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Kirche verbietet Moslem-Mission – wie Kirche zum gesellschaftspolitischen Förderverein mutiert

Dienstag 30. Januar 2018 von Detlef Löhde


Detlef Löhde

Die Landessynode der Evangelischen Kirche im Rheinland hat am 12. Januar 2018 eine vorgelegte „Theologische Positionsbestimmung für die Begegnung mit Muslimen“ und eine Arbeitshilfe „Weggemeinschaft und Zeugnis im Dialog mit Muslimen“ mit großer Mehrheit, bei 7 Gegenstimmen und 7 Enthaltungen, beschlossen. Darin ist u.a. ausgeführt: „Der Dialog zielt auf das gegenseitige Kennenlernen, das gemeinsame Handeln, das Aushalten von Differenzen sowie eine vertiefte Wahrnehmung der je eigenen Traditionen, nicht aber auf eine Konversion zur jeweils anderen Religion“ (aus Positionsbestimmung Nr. 3).

„Die Evangelische Kirche im Rheinland hält diesen Dialog für einen kirchlichen Auftrag und ermutigt alle, die sich in Gemeinden, Kirchenkreisen und Einrichtungen in der Dialogarbeit engagieren, diese bereichernden Gespräche, Kooperationen und Modelle gemeinsamen Lebens und Arbeitens weiter zu entwickeln. In unserer säkularen und demokratischen Gesellschaft stehen Christen und Christinnen und Muslime und Musliminnen in der Verantwortung für eine positive Gestaltung des Gemeinwesens“ (aus Positionsbestimmung Nr. 4).

„Damit erscheint auch der sog. „Taufbefehl“ in einem anderen Licht. Es ist eben nicht damit gemeint, dass eine Begegnung von Christen mit Menschen anderer Religion grundsätzlich das Ziel der Bekehrung des anderen hat“ (aus Arbeitshilfe, Seite 16).

„Eine strategische Islammission oder eine Begegnung mit Muslimen in Konversionsabsicht bedroht den innergesellschaftlichen Frieden und widerspricht dem Geist und Auftrag Jesu Christi und ist entschieden abzulehnen.“ (aus Arbeitshilfe, Seite 18).

Kommentar

Mit welcher Leichtfertigkeit der Missionsauftrag Jesu Christi und damit der Kernauftrag der Kirche beiseite geschoben wird, lässt entsetzen. Welch verirrte Nächstenliebe, die die Einladung zum Heil in Jesus Christus aus Rücksichtnahme oder mangelnder Courage nicht aussprechen will und den Missions- und Taufauftrag Jesu ins Gegenteil verkehrt. Oder liegt es an mangelnder persönlicher Selbstgewissheit des Glaubens und Selbstzweifeln an der eigenen kirchlichen Verkündigung und der christlichen Botschaft? Mangelnde Authentizität muss naturgemäß das religiöse Überlegenheitsgefühl der selbstbewussten muslimischen Dialogpartner bestätigen und bestärken.

Das sich vergrößernde geistliche Vakuum, wie die immer geringere Kenntnis des christlichen Glaubens, mangelnde Kirchbesuche und konstante Austritte, soll kompensiert werden über gesellschaftliche Anpassung, gesellschaftspolitisches Korrekt-sein und Anbiedern. Aber mit solchen Mitteln wird Kirche nicht erhalten, geschweige denn wachsen. So wird Kirche nicht Kirche bleiben und sukzessive schwindet die geistliche Vollmacht der Leitungsorgane – Kirche mutiert zum gesellschaftspolitischen Förderverein.

Nun ist eine „positive Gestaltung des Gemeinwesens“ und die Gestaltung des „innergesellschaftlichen Friedens“ notwendig und zu unterstützen. Dazu gehört die Garantie der ungehinderten Religions- und Meinungsfreiheit und ein gewaltfreies Zusammenleben und Zusammenwirken. Das zu garantieren und zu fördern ist Kernauftrag des Staates. Dass ein Christ in seiner Eigenschaft als Staatsbürger mit in diese Pflicht hineingenommen ist, bedarf keiner Diskussion.

Die Kirche aber hat, unbeachtet aller gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, staatlichen Wünschen und Aufgaben, vor allem ihren Kernauftrag wahrzunehmen – den Auftrag Jesu (Mt 28,19.20): „Machet zu Jüngern alle Völker: „Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe“.

Die Feststellung der Kirchensynode, dass wer dem Missionsauftrag Jesu nachkommt, den innergesellschaftlichen Frieden bedrohe und dieses dem Auftrag Jesu widerspräche und es damit entschieden abzulehnen sei, ist schlicht  antichristlich. Solchen Satz hat man bisher nur von militanten antikirchlichen Organisationen gehört und nicht aus kirchlichen Verlautbarungen und Synodalbeschlüssen.

Dass die Botschaft Christi auch auf Widerstand stößt, hat uns schon der Herr gesagt und ist die Erfahrung der Christenheit von Anbeginn. Hier aber soll die Botschaft Christi sogar von einer Kircheninstitution gehindert werden.

Detlef Löhde, Januar 2018
Vf. ist Pfarrdiakon der SELK in Hannover

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Dieser Beitrag wurde erstellt am Dienstag 30. Januar 2018 um 9:18 und abgelegt unter Kirche, Theologie, Weltreligionen.