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Im Gespräch: Pfarrer Dr. David Jaffin

Dienstag 15. Mai 2018 von Gemeindehilfsbund


Gemeindehilfsbund

David Jaffin, geb. 1937 in New York als Kind jüdischer Eltern. Er studierte an der New York University Geschichtswissenschaft, Kunstgeschichte und Psychologie. Im Jahr 1971 fand er in Jesus den jüdischen Messias. Er heiratete 1961 und zog nach Deutschland, wo er ein Studium der evangelischen Theologie absolvierte. Im Anschluss daran war er als Pfarrer in verschiedenen Gemeinden tätig. Er verfasst außerdem Gedichte und ist Autor zahlreicher Bücher.

Im Wikipedia-Artikel „David Jaffin“ steht, dass Sie 1971 zum christlichen Glauben konvertiert sind. Was gab den Ausschlag, dass Sie als Jude Jesus Christus als Ihren Herrn und Heiland angenommen haben?

Ich bin nicht konvertiert zum christlichen Glauben, sondern bin existenziell hingezogen zu Jesus von Nazareth, INRI, König der Juden. Hier war das Johannes-Evangelium sehr zentral sowie meine liebe Frau Rosemarie, die nie versucht hat, mich zu konvertieren, aber ihren christlichen Glauben in einer vorbildlichen Art und Weise lebte.

Sie haben einmal geschrieben, dass ein guter Hirte und Seelsorger erst einmal bei Christus selber in der Seelsorge sein und bei ihm Vergebung, Schutz und Führung empfangen muss, und dass gute Seelsorge die Menschen nicht an den Seelsorger bindet, sondern an Christus und sein Wort. In wie vielen Gemeinden ist heute die Seelsorge verkümmert… Wie kann das besser werden?

Vertrauen ist zentral, dass wir Geistlichen die Menschen so ansprechen mit unserer Jesuszentrierten Botschaft, dass sie zu uns als Seelsorger hingezogen werden. Hier ist das allgemeine Priestertum auch sehr wichtig.

In Ihren feinen humorvollen „Autobiographischen Anmerkungen“ mit dem schönen biblischen Titel „…und geh in ein Land, das ich dir zeigen will“ sprechen Sie davon, dass die Christen ein „christlich-poetisches“ Gebetsleben brauchen. Was meinen Sie damit? Sie verfassen ja auch Gedichte. Hängt das damit zusammen?

Über meine Lyrik. Es sind 39 zum Teil sehr dicke poetische Bücher gedruckt worden, und es werden noch viel mehr gedruckt werden, 73 Bände, abhängig von meiner Lebenslänge. Mit Recht nennt man mich „The World’s most prolific poet“. Alle meine Gedichtbände enthalten zentrale christliche Themen. Besonders wichtig sind mir das 2. Gebot nach Mose sowie die fruchtbare Beziehung zwischen dem Leidensjuden in mir selber und dem erlösenden Christus.

Sie sagen ferner in Ihrer Autobiographie, dass Sie von den Pietisten einiges gelernt haben, dass aber auch die Pietisten vielleicht von Ihnen manches lernen können. Was wäre das zum Beispiel?

Was Pietisten vielleicht von mir lernen können, ist die Wichtigkeit christlicher Kultur. Waren nicht Bach, Haydn, Händel und Mendelssohn und andere bewusste Christen, nicht nur in ihrem Leben, sondern auch in ihren Werken? Waren nicht der große Giovanni Bellini, Grünewald, Dürer, Caspar David Friedrich und viele andere bewusste christliche Maler? Waren nicht Dante, Milton, Shakespeare, Gryphius, Eichendorff und andere große christliche Poeten? Jesus selbst ist der Poetas, der Schöpfer aller Dinge. Heute sind die meisten Kulturhistoriker säkular, deshalb verstehen sie nicht die Tiefe großer christlicher Kunst. Ich habe selber vier Bücher veröffentlicht über Kunst und Verkündigung und habe Dutzende christliche Gruppen durch Deutschlands große Gemäldegalerien geführt.

Im Buch „Höre, o Israel, der Herr ist unser Gott“ schreiben Sie, dass unsere Einstellung gegenüber der Tierwelt absolut verkehrt sei. Über Ihren Satz „Wenn Tiere sterben, ist der Mensch der nächste“ habe ich länger nachgedacht, ebenso über die Aussage, dass auch die Tiere gerettet werden. Ich erinnere mich noch gut an Ihren Besuch bei den Studenten im Krelinger Rüstzentrum in den achtziger Jahren, als Sie von Ihrem Dackel Wastl schwärmten. Woher kommt diese besondere Hochschätzung der Tiere?

Meine besondere Hochschätzung der Tiere kommt von meiner unbegrenzten Liebe zu unserem Schöpferherrn. Ich glaube, was der große christliche Komponist Haydn so deutlich in seiner Schöpfung zeigt. Wir gehören zusammen auf dieser Erde, und unser Verhalten den Tieren gegenüber spiegelt auch unsere Beziehung zu dem Herrn aller Tiere.

Was raten Sie heutigen Theologiestudenten angesichts der von Ihnen beschriebenen Gefahren an den deutschen Theologischen Fakultäten? „Die sogenannte historisch-kritische Methode hat viele angehende Theologen ihres Glaubens beraubt, vor allem weil Wissenschaftsgläubigkeit so tief verankert ist in der deutschen Erziehung“ (S. 68 in der 2. Auflage Ihrer Autobiographie).

Ich rate angehenden Theologen, nicht Theologie zu studieren, sondern ein anderes Fach, Geschichte, Literaturgeschichte… Gute Theologen sollten gebildete Menschen sein und dann nachher zu einer guten Bibelschule gehen, um ihre biblischen Kenntnisse zu vertiefen. Die historisch-kritische Methode ist vollkommen unhistorisch, weil sie die wirkende Göttlichkeit Jesu zum Beispiel in seinen Wundern ausklammert, ebenso die besonderen Gaben der Propheten. Sie widerspricht sich auch in ihren sich ständig ändernden Meinungen über das, was von Jesus und von Paulus kommt. „So viel höher der Himmel über der Erde ist, so viel höher sind auch meine Gedanken als eure Gedanken.“

Als Sie 2005 auf Einladung des Gemeindehilfsbundes im Geistlichen Rüstzentrum Krelingen waren und dort über den 22. Psalm predigten, haben Sie erklärt, dass in Deutschland einschließlich der evangelikalen Gemeinden zu wenig über Gottes Gerichtshandeln gepredigt wird. Wie sollte eine Gerichtspredigt aussehen?

Jesus ist heilig. Er hat auch Verfluchungen ausgesprochen. Er ist gleichzeitig liebender gnädiger Gott und gerecht richtender Herr. Jede Predigt sollte diese Heiligkeit verdeutlichen. Der Psalm 22 ist das erste Evangelium. Jesus hat diesen Psalm im Ganzen am Kreuz gebetet, auch als Zeichen dafür.

Einige Fragen zur Erwählung Israels: Arnold Fruchtenbaum betont immer wieder, dass die Abrahamsverheißung ohne Bedingung gegeben wurde, sich also schon jetzt verwirklicht, dass aber die Sinaiverheißung an den Gehorsam Israels gekoppelt ist. Darf Israel noch hoffen auf das neue Herz, auf den neuen Bund? Wird Israel noch in unserem Äon das heilige Königs- und Priestervolk für die Völker werden, oder wird das erst zur Zeit der neuen Schöpfung auf der neuen Erde sein?

Mir ist besonders wichtig, dass Israel immer noch erwählt ist. „Er kann seine Erwählung nicht bereuen“, trotz Israels (und der Kirche) ständigem Versagen. Was ist das Geheimnis dieser Erwählung zwischen Golgatha und Auschwitz? Leiden, leiden, leiden. Jesus hat Israel ohne ihr Wissen, ohne ihren Willen und ohne ihren Verdienst in sein richtendes und rettendes Kreuzesgeheimnis hineingesetzt. Das ist das Geheimnis meines Volkes und ihres INRI. Ich spekuliere nicht über die Zukunft. Das alles liegt in Gottes unerforschlichen guten und gerechten Händen.

Einige Fragen zum Staat Israel: Kann die Staatsgründung Israels vor 70 Jahren biblisch-prophetisch begründet werden? Hat die kürzlich erfolgte Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt Israels durch den amerikanischen Präsidenten eine heilsgeschichtliche Bedeutung? Lässt sich der biblischen Prophetie etwas entnehmen über die Rolle des Staates Israels im kommenden endgeschichtlichen Gefälle?

Der Staat Israel wurde gegründet über Auschwitz: Drei Jahre zwischen Kreuz und Auferstehung, und jeder Zehnte wurde gerettet, 600.000 Überlebende gegenüber 6 Millionen Ermordeten. Israel spielt eine zentrale Rolle in der ganzen Bibel. „Er kann seine Erwählung nicht bereuen“. Die Propheten haben bekanntermaßen viel über Israel in der Endzeit vorhergesagt, Paulus auch in Römer 9-11. Was Jesus nicht widersprochen und/oder ausgesagt hat, bleibt biblisch bestehen.

Meine letzte Frage zielt auf Ihre Ehe. Sie sprechen immer wieder begeistert von Ihrer Frau. Welchen Wert hat eine gute Ehe für den Charakter und die Seele eines Mannes? Was können wir in unseren Gemeinden für die Stabilisierung der Ehen tun?

„Gute Ehen sind im Himmel gemacht“. Jede Ehe muss durch ständige Liebeszeichen gepflegt werden, als ob man frisch verheiratet ist. Ich habe eine neue (oder fast neue) Gedichtsart entwickelt durch Hunderte solcher Gedichte: Liebe in der Ehe. Alle anderen Liebesgedichte reden wie Petrarca, Shakespeare, Goethe, Puschkin und andere von der leidenschaftlichen Liebe vor der Ehe, oftmals, wie bei Romeo und Julia, im Zuammenhang mit Tod. Meine Liebesgedichte: „Love and marriage go together as a horse and carriage”.

Die Fragen stellte Pastor Dr. Joachim Cochlovius.

Buchempfehlung: David Jaffin, „… und geh in ein Land, das ich dir zeigen will“ – Autobiografische Anmerkungen,  Edition Wortschatz, Schwarzenfeld 2014, 96 Seiten, 9,90 €,  ISBN 978-3-9433-6210-7

Quelle: Aufbruch – Informationen des Gemeindehilfsbundes (Mai 2018)

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Dieser Beitrag wurde erstellt am Dienstag 15. Mai 2018 um 10:50 und abgelegt unter Gemeinde, Interview, Israel, Kirche.