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IT-Experte: Rechtschreibreform kostet weiterhin Milliarden

Donnerstag 6. April 2006 von Administrator


IT-Experte: Rechtschreibreform kostet weiterhin Milliarden

Der volkswirtschaftliche Schaden durch die Rechtschreibreform wird auch nach der Überarbeitung durch den Rechtschreibrat nicht wesentlich geringer. Das ergeben SchĂ€tzungen des Erlanger Informatik-Experten und Diplom-Mathematikers Wolfhart Grote. Der Schaden durch die reformbedingten Leseverzögerungen liegt demnach bei sechs Milliarden Euro im Jahr.

Grote, Chef der mittelstĂ€ndischen IT-Firma infolab, die auch Technische Dokumentationen erstellt, erklĂ€rt: „Auch nach den Empfehlungen des Rechtschreibrates bleiben MĂ€ngel in der Reformorthographie, die den Lesefluß hemmen.“ Als Beispiele nennt Grote die Doppel-s-Schreibung, die zu schwerer lesbaren Wörtern wie „Missstand“ oder „Flussschifffahrt“ fĂŒhrt; dann die Trennung von „ck“ (Zu-cker, Stre-cke): Wegen der zunĂ€chst falsch erfaßten Betonung mĂŒssen die Augen des Lesers wieder in die vorangegangene Zeile springen. Bei der immer noch unzureichenden Kommaregelung könne der Schreiber weiterhin Kommata weglassen, die zum VerstĂ€ndnis wichtig sind, so daß der ganze Satz oft noch einmal zu lesen ist.

Der Mathematiker Grote rechnet vor: „100 Millionen Menschen sprechen Deutsch. Wenn 80 Millionen davon tĂ€glich im Mittel 50 Seiten lesen, sind das vier Milliarden Seiten tĂ€glich, 1.500 Milliarden im Jahr. Wenn wir den Zusatzaufwand durch den Neuschrieb auf nur eine Sekunde je Seite (zehnmal innehalten zu je 1/10 Sekunde) ansetzen, sind das 400 Millionen Stunden zusĂ€tzlich im Jahr. Rein rechnerisch wĂŒrden 250.000 Menschen zusĂ€tzlich benötigt, um diese Blindleistung wettzumachen. Bei einem Monatsgehalt von 2.000 Euro entspricht das einem volkswirtschaftlichen Schaden von sechs Milliarden Euro.“

FĂŒr den Unternehmer Grote folgt daraus ganz klar, daß er aus QualitĂ€ts- und KostengrĂŒnden innerhalb der Firma nur die unreformierte Rechtschreibung zulĂ€ĂŸt. Nur wenn der Kunde es ausdrĂŒcklich wĂŒnsche, wĂŒrden Dokumentationen in Reformschreibweise abgefaßt. Grote glaubt, daß es auch nach den Empfehlungen des Rechtschreibrates weitere Nachbesserungen an der Reform geben wird und wĂŒnscht sich „endlich eine klare Regelung“.

Erlangen, 2. MÀrz 2006 ­

Aus: DEUTSCHE SPRACHWELT
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Dieser Beitrag wurde erstellt am Donnerstag 6. April 2006 um 13:50 und abgelegt unter Gesellschaft / Politik.