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Ch. H. Spurgeon, Christus der Erstling (Predigt ĂŒber 1 Kor 15,20)

Sonntag 1. April 2018 von Charles Haddon Spurgeon (1834-1892)


Charles Haddon Spurgeon (1834-1892)

„Nun ist aber Christus auferstanden von den Toten und der Erstling geworden unter denen, die da schlafen.“ (1 Kor. 15,20)

Die Tatsache der Auferstehung Christi ist außerordentlich gut bezeugt. Es war notwendig, dass sie ĂŒber allen Streit erhaben sein sollte, da sie der Grund unseres heiligen Glauben ist. Es ist tröstlich, daran zu denken, dass das so ist; denn deshalb steht unser Grund so sicher. Unser Herr trug Sorge, sich nach seiner Auferstehung denen zu zeigen, die, weil sie Ihn vor seinem Tod gekannt hatten, imstande waren, fĂŒr die IdentitĂ€t seiner Person einzustehen. HĂ€tte Er sich nur Fremden gezeigt, die Ihn vorher nicht kannten, so hĂ€tten diese sagen können, dass sie einen Menschen sahen, aber sie hĂ€tten nicht bezeugen können, dass Er der sei, der begraben worden. Aber da Er sich MĂ€nnern wie Thomas zeigte und ihnen befahl, ihre Finger in die NĂ€gelmale zu legen und ihre Hand in seine Seite, gab Er den Menschen die vollstĂ€ndigsten Beweise von seiner Auferstehung und empfing von den kompetentesten Zeugen das sicherste Zeugnis, dass kein Betrug verĂŒbt worden war.

„FĂŒhlt mich und seht, ich bin es selber,“ war ein Anspruch auf IdentitĂ€t, der umso folgerichtiger war, weil Er sich an MĂ€nner richtete, die Ihn wĂ€hrend der ganzen Periode seiner TĂ€tigkeit aufs genaueste gekannt hatten. Die Zeugen waren MĂ€nner, die durch ihr Zeugnis nichts zu gewinnen hatten, aber alles zu verlieren. Es waren ungelehrte MĂ€nner, die ganz unfĂ€hig waren, einen Betrug zu erfinden oder zu verbreiten, und ihr Zeugnis wurde so klar dadurch bestĂ€tigt, dass, da der Leichnam Christi nicht mehr im Grabe war, es fĂŒr nötig erachtet wurde, eine unmögliche Geschichte zu erfinden, um sein Verschwinden zu erklĂ€ren. Die Augenzeugen waren gerade die rechten MĂ€nner, so wie weise Vorsicht sie jetzt auswĂ€hlen wĂŒrde, wenn wir ein solches Ereignis dem Glauben und der Geschichte der Zukunft zu ĂŒberliefern hĂ€tten.

Unser Herr trug, um die Sache ĂŒber allen Zweifel hinaus zu heben, Sorge, oft zu erscheinen und zahlreichen Gesellschaften. Unser Apostel gibt uns eine AufzĂ€hlung dieser Erscheinungen, von denen er gehört hatte: „Und dass Er gesehen ist von Kephas; danach von den Zwölfen; danach ist Er gesehen worden von mehr als fĂŒnfhundert BrĂŒdern auf einmal, von denen viele noch leben, viele aber auch schon gestorben sind. Danach ist Er von Jakobus gesehen worden; danach von allen Aposteln. Als letztem von allen ist Er auch von mir, als einer unzeitigen Geburt, gesehen worden.“ (1 Kor. 15, 5-8.) Die Berichte der Evangelisten lassen uns glauben, dass Christus nicht weniger als zwölfmal seinen JĂŒngern erschien; denn einige dieser FĂ€lle, die der Apostel unter einer Bezeichnung anfĂŒhrt, mögen zwei oder drei Erscheinungen einschließen, wie z.B. „danach von den Zwölfen“ mag seine zwei Besuche bei den Aposteln meinen; denn, wie ihr euch erinnert, erschien Er ihnen zuerst, als Thomas abwesend war, und nachher, als Thomas anwesend war.

So klar ist das Zeugnis fĂŒr Christi Auferstehung, dass, als Gilbert West – ein berĂŒhmter UnglĂ€ubiger – diesen Gegenstand zum Angriffspunkt auserwĂ€hlte und sich niedersetzte, um die Beweise zu prĂŒfen und ĂŒber die ganze Sache nachzuforschen, er, trotz seiner Vorurteile, doch so stutzig wurde ĂŒber die reichlichen Beweise fĂŒr die Wahrheit dieser Tatsache, dass er bekehrt wurde und fĂŒr kĂŒnftige Geschlechter eine sehr wertvolle Abhandlung hinterlassen hat mit dem Titel: „Bemerkungen ĂŒber die Auferstehung Christi.“ Er stellte am Anfang gewisse Gesetze ĂŒber Beweisurkunden auf und ging dann ans Werk, als wĂ€re er ein Rechtsanwalt, der das FĂŒr und Wider in einem Rechtsstreit prĂŒft; und die Grundlehre unseres Glaubens schien ihm so klar, dass er seinen Unglauben aufgab und ein Bekenner des Christentums wurde.

FĂ€llt es euch nicht auf, dass sehr viele Ereignisse der grĂ¶ĂŸten Wichtigkeit, die in der Geschichte erzĂ€hlt und allgemein geglaubt werden, der Natur der Sache nach nicht von zehn Prozent von Zeugen bezeugt wird wie die Auferstehung Christi? Die Unterzeichnung berĂŒhmter VertrĂ€ge, die das Wohl von Völkern betrafen – die Geburt von Prinzen – die Bemerkungen von Kabinettministern – die PlĂ€ne von Verschwörern – und die Taten von Meuchelmördern. Diese und andere Ă€hnliche Ereignisse sind zu Wendepunkten in der Geschichte gemacht worden, wurden nie als Tatsachen in Frage gestellt, und doch können nur wenige zugegen gewesen sein, die sie bezeugten. Wenn die Tatsache von der Auferstehung Christi geleugnet werden soll, so hat es ein Ende mit allem Zeugnis, und wir haben mit Überlegung gesagt, was David in Hast sprach: „Alle Menschen sind LĂŒgner;“ und von diesem Tag an muss jeder Mensch seines NĂ€chsten Wort so bezweifeln, dass er niemals etwas glaubt, was er nicht selbst sah; der nĂ€chste Schritt wird sein, das Zeugnis seiner eigenen Sinne zu bezweifeln; in was fĂŒr weitere Tollheiten die Menschen sich dann stĂŒrzen werden, will ich nicht wagen, vorherzusagen. Wir glauben, dass die bestbezeugte Tatsache in der ganzen Weltgeschichte die Auferstehung Christi ist. Historische Zweifel an dem Dasein Napoleon Bonapartes oder der Ermordung Julius CĂ€sars oder der Normannischen Eroberung sind genauso vernĂŒnftig wie Zweifel an der Auferstehung des Herrn Jesus. Keines dieser Ereignisse hat solche Zeugen wie die, die von dem Herrn zeugen. Zeugen, die offenbar aufrichtig waren, weil sie fĂŒr ihr Zeugnis litten, und die meisten von ihnen starben eines schimpflichen und schmerzlichen Todes wegen ihres Glaubens. Wir haben mehr und besseres Zeugnis fĂŒr diese Tatsache als fĂŒr irgend etwas, was in der heiligen oder profanen Geschichte geschrieben steht. O! wie sollten wir uns freuen, wir, die wir unser Heil ganz an Christus hĂ€ngen, dass es ĂŒber jeden Zweifel festgestellt ist, dass „Christus auferstanden ist von den Toten.“

Aber ihr könnt gleich zu Beginn fragen: „Wie kommt es, dass die Auferstehung Christi von so großer Wichtigkeit ist?“ Auf ihr, haben wir gesagt, ruht das ganze Christentum; denn: „Ist aber Christus nicht auferstanden, so ist unsere Predigt vergeblich, so ist auch euer Glaube vergeblich; so seid ihr noch in euren SĂŒnden.“ (1 Kor. 15,14.17.) Die Gottheit Christi findet ihren sichersten Beweis in seiner Auferstehung, da der Apostel in Röm. 1,4 sagt: Christus sei „als Sohn Gottes durch den Geist, der heiligt, bestĂ€tigt, seit Seiner Auferstehung von den Toten.“

Es wĂŒrde nicht unvernĂŒnftig sein, an seiner Gottheit zu zweifeln, wenn Er nicht auferstanden wĂ€re. DarĂŒber hinaus hĂ€ngt Christi Herrschaft von seiner Auferstehung ab, denn die Schrift erklĂ€rt: „Dazu ist Christus auch gestorben und auferstanden und wieder lebendig geworden, dass Er ĂŒber Tote und Lebendige Herr sei.“ (Röm. 14,9.) Auch unsere Rechtfertigung, dieser köstliche Segen des Bundes, hĂ€ngt von Christi Auferstehung ab. „Er wurde wegen unserer SĂŒnde dahingegeben, und um unserer Gerechtigkeit willen wurde er auferweckt.“ (Röm. 4, 25.)

Nein, mehr noch, sogar unsere Wiedergeburt hĂ€ngt von seiner Auferstehung ab, denn Petrus, der durch den Heiligen Geist spricht, ruft aus: „Gelobt sei Gott und der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit zu einer lebendigen Hoffnung wiedergeboren hat durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten.“ (1 Pet. 1, 3.) Und sicher beruht unsere kommende Auferstehung darauf; denn „So nun der Geist dessen, der Jesus von den Toten auferweckt hat, in euch wohnt; so wird auch der, der Christus von den Toten auferweckt hat, eure sterblichen Leiber lebendig machen, weil sein Geist in euch wohnt.“ (Röm. 8, 11.) Wenn Christus nicht auferstanden ist, dann werden wir nicht auferstehen; aber wenn Er auferstanden ist, so sind die, die in Christus schlafen, nicht umgekommen, sondern sollen in ihrem Fleisch Gott schauen.

Es wĂŒrde nicht schwierig sein, diese AufzĂ€hlung noch weiter fortzufĂŒhren. Die Sache ist die, dass der Silberfaden der Auferstehung durch alle Segnungen lĂ€uft von der Wiedergeburt weiter bis zur ewigen Herrlichkeit und sie alle zusammenbindet. Es ist Zeit, weiterzugehen und tiefer in den Text einzudringen. „Nun aber ist Christus auferstanden von den Toten, und der Erstling geworden unter denen, die da schlafen.“ Lasst mich eure Aufmerksamkeit zuerst auf die Bilder lenken, die hier von dem Tod der Heiligen gegeben werden. Dann wollen wir das VerhĂ€ltnis, das zwischen der Auferstehung Christi und der Auferstehung der Heiligen besteht, betrachten; und ehe wir den Gegenstand verlassen, werden wir einige praktische ErwĂ€gungen anregen, die aus der uns vorliegenden Lehre entspringen.

I.

Zuerst also gibt der Text eine Ansicht des Todes, die in der Schrift normal ist, aber unter uns nicht genĂŒgend angenommen wird. Der Text gibt zwei Ansichten vom Tod. Der Tod wird hier mit einem Schlaf verglichen. „Der Erstling geworden unter denen, die da schlafen;“ aber außerdem werdet ihr deutlich wahrnehmen, dass er auch einem SĂ€en verglichen wird; denn Christus wird hier als die Erstlingsfrucht dargestellt. Nun, wenn eine Ernte da ist, so muss ein SĂ€en dagewesen sein. Wenn die Auferstehung Christi die erste Frucht ist, dann muss die Auferstehung der ErwĂ€hlten als eine Ernte betrachtet werden, und der Tod wird deshalb sinnbildlich als ein SĂ€en dargestellt.

1. Zuerst also haben wir das Bild vor uns, das so hĂ€ufig in der Schrift gebraucht wird von dem Tod als einem Schlaf. Wir mĂŒssen keinen Irrtum begehen, indem wir uns einbilden, dass die Seele schlĂ€ft. Diese Ketzerei wurde einst von einer großen Anzahl Personen angenommen; sie ist lĂ€ngst verworfen als unvereinbar mit natĂŒrlicher und mit geoffenbarter Religion. Die Seele wird keiner Reinigung durch das Fegefeuer und keinem vorbereitenden Schlummer im Limbus der VĂ€ter unterworfen; ohne Zweifel ist: „Heute wirst du mit mir im Paradies sein,“ das, was Christus jedem sterbenden Heiligen zuflĂŒstert. Sie schlafen in Jesus, aber ihre Seelen schlafen nicht; sie sind vor dem Throne Gottes, preisen Ihn Tag und Nacht in seinem Tempel – singen Ihm Halleluja, der sie von ihren SĂŒnden mit seinem Blut gewaschen hat. Es ist der Leib, der in seinem einsamen Bett von Erde schlĂ€ft unter der Decke von Gras, mit dem feuchten Lehm als Kopfkissen.

Aber was ist dieser Schlaf? Wir alle wissen, dass die erste Vorstellung, die mit Schlaf verbunden wird, die der Ruhe ist; das ist zweifelsfrei gerade der Gedanke, den der Geist uns vermitteln wollte. Die Augen des Schlafenden schmerzen nicht mehr vom grellen Licht oder vom Strom der TrĂ€nen; seine Ohren werden nicht mehr geplagt von dem LĂ€rm des Streites oder dem Murren des Leidens; seine Hand ist nicht mehr geschwĂ€cht durch lange andauernde Anstrengung und schmerzliche MĂŒdigkeit; seine FĂŒĂŸe sind nicht mehr wund vom Hin- und Herwandern auf rauher Straße; dort ist Ruhe fĂŒr den schmerzenden Kopf, fĂŒr ĂŒberanstrengte Muskeln, ĂŒberreizte Nerven, schlaffe Gelenke, keuchende Lungen und schwere Herzen in der sĂŒĂŸen Stille des Schlafes. Auf jenem Lager, wie hart es auch ist, schĂŒttelt der Arbeiter seine MĂŒhe ab, der Kaufmann seine Sorge, der Denker seine Schwierigkeiten und der Leidende seine Schmerzen. Der Schlaf macht jede Nacht zu einem Sabbat fĂŒr den Tag. Der Schlaf schließt die TĂŒr der Seele zu und lĂ€sst alle Eindringlinge eine Weile warten, damit das königliche Leben drinnen in seinen Sommergarten der Ruhe eingehen kann. Von dem Schweiß seines Angesichtes wird der Mensch durch den Schlaf befreit, und die Dornen und Disteln hören auf, sein Fleisch zu zerreißen.

So ist es mit dem Leibe, wĂ€hrend er im Grabe schlĂ€ft. Die MĂŒden sind in Ruhe; der Knecht ist ebenso ruhig wie sein Herr. Der Galeerensklave fĂŒhrt nicht mehr das Ruder, der Neger vergisst die Peitsche. Nun lehnt sich der Arbeiter nicht mehr auf seinen Spaten, nun stĂŒtzt der Denker nicht mehr das sinnende Haupt. Das Rad steht still, das Weberschiffchen ist nicht mehr in Bewegung, die Hand, die es drehte und die Finger, die es lenkten, sind auch ruhig. Der Leib und alle seine Glieder finden, dass das Grab ein Lager von hinreichender LĂ€nge und Breite ist. Der Sarg schließt alle Störung, Arbeit oder Anstrengung aus. Der abgearbeitete GlĂ€ubige schlĂ€ft ruhig, wie das Kind, das von seinem Spiel ermĂŒdet ist, wenn es die Augen schließt und an seiner Mutter Brust entschlummert. O! glĂŒcklich sind die, die „in dem Herrn sterben; sie ruhen von ihrer Arbeit und ihre Werke folgen ihnen nach.“

Wir wollen nicht schwere Arbeit scheuen, denn obwohl in sich selbst ein Fluch, so ist sie doch, wenn sie geheiligt ist, ein Segen; aber Arbeit um der Arbeit willen wĂŒrden wir nicht wĂ€hlen, und wenn Gottes Werk getan ist, sind wir froh, zu denken, dass unser Werk auch getan ist. Der mĂ€chtige Herr der Ernte wird, wenn wir unsern Tag erfĂŒllt haben, seine Knechte ruhen heißen auf dem besten der Betten, denn die Schollen des Tales werden ihnen sanft sein. (Hiob 21, 33.) Ihre Ruhe soll nie unterbrochen werden, bis Er sie aufweckt, um ihnen ihren vollen Lohn zu geben.

DarĂŒber hinaus sehen wir den Schlaf als eine Zeit des Vergessens an, und auch darin bildet er den Tod ab. „Ihr GedĂ€chtnis und ihre Liebe sind verloren;“ sie „kennen nicht und sind nicht gekannt.“ Ihre Söhne kommen zu Ehren, und sie wissen es nicht; oder ihr Same artet aus, aber es verursacht ihnen keinen Kummer. Lasst Armeen ĂŒber ihre GrĂ€ber marschieren – ihr Fußtritt wird sie nicht mehr stören als das Kriechen eines Wurms; lasst das Gewölbe des Himmels von den flammenden Blitzen Gottes erleuchtet werden, lasst die Erde beben bei der furchtbaren Stimme des Donners, lasst die Zedern zerbrochen, die Felsen zertrĂŒmmert werden, lasst das Meer toben und was in ihm ist; dort, unter ihren grĂŒnen HĂŒgeln schlummern sie so friedlich, als wĂ€re es ein milder Sommerabend, wo das Summen einer Biene oder das Flattern einer Fliege die einzigen Laute sind.

Der Toten mag von ihren Verwandten gedacht werden, aber sie selber denken nicht mehr. Sie haben die Freuden und die Leiden vergessen, den Frieden und den Streit, die Niederlagen und die Siege der Zeit. Die Seele vergisst nicht, und wir haben keine Ursache, zu glauben, dass die VerklĂ€rten nicht wissen, was auf der Erde geschieht. Wir haben weit mehr Beweise, dass sie „erkennen, gleichwie sie erkannt sind,“ dass sie immer noch Gemeinschaft mit der lebendigen Gemeinde auf Erden haben, und dass die triumphierende Gemeinde nicht von der streitenden Gemeinde getrennt ist, was die Kenntnis anlangt; aber was ihre Körper betrifft, was kennen ihre Körper? Was versteht der menschliche Organismus nun? Nehmt den SchĂ€del auf; seht, ob irgendein GedĂ€chtnis da ist. Blickt auf den Platz, wo einst das Herz war, und seht, ob noch irgendeine Spur von GefĂŒhl da ist. Versucht, irgendwelche lebendige Kohlen unter jenem Aschenhaufen zu entdecken, ein Herz, das noch vor Freude bebt, oder ein Auge, das feucht vom Schmerz ist.

Aber noch eins: Der Schlaf hat seinen Zweck und sein Ziel. Wir schließen nicht ohne Absicht unsere Augen und öffnen sie nicht ohne Gewinn. Der alte Kessel der Medea hat seine volle Bedeutung im Schlaf. In den alten Überlieferungen lesen wir, dass Medea, die Zauberin, die Glieder alter Menschen in ihren Kessel warf, damit sie jung wieder herauskĂ€men. Der Schlaf tut dies auf seine Weise. Wir sind oft alt genug nach Stunden des Nachdenkens und der Arbeit, aber wir schlafen und wir wachen erfrischt auf, als wenn wir ein neues Leben begönnen. Die Sonne beginnt einen neuen Tag, wenn sie aus dem östlichen Meer aufsteigt; und wir beginnen ein neues Leben in erneuerter Kraft, wenn wir von dem Lager der stillen Ruhe aufstehen. „Der MĂŒden sĂŒĂŸe StĂ€rkung, balsamischer Schlaf.“

Nun, genau so ist die Wirkung des Besuches, den der Leib seinem Grab abstattet. Die Gerechten werden ganz mĂŒde und matt in ihre GrĂ€ber gelegt; aber so werden sie nicht auferstehen. Sie gehen hinein mit der gefurchten Stirn, der hohlen Wange, der runzligen Haut; sie werden aufwachen in Schönheit und Herrlichkeit. Der alte Mann schwankt dahin, auf seinen Stab gelehnt; der GelĂ€hmte kommt dahin und zittert den ganzen Weg entlang; der Hinkende, der Verdorrte, der Blinde reisen in trauriger Pilgerschaft zu dem gemeinsamen Schlafsaal; aber sie werden nicht gebeugt vor Alter, missgestaltet oder krank auferstehen, sondern stark, krĂ€ftig, aktiv, herrlich, unsterblich. Der verschrumpelte Same, so ganz ohne Gestalt und Schönheit, soll aus dem Staub als schöne Blume auferstehen. Ein grĂŒner Halm, ganz frisch und jung, soll aufsprießen, wo vorher das trockene, welke Korn war.

Die heiligen MĂ€rtyrer sagten ganz richtig, wenn ihre Glieder abgerissen wurden: „Wir geben freudig diese Glieder dem Gott zurĂŒck, der sie uns gab.“ Unsere Glieder sind nicht unser, damit wir sie behalten oder verlieren könnten, keine Marter kann sie uns wirklich rauben; denn wenn wir nach dem Bild Christi erwachen, so wird es nicht lahm oder hinkend sein, sondern voll Kraft und StĂ€rke und schöner als die irdischen Menschenkinder. Der Winter des Grabes wird bald dem FrĂŒhling der Auferstehung und dem Sommer der Herrlichkeit weichen. Gesegnet ist der Tod, da er allen Zwecken der Arznei fĂŒr diese sterbliche HĂŒlle entspricht und durch die göttliche Kraft die aussĂ€tzigen Fleischlappen von uns nimmt, um uns in das Hochzeitsgewand der Unverweslichkeit zu kleiden.

Eine Bemerkung muss unserer Beachtung nicht entgehen – dies ist kein Schlummer mit TrĂ€umen. Der Schlaf einiger Menschen ist mehr ermĂŒdend als erfrischend. Ungebetene Gedanken stehlen das Lager unter ihnen weg und werfen sie auf die Folter. Die unfreiwillige TĂ€tigkeit der Seele hĂ€lt uns manchmal davon ab, Ruhe im Schlaf zu finden. Aber so ist es nicht mit den teuren Abgeschiedenen. In diesen Schlaf des Todes können keine TrĂ€ume kommen; sie fĂŒhlen auch keinen Schrecken, wenn sie sich fĂŒr dieses letzte Bett entkleiden, denn keine Phantome, Visionen oder nĂ€chtliche Schrecken sollen ihren Frieden stören. Ihre Körper ruhen im tiefsten Schlummer. Es ist Schlaf in der Tat, so wie der Herr ihn gibt, „denn Er gibt seinen Freunden Schlaf.“

Ebenso wenig sollten wir ihn als einen hoffnungslosen Schlaf betrachten. Wir haben Personen schlafen sehen, die durch lange Krankheit ausgemergelt waren, und haben gesagt: „Dieses Auge wird sich nie wieder öffnen; er wird sich aus der Zeit in die Ewigkeit hineinschlafen;“ wir haben gefĂŒhlt, dass der Schlaf das Vorspiel zu dem ewigen Schlummer war und wahrscheinlich in diesen ĂŒbergehen wĂŒrde. Aber es ist hier nicht so. Sie schlafen einen gesunden Schlaf, der nicht durch einen todbringenden Trank oder durch eine grausame Krankheit ĂŒber sie geworfen ist, sie schlafen, um zu erwachen und nicht den zweiten Tod zu sterben. Sie schlafen, um zu erwachen – in freudiger Gemeinschaft zu erwachen, wenn der Erlöser am letzten Tag auf der Erde steht. Schlaft fort also, ihr Diener des Herrn, denn wenn ihr schlaft, so wird es besser mit euch.

 

Liebe Freunde, sollte nicht diese Ansicht vom Tod als einem Schlaf uns abhalten, ihn in einem so abstoßenden Lichte zu betrachten? Ich weiß, wir lieben es nicht, Leichen anzusehen; wir haben Angst, sie zu berĂŒhren; einige törichte Personen mögen nicht in demselben Haus mit einem Leichnam sein, wenigstens nicht allein oder nachts. Es ist Grauen verbunden mit den Ruinen unseres irdischen Hauses. FĂŒhltet ihr je Grauen vor einem schlafenden Kind? FĂŒhlt ihr irgendeine Art von Furcht vor eurer schlafenden Mutter oder eurem schlummernden Gatten oder Gattin? Habt ihr es je als etwas Schreckliches gefĂŒhlt, den Vorhang vor jenem kleinen Bettchen zurĂŒckzuziehen und auf das liebliche, junge Gesicht zu blicken, wenn die Augen in glĂŒcklichem Schlaf geschlossen waren? O, weshalb solltest du es denn fĂŒr schrecklich halten, auf die Stirn des schlafenden GlĂ€ubigen zu blicken? Sicher, es sind die Merkmale der Verwesung da, die der Natur nicht angenehm sind; aber sind sie nicht die Fußstapfen des zurĂŒckweichenden Feindes und Zeichen, dass das Verwesliche vergeht, um Raum fĂŒr das Unverwesliche zu machen? Bezeugen nicht gerade diese Merkmale, die die Form verunstalten, dass das zerrissene, vom Rauch geschwĂ€rzte Zelt Kedars abgebrochen wird, damit die VorhĂ€nge Salomos an seiner Stelle glĂ€nzen mögen und die Seele darin wie in einem schönen Zelt wohnen? O, blickt nicht auf die Abgeschiedenen, als wĂ€ren sie tot, sondern sprecht von ihnen, wie Christus von seinem Freunde: „Lazarus, unser Freund, schlĂ€ft;“ lasst die Ohren eures Glaubens den Meister sagen hören: „Ich gehe hin, damit ich ihn auferwecke.“ Lasst euch das Grab nicht grauenhafter scheinen als euer Schlafzimmer.

Lasst in keinem Falle eine solche Ansicht ĂŒber den Tod der Erlösten da sein, dass ihr sie wieder zurĂŒckwĂŒnscht. Wollt ihr wĂŒnschen, wenn euer Freund lange in quĂ€lendem Schmerz lag und zuletzt in Schlaf fĂ€llt, ihn in seinem Bett zu rĂŒtteln, ihn aufzuwecken, um ihm eine dumme Geschichte zu erzĂ€hlen? Nein, ihr habt stundenlang gewacht und gesagt: „O, dass er ein wenig Schlaf haben könnte! Arzt, kannst du nicht diesem armen, gemarterten Körper etwas Schlaf geben?“ Und zuletzt habt ihr gesagt: „Gott sei Dank, seine Augenlider sinken; sprecht leise; geht sanft, er schlĂ€ft!“ Und ihr habt fast Angst gehabt, euren Fuß auf den Fußboden zu setzen, damit ihr nicht den Schlaf unterbrecht. Und nach all dem Schmerz, dem Leiden, der Versuchung und der PrĂŒfung eurer Freunde, wĂŒnscht ihr sie aufzuwecken? Eher, denke ich, sagt ihr: „Ich beschwöre euch, ihr Töchter Jerusalems, dass ihr ihn nicht regt oder aufweckt, bis es Jesus gefĂ€llt; lasst ihn schlafen, solange die Nacht wĂ€hrt; und dann wird er durch die Posaune des Erzengels und die Stimme Gottes am Morgen erwachen, wenn die Sonne ĂŒber der Erde aufgegangen ist“.

2. Der Text gewĂ€hrt uns aber noch ein zweites Bild. Der Tod wird mit einem SĂ€en verglichen. Die schwarze Erde ist gepflĂŒgt; trocken aussehende Samen werden in einen Korb getan, der Landmann geht aus und streut mit beiden HĂ€nden rechts und links seine Handvoll Samen aus. Wohin sind die Körner gefallen? Sie sind in die Spalten der Erde gegangen. Die Schollen werden bald hineingeeggt werden, und sie werden verschwinden.

So ist es mit uns. Unsre Körper sind wie jene trockenen Weizenkörner. Es ist nicht viel Schönes in einem Weizenkorn und auch nicht in unsern Körpern. In der Tat, Paulus nennt sie: „Diese schĂ€ndlichen Leiber.“ Der Tod kommt: wir nennen ihn einen Schnitter – merkt euch, ich nenne ihn einen SĂ€mann – und er nimmt diese unsere Leiber und sĂ€t sie ĂŒberall in die Erde. Geht auf den Kirchhof und seht sein Feld; beachtet, wie dicht er seine Furchen besĂ€t hat! Wie nahe hat er die Reihen aneinander gezogen! Was fĂŒr schmale Streifen hat er an dem Ende ungepflĂŒgt gelassen! Wir sagen: sie sind da begraben; ich sage: sie sind gesĂ€t. Sie sind tot, sagen wir; nein, sage ich, sie sind in die Erde gelegt – aber sie sollen nicht fĂŒr immer da bleiben. In einem gewissen Sinn sind diese heiligen Leiber der Gerechten tot; „denn das, was du sĂ€st, wird nicht lebendig, es sei denn, es stĂŒrbe,“ aber es ist kein Tod zum Tod, sondern eher ein Tod, der zum Leben fĂŒhrt.

Jener vermodernde Leib ist nicht mehr tot als jener verwesende Same, den du gerade in sein Erdenbett gesĂ€t hast, er wird bald wieder aufsprießen und du sollst eine Ernte sehen. Wir verlieren die aus dem Auge, die von uns gegangen sind, denn es muss ein BegrĂ€bnis da sein, wie könnte sonst der Same wachsen? Sicher, es ist niemals ein angenehmer Ton, dieses Rasseln der Erde auf dem Sargdeckel: „Erde zu Erde, Staub zu Staub, Asche zu Asche,“ ebenso wenig wĂŒrde es fĂŒr den Landmann etwas sehr Angenehmes sein, das Korn in die dumpfe, kalte Erde zu legen; doch ich glaube, kein Landmann weint, wenn er seinen Samen sĂ€t. Wir haben nicht die SĂ€er stöhnen und seufzen hören, wenn sie ihre Körbe mit Saatkorn ausstreuen; wir haben sie vielmehr ein fröhliches Lied singen hören und gehört, dass sie schon im Voraus die Freude der Schnitter fĂŒhlten, wenn sie die Furchen entlanggingen. Habt ihr sie in Schwarz gekleidet gesehen oder die dĂŒsteren Trauerkleider tragen, wĂ€hrend sie die braunen Furchen der fruchtbaren Erde entlang gehen? Wir rĂ€umen ein, dass es an sich nichts Weises oder Fröhliches wĂ€re, das köstliche Korn unter toten Erdschollen zu begraben, aber im Licht der Ernte gesehen, wegen der ein BegrĂ€bnis da sein muss und danach FĂ€ulnis und Verwesung, da verlieren diese alle Spuren der Trauer und werden Propheten der Freude.

Der Leib muss die Speise der WĂŒrmer werden; er muss in seine frĂŒheren Elemente aufgelöst werden, denn „du bist Erde und sollst zur Erde werden,“ aber dies ist nicht mehr unser Schmerz, denn sie werden „in Christus alle lebendig gemacht werden.“ Wir wollen nicht einmal trauern wegen des Geruchs und der Verwesung des Todes. Der Lebenskeim im Weizenkorn muss beginnen, von der Nahrung zu zehren, die fĂŒr ihn aufbewahrt ist, eine Art Verwesung muss stattfinden; aber ich glaube, kein Landmann weint je, weil der Same, den er in die Erde legte, aufgeschwollen ist und seine frĂŒhere Form und Gestalt verloren hat. Er trauert nicht, wenn ihm gesagt wird, dass der Same, den er in den Boden senkte, den Tod erleidet, der fĂŒr sein kĂŒnftiges Wachsen nötig ist, sondern er freut sich in geduldiger Hoffnung. Warum denn, ihr WĂŒrmer, solltet ihr mich zum Weinen zwingen? Und warum, Verwesung, solltest du mich seufzen machen? Eher will ich euch meine BrĂŒder und meine Mutter nennen, denn euer freundliches Dunkel ist nur ein Teil des Weges zur Unsterblichkeit.

Nach dem SĂ€en der Verwesung kommt ein Aufsprießen, und der Landmann bemerkt in ein paar Wochen den kleinen, grĂŒnen Halm, den Sohn des begrabenen Lebens. So ist es auch mit den Toten. Bald (und wie bald wissen wir nicht), soll das Aufsprießen kommen. Wir werden so sehen, dass sie nicht verloren waren, sondern nur dem Grab ĂŒbergeben in Bereitschaft fĂŒr „die Erlösung“; hingelegt, damit unsere Seelen sie, wenn wir wieder mit ihnen vereinigt sind, in einer besseren und edleren Form erhalten. Liebe Freunde, wenn der Tod das ist, wenn er nur ein SĂ€en ist, so lasst es vorbei sein mit allem glaubenslosen, hoffnungslosen, gedankenlosen Schmerz. „Die Kornkammer ist leer“, sagt der Landmann. Ja, aber er seufzt nicht darĂŒber; denn der Same ist in den Boden gelegt, damit die Kornkammer wieder gefĂŒllt werde. „Unser Familienkreis ist zerbrochen,“ sagst du. Ja, aber nur zerbrochen, damit er wieder neu gebildet wird. Du hast einen lieben Freund verloren: ja, aber diesen Freund hast du nur verloren, damit du ihn wiederfindest und mehr findest, als du verloren hast. Sie sind nicht verloren; sie sind gesĂ€t. Und wie „Licht gesĂ€t wird fĂŒr die Gerechten,“ so sind die Gerechten fĂŒr das Licht gesĂ€t.

II.

Wir wollen nicht lĂ€nger bei diesem Punkt verweilen, sondern euch rasch zum zweiten tragen, nĂ€mlich der Verbindung zwischen der Auferstehung Christi und der Auferstehung der GlĂ€ubigen. Der Text sagt uns, dass Christus „die Erstlingsfrucht ist unter denen, die da schlafen.“ Einige Christen freuen sich sehr in der Hoffnung, dass sie noch „leben und ĂŒberbleiben“ können bei dem Kommen Christi und so niemals sterben. Ich bekenne, ich freue mich sehr in der Hoffnung, dass Christus kommen wird, aber die Aussicht, niemals zu sterben, hat gar keinen Reiz fĂŒr mich, denn mir scheint, die, die niemals sterben, verlieren ein großes Vorrecht; wenigstens scheint es unserem Verstehen so, denn Christus ist „die Erstlingsfrucht unter denen, die da schlafen.“ O, dann ist es etwas Gesegnetes, zu schlafen, damit Christus zu uns in dem VerhĂ€ltnis der Erstlingsfrucht stehen möge. Die, die niemals sterben, können kaum soviel Gemeinschaft mit Christus in seinem Tod kennen wie die, die in Jesus entschlafen sind. WĂ€hrend ihr und ich, die den Nadelstich des Todespfeiles fĂŒhlen, imstande sein werden, in der Ewigkeit zu sagen: „Auch ich ging durch das Grab hindurch. Er war mit mir, als ich durch das Tal des Todesschattens ging; ich lernte in meiner eigenen Person einen Tod und auch eine Auferstehung kennen, die ihr, die ihr niemals starbt, nur vom Hörensagen und ErzĂ€hlen kennt.“ O, glĂŒcklich die, die sterben. Die, die leben und ĂŒberbleiben, sollen ihnen nicht in irgendeinem Vorrecht oder einer Ehre zuvorkommen.

Aber was wird darunter verstanden, dass Christus die „Erstlingsfrucht“ ist? Ihr werdet euch erinnern, dass es ein Fest der Juden gab, das das Fest der Erstlinge genannt wurde, wenn die erste Garbe der Ernte gebracht wurde als ein Zeichen des Ganzen und zuerst zum Himmel emporgehoben wurde als ein Hebeopfer und dann hin- und hergewoben als ein Webeopfer und so Gott geweiht wurde als Zeichen der Dankbarkeit der Ackersleute fĂŒr die Ernte, die der Herr gegeben hatte. Nun, das geschah am ersten Tage der Woche. Ihr werdet euch erinnern, dass das Passah zuerst gefeiert wurde; dann kam ein Sabbat; nach diesem kam dann das Fest der Erstlinge. So starb Christus am Passahtag; Er, als das geschlachtete Lamm Gottes, als Gottes Passahlamm, starb genau zur Passahzeit; am nĂ€chsten Tag war die Sabbatsruhe: Christi Leib blieb deshalb im Grab; dann frĂŒh am Morgen des ersten Tages, ehe es noch hell war, wĂ€hrend die Sonne ĂŒber der Erde aufging, stand Jesus auf – am Morgen des Festes der Erstlinge; und so wird Er geoffenbart als die gesegnete Webgarbe, die der ganzen Ernte vorangeht und sie weiht.

Aber der ununterrichtete GlĂ€ubige bittet mich, dies genauer zu erklĂ€ren. Geliebte, erinnert euch, dass Christus der erste war, der von den Toten auferstand. Ihr werdet mir Henoch und Elia nennen. Wir antworten, dass sie niemals starben, sondern weggenommen wurden, damit sie nie den Tod sehen sollten. Ihr werdet mich an den Sohn der Witwe erinnern, den Elia erweckte, und den JĂŒngling, der von Elisa wieder ins Leben gerufen wurde. Ja, aber diese FĂ€lle gehören nicht zur Sache. Sie wurden erweckt, aber sie starben wieder. Alle Beispiele im Alten Testament sind nur zeitweilige Wiederherstellungen, auch die im Neuen Testament. In keinem Fall, außer dem des Lazarus, war einer von ihnen schon begraben, so dass keiner von ihnen aus dem Grab kam; und selbst Lazarus wurde nur lebendig, um wieder zu sterben; er hatte einen Urlaub vom Grab; aber nach Ablauf der festgesetzten Zeit wurde sein Leib dem verordneten HĂŒter ĂŒbergeben.

Christus war der erste, der wirklich auferstand, um nicht mehr zu sterben. Er fĂŒhrt den Vortrab durch den dunklen Engpass, und sein Antlitz grĂŒĂŸt zuerst das Licht der Gefilde des Himmels jenseits des Dunkels. Menschen bewundern den Mann, der zuerst ein neues Land entdeckt. Der Name des Kolumbus ertönt in den Ohren der Jahrhunderte, weil er zuerst ĂŒber das stĂŒrmische Meer fuhr, eine andere Welt zu gewinnen. O, dann singt es in Liedern, lasst es mit Posaunenton erschallen bis an die Enden der Erde – Christus ist der erste, der aus dem Rachen des Todes wiederkehrte, um von Unsterblichkeit und Licht zu zeugen.

Er ist auch der erste der Ursache nach; denn wenn Er aus dem Grab zurĂŒckkommt, bringt Er alle seine Nachfolger hinter sich in einem glorreichen Zug. Wir lesen in der alten Mythologie von Herkules, dass er in den Hades hinabstieg und seinen Freund heraufbrachte. Nun, Christus ging dorthin und gab dem Zerberus keinen Brocken, sondern schlug ihm den Kopf ab. Wie eine Sonne leuchtete Er plötzlich auf ĂŒber der Nacht des Todes und zerstreute seine Finsternis. Wie Simson in Gaza hob Er die Tore des Todes auf und trug die Riegel des Grabes fort. Wie David befreite Er seine Herde aus dem Rachen des Löwen, nahm das Ungeheuer beim Bart und erschlug es. Wie Abraham kehrte Er triumphierend aus der Schlacht der Könige zurĂŒck. Wie Moses fĂŒhrte Er Israel aus dem Haus der Knechtschaft. Mit zehntausend mal zehntausend kam Er heraus mit hoher Hand und ausgestrecktem Arm. Wer ist der, der heraufkommt aus dem Land der Finsternis – von den Toren des Grabes? Wer ist der, der hinter sich den grimmigen FĂŒrsten der Reiche des Todesschattens gefangen fĂŒhrt? Wer ist der, so stark, so mĂ€chtig, dass diamantene Mauern vor Ihm fallen und eherne Pforten zerbrechen? Er ist es! Er ist es! Es ist derselbe Sieger, der erst von Edom kam, mit rötlichen Kleidern von Bazra. Dem Sieg am Kreuze folgt ein Sieg in dem Grab. Er, der den Himmel fĂŒr die Erde gewann, als Er starb, gewann den Himmel fĂŒr die Toten, als Er ins Grab hinunterstieg. Lasst sein Lob erschallen; verkĂŒndet seine Siege; lasst den Himmel selber mit einstimmen; Er hat „das GefĂ€ngnis gefangen gefĂŒhrt,“ dem Grab die Beute abgenommen, und dem Tod seinen Stachel geraubt. Er ist der Tod des Todes und die Zerstörung der Hölle.

Aber dann weiter, Er ist der erste als BĂŒrgschaft. Die Erstlingsfrucht war eine BĂŒrgschaft der Ernte. „Woher, o Ackersmann, hast du jene Garbe gebracht?“ „Ich sammelte sie,“ antwortet er, „von den Feldern voll wallenden Korns.“ „Es ist wahr,“ sagt der Priester, „die Ernte ist reichlich dieses Jahr, und voll und vielfĂ€ltig sind die Ähren, denn diese Garbe legt ein gutes Zeugnis ab. Woher, o göttliche Macht, bringst Du diese glorreiche Garbe, diesen Leib unseres Herrn, so glĂ€nzend und herrlich?“ Woher bringst Du Ihn, o Geist des Herrn? Ist eine Ernte da von vielen solchen Garben wie diese? „Ah, sicher,“ spricht der Lehrer, „dies ist nur eine unter vielen, der Erstgeborene unter vielen BrĂŒdern.“ Wir wissen sehr wohl, dass eine herrliche Ernte von Auferstehungsgestalten und unsterblichen Leibern da sein muss, weil Jesus Christus, in Unsterblichkeit und Licht gekleidet, unter den Menschenkindern als BĂŒrgschaft fĂŒr alle anderen wandelt.

Er war auch die Erstlingsfrucht, nicht nur als eine BĂŒrgschaft, sondern als der Vertreter des Ganzen. Wenn die Erstlingsgarbe vor Gott gewebt wurde, so wurde das gesehen, als wenn die ganze Ernte in das Heiligtum gebracht wĂ€re; sie war ganz gewidmet, ganz geweiht von dieser Stunde an. So weihte Christus, als Er aus dem Grab auferstand, als Hebeopfer und unter dem Volk, unter seinen JĂŒngern umherging als Webeopfer, die ganze Ernte. Alle gerechten Toten waren dem Wesen nach in Ihm erstanden; alle erwĂ€hlten Glieder seines Leibes hatten eine Auferstehung, da ihr Haupt als „wahrhaftig auferstanden“ erschien; und darĂŒber hinaus waren sie alle Gott dadurch gewidmet und geweiht, dass Er als Erstlingsfrucht dem Höchsten geweiht war. Triumphiert, ihr Kinder Gottes, triumphiert darĂŒber! Ihr seid heute in Christus auferstanden. Wir sehen die Heiligen nicht als schon zum Himmel gefahren; wir sehen ihre Gebeine verdorrt auf dem Feld, und wir fragen: „Können diese verdorrten Gebeine wieder lebendig werden?“ Aber wir sehen Jesus, der ein wenig niedriger als die Engel gemacht wurde, um den Tod zu erleiden, und wir wissen, dass Er auferstanden ist und zur Rechten des Vaters sitzt, und durch den Glauben fĂŒhlen wir, dass Er uns als unser Bundeshaupt mit sich auferweckt hat und uns in das himmlische Wesen versetzte in Ihm selber, denn Er ist das Haupt der Gemeinde ĂŒber alles, die sein Leib ist, nĂ€mlich die FĂŒlle dessen, der alles in allem erfĂŒllt. Zweifle niemals, GlĂ€ubiger, an deiner Auferstehung, da der zweite Adam aus den Fesseln des Grabes gelöst wurde.

III.

Und nun wollen wir enden, indem wir noch den Einfluss betrachten, den die ganze Lehre von der Auferstehung und der Verbindung Christi damit auf unsern eigenen Geist hat.

Zuerst, lasst uns auf die Heiligkeit unseres Leibes achten. „Wisst ihr nicht, dass euer Leib ein Tempel des Heiligen Geistes ist?“ „Wenn jemand den Tempel Gottes verdirbt, den wird Gott verderben.“ Wir glauben nicht an geweihte Kirchen; wir halten es fĂŒr ganz und gar abgeschmackt, von heiligen Ziegelsteinen und Mörtel zu reden; aber wir wissen durch die AutoritĂ€t der Schrift, dass der Leib heilig ist – dass der Leib der Heiligen ebenso wirklich heilig ist, wie Menschen vorgeben, dass ihre Kirchen und Tempel es sind. Nun, BrĂŒder, wenn unsere Augen auf Eitelkeit blicken, so haben wir die Fenster des Hauses Gottes beschmutzt; wenn unsere Zungen das sprechen, was ĂŒbel ist, haben wir nicht die Pforten des Tempels Gottes entweiht? Lasst uns zusehen, dass unsere FĂŒĂŸe uns nirgendwo hintragen, wo unser Herr nicht mit uns hingehen kann, damit nicht die SĂ€ulen unseres Hauses unser Verderben werden, wie die SĂ€ulen des alten Philistertempels. Lasst uns darauf achten, dass unsere HĂ€nde nach nichts ausgestreckt werden als nach dem, was rein und lieblich ist, damit wir nicht wie Belsazar die GefĂ€ĂŸe des Tempels des Herrn entweihen. Die, die den Leib verzĂ€rteln, die auf seinen Schmuck sehen, die, die auf leibliche Gesundheit mehr achten als auf sittliche Reinheit, vergessen den höheren Zweck ihres Wesens; denn was ist im Grunde die Schönheit? Was ist die Lieblichkeit, die menschliche Kunst geben kann? Seht ihr jenen SchĂ€del? „Geh hin, bringe den in die Kammer der Dame, und sage ihr, wenn sie sich auch einen Zoll dick schminkt, so muss sie doch zuletzt diese Farbe erhalten.“ Und sagt allen, die so viel von Lieblichkeit und Schönheit halten – jene TotenbrĂ€une, die WĂŒrmer und Erde ĂŒber euch bringen werden, ist die natĂŒrliche Farbe des Menschen, und so mĂŒssen selbst die Blondesten zuletzt bronziert werden. Aber es ist noch eine andere Weise, auf eure Farbe zu achten: Seht darauf, dass eure Wange niemals vor Scham rot zu werden braucht, und dass eure HĂ€nde niemals schwarz von bösen Taten sind, und dass euer Fleisch niemals durch Wollust oder durch BerĂŒhrung mit dem Bösen befleckt wird. „Wollt ihr die Glieder Christi nehmen und Hurenglieder daraus machen?“ sagt der Apostel Paulus, als er den Menschen darauf zu sehen befiehlt, dass ihre Leiber rein und keusch sind. Wisst ihr nicht, dass sogar euer Fleisch, wenn ihr Christen seid, mit Christi Blut erkauft ist, und dass auch euer Staub wert vor seinen Augen gehalten ist.

Lasst uns die Dinge in diesem Licht anblicken und so durch den Heiligen Geist der SĂŒnde entfliehen. Was! sollen diese Augen, die eines Tages „den König in seiner Schönheit“ sehen werden, sich an Eitelkeit ergötzen? Sollen diese Lippen, die zu melodischen Liedern, „von flammenden Zungen da droben gesungen,“ gestimmt werden sollen, von dem reden, was leicht und leichtfertig ist und nicht der Erbauung dient? Was! sollen diese Finger, die die goldenen Harfen berĂŒhren sollen, sich hergeben, „allerlei Unreinheit und Geiz“ zu treiben? Nein, da wir GefĂ€hrten der Engel sein sollen und herrlicher als sie, und da diese Leiber dem Leibe Christi Ă€hnlich gemacht werden sollen, so lasst uns sie rein halten, gewaschen mit reinem Wasser durch seinen Geist, erneuert und bewahrt, damit wir uns nicht in SĂŒnde verirren.

Aber es entsteht hier noch ein anderer Gedanke. Sind wir unter denen, fĂŒr die Christus so als der Erstling stand? Denn Christus soll erst auferstehen als der Erstling, „danach die, die Christus angehören, wenn Er kommen wird.“ Wann erstehen dann aber die Gottlosen?

Es gibt zwei Auferstehungen; und „selig ist der und heilig, der Teil hat an der ersten Auferstehung, ĂŒber ihn hat der andere Tod keine Macht.“ Wenn der Herr vom Himmel kommen wird mit der Posaune des Erzengels und der Stimme Gottes, dann sollen die Toten in Christus plötzlich von ihrem Schlaf erwachen und Gott dargebracht werden als die große Ernte, das große Pfingsten, von dem Christi Auferstehung die Erstlingsfrucht war.

Was soll denn aus den Gottlosen werden? Sie sollen fortfahren, in ihren GrĂ€bern zu faulen; der Wurm soll sich von ihnen nĂ€hren; sie sollen Asche unter den FĂŒĂŸen der Heiligen sein; und wĂ€hrend die Gerechten auf dieser Erde einhergehen und auf dem Schauplatz ihres Kampfes tausend Jahre des Triumphes genießen; wĂ€hrend Christi FĂŒĂŸe zu der Zeit auf dem Ölberg stehen werden, wĂ€hrend sein Volk sich um Ihn her beugen und mit Ihm triumphierend ĂŒber die Kreatur herrschen wird, die einst der Eitelkeit unterworfen war, sollen unter ihren FĂŒĂŸen die toten Leiber ihrer gottlosen Verfolger sein, und tief unten in ihren GrĂ€bern sollen jene schĂ€ndlichen Könige und FĂŒrsten und die sorglosen Massen und Völker faulen, die Jahwe nicht kannten und seinem Sohn nicht gehorsam sein wollten. Sie sprachen: „Lasst uns seine Fesseln zerreißen und seine Seile von uns werfen.“ Und wo sind sie nun? „Der Tod nagt an ihnen, aber die Frommen werden bald ĂŒber sie herrschen, und ihr Trotz muss vergehen, in der Hölle mĂŒssen sie bleiben.“ Aber was dann? Wenn der Glanz des tausendjĂ€hrigen Reiches vorĂŒber ist, dann kommt das Ende. Der König wird sich auf den Richterstuhl setzen. Er, der kam, um mit seinem Volk zu herrschen, wird plötzlich, auf seinem Thron sitzend, seinem Engel befehlen, das letzte Gericht zu verkĂŒnden. Dann sollen gegen ihren Willen die in der Hölle gequĂ€lten Seelen vom Thopheth zurĂŒckkommen, um mit ihren ebenso schuldigen Leibern wieder vereinigt zu werden, und der, der Leib und Seele in der Hölle verderben kann, wird sprechen: „Sammelt sie in BĂŒndel, damit man sie verbrennt.“ Er wird ihr Urteil fĂ€llen: „Geht von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, das fĂŒr den Teufel und seine Engeln vorbereitet ist.“ O, dass ihr und ich unter der Ernte sein möchten und nicht unter der Weinlese. In der Offenbarung werden zwei Einsammlungen genannt, wie ihr euch erinnert. Die Ernte ist das Einsammeln der Gerechten; sie werden sorgfĂ€ltig in Gottes Scheuer gebracht. Die Weinlese ist das Einsammeln der Gottlosen; sie werden in die Kelter des Zorns des allmĂ€chtigen Gottes geworfen, und sie werden gekeltert, „bis das Blut von der Kelter bis an die ZĂ€ume der Pferde ging.“

Aber wie soll ich wissen, ob ich zu dem Teil gehöre, dessen Erstlingsfrucht Christus ist? Nun, so: Wenn Christus fĂŒr mich auferstand und ich in Ihm auferstand, so starb ich in Ihm. Seele, glaubst du, dass Christus fĂŒr dich starb? Hast du Anteil an seinen Leiden? Setzt du deine Hoffnung auf seine Todesschmerzen? VerlĂ€sst du dich auf sein Kreuz? Wenn ja, so ist Er, der fĂŒr dich starb, auch fĂŒr dich auferstanden, und du bist ein Teil jenes heiligen Teiges, dessen heiliger Anbruch Christus war. Bist du selber mit Christus gestorben? Bist du tot fĂŒr die Welt? Hasst du die Dinge, die du einst liebtest? Bist du von deinen alten VergnĂŒgungen entwöhnt? Suchst du nach etwas Höherem und Besserem? Ah! dann, wenn du mit Ihm gestorben bist, so bist du mit Ihm auferstanden. Sage jetzt, wĂŒnschst du, eins mit Christus zu sein? Denn wenn du eins mit Ihm im Herzen bist, so sollst du eins mit Ihm sein in all seinen Siegeszeichen und seiner Herrlichkeit. Sagst du: „Nein, ich kĂŒmmere mich nicht um Christus“? Seele! Seele! Wenn du in dieser Gesinnung stirbst, so wirst du keinen Teil an der ersten Auferstehung haben; sondern wenn die Gottlosen auferstehen, dann sollst du aufwachen „zur ewigen Schmach und Schande.“

Aber wenn du in deinem Herzen heute Morgen sagst: „Ich glaube, dass Jesus Christus nach der Schrift von den Toten auferstanden ist, und ich setze mein einziges und alleiniges Vertrauen auf Ihn; Er ist mein ganzes Heil und mein ganzes Verlangen,“ so gehe deines Weges; du sollst „auferstehen an deinem Teil am Ende der Tage;“ du sollst deinen Teil unter denen haben, die geheiligt sind; du sollst dich mit Ihm zusammen freuen und an seinem Hochzeitsmahl auf ewig niedersitzen. Gott gebe seinen Segen dazu, um Jesu willen. Amen.

Quelle: www.glaubensstimme.de

 

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Dieser Beitrag wurde erstellt am Sonntag 1. April 2018 um 7:46 und abgelegt unter Predigten / Andachten.