das EU-Parlament und der EuropĂ€ische Gerichtshof leisten.

Artikel 3 GG ist unzweideutig. Es sind nicht nur alle Menschen vor dem Gesetz gleich. „MĂ€nner und Frauen sind gleichberechtigt.“ Keinesfalls können sich die Gender-Propagandisten, um die faktische Vorzugsstellung der Frau zu untermauern, auf Artikel 3 Abs. 2 Satz 2 grĂŒnden: „Der Staat fördert die tatsĂ€chliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und MĂ€nnern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin“. GM widerspricht nicht nur dem Grundrecht, das Ehe und Familie besonders schĂŒtzt, sondern bereits der MenschenwĂŒrde in Artikel 1. In ihren Schutzbereich fĂ€llt auch die ĂŒberkommene Geschlechterunterscheidung zwischen Mann und Frau. Mit der MenschenwĂŒrde ist der soziale Wert- und Achtungsanspruch gemeint, der dem Menschen wegen seines Menschseins zukommt (BVG).

Die Gender-Ideologie ist ĂŒber die Verfassungswidrigkeit hinaus auch sonst rechtswidrig. Die strafrechtliche Komponente spielt eine erhebliche Rolle – gerade bei der MĂ€nnerdiskriminierung (§§ 185 ff. StGB). Das hat z. B. die LiteraturnobelpreistrĂ€gerin Doris Lessing erkannt. Sie ist schockiert ĂŒber die gedankenlose Diskriminierung von MĂ€nnern: Die dĂŒmmsten, ungebildetsten und scheußlichsten Frauen könnten die herzlichsten, freundlichsten und intelligentesten MĂ€nner niedermachen, ohne daß irgend jemand etwas dagegen tue. Die Abwertung des MĂ€nnlichen sei so sehr Teil unserer Kultur geworden, daß sie kaum noch wahrgenommen werde. Ihr Verdikt ĂŒber die „Emanzenkultur“ lautete: Denkfaulheit und HeimtĂŒcke (Die Welt).

ErschĂŒtternd ist, daß der 12te Kinder- und Jugendbericht der Rot/GrĂŒnen Koalition die VĂ€terlichkeit wegen mĂ€nnlicher Gewalt kurzerhand als schĂ€dlich fĂŒr die Kinder ausgegeben hat. VĂ€ter mĂŒssten so werden wie MĂŒtter, VĂ€terlichkeit soll sich in MĂŒtterlichkeit verwandeln. „Im Gegensatz zur gleichheitsrechtlich orientierten Frauenbewegung hat der Gender-Feminismus die Demokratisierung und Humanisierung der Beziehung zwischen MĂ€nnern und Frauen aufgegeben. Er hat sie durch ein Freund-Feind-VerhĂ€ltnis ersetzt (Gerhard Amendt, Professor am Institut fĂŒr Geschlechter- und Generationenforschung, UniversitĂ€t Bremen). Kein Wunder, daß Jungen zunehmend als die „Deppen der Nation“ angesehen werden. Wissenschaftliche Untersuchungen wie die Pisa-Studie untermauern, daß z. B. zwei Drittel aller Schulabbrecher in Deutschland mĂ€nnlich sind, Jungen 65 % der Sonder- und 57 % der HauptschĂŒler stellen. Es wĂ€re interessant festzustellen, wieweit die große Zahl von Frauen als KindergĂ€rtnerinnen und Lehrerinnen bzw. das Fehlen von mĂ€nnlichen Erziehern daran Anteil hat. Das spiegelt sich auch in den Medien wieder: In Krimis, Komödien aber auch in der Werbung werden MĂ€nner immer öfter als Trottel hingestellt. Das ist diskriminierend, kommt einer Volksverhetzung im Sinne des § 130 StGB gleich.

Die Maßnahmen des GM widersprechen wegen der Einseitigkeit gegen das Gleichberechtigungsprinzip zwischen MĂ€nnern und Frauen, letztlich gar der im Lissabonner EU-Reformvertrag verankerten Grundrechtscharta, ja der Menschenrechtskonvention. Die universalen Rechte an Ehe und Familie haben sich – allen Unkenrufen zum Trotz – bewĂ€hrt. „Bei der Familie fĂ€ngt die Heilung an und muß sie anfangen, weil die Familie die Wiege der Menschheit ist, weil die Familie die erste Erzieherin der Menschheit ist, weil der Familienschoß entweder das höchste irdische GlĂŒck oder das höchste irdische UnglĂŒck gebiert oder einschließt“ Diese Auffassung vertrat ĂŒberzeugend der katholische Sozialreformer Adolph Kolping. In der Familie konkretisiert sich die SolidaritĂ€t der Generationen, die Mitglieder verstehen sich als Schicksalsgemeinschaft oder die Familie steht im Dienst einer richtig verstandenen Selbstverwirklichung. Die Familie ist die Keimzelle der Gesellschaft.

Die Kirchen hingegen wissen so viel ĂŒber Hilfen, weil sie bei der Ehe immer an den ewigen Bund zwischen Gott und seinem Volk denkt. Es geht nicht nur um Moral, etwa das sechste Gebot „Du sollst nicht ehebrechen“, sondern um geistige und praktische UnterstĂŒtzung. Nachdem die Scheidungen so dramatisch zunehmen, haben sich einige GeschĂ€ftsleute etwas einfallen lassen. Frisch Geschiedene sollen ihre neu gewonnene Freiheit auf rauschenden Partys feiern. DafĂŒr werden lustige Scheidungsgeschenke kreiert. Es gibt Cocktails in den USA mit dem Namen „Ehe in Scherben“. In New Orleans verleiht ein Unternehmer Leichenwagen an frisch Geschiedene, die mit Freunden symboltrĂ€chtig den „Tod ihrer Ehe“ feiern wollen. Christen in den Vereinigten Staaten haben dies kritisiert: „Jede Scheidung ist ein Ärgernis fĂŒr Gott. Deshalb sollen Trennungen TrĂ€nen hervorrufen, nicht Lacher und Witze“. Scheidungen sind besonders schmerzvoll, wenn Kinder betroffen sind. ErbĂ€rmlich sieht es in der Tat fĂŒr die Scheidungskinder aus, die nach neusten Erkenntnissen ihr Schicksal bis zum Lebensende nicht verkraften und bezĂŒglich einer kriminellen Laufbahn erheblich mehr gefĂ€hrdet sind.

Das Bundesverfassungsgericht hat Recht, daß Ehe und Familie weiter schĂŒtzenswert sind. Wenn der Staat die finanziellen Mittel, die er fĂŒr die Gender-Programme zur VerfĂŒgung stellt, in die Förderung von Ehe und Familie steckte, dann wĂŒrden sich nicht nur die WĂŒnsche der allermeisten BĂŒrger erfĂŒllen, sondern auch unverzichtbare Investitionen fĂŒr die Zukunft des Volkes erfolgen.

5. BeeintrÀchtigung der Keimzelle
des Staates durch Gender-Ideologie

Ein großes Problem heute ist die abnehmende BindungsfĂ€higkeit der Menschen. GM bietet nichts Konstruktives, um insoweit das GemeinschaftsgefĂŒhl zu stĂ€rken. Es ist bekannt, daß sich gerade junge Menschen – nach den Untersuchungen des Zukunftsforschers Matthias Horx 90 % – eine „stinknormale Familie“ wĂŒnschen, und zwar mit lebenslanger Treue und vielen Kindern.

Man wird auch nicht behaupten können, daß Alice Schwarzer als Vorzeigefeministin mit ihrer Zeitschrift „Emma“ zum familiĂ€ren GlĂŒcklichsein beigetragen hat. Bei allem Respekt vor den Leistungen in der Frauenbewegung – es wird höchste Zeit, daß ihre Vormachtstellung EinschrĂ€nkungen erfĂ€hrt. Die Theologie hat in der Vergangenheit gewiss manches Konstruktive fĂŒr Ehe und Familie geboten, geniert sich aber im empirischen Bereich: So verschweigt man gern, daß z. B. die Scheidungsquote heute jede zweite bzw. dritte Ehe betrifft, bei Christen, welche regelmĂ€ĂŸig miteinander beten, die Relation aber 1 zu 1400 betrĂ€gt. Das leuchtet allein schon deshalb ein, weil Voraussetzung dafĂŒr zwangslĂ€ufig ist, daß sich die Eheleute ĂŒber ihre Probleme aussprechen und Wege suchen, um einander zu vergeben.

Ich habe mir Gedanken gemacht zugunsten von Paaren, die sich nicht allzu schnell dem Zeitgeist unterwerfen und nicht AnhĂ€nger der Wergwerf-Ehe sind. Entstanden ist die Schrift, „ErwĂ€genswerte Gedanken fĂŒr Eheleute in der Krise“, die auch veröffentlicht worden ist. Darin geht es um Ermutigung fĂŒr willige Partner, die nicht gemĂ€ĂŸ dem Zeitgeist bei Auftreten von Spannungen sich trennen wollen. Es bieten sich Möglichkeiten, gerade durch das persönliche GesprĂ€ch, wieder aufeinander zuzugehen. Dabei können Vergebungsbereitschaft und das Ablassen von Besitzdenken zulasten des Partners Wunder wirken.

Auch kritische Publikationsorgane sprechen sich fĂŒr die Familie aus. So schreibt das Zeitgeistmagazin „Tempo“ wörtlich: „Man hat uns gesagt, die Familie sei schlecht. Man hat uns gesagt, die Familie zerstöre die Persönlichkeit. Man hat uns belogen. Die Familie ist immer noch die beste aller möglichen Lebensformen“. Das deckt sich mit den Ergebnissen der Demoskopie, wonach die intakte, auf Dauer angelegte Familie „fĂŒr die ĂŒberwĂ€ltigende Mehrheit der Bevölkerung Lebensinhalt oder zumindest Leitbild“ sei. Vor ein paar Jahren war fĂŒr Bundeskanzler Schröder Familienpolitik noch „Gedöns“, heute wirbt er auch fĂŒr die Familie.

Diese AusfĂŒhrungen zeigen, daß das klassische Ehe- und Familienbild in einer ganz anderen Dimension förderungswĂŒrdig ist als GM. Die Verantwortlichen in Politik und Kirche sollten ernsthaft ĂŒber diese ZusammenhĂ€nge nachdenken.

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Dieser Beitrag wurde erstellt am Dienstag 22. April 2008 um 20:55 und abgelegt unter Ehe u. Familie, Gesellschaft / Politik.